Hallo,
Du suchst also einen Allrounder und hast Dich bereits für eine Montierung entschieden. Dazu möchte ich anmerken, dass eine parallaktische Montierung sinn macht, wenn Du ernsthaft Fotografie mit Langzeitbelichtung machen möchtest. Dabei wirst Du aber um ein Leitrohr kaum herum kommen, das die Montierung auch noch schleppen muss. Auch solltest Du nicht meinen, dass das Starbook Dir die Nachführung abnimmt, Du brauchst immer noch einen Autoguider oder must von Hand am Fadenkreuz-Okular nachführen.
Für Planetenfotografie oder nur um Goto zu haben ist eine parallaktische Montierung unnötig, allerdings sind die "azimutalen Konzepte" am Markt ziemlich unflexibel, sprich, sie sind meist auf genau ein Teleskop zugeschnitten, das damit verkauft wird. Meist steckt da ein SC in der Gabel...
Bleibt damit der Montierungswunsch bestehen?
Nun zu den konkreten Anforderungen an die Optik:
1. Allround: Deepsky/Planeten/Foto
Deepsky fordert vor allem Öffnung. Unter dunklem Himmel kann man mit weniger auskommen, so basiert der Deepsky Reiseführer in weiten Teilen auf den Möglichkeiten eines 120mm APOs, geht allerdings von sehr guten Himmelsverhältnissen aus (ausgesucht guter "Alpenhimmel" oder besser). Den 120mm Apo kann man bei der Deepsky-Beobachtung grob mit einem 150mm Newton gleichsetzen.
Ist der Himmel schlechter, so kommt man recht zügig zur Forderung von 200mm Öffnung, was aus Kostengründen und Gewichtsgründen praktisch immer als Spiegelteleskop realisiert wird.
Weiterhin wünscht man sich ein Teleskop, bei dem eine AP von 6mm bis 7mm erreichbar ist, das heißt das die Minimalvergrößerung (Öffnung in Millimetern geteilt durch 7) mit normal erhältlichen Okularen zu erreichen ist, am Liebsten aber mit einem Weitwinkel-Okular.
Planetenbeobachtung hat den Anspruch, bei höchster Vergrößerung eine bestmögliche Abbildung erzielen zu können. Das bedeutet, dass die Optik mitsamt Okular als ganzes eine erstklassige Abbildungsqualität haben muss.
Man möchte deshalb eine Optik ohne Farbfehler haben, mit keiner oder nur einer sehr geringen Obstruktion und mit der Möglichkeit, das Teleskop thermisch stabil zu halten, um keine Bildverschlechterung durch Tubus-Seeing zu haben. Natürlich soll auch kein Streulicht das Bild verschlechtern.
Da man zur Planetenbeobachtung auch "Planetenokulare" einsetzen will, die möglichst aus wenig Linsen aufgebaut sein sollen, und noch dazu einen erträglichen Augenabstand haben sollten, möchte man ein entspanntes Öffnungsverhältnis haben (möglichst viel Brennweite im Verhältnis zur Öffnung). Das entspannt auch die Situation beim Teleskop, so wird der Farbfehler einer Linsenoptik geringer, beim Spiegelteleskop verkleinert sich die nötige Obstruktion, und die Optik an sich ist besser korrigierbar und nicht so justier-kritisch.
Planetenfotografie führt zu sehr ähnlichen Anforderungen.
Deepsky-Fotografie verlangt nach handhabbaren Belichtungszeiten, und damit nach möglichst großen Öffnungsverhältnissen (wenig Brennweite im Verhältnis zur Öffnung). Ein großes Bildfeld soll ausgeleuchtet werden (größe von CCD-Chip oder belichtetem Film) und die Abbildung soll am Rand nicht völlig verschmiert sein oder von lateralem Farbfehler (Sterne zu Regenbögen) gestört werden.
