Zubehör für Refraktor

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Ludwig_B

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Hallo erstmal an alle Sternenfreunde hier,

nachdem ich mich eigentlich schon seit meiner Kindheit für die Sternbeobachtung interessiert, aber mir nie ein Teleskop zugelegt habe, hab ich mich vor ca. einem Jahr dazu entschieden, endlich eins zu kaufen.
Nach einigem Überlegen und Einlesen ins Thema (und Sparen, mein Budget beträgt jetzt 3000 Euro) hab ich mich nun für ein Skywatcher Apo 120/900 entschieden, weil ich mir hab sagen lassen, dass das ein ziemlicher Allrounder ist, der auch eine solide Qualität aufweißt. Dazu kommt dann noch ein HEQ-5 Stativ, sodass mir dann noch 900 Euro für das Zubehör zur Verfügung stehen.

Nun bleibt das für mich größte Problem bestehen, welches Zubehör ich für den Anfang brauche, wenn ich Wert auf gute Qualität lege.
Ich möchte zunächst nur visuell beobachten; da ich in der Stadt wohne (Randbezirk von Berlin mit Blick Richtung Zentrum,leider!!!) wirds bei mir hauptsächlich um Mond und Paneten gehen, Deep Sky wirds ja nur geben, wenn ich aus der Stadt raus komme, also nur am Wochenende. Achso, was wichtig ist, ich bin Brillenträger (Zylinder: -0,50).

Also, ich bin für jede Empfehlung dankbar, da bislang noch nichts gekauft ist, bin ich auch offen, falls ihr der Meinung seid, ein anderes Teleskop wäre für den Einstieg besser geeignet. Man ließt ja immer wieder, dass ein Dobson 200/1200 der beste (oder besser der gängigste) Einstieg ist, aber ich denke, das wird auf dem Balkon etwas eng, das wäre also nur die zweite Wahl und ansonsten solls ja kein Spezialist sondern ein Allrounder werden, was andere Teleskoptypen angeht.

Also wie gesagt, ich bin dankbar für jeden Rat und Vorschlag

CS

Ludwig
 
Hallo Ludwig,


mein Beileid, damit hast du dich als ein lohnenswertes Opfer geoutet.

... hab ich mich nun für ein Skywatcher Apo 120/900 entschieden, weil ich mir hab sagen lassen, dass das ein ziemlicher Allrounder ist, der auch eine solide Qualität aufweißt.
...

Mein Rat:
Laß dir nichts sagen, versuch eigene Erfahrung am Teleskop zu sammeln
und entscheide dann auf der Grundlage deiner neugewonnenen Erfahrungen.

Du gibtst Berlin als Wohort an. In Bälde findet im Osten
das Herzberger Teleskoptreffen statt. Aber auch das IHT
in der Lüneburger Heide, beide vom 9.9 bis 12.9.2010.
Siehe dazu die Links auf www.teleskoptreffen.info
Ein solches Treffen vermittelt dir bessere Eindrücke als
300 Threads in Astronomie-Foren.

MfG,Karsten
 
Hallo Ludwig,

also wenn ich mir das Budget anschaue und quasi wegen der Einschränkung "Balkon" das Geld in so wenig Öffnung gepresst wird, tut's mir schon in der Seele weh.
Ein ziemlicher Allrounder ist ein Apo natürlich, aber auch immer nur im Rahmen seiner Öffnung. Und daran fehlt's ja.
Für das Budget könnte man doch ein 8" Schmidt Cassegrain auf azimutaler Montierung mit Goto und Piep und Papp anschaffen, was auf dem Balkon noch viel handlicher ist, als die HEQ-5 und der auch nicht kurze Refraktor! Dazu dann 8" Öffnung mit Kontrastdurchmesser von 5" aber Auflösung von eben 8" - Aufgrund von Leistung kann die Entscheidung nicht gefallen sein. Auch was den Balkon angeht, da ist ein Allrounder unter hellem Stadthimmel doch irgendwo fehlbesetzt.

