Genauigkeitstest der Nachführung einer EQ-Plattform im "Wohnzimmer"

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AstroPZ

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Hallo zusammen,

ich habe jetzt 2 EQ-Plattformen, von 2 verschiedenen Herstellern für meine Dobsons (6, 12 und 20 Zoll).
Ich will mit diesen Plattformen EAA und leichte Astrofotografie machen und wollte sie vergleichen und rausbekommen welche was in der Nachführung besser macht.

Bei einem Test am Nachthimmel bin ich gescheitert, bei der einen ging es sehr schlecht, bei der anderen war es ok.
Aber ich habe nicht herausbekommen woran es eigentlich liegt.

Daher habe ich mir überlegt, um auch gezielt zu verbessern, dass man die Plattformen im "Wohnzimmer" unter reproduzierbaren Bedingungen testen und messen sollte.
Mein Testaufbau ist eigentlich ganz einfach. Teleskop, der kleine 150/750mm Newton, auf die Plattform, zusätzlich noch ca. 10-20kg Gewicht drauf, einen stationären, künstlichen Stern anvisieren und bei laufender Plattform die Bewegung des KS mit einer Kamera im OAZ aufnehmen.

Es ist aber doch nicht so einfach. ;)
Die Bilder sehen nämlich sehr ähnlich aus. Ich kann da im Moment keinen bezifferbaren Unterschied erkennen.

So eine Aufnahme des stationären KS mit laufender Plattform sieht dann zB so aus:

2021-10-28T16.39.31.png

Das sind 130 Subs zu je 200ms BZ durch einem Frame Rate Limit von 2fps auseinandergezogen.
Es gibt in diesen Bildern mM 2 unabhängige Dinge zu bestimmen:

1.) die Konstanz und Genauigkeit der Nachführ-Geschwindigkeit über den zeitliche Abstand und die zeitliche Länge der Striche.
Das ist mir im Moment das wichtigere, da schwerer zu bestimmen und da es einen grösseren Einfluss auf die Qualität hat.
Und hierzu habe ich im Moment keinen Plan. Ich kann die Bilder mangels Auswerte-Methodik im Moment nicht wirklich unterscheiden.

2.) die, ich nenn's, laterale Abweichung nach oben oder unten
Die ist einfacher zu bestimmen. Einfach ein Lineal an die Kurve und die Abweichung nach oben oder unten messen.
Wobei natürlich die Verzerrung der Optik noch etwas täuschen könnte.
Man sieht auch dass die laterale Abweichung wohl langsam oszilliert. Das ist dann bei den EAA-Aufnahmen kein grosses Problem.
Aber gibt es vielleicht auch ganz kurze Mikro-Abweichungen, ein Zittern? Wie misst man das?

Wer hat dazu Ideen, wie man die Messung der Genauigkeit verbessern könnte?
Höhere Vergrösserung?
Bin aber schon ziemlich am Anschlag mit der Okularprojektion. Es beginnt auch durch die Optik ungenau zu werden.

Zweite, im Moment auch sehr wichtige Frage:
Mit welchen Bild-Verarbeitungs-Programm kann ich die Abstände und die Länge der Striche (Standard Abweichung?) möglichst automatisch messen?
ZB durch ein Lineal mit einstellbarer, veränderbarer Skala.

Also ganz wichtig: Welche Software kann so etwas?

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,

es interessiert ja wahrscheinlich nicht so viele (wer benutzt schon eine EQ-Plattform ;) ), daher die reduzierte Frage:

Wer kann mir eine Software empfehlen mit der man auf einem Bild regelmäßige Abstände und Abweichungen davon messen kann?

Ich habe bisher trotz Recherche irgendwie nichts gefunden.

Danke und Gruß
Peter
 
Hi Peter,

mit FIJI / ImageJ geht das sicher, ist aber nicht gerade das anwenderfreundlichste Programm, dafür Freeware.

LG Michael
 
Hi,

weiter geht's mit meinen EQ-Plattform Nachführungs Messungen.
Ich hoffe ja, dass das doch jemand interessiert.

Mit dem Fiji/ImageJ bin ich auf die Schnelle nicht zurecht gekommen.

Aber ich habe mich jetzt mit Affinity Photo beschäftigt. Ich will das sowieso als mein generelles Bild Bearbeitungs-Tool nutzen und ich muss da noch viel lernen.
Es gibt da jedenfalls die "Guides". Damit kann man horizontale/vertikale Linien an genauen Positionen einzeichnen.
Das sieht dann so aus:

Affinity.png

Damit kann man zu mindestens eine manuelle Auswertung der unterschiedlichen Längen der Nachführungs-Striche machen.
Die Striche entsprechen 1600ms BZ und haben eine ca. Länge von 50-60px.