Das führt bei den meisten Optiken zu zusätzlichen Feldkorrektoren (Reducer/Flattener beim Refraktor, Komakorrektor beim Newton) und wegen der geforderten Feldausleuchtung und dem schnellen Öffnungsverhältnis erfordert es eine größere Obstruktion beim Spiegelteleskop.
Daraus sollte Dir klar werden, dass diese Eigenschaften einander widersprechen. Was tun? Nun, schauen wir mal, was Du getan hast. Du hast einen 100mm ED APO ins Spiel gebracht. Nun wird der APO gern als eines der am besten korrigierten Teleskopsysteme angesehen, aber das hat seinen Preis und trotzdem seine Grenzen:
1. Ein f/6 APO würde recht gut alles ermöglichen, noch besser wäre ein f/8 Apo, der mit Reducer/Flattener auf f/6 oder ein noch schnelleres (=größeres) Öffnungsverhältnis gebracht werden kann. Ein solcher Korrektor sollte genau zum Gerät passen und ist daher nicht unbedingt ganz billig. Ein ED Apo zeigt meist auch noch einen Restfarbfehler, während ein Vollapo meist im Vergleich zum ED APO nochmal deutlich teurer ist. Die Auswahl des APOs muss sorgfältig erfolgen, ein billiges Modell wird allerhöchstwahrscheinlich nicht in allen Punkten auf lange Sicht zufriedenstellend sein. Zu vielen günstigen Geräten aus chinesischer Produktion fehlt ein genau passend gerechneter Reducer/Flattener, das heißt man bekommt dann dazu ein Produkt empfohlen, das nur ungefähr zum Gerät passt (das vielleicht auch nicht in allen Serien genau gleiche Eigenschaften hat), so dass es Glückssache ist, ob die Zusatzoptik fotografisch zu befriedigenden Ergebnissen bezüglich Randabbildung, usw. führt.
Weiterhin ist festzustellen, dass ein APO exorbitant teuer gegenüber anderen Lösungen ist, und dass ein Refraktor durch seine Anforderung an die Stativhöhe und den schon spürbar langen Hebel (frontlastig) die Montierung kräftig fordert.
Ein Neo-Achromat bringt einen deutlich sichtbaren Farbfehler ins Spiel. Zwar ist das Bildfeld fotografisch geebnet und es mag sein, dass der Farbfehler geringer ausfällt, als bei einem vergleichbaren Achromaten, aber zu einer Apo-Abbildung führt das nicht. Bei Deepsky-Fotografie und Planetenbeobachtung wird der Farbfehler erheblich stören, bei Deepsky-Beobachtung hingegen stört der Farbfehler nur bei einigen Objekten, insbesondere bei Sternhaufen und bei hellen Sternen (ggf. farblich unterschiedliche Doppelsterne).
Ein Maksutov Cassegrain ist zum einen geprägt durch seine kompakte Optikkonstruktion, die kurze Primärbrennweite und die lange Effektivbrennweite, die daraus resultierende große Obstruktion, sein hohes Gewicht durch den Korrektor vorne, und wegen des geschlossenen Tubus durch eine lange Auskühlzeit. Bei 180mm Öffnung muss man auch schon die Frage stellen, welches genaue Mak-Design man kauft, weil einfache Mak-Designs mit rein sphärischem Aufbau und Fangspiegel mit gleichem Radius wie die Innenseite des Meniskuskorrektor (aufgedampft) schon bei 150mm Öffnung und f/10 an ihre Grenzen kommen. Mak-Cassegrains, deren Fangspiegel extra eingesetzt mit eigenem Radius sind, oder deren Fangspiegelbereich auf dem Meniskus per Handretusche (teuer) asphärisiert wurde, kommen besser klar, auch bei der Feldabbildung. Nur wenige Mak-Cassegrains haben für Deepsky-Fotografie attraktive Öffnungsverhältnisse und für nur wenige gibt es passende bzw. zufriedenstellend arbeitende Reducer für die Fotografie. Viele Reducer bilden nur auf sehr kleinen Feldern und somit für sehr kleine CCD-Chips gut ab.