Ich würde also für das Geld schon die Entscheidung für einen billigen ED in Frage stellen (Jupp, mag da noch soviel Diamond usw. drauf stehen, ein richtiger High-End-Apo ist für das Geld in der Öffnung nicht zu kriegen).

Zum Zylinder mit 0,5 Dioptrien: Das ist sichtbar bei niedriger Vergrößerung, müsste aber schon im mittleren Vergrößerungsbereich unmerklich werden. Ob es so ist, sollte man aber ausprobieren. Die Information ist wichtig, bevor man sich bezüglich der Okularmöglichkeiten zu sehr einschränkt, weil man glaubt, bei allen Okularbrennweiten mit Brille beobachten zu müssen.

Ich glaube es ist gut, dass noch nichts gekauft ist. Zwar denke ich auch, dass der 200/1200 Dobson auf dem üblichen Balkon etwas unhandlich ist, aber ich meine es gibt noch einiges an Alternativen abzuklappern, bevor man beim 120/900 landet.
Man kann genauso über einen Newton 200/1000 sprechen oder auch je nach Zielsetzung über Maks mit 6" oder gar mehr Öffnung. Ein Mak-Newton russischer Bauart mit 6" hätte auch seinen Reiz, soweit beschaffbar.

Und womöglich ist die große "Gefahr" dabei, dass man irgendwie andere Sternfreunde kennenlernt und plötzlich in mondlosen Nächten den Balkon im Stich lässt, um mit dem Kram aus der Stadt raus auf den Acker zu fahren. Dann hätte man als visueller Beobachter lieber die 8" Hightech-Kreissäge mit einem bulligen aber lautlosen 12" Dobson vertauscht.

Wahrscheinlich ist der eigentliche Rat, bevor man das Geld ausgibt, erstmal Kontakt zu einer Beobachtergruppe zu suchen, mit denen erst ein Bierchen oder nen Apfelsaft zu trinken, um dabei zu verabreden, mit denen mal eine Nacht auf dem Acker zu verbringen. Das dürfte selbst im Dunkeln sehr erhellend sein und es kann ziemlich prägen, in welche Richtung man seine Anschaffung plant. Die Chance, 3000 Euro nach und nach durch falsche Ausrichtung zu verbrennen, ist nicht gerade klein. Aber wie bei Aktien bleibt ja meist ein Restwert... :biggrin:

Clear Skies
Sven
 
Wow,

so schnell schon ne Antwort!

Also erstmal danke für den Tipp mit den Treffen, das muss ich unbedingt einrichten, dass ich da mal vorbeischaue. Stimmt schon, am besten ist es, sich mit Leuten vor Ort auszutauschen und dort Erfahrungen zu sammeln.

Die Aussage zum Skywatcher ist hart, aber sicher richtig, man sieht ja bei den einschlägigen Händlern, was so ein Apo in der Regel kostet, der ist ja auch schon ein paar mal heiß durchdiskutiert worden, wenn man sich in den verschiedenen Foren umsieht. Nur habe ich auch immer wieder sehr positive Meinungen zu dem Modell gelesen, unter anderem ist er ja auch von Wolfgang Rohr unter die Lupe genommen worden und der war vom untersuchten Modell ja stark beeindruckt, wie man so ließt.

Über ein katadioptrisches Teleskop hatte ich auch nachgedacht, nur hab ich gelesen, dass das doch sehr speziell auf die Planetenbeobachtung ausgerichtet wäre, deshalb bin ich in der Richtung immer sehr zwiegespalten. Sicher werde ich mich in der Stadt darauf beschränken müssen, aber man kommt ja auch durchaus mal raus und irgendwann will man ja auch mal etwas weiter als bis Saturn schauen ;)

Meine erste Überlegung war ein 200/1200 Newton, weil ich in anderen Forenbeiträgen gelesen hatte, dass der 200/1000 Probleme mit sich bringen könnte (hoher Anspruch an die Qualität der Okulare, ist das richtig?). Ich bin dann auch wegen der Transportfrage vom Newton abgerückt, zwar bin ich mobil, aber so ein Rohr, sicher verpackt und mit Zubehör, das nimmt ja sicher ganz schön platz weg (wobei das mit dem Apo ähnlich sein dürfte, ist ja klar)


CS
Ludwig
 
Hi!