Gruß
Peter
 
He @SnakeP, @DocHighCo ,

ihr seid klasse.
Das Programm sieht gut aus.

Genau das habe ich mir auch schon selber überlegt, dass man einen künstlichen Stern über einen Bildschirm wandern lässt und dann die Montierung darauf einstellt.
Ich bin zwar SW-Developper, aber das selbst zu entwickeln tu ich mir nicht an. ;)
Ich weiss genau, dass das ein Langzeit Projekt werden würde. ;)

Eine andere Idee wäre sowas wie Stellarium zu nutzen und damit Sterne über den Bildschirm laufen zu lassen.

Aber der Schlechtwettermontierungstester scheint ja genau sowas zu machen. Bin gespannt.

Gruß
Peter
 
Hallo Peter,

ich hoffe es hilft Dir. Wenn ich mich richtig erinnere, war ein Hauptproblem dabei auf kurze Distanz mit einem Teleskop auf den Bildschirm zu fokusieren. Also am besten nimmt man da etwas Kurzbrennweitiges zum Testen - ein Teleobjektiv o.ä..

Gruß

*entfernt*
 
Hi zusammen,

der Schlechtwettermontierungstester war die Idee. Nochmal danke für den Tip.

Damit habe ich sogar hinbekommen über PHD2 die EQ-Plattform zu "guiden". Natürlich nicht aktiv.
Ein Nachführungs Graph sieht dann zB so aus:

phd-test.png

Die Rektaszension sieht bei der besseren Plattform eigentlich mM gar nicht schlecht aus.
Man sieht sogar eine leichte Oszillation über mehrere Sekunden, was ja durchaus durch Getriebe und ähnliches auftreten kann.

Die Deklination bleibt bei beiden überraschend stabil. Hätte ich nicht gedacht. Die Deklination wird ja einfach nur durch die ausgesägten/gefrästen Alu-Blech-Segmente geführt.

Der Schlechtwettermontierungstester ist schon ein bisschen älter. Man bekommt auch irgendeinen Kompatibilitäts Fehler, der aber nichts kaputt macht. Er macht auch genau das was man braucht. Aber der KS-Punkt auf dem Bildschirm könnte kleiner, schärfer sein.

Ich werde mal weiter recherchieren. Eigentlich müsste es doch auch eine neuere Software ähnlicher Art geben.

Ausserdem werde ich auch nochmal der Idee Stellarium dafür zu nutzen nachgehen.
Das Problem wird wahrscheinlich sein, Stellarium so hinzukriegen, dass es genau den zur Ausrichtung des Teleskops auf der Plattform passenden Stern-Bildausschnitt vom Himmel zeigt.

Gruß
Peter
 
Hallo Peter,

tolle Idee den Fehler auszumessen! Ich habs leider nur noch nicht verstanden... Du hast eine Webcam auf deine Plattform gestellt und auf dein Monitor ausgerichtet. Die Software macht die Sternsimulation. Habe ich das richtig verstanden?

Gibts noch eine Möglichkeit vielleicht mit einem Laser etwas auf mm-Papier zu "zeichnen", dass man das Teleskop einfach mit ins spiel bringen kann?!


Ich beschäftige mich auch gerade intensiv mit dem Gedanken eine EQ-Plattform so exakt wie möglich zu entwerfen und Fehler zu minimieren. Später werden damit meine ersten Fotos gemacht (hoffentlich).

Jedenfalls verwenden ja viele den EQ1 als Antrieb. Dies ist leider ein ungeregelter DC Motor. Dies spart zwar enorm Strom im vergleich zu einem Stepper und ist auch unter Umständen viel ruhiger, jedoch wird die Präzession leiden.

Ich habe ein DC Motor mit Encoder und kann daher genau messen, wie viel er im ungeregelten Betrieb daneben liegt.

Testsetup:
  • Teleskop auf ausnihilierte Plattform stellen
  • Plattform auf Start fahren
  • Plattform fahren lassen und manuell auf Sternengeschwindigkeit anpassen. Da ich im Arbeitszimmer war, habe ich dazu eine Stoppuhr genommen und auf die Drehachse geschaut (keinen Stern)
Folgende Kurve normiert auf Winkelsekunden ist dabei entstanden:

1645472559688.png


Die erste Kurve zeigt in einem XY-Diagramm die Abweichung zu genau einer Winkelsekunde. Die zweite Kurve zeigt die sich aufsummierenden Abweichungen.
Jeweils ist am Anfang zu sehen, dass ich noch an der Geschwindigkeit gearbeitet habe. Bei der Aufsummierung habe ich natürlich dort ein "reset" in der Kurve.