Die Problematik der Auskühlung ist bei 180mm Öffnung nicht mehr zu vernachlässigen und eine Aktivbelüftung ist sehr wünschenswert.
Von Dir nicht genannt wird ein Newton (wie wäre es mit 200/1000?).
Beim Newton führt ein fotografisch schnelles Öffnungsverhältnis wie f/5 zu deutlicher Obstruktion, was beim Planetenbeobachter unerwünscht ist. Das Gerät ist zudem recht justierempfindlich, korrekte Justage muss man erlernen. Der offene Tubus kühlt zügig aus, zeigt dabei aber kräftig Tubus-Seeing und 200mm Öffnung können bei stark fallenden Nachttemperaturen ständig der Umgebungstemperatur hinterherlaufen. Wieder ist eine aktive Tubusbelüftung sehr wünschenswert. Beobachterseeing (Atemluft des Beobachters, dessen Kopf sehr nahe an der Teleskopöffnung ist), ist eine weitere Störquelle, besonders weil Teleskope von der Stange mit zu kurzem und zu engem Tubus verkauft werden. Eine "Taukappe" wirkt als Abschirmung gegen Beobachterseeing und als zusätzliche Streulichtblende.
Fotogfrafisch braucht eine f/5 Optik schon einen Komakorrektor, was meist zum Baader MPCC oder TeleVue Paracorr führt. Hier kommt es jeweils auf den Anspruch und die Chipgröße an.
Planetenbeobachtung mit einem f/5-Teleskop fordert gut ausgesuchte Okulare. Typische "Lieblingsokulare" von Planetenbeobachtern kommen mit f/5 bereits nicht mehr zurecht, zudem braucht man kurze Okularbrennweiten (bis 3,5mm), bei denen ein geringer Augenabstand häufig ein Problem ist. Geringer Augenabstand führt, wenn man sich daran nicht gewöhnen kann, zu tränenden Augen. Ein entspanntes Beobachten ist so nicht möglich.
Ebenfalls sind Okulare für Minimalvergrößerung (30mm bis 35mm) am f/5 Newton entweder sehr teuer oder mit dem Problem einer schlechten bis sehr schlechten Randabbildung behaftet. Das kann zu dem Wunsch führen, für derzeit um 600 Euro ein 31mm Nagler anschaffen zu wollen, es gibt allerdings noch ein paar Alternativen.
Für eine GP-DX ist ein Newton 200/1000 fotogragfisch schon ein größerer Brocken, da ja noch ein Leitrohr und die zusätzliche Doppelplattform nebst Kamera usw. getragen werden muss. CCD-Chips mit ihren feinen Pixeln machen die Nachführung heutzutage noch kritischer, als sie zu chemischen Zeiten schon war. Es ist zu vermuten, dass die GP-D2 damit kaum noch Reserven haben wird. Vielleicht steckt aber im Stativ noch Tuningpotenzial (Austausch gegen ein besseres Stativ z.B. Berlebach, Hartholzstativ oder Selbstbau). Kaum noch Reserven bedeutet konkret eine Anfälligkeit schon für leichten Wind bei der Deepsky-Fotografie. Dagegen hat man visuell noch lange keine Probleme damit.
Wie Du vielleicht bemerkst, alles recht problematisch. Hier noch mehr Lesefutter:
http://www.svenwienstein.de/HTML/was_sieht_man_im_teleskop_.html
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-astrofotografie.html
Ich würde vorschlagen, Du vergleichst mal das Leistungspotenzial von 200/1000 Newton mit dem des 100mm APOs. Außerdem solltest Du generell überlegen, ob an anderer Weg bei der Montierung Dich zu einem 200/1200 Newton führen könnte, der ein viel besseres Allround-Potenzial hat. Eine EQ-6 Skyscan sollte mal der GP-D2 gegenübergestellt werden, auch im Hinblick auf die Anforderungen durch die Teleskopauswahl, aber andererseits auch im Hinblick auf das Gewicht der Montierung.
Clear Skies
Sven