Bei dem Budget und städtischem Standort würde ich auch zum C8 greifen - das liefert zwar keine große Austrittspupille, die ist in der Stadt aber eh nicht nutzbar.

Rein vom Budget her: Ein Celestron NexStar 8" mit 2"-Zenitprisma, günstigem 2"-Übersichtsokular (z.B. TSWA) und Hyperion 8-24mm Zoom passt locker ins Budget, dazu noch irgendwas für die Höchstvergrößerung (Festbrennweiten oder was verzoomtes von *entfernt*), und du dürftest sogar noch genug Geld für einen kleinen ED80/600-Refraktor für Richfield und/oder Nebelfilter haben - die Okulare gehen an dem Gerät auch.

Wie gut die NexStar-Montierung das C8 trägt, weiß ich allerdings nicht aus eigener Erfahrung - ich kenne das C8 nur auf Vixen SPDX und HEQ-5. Ob parallaktisch bei dir sinnvoll ist, hängt von der Balkongröße ab - und ob Planeten gehen, hängt davon ab, wie stabil der Balkon ist ;) TSWA36 (oder 38, bin mir grad nicht sicher) und Hyperion Zoom nutze ich an einem 200/1800-Cassegrain ganz gerne, am C8 decken sie auch die wichtigsten Vergrößerungen für Deep-Sky ab. Meade hat natürlich auch nette 8"-SCTs, aber da hab ich noch weniger Erfahrungen - die beiden C8 in unserem Verein sind auch schon ein paar Jährchen alt. Die Computersteuerungen von Meade und Celestron haben beide eine etwas eigenwillige Benutzeroberfläche, an die man sich erst mal gewöhnen muss.

Das C8 hat zwar kein Riesen-Gesichtsfeld, ist aber bei weitem nicht auf Planeten beschränkt - Kugelsternhaufen und Galaxien gehen auch gut, ebenso planetarische Nebel. Kritisch wird's nur, wenn du sehr ausgedehnte Objekte beobachtest oder solche, die nach großer Austrittspupille verlangen (egal ob M31 oder ausgedehnte Nebel wie Nordamerika) - aber die kannst du in Berlin eh vergessen. Dazu kommt der bequeme Heckeinblick mit Zenitprisma.

Von daher: Schmidt-Cassegrains nicht ausschließen, sondern ruhig in Betracht ziehen und nach Möglichkeit unbedingt auf einem Teleskoptreffen mal durchschauen. Wenn das Gerät einige Zeit vor der Beobachtung auf dem Balkon im Schatten steht, ist das Auskühlen auch kein großes Problem, da dürfte die Abwärme von Berlin mehr stören.

Gruß,
alex
 
Hallo Ludwig und alle,

zum GoTo muss man auf dem Balkon unbedingt den Geräuschpegel berücksichtigen. Ich erinnere mich an den ETX-Test von Sven: http://svenwienstein.de/HTML/etx_125ec_autostar.html

Ich denke das sagt alles über die Balkon-Eignung des MEADE-GoTo. Nur so nebenbei beachte man, welche Passagen der Star Observer als "Haus-und-Hof-Berichterstatter" von MEADE geändert hat. So viel zum Thema unabhängige Erfaghrungsberichte...

CS und VG Christian
 
Hmm

hab mir gerade ein paar Schmidt-Cassegrains angeschaut und hab dazu mal ein paar Fragen.

Also wie macht sich der Unterschied zwischen einem Mak und einem Schmidt-Cassegrain bemerkbar? Der war ja von Sven auch als Möglichkeit genannt worden.

Alex meint ja ein 8-zöller wäre eine gute Wahl, wie würde sich da der Sprung zu einem 235/2350er bemerkbar machen? Gilt hier wirklich größer ist besser?
Ich dachte auch, dass bei größerer Öffnung sich das Seeing stärker bemerkbar macht, deshalb hatte ich Teleskope über 6 Zoll relativ schnell ausgeschlossen.