Vielleicht findet es jemand genauso interessant wie ich.

Von Belichtungszeiten habe ich leider keine Ahnung. Aber vielleicht kann ja jemand was dazu sagen, was sich anhand dieser Kurve anbieten würde.

Aktuell feile ich an einem PID Regler, der den DC Motor nach Encoder ausregelt. Es sieht aber sogar so aus, als wenn ich einen Kaskadierten Regler bauen muss. Einer regelt schnell die Geschwindigkeit aus und einer Regel langsamer den Langzeitdrift aus. Das wird leider mehr Arbeit als Anfangs angenommen. Und derzeit schwingt der Regler u.U. da das Losbrechmoment des Motors sehr nah mit der Sternengeschwindigkeit zusammen fällt. Also der Motor eigentlich noch zu schnell ist. Vorteil ist dann aber wieder, dass er nicht ewig braucht um die Plattform zurückzufahren.

Viele Grüße

Sebastian
 
Hi Sebastian,
tolle Idee den Fehler auszumessen! Ich habs leider nur noch nicht verstanden... Du hast eine Webcam auf deine Plattform gestellt und auf dein Monitor ausgerichtet. Die Software macht die Sternsimulation. Habe ich das richtig verstanden?
Nein, natürlich nicht nur eine Webcam auf der Plattform.

Der SWMT ist ja dazu da die echte Nachführung der Montierung mit Teleskop im Wohnzimmer zu testen.

Also, das Teleskop, bei mir ein Newton 150/750mm steht auf der EQ-Plattform.
Im OAZ ist eine Astrocam. Das Bild der Astrocam wird auf einem PC in PHD2 angezeigt.
Auf einem 2. PC in ca. 5m Abstand läuft der SWMT. Auf dieses Display wird das Teleskop ausgerichtet so dass der KS von SWMT in PHD2 zu sehen ist, wie ein richtiger Stern.

Den KS lässt man in Stern-Geschwindigkeit durch SWMT in einer gekrümmten Bahn, die der Höhe des Sterns über dem Horizont entspricht, über den Bildschirm laufen.

Das Teleskop mit der Astrocam nimmt diesen Stern auf und durch die Plattform wird es dem KS nachgeführt.
In PHD2 aktiviert man das Guiding auf diesen Stern und bekommt dadurch ein Guiding Diagramm, das die Genauigkeit der Nachführung auf diesen Stern/KS anzeigt.

Der Vorgang in PHD2 ist genau der gleiche, als ob man einem echten Stern nachführen würde.

Gruß
Peter
 
Hallo Peter,

ich glaub ich bekomm auf 5 Meter nicht fokussiert. Geht das bei dir ohne weiteres? Und wie richtest du die Plattform aus? Ist der Monitor dann fix eine Himmelsrichtung?

Sorry der vielen Fragen... würde das auch gern probieren!

VG

Sebastian
 
Hi Sebastian,
ich glaub ich bekomm auf 5 Meter nicht fokussiert. Geht das bei dir ohne weiteres? Und wie richtest du die Plattform aus? Ist der Monitor dann fix eine Himmelsrichtung?
du brauchst entsprechende Abstands-Verlängerungen für den OAZ um in den Fokus zu kommen.
Der Monitor mit dem KS des SWMT sollte genau im Süden der Montierung stehen. Der SWMT erzeugt einen KS mit der Bahnkurve eines Sterns der im Süden knapp über dem Horizont steht.

Da man aber die Aufstellung der Montierung nicht so genau hinbekommt, kann/muss man im SWMT dann die Bahnkurve so anpassen, dass sie mit der Ausrichtung der Montierung übereinstimmt.

Gruß
Peter
 
Hallo Peter,

basierend auf deinen Gedanken, habe ich mir heute Abend gedacht: warum den Spieß nicht einfach umdrehen.

Ich habe eine LED mit ner kleinen Knopfzelle an das Newton geklebt und mit einer halbwegs hochauflösenden Webcam filme ich die LED ab und wandle mit einem kleinen OpenCV Skript, dass ganze in Pixelkoordinaten um. Das ganze geht dann mit Zeitstempel in eine CSV-Datei.

