Hallo Max!
es ist sicher schwierig für Dich aus der Vielzahl der Empfehlungen das wichtigste herauszufiltern, darum schwankst Du auch zwischen Extremen hin und her.
Ich schwanke zwischen EQ5 + 150/750 Newton und späteres aufrüsten mit goto etc und dem discovery Set.
Eigentlich ist die Kombination EQ5 Montierung (parallaktisch) + 150/750 Newton per Definition auf Astrofotografie ausgelegt. Das Discovery Set mit einer azimutalen Montierung hat eigentlich den Schwerpunkt mehr auf visuelle Beobachtungen und auch EAA. Der Hauptunterschied ist wie Du schon gelernt hast ist die parallaktische EQ-Montierung bzw. die azimutale Montierung. Vorneweg noch ein paar grundsätzliche Fakten. Die Sterne im Universum bewegen sich nicht. Es ist die Erde die sich dreht, da durch schaut es wenn man den Nachthimmel länger beobachtet so aus als würden die Sterne von Osten nach Westen wandern. Und zusätzlich erscheinen Sterne im Osten quasi höher über dem Horizont als im Westen zu stehen.
Ich habe für Dich mal eine Simulation in Stellarium mit dem Sternbild Orion gemacht. Hier gegen 3 Uhr
Hier Orion gegen 5 Uhr
Wenn Du genau hinschaust, siehst Du, dass Orion anscheinend, wie gesagt die Sterne stehen still, die Erde dreht sich, in den zwei Stunden von S nach SW gewandert ist. Außerdem ist er von 3 Uhr von ca. 30° "Höhe" auf 20° "Höhe" über dem Horizont (lila Linie unten) abgesunken und hat sich zusätzlich auch noch im Uhrzeigersinn gedreht.
Eine EQ Montierung gleicht nicht nur die Bewegung von Osten (hoch) nach Westen (tief) aus sondern zugleich auch die Drehung aus. Wenn Du zwei Stunden lang durch ein Teleskop auf einer EQ Montierung durch ein Okular auf Orion schaust, wird das Sternbild Orion immer statisch stabil und völlig identisch im Okular zu sehen sein und sich
nicht drehen.
Jetzt zum Unterschied zu einer azimutalen Montierung. Eine azimutale Montierung gleicht die Erddrehung auch aus, also fährt die azimutale Montierung genauso den Sternen in einer Bewegung von Osten nach Westen nach. Genau so wie eine EQ Montierung. Aber eine azimutale Montierung kann nicht die Drehbewegung z.B. von Orion in sich ausgleichen. Also würdest Du über die zwei Stunden im Okular beobachten wie Orion sich im Uhrzeigersinn dreht aber dabei immer mittig im Okular bleibt. Ganz ähnlich wie in den zwei Beispielbildern oben.
Was macht eine EQ Montierung anders?
Ganz einfach! Die EQ-Montierung dreht zusätzlich das Teleskop über die Längsachse und gleicht damit die "vermeintliche" Drehbewegung des Orions aus.
Was bedeutet das für Dich als visueller Beobachter?
Abhängig vom Teleskop bedeutet dies z.B. bei einem Newton Teleskop, das bauart-bedingt den Einblick vorne seitlich hat, dass sich das Okular mit dem Newton-Teleskop in den zwei Stunden auch mitdreht. Das bedeutet, dass je nach Dauer der Beobachtung der visuelle Einblick ins Okular irgendwann sportliche und gymnastische Anstrengungen nötig macht.

Eine Kamera die statt einem Okular im Teleskop eingesteckt ist, ist dies egal. Einer Kamera macht es auch nichts wenn sie kopfüber unten am Teleskop hängt.
Hast Du statt einem Newton Teleskop z. B. einen Refraktor, also ein Fraunhofer-Linsen-Teleskop auf einer parallaktischen EQ-Montierung, das den Einblick hinten mittig ins Instrument hat, wird es Dich überhaupt nicht stören, dass sich das "Gehäuse" des Instruments dreht. Für Dich als Beobachter ändert sich in den zwei Stunden quasi nichts.
Bei einer azimutalen Montierung dreht sich das Instrument selbst nicht und es ändert sich die "Einblick-Situation" ins Okular nicht, egal ob seitlich vorne oder mittig hinten!
Vielleicht kannst Du mit Hilfe diesen Informationen die eigentlich wirklich gravierenden Unterschiede und Auswirkungen der verschiedenen Bauarten sowohl der Montierungen als auch der Teleskope nachvollziehen.
Mach Dich unbedingt über EAA schlau! EAA kann man sehr gut mit einer azimutalen Montierung machen und bietet Dir bei der Live-Beobachtung mit Hilfe eines PCs oder Macs die Möglichkeit DSO wie Galaxien und Nebel in Farbe zu sehen. Das schaut dann z. B. nach wenigen Minuten am Bildschirm so aus ...
... und es kann dabei die ganze Familie mitzuschauen. Du und alle die mitschauen haben während der ganzen Beobachtungszeit immer Live-Bild welches ständig sich in Details und Farbe verbessert. Und man braucht keine so perfekten Lichtbedingungen wie z.B. für visuelle Beobachtungen. Bei visueller Beobachtung durch Okulare bleiben Galaxien und Nebel bestenfalls diffuse, graue Matscheflecken in Schwarz/Weiß.
Weiter Fragen? Einfach fragen. Viele Grüße MünchenBeiNacht - Ewald