Achso und Alex hatte als Zweitrohr nen 80/600 ED angesprochen, inwiefern wäre der eine Ergänzung zum Schmidt?


CS
Ludwig
 
Hi!

Zum Seeing verweis ich mal auf S&T Telescope Myths, dazu gab's im Forum auch schon einige Diskussionen. Zuletzt wohl dieser Thread ab hier.

8" sind etwa die Grenze, ab der viele Deep-Sky-Objekte besser aufgelöst werden können als mit kleineren Optiken und daher einfach mehr Spaß machen. Das 9,25" hat zwar mehr Grenzgröße, aber dafür weniger Gesichtsfeld, da mehr Brennweite - du vergrößerst von Haus aus höher. Außerdem sind die Ansprüche an die Montierung größer; dafür soll das Celestron für 2"-Okulare optimiert sein - keine Ahnung, wie sich das in der Praxis bemerkbar macht, ich hab noch durch keins durchgeschaut.

Ein C8 liefert dir mit 2"-Okularen ein maximales Gesichtsfeld von rund 1,25°, mehr geht wegen der langen Brennweite nicht. Also etwa 2,5 Vollmonddurchmesser, das ganze bei einer Austrittspupille von 4-5mm.
Ein ED80 liefert bei rund 6mm AP 4-4,5° Gesichtsfeld am Himmel und macht damit einem Fernglas Konkurrenz, kann aber deutlich höher vergrößern - bis ca. 140/160x. Das ist für ausgedehnte Objekte interessant, bei denen es auf jedes Quentchen Licht ankommt - je kleiner die AP bzw. je höher die Vergrößerung, desto dunkler wird das Bild.

ED80 und C8 haben somit unterschiedliche Spezialgebiete und gleichen ihre jeweiligen Schwächen ziemlich gut aus.

Gruß,
Alex
 
Hallo,
Zitat von Kerste:
Zum Seeing verweis ich mal auf S&T Telescope Myths, dazu gab's im Forum auch schon einige Diskussionen.
mir ist unbegreiflich, warum die Tatsache, dass das Seeing bzw. die Auswirkungen des Seeing, immer noch als Mythos abgetan werden, zumal es ja von vielen Beobachtern bestätigt wird.

Ich merke es jedes Mal, wenn ich praktisch gleichzeitig mit Teleskopen verschiedener Öffnung beobachte, erst wieder vor zwei Monaten. Alle Beobachter am Platz hatten den gleichen Befund:

Objekt: Mond ca. 25 Grad über dem Horizont.
Geräte: 125mm MAK, 90mm MAK und Telementor 63mm bei vergleichbarer Vergrößerung, ich glaube um die 100-fach.

Im MAK hat der Mondrand seeing-typisch gezittert. Im 90er war das Bild ruhiger und deshalb für mein Empfinden angenehmer. Und im Telementor hatte ich den Eindruck, ein Foto zu betrachten, so ruhig wirkte der Mond durch den Zeiss-Refraktor. Früher habe ich da auch an Einbildung geglaubt, aber spätestens nach diesem Direkt-Vergleich bin ich überzeugt davon, dass das Seeing sich mit zunehmender Öffnung stärker bemerkbar macht.

CS und VG Christian
 
Hallo Christian,
den von Dir beobachteten Effekt könnte man aber auch sehr gut mit Tubus-Seeing erklären, grad beim Mak, bei dem das Licht da 3x durch muss.
 
Hallo Ralf,

aber da das Licht aufgrund der Lichtgeschwindigkeit auch den dreifachen Weg quasi augenblicklich zurücklegt, dürfte das nicht der Grund sein. Für die Dauer der Passage eines Lichtquants bzw. einer Lichtwelle kann die Tubus-Luft also als ruhig angesehen werden. Allerdings sind Cat's bauartbedingt anfälliger für Tubusseeing, daran habe ich nicht gedacht. :mauer: Danke für den Denkanstoß. :)

Der Effekt kann auch eine Folge der Auflösung sein: Das Seeing zeigt sich ja bildlich gesprochen in der unregelmäßigen Oszillation des Sterns um eine Ruhelage, nämlich den Punkt der perfekten Abbildung. So ist es zumindest an meinem Beobachtungsplatz (man beachte die im von Alex verlinkten Thread beschriebenen verschiedenen Seeing-Arten).