Nun habe ich den Plot und es ist ähnlich wie bei deinem Eingangspost... Und nun? Was könnte man daraus ablesen? Hast du über diese Variante schon weitere Erkenntnisse sammeln können? Sieht ja ganz ähnlich aus wie dein Versuch aus dem ersten Post.
Könnte man schon die Abweichungen in Winkelsekunden grob bestimmt, zumindest die kurzfristigen? Für die Aussage ob es die korrekte Bahn beschreit, müsste man einiges ausmessen und einrichten, dass wäre dann wieder Fehleranfällig.

Hier mal Messaufbau und Pixelplots als XY Diagramm und über die Zeit aufgetragen.


led_webcam.jpeg


1645563046733.png



Viele Grüße

Sebastian
 
Hi Sebastian,

du plottest, wenn ich es richtig verstanden habe, die Bewegung eines Leuchtpunkts/künstlichen Sterns durch die Nachführung.
Am Anfang habe ich so etwas ähnliches auch gemacht, siehe meine Kurve am Anfang. Allerdings mit einen stehenden KS aufgenommen durch das Teleskop, das auf der Plattform steht und dadurch bewegt wird. Also der KS wandert durch das Bild.

Aus diesen Bildern müsste man jetzt den Verlauf/Stabilität der Geschwindigkeit des KS auf seiner Bahn bestimmen. Das ist dann die Qualität der Nachführung in der Rektaszension Achse.

Zweitens müsste man die Bahnkurve messen und die Abweichungen dieser Bahnkurve von der perfekten Kurve in mehreren Punkten bestimmen. Das ist dann die Qualität der Nachführung in der Deklinations Achse.

Beide Qualitäts-Werte konnte ich aus meinen Bildern nicht gut bestimmen. Sie waren mM viel zu unempfindlich auf die hier auftretenden kleinen Abweichungen.

Bei den Messungen mit dem SWMT und PHD2 misst man dagegen dann genau das auf was es ankommt. Es entspricht der Messung einer echten Nachführung am Himmel mit Teleskop und Montierung. PHD2 plottet automatisch die Abweichungen in Rektaszensions- und Deklinations-Achse in Sekunden Grad bestimmt aus dem Abbildungsmaßstab und bestimmt auch statistische Standard-Werte der Abweichung. Was will man mehr?

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter,

ich habe mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen... bei dem SWMT geht es im Grunde auch "nur" im periodische Fehler, die sich schnell wiederholen. Da die Bahnkurve des künstlichen Sterns einfach auf das Leitrohr angepasst wird. Das war denke ich mein Verständisproblem.
Der Programmierer schreibt auch:
"Der künstliche Stern muss am Bildschirm eine Bahnkurve abfahren, die der Bewegung das Leitrohrs entspricht."

Dazu wird quasi eine Ellipsenbewegung auf die Bahnkurve gelegt und die Differenz dazwischen bestimmt.

Ich mit dem Webcam und LED Tracking ist es ähnlich. Jedoch muss für mein Verständnis nur eine Ellipse auf die Aufgezeichneten Punkte gelegt werden. Dazu dann die Differenz ist die Ausgabe von PHD2.

Hier eine Ellipse auf die Pixelpunkte gelegt:
Ellipse_Fit.png


Die Winkelsekunden sollten sich über die geloggte Zeit errechnen lassen.

Ich werde da mal dran bleiben. Aber ich denke ich habe das Tools (SWMT) jetzt verstanden! Danke für deine Erklärung Peter.

Viele Grüße

Sebastian
 
Hallo Peter,

ich schon wieder... _affeaugen:

Ich habe jetzt die Daten von der Motoransteuerung, die ich an meiner EQ-Plattform gesammelt habe, aufbereitet. Anfangs habe ich angenommen, dass mein Geschwindigkeitsregler noch ein "Langzeitziel" also eine Positionsregler benötigt. Dies lag daran, dass ich bloß die Geschwindigkeitsausgabe vorbeirauschen sehen habe. Es ist aber eine Oszillation, wahrscheinlich wegen schlechter Regelereinstellung und das Langzeitziel bleibt dennoch sehr konstant. Also es Oszilliert nur um die Zielgeschwindigkeit herum, wie im Graph zu sehen. Fazit: betrachtet man nur die reine Abweichung des Motorantriebs, gäbe es bei einem geregelten Motor auf Sternengeschwindigkeit nur eine Abweichung von 0,3 Bogensekunden, dies natürlich auch weitestgehend Lastunabhängig.

Weiterhin habe ich für meinen ungeregelten DC-Motor test, also wie bei den EQ1 Motoren, noch ein Plot mit den Abweichungen der Winkelsekunden für verschiedene Belichtungszeiten angefertigt. