Ich habe mir schon oft selber die Frage gestellt, wenn ich meine Astrobilder anschaue, welche Leistung eigentlich von mir erbracht wurde und welche von denen kommen, die das Teleskop, die Montierung, die Nachführung und komplette Software entwickelt und gebaut haben.
Diese Reflexion ehrt Dich. Tatsächlich ist der Sprung der Technologien verblüffend, und im Prinzip liegt der Schwerpunkt heute m.E. gerade bei Planeten auf Videofilmchen und Wavelet-Filtern. Das gab es ja vor einiger Zeit noch gar nicht. Und plötzlich sehen die Amateurfotos alle großartig (und leider auch ziemlich gleich) aus, je nachdem, wieviel Muße man hineinsteckt. Der fadeste Teil der Sache ist das Lesen so mancher Bedienungsanleitung. Oder man lernt etwas über Over- und Undersampling... dann muss man sein Zeug verstehen anzuwenden, und ggf. Mgens oder Pointingmodelle in den Griff bekommen.
Aber letztlich: Absolut, wir sind User, wir haben weder wie Fraunhofer die Optik verstanden, nicht wie Schott die Tücken der Glasschmelzerei erlernt, wissen wenig von Gehäusematerialien und Alu-Spritzguss, haben keine Bildverarbeitungssoftware programmiert, haben meist Null Ahnung von Abtasttheoremen und Fourier-Transformationen, achten nicht auf den Verlauf der Maserung der Holzbeine an unseren tollen Stativen, Haben weder die Beyer-Matrix noch einen Sensor-Chip erfunden, wissen nicht, wie unsere Tuben kaltgezogen oder gerollt werden, könnten nie im Leben einen Kollimationslaser bauen oder eben auf die Schnelle ein GoTo-System auf die Beine stellen oder eine Datenbank mit 48.000 Objekten füttern.
Wir schrauben das alles zusammen, stellen scharf und und drücken aufs Knöpfchen. Nachher machen wir, was alle machen, und wenn wir besser werden wollen, lernen wir PixInsight und kaufen gekühlte Kameras, und irgendwann war's das dann. Keiner werkelt an der Punktspreizfunktion oder mathematischen Matrizen in den Eingeweiden unserer Software, wir sind froh, wenn wir die richtigen Regler schieben, bis etwas so aussieht, wie wie denken, dass es aussehen sollte. Oder könnte. Oder müsste. Bei Jupiter haben wir da auch wenig Zweifel.
Nun, und das gilt dann auch für alles andere im Leben. Wir bauen auch nicht unsere Autos selbst. Oder unsere Zahnkronen. Es genügt ja, dass wir all das Zeug irgendwie beherrschen lernen, es anwenden können und irgendwann mal das Erlebnis Sternenhimmel entweder visuell oder fotografisch genießen können. Ich darf mal schätzen, dass 90% der Amateure und Liebhaber hier keine Astronomen sind, und dass 90% alles User nicht alle Details hinter den Kulissen ihrer Geräte und Software kennen. Auch ein Internist muss nicht die Filtermembranen für zur Blutwäsche kennen, ein Gastronom muss nicht die Frequenz seiner Mikrowelle kennen, ein Pilot nicht die Wirbelschleppe seiner Flügelspitzen berechnen können.
Eigentlich ist es recht erstaunlich, was man als Anwender zusammenbringt, denn die meisten Entwickler sind wiederum Spezialisten, die all das in Summe auch wieder nicht zusammenbringen.
Zurückgehend müssten wir also bei Copyright "Adam und Eva" mit angeben, oder, wer lieber glaubt, den Schöpfer dessen, was wir in den Nächten so betrachten...
lg
Niki