Angenommenn, der Betrag dieser Schwingungen betrage exakt eine Bogensekunde, also eine halbe Bogensekunde beidseitig der Ruhelage. Dann werden sie im 70-80mm-Teleskop nicht mehr aufgelöst, der Stern erscheint weitgehend ruhig und im Rahmen der Auflösung punktförmig. Im Achtzöller hingegen mit ca. 0,65'' Auflösung wäre das Seeing dann katastrophal, da die Oszillationen von der Optik aufgelöst werden.

Falls dem nicht so ist: Wo liegt mein Denkfehler?

CS und VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Christian,

aber da das Licht aufgrund der Lichtgeschwindigkeit auch den dreifachen Weg quasi augenblicklich zurücklegt, dürfte das nicht der Grund sein. Für die Dauer der Passage eines Lichtquants bzw. einer Lichtwelle kann die Tubus-Luft also als ruhig angesehen werden.

und doch beeinflußt die dreifache Tubuspassage die Wellenfront negativ.
Es ist nicht die Bewegung der Luft im Tubus,
es liegt an den Dichteunterschieden der Luft im Tubus.
Das Licht wird in unterschiedlich dichten Medien unterschiedlich
stark abgebremst. Je dichter desto stärker die Abbremsung.
So kann es sein daß im einem schräg nach oben stehenden Tubus
die Luft vom noch warmen Spiegel erwärmt wird und an der
nach oben zeigenden Tubuswand entlang aufsteigt und das
Licht dort entsprechend schneller ist als im Rest des Tubus.
Die ich habe mal die Wellenfrontabweichung anahnd der im Buch
Star TEsting atronomical Telescopes von H.R. Suiter
für einen 120cm langen Tubus berechnet unter der Annahme,
daß 2°C Temperaturdifferenz zwischen der warmen,
aufsteigenden Luft und der luft im Rst des Tubus bestehen.
Den Zettel habe ich leider entsorgt, aber ich weis noch
daß ich höchst erstaunt war daß die Wellenfrontabweichung
sehr hoch war.

Auch die Lichtbrechung in Linsen beruht auf unterschiedlich
starker Abbremsung der Wellenfront.

CS,Karsten
 
Hallo Karsten,

vielen Dank für die Info. Ich glaube, ich werde langsam müde, das mit den verschiedenen Dichten und Lichtbrechungen steht sogar auf meiner eigenen Website...

Deine Ausführung erklärt auch, warum Refraktoren tendenziell weniger Seeing-anfällig sind als Cat's (ist zumindest meine Erfahrung).

CS und VG Christian
 
Hallo Christian,

Karsten und ich könnten Dir auf der Wiese sowohl den Mythos beweisen, als auch den Mythos widerlegen, ganz wie es gewünscht wird.
Dazu brauchen wir nicht mal unterschiedliche Teleskopsysteme.
Wir nehmen unsere beiden Newtons, meinen 6" F/6 und seinen 8" F/6.
Sie sind beide von guter optischer und mechanischer Qualität, isoliert, Streulichtgeschützt und mit einem Lüfter versehen. Wir stellen den gleichen, guten Justierzustand her. Auch das Spiegematerial ist vergleichbar.
Wir nehmen Jupiter mit 1,0 bis 0,8 mm AP bei brauchbarem Seeing.

Ich schalte den Lüfter ein, Karsten schaltet ihn aus und der Mythos ist sehr augenfällig bewiesen.
Ich kann sogar höher vergrößern als er, mein Bild steht in ruhigen Momenten und er quält sich ab.

Er schaltet den Lüfter zu und der Mythos ist ebenso augenfällig widerlegt.
Wo ich mir die Augen verbiege, sieht man bei ihm das Detail ganz locker, es ist einfach da. Sein Bild steht bei gleicher Vergrößerung genau so gut wie mein Bild.
Man sieht das Öffnungsplus auch schon bevor man die Teleskope bis an die Auflösungsgrenze treibt, also auch bei einem Seeing, welches das beim 6-Zöller eben noch zulässt und den 8-Zöller schon in der Vergrößerung einschränkt.

