Hallo *entfernt* (irgendein Vorname wäre nett

),
deshalb mein Tipp mit der nächsten Sternwarte – du hast ja keinen Wohnort angegeben, aber vielleicht ist eine in einer Nähe. Billiger und besser kommst du ggf. nicht an gutes Equipment (und Leute, die damit umgehen können). Ich bin jetzt seit '92 auf der Heilbronner Sternwarte, kann die
durchaus ordentliche Ausrüstung nutzen und habe in der Zeit in etwa dein Budget an Mitgliedsbeiträgen investiert (Fahrtkosten und Pizza kommen obendrauf). Und ich weiß mittlerweile, was ich an Ausrüstung will, und habe Fehlkäufe vermieden – auch wenn es mittlerweile mehr gekostet hat als geplant, aber über die Jahre verteilt geht's wieder.
Und wie gesagt, mit Gebrauchtkauf geht es besser, aber...
Nehmen wir an, du schießt eine EOS500D für 70€.
Da wäre kommt es auf dein Handy an, was besser ist, und was deine Ansprüche sind – mein fast neues iPhone 12 Mini versägt bei der Polarlichtfotografie meine Nikon D7100 (von 2013, also neuer als die 500D) mit 11-16mm f/2,8-Objektiv, solange man die Bilder nicht in voller Auflösung anschaut. Je nach deinem Handy sind Bilder durch's Okular mit einer Software wie
NightCap besser als das, was du mit großem Aufwand mit der DSLR erzielst...
Aber mit der Kamera alleine ist es nicht getan. Wenn du den StarAdventurer von oben für knapp 300 geschossen hast (was ein Schnäppchen ist), bleiben noch 140€ (wenn wir mal die 500€ anpeilen). Dafür brauchst du noch:
Einen Kamera-Akku. Sehr wahrscheinlich ist bei der Kamera keiner dabei, oder hält bei den kalten Nachttemperaturen nicht lange durch. Akkus haben mir genug versagt, da würde ich nur neue Original-Akkus nehmen – und auch da weiß man nicht, wie lange die schon auf Lager liegen. Wobei die Original-Akkus bei 100€ liegen - dann würde ich wohl doch lieber mehrere Clone nehmen. 20-30€ sind dann aber auch weg.
Dann noch eine SD-Karte – auch die würde ich neu kaufen. Nochmal 10 Euro?
Bleiben noch ca. 110€. Was fehlt noch? Ein Objektiv! Und du willst kein Kit-Objektiv weil du dann bei f/3,5 und ewig langen Belchtungszeiten bist – schon weil du meist noch etwas Abblenden musst, um bis zum Rand scharfe Sterne zu kriegen. Zum Glück gibt es mittlerweile günstige manuelle, lichtstarke Festbrennweiten-Objektive aus China. Wenn du da ein f/1,4-Objektiv nimmst, kannst du es etwas abblenden, hast eine brauchbare Abbildung und nicht das Problem, dass das Objektiv zusammenrutscht und die Brennweite veränderst, wenn du in den Himmel fotografierst.
Problem: Damit hast du eine sorgfältig ausgewählte Brennweite, aber eben nur eine. Aber für 100€ kann das klappen, wenn du dich erst einmal damit begnügst.
Was fehlt dann noch? Ein Fernauslöser, außer die Kammera bietet Intervallaufahmen an. Von Nikon und Panasonic weiß ich,d ass sie es häufig können, bei Canon eher seltener, wenn überhaupt. Also kommt dann ein programmierbarer Fernauslöser dazu, damit du nicht ständig den Auslöser drücken musst und auch Aufnahmen länger als 30 Sekunden möglich sind (alle mit der selben Belichtungszeit, damit sie sich stacken lassen.) Sagen wir 20-30€ plus Ersatzbatterien?
Die 500€-Grenze haben wir damit geknackt – und beim StarAdventurer-Set wirst du dann recht bald einen Kugelkopf vermissen, da der verlinkte L-Adapter wunderbar ist, um ein Teleskop oder eine Tele-Objektiv mit Rohrschelle auszurichten, wobei die Kamera drehbar ist. Wenn du die Kamera direkt dranschraubst, ist die Bildorientierung fix. Eine Schnellwechselplatte mit Fotogewinde müsste bei dem Set dabei sein (falls nicht: nochmal ca. 20€), ansonsten kommt ein Kugelkopf dazu. Gibt's von billig bis gut, und du willst keinen ganz kleinen. Optimal wäre mit Panorama-Basis, aber das muss gar nicht sein. Aber möglichst mit Schnellwechselplatte.
Dann noch ein paar Euro für eine Fototasche, um den ganzen Kram zu transportieren. Taschenlampe hast du am Handy, damit müsstest du das wichtigste haben. Wenn du dich erst einmal mit einem Objektiv begnügst, kann das schon einmal langen, wenn du die 700€ ausreizt und auf Gebrauchtkauf setzt.
Oder willst du durch ein Teleskop fotografieren? Dann brauchst du statt dem Objektiv einen T-Ring (neu 20-35€, gebraucht ca. 10€ plus Porto). Je nach Teleskop kommt noch eine 2"/T-2-Steckhülse dazu, kostet ähnlich viel. Und natürlich ein Teleskop, eine Montierung, die eine saubere Nachführung ermöglicht, und Strom.
Deshalb mein Tipp, ruhig Kontakt zur nächsten Sternwarte aufzunehmen – man muss nicht alles selber kaufen! Oder es fällt einem später leichter, deutlich mehr Geld zu investieren...
Und je nach Handy auch ruhig NightCap o.ä. ausprobieren - je nach Anspruch sparst du dir damit die Kamera, und hast einiges mehr an Budget. Aber auch dann gilt: So weh es tut, 500€ sind nicht viel für eine gute Optik mit Montierung, und Astrofotografie stellt die höchsten Ansprüche an die Mechanik. Mit kurzbelichteten Aufnahmen (also die Richtung EAA) ändert sich das, aber auch da wird einem nichts geschenkt.
Aber ich will dir da auch nichts vergällen: Ich habe mein erstes Astro-Jahrzehnt auch nur Geld in zwei Ferngläser, ein Stativ und die örtliche Sternwarte investiert. Und da auch schon die ersten Astrofotos gemacht. Und bereits mit einem gutem Handy gehen auch schöne TWAN-Bilder (The world at night – also Landschaftsaufnahmen mit Sternenhimmel).
Beste Grüße,
Alex