Hallo Andreas,
in einem Zenitspiegel ist ein Spiegel drin.
Auf einem Träger aus Glas (Plateglas, Pyrex, Quarz, Sital, ect)
ist eine reflektive Schicht aufgebracht und darüber eine dünne
witterungsresistente Schutzschicht.
Es sind Verspiegelungen mit unterschiedlicher Reflektivität erhältlich:
90% , 94% , 86% , 99%
Fast alle angegebenen Werte sind übertrieben oder bezeichnen nur
den Bestwert der Reflektivität über das Spektrum gesehen.
Ich würde mit 2% weniger als angegeben rechnen, das kommt besser hin.
Ein Zenitprisma enthält ein Prisma aus Glas (BK7, BaK4, etc).
Das Licht tritt an einer der beiden quadratischen Planflächen ein,
wird an der langen Planfläche reflektiert und verläßt das Prisma
an der anderen quadratischen Planfläche.
Beim Spiegel hängt die Qualität fast ausschließlich an der
Oberflächengenauigkeit des Verspiegelungsträgers.
Verspannungen dieses Trägers oder abweichungen von der Planizität
führen wegen des 45° Winkels im Strahlengang zu Astigmatismus.
Die Oberflächengenauigkeit ist wichtiger als die Reflektivität!
Beim Prisma hängt die Qualität an mehreren Faktoren:
1) Oberflächengenauigkeit der Reflektionsfläche
Astigmatismus durch Verspannungen kann man hier ausschließen,
aber die Vertigungsgenauigkeit der Fläche muß ebenso hoch sein
wie beim Spiegel.
2) Genauigkeit der Ein- und Aus-Trittsflächen.
Bei der Lichtbrechung ist der resultierende Wellenfrontfehler
etwa um den Faktor 4 geringer, die Anforderung an diese beiden
Flächen ist also geringer.
3) Reinheit des Glases (frei von Schlieren oder Luftbläschen)
4) Die Ein- und Aus-Trittsflächen sollten vergütet sein um
unnötigen Lichtverlust zu vermeiden.
Aus dem geschriebenen wird deutlich, daß ein Prisma bei
gleich hoher Qualität teurer sein wird als ein Spiegel.
Was wofür:
1) Es gibt Refraktoren die für einen bestimmetn Glasweg gerechnet
worden sind. Sie erreichensowohl ihre Farbreinheit als auch
die Korrektur der sphärischen Aberration bei der "Designwellenlänge"
des Teleskopes nur dann, wenn man ihnen diesen Glasweg nicht vorenthält!
Das betrifft viele klassische Teleskope, aber auch modernere
Apochromaten
wie den Zeiss APQ (obwohl es da auch Objektive für ohne Glasweg
gegeben haben soll). Außerdem gilt es für Feldstecherobjektive
und Spektive.
2) Teleskope die nicht für Glasweg gerechnet wurden werden
mit Glasweg eine Verschlechterung der phärochromasie zeigen
und eine verschlechterte Farbkorrektur aufweisen.
Das kann von unmerklich bis erheblich reichen. Lichtschwache
Teleskope mit f/15 reagieren viel weniger stark als lichtstarke
Teleskope mit f/8 oder gar f/4.
Warum macht das Öffnungsverhältnis einen Unterschied aus?
Bei einem lichtstarken Teleskop kommen die Strahlen vom Rand
des Teleskopes in einem schrägeren Winkel an der Eintrittsfläche
des Prismas an als Strahlen von der Mitte. Der Mittelstrahl
tritt ungebrochen in das Prosma ein, und tritt ungebrochen aus.
Die Randstrahlen werden beim Eintritt in die erste Fläche zum Lot
hin gebrochen, beim Austritt entsprechend vom Lot weg gebrochen.
Der Winkel ist danach wieder gleich.
Aber:
Blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes Licht.
Beim Weg durch das Prisma laufen die Farben immer weiter auseinander
und haben nach dem Austritt zwar die gleichen Winkel, weisen
aber einen lateralen Abstand auf.
Je schräger der Winkel, desto stärker der Effekt.
Einsatzmöglichkeiten:
Nun, bei Newton ist ein 45° Spiegel ja schon fest eingebaut.
Deshalb brauchst du da keine zusätzliche Umlenkung.
Und der Lichtweg würde ja auch kein weiteres Prisma erlauben,
du kämest dann nicht in den Fokus.
Man hat aber früher bei langbrennweitigen Newtonteleskopen
durchaus auch ein Prisma als 45° Spiegel verwedet(!)
Bei deinem 80mm f/11 Achromat kommt es drauf an. Kann sein,
daß es ein alter ist und er für Glasweg gerechnet wurde.
Oder eben nicht. Bei einem 1,25" Prisma/Spiegel wirst du den
Unterschied am f/11 warscheinlich nicht sehen.
Der Mak ist garantiert nicht für Glasweg gerechnet. Also Spiegel.
Aber bei f/10 kannst du auch ein Prisma einsetzen.
Schwerer als die Systemfrage wiegt die Frage nach der Qualität!
MfG,Karsten