Ist der Öffnungsunterschied noch größer, passiert es häufig, dass zur seeingbedingten Beschränkung auf niedrigere Vergrößerungen für die große Öffnung noch die Detailüberstrahlung (Blendung) durch ein zu helles Bild (zu große AP) hinzu kommt. Dem muss man dann mit geeigneter Lichtdämpfung begegnen oder auch durch Umgebungshelligkeit der Dunkeladapition des Auges gegensteuern.
Lichtsammelleistung als Teleskopfehler!? ;)

Gruß
*entfernt*
 
Hallo Christian,

Deine Ausführung erklärt auch, warum Refraktoren tendenziell weniger Seeing-anfällig sind als Cat's (ist zumindest meine Erfahrung).

das "atmosphärische Seeing" solte bei gleicher Öffnung
für alle Teleskoptypen gleich stark ausfallen.

Das "bodennahe Seeing", verursacht durch Dichteunterschiede
in der bodennahen Luft, vom Erboden bis etwa zwei, drei Meter Höhe
beeinträchtigt gestreckte (ungefaltete) Refraktoren, vor allem
lange Refraktoren, weniger als andere Teleskoptypen.

Das "local Seeing", verursacht durch die Wärmeabgabe und Atmung des Beobachters
beeinträchtigt längere Refraktoren ebenfalls weniger,
da ihr Objektiv meist weit genug entfernt vom Bepobachter ist.
Ganz schlimm wirkt sich auch die warme Hand aus die einen Dobson
bei kühlem Wetter an der vorderen Tubuskante nachführt.

"Tubusseeing" findet in einem ungefalteten Refraktor praktisch nicht statt.
Die Hauptwärmequelle, das Objektiv vefindet sich m oberen Ende.
Luft im Tubus die vom Objektiv erwärmt wird ist leichter
und bleibt unter dem Objektiv stehen.

Der Refraktor hat also einige Seeing-Vorteile, aber das liegt
gerade nicht am atmosphärische Seeing(!)


Edit:
Ich sehe gerade Günther`s Beitrag. Ich stimme ihm zu.
Er erwähnt die Belüftung. Wenn ich den Lüfter einschalte
dann saugt der die Luft von vorne her durch den Tubus
und am Spiegel vorbei nach hinten ab.
Durch den Spiegel erwärmte luft hat keine Chance sich
durch den Tubus nach oben zu schleichen und die Wellenfront
zu verbiegen. Zusätzlich hat mein Newton eine effektiv etwas
mehr als 25cm lange Taukappe. Die verhindert Taubeschlag
auf dem angspiegel, aber auch und vor allem, daß meine Warmluft
in den Strahlengang kommt. Es gibt Lösungen für fast alle Probleme.

CS,Karsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Da wir ja eigentlich Ludwig's Thread gekapert haben:
@Ludwig: komm zum HTT, schwatz mit den Leuten, schau Dir die Geräte an und vor allem schau bei Nacht mal durch.
Eine bessere Übersicht zum Thema optische Leistung und Benutzerfreundlichkeit in der Bedienung kannst Du so konzentriert nirgends sonst kriegen.
Und frag die Leute gleich dabei, wo sie her kommen, man trifft viele Berliner dort und ev. findest Du ja gleich Anschluß.
Ich wohne 10 min. weg von Berlin und werde auch dort sein.

In welche Richtung geht denn Dein Balkon und wie groß ist der?
So ein 120er ED kann schon eine gute Lösung sein, ich halte aber Deine geplante Monti für Obverkill auf Balkonien. Da würde ich eine AYO oder Giro bevorzugen. Auch die Idee von Sven mit dem C8 hat Charme, wenn man das Thema Auskühlung im Griff hat.
 
Hallo Karsten und Günther,

vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen. Beim Cat vs. Refraktor kommt noch ein weiterer Effekt hinzu, soweit ich das sehe: Die vom HS abgegebene warme Luft steigt auf und kann wegen der Korrektorplatte nicht in die Umgebung entweichen, so dass weitere Seeing-Effekte vorprogrammiert sind.

Als Ergänzung zu Karstens Refraktor-Erläuterung: Das Objektiv gibt Warmluft aber auch nach außen ab, die dann ohne Hindernis sofort entweicht (im Gegensatz zur abgegebenen Warmluft des SC-Hauptspiegels).

>das "atmosphärische Seeing" solte bei gleicher Öffnung
>für alle Teleskoptypen gleich stark ausfallen.

Das ist auch logisch. Da sieht man mal, was das Tubus-Seeing mit einer an sich guten Optik anstellen kann.

Ich sehe mich nach dieser fachlich hochwertigen und sachlichen Diskussion in folgenden Erfahrungspunkten bestätigt:

1. Sind mehrere Teleskoptypen gleichzeitig am Start, ist das Bild im Refraktor tendenziell ruhiger und damit für mich angenehmer (letzteres ist mit Sicherheit Geschmackssache und individuell verschieden).

2. Seeing beschränkt die Maximalauflösung (erst neulich hatte ich wieder eine dieser seltenen "verflixten" Nächte, in denen selbst 50-fach am Mond schon zu viel war).

Ich denke, bevor es zu sehr OT geht, sollten wir das Thema hierbei belassen, da es offenbar auch sehr von lokalen Seeing-Quellen und dem Teleskopzustand abhängt und nur schwer pauschal bzw. nur unter seltensten Optimalbedingungen in ein einziges "korrektes" Standardschema gepackt werden kann.

CS und VG Christian
 
Hallo Christian,

nicht ganz, nicht ganz.

Mit kathadioptrischen Spiegelsystemen habe ich mich zu wenig beshäftigt, also nur mal Refraktor/Newton:

Bei gleicher effektiver Öffnung IST festzustellen, dass die Bildruhe im Newton ähnlich gut ist wie im Refraktor,
WENN
Der Newton thermisch beherrscht, also mit einer effektiven, saugenden Lüftung und eventuell einer Tubusisolierung ausgestattet ist.
Der Newton ist das problematischere System, schon wegen zweifachem Strahlengang durch den Tubus. Das muss man in den Griff kriegen und man kann es auch.

Die Tatsache, dass (gerade größere) Refraktoren (auch designabhängig) durchaus auch nennenswertes Tubusseeing entwickeln und bei entsprechender Auflösung (Vergrößerung) auch zeigen, bleibt hier mal ausgeklammert.
Wir gehen einfach mal von einem temperaturangepassten Rohr unter normalen Umstaänden aus.

Gruß
*entfernt*
 
Hallo Christian,

die Tendenz, dass der Refraktor ein ruhigeres Bild hat, gilt wenn Geräte von der Stange verglichen werden, weil diese selbst bei vorhandener Belüftung praktisch nie ein gut funktionierendes Konzept zur Aktivbelüftung haben.

Sobald man es mit gekonnt gemachten Selbstbauten zu tun hat, gilt dies nicht mehr.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Ludwig

Ich denke da du noch keine 16 bist solltest du in Berlin einem Astronomischen Verein da tut es bestimmt
mehrere geben, oder der Berliner Sternwarte beitreten, da kannst du erst mal erfahrung sammeln zum Thema,
da diese ihre Teleskope zum beobachten dabei haben,
und kommst auch aus Berlin raus wen es deine Eltern erlauben.

Aufjeden Fall wünsche Ich dir viel Erfolg.

Manfred
 
Hallo an alle,

also ich denke dass mit dem Teleskoptreffen wird klar gehen, da bin ich dabei. Und auch den Tipp mit der Sternwarte werde ich wohl beherzigen, da hatte ich noch gar nicht dran gedacht.

Grüße und CS
Ludwig

P.S. Ich bin übrigens durchaus schon in den Zwanzigern Manfred :)

P.P.S Mein Balkon liegt in Richtung Süd-Ost mit ca. 2,5 mal 1 m
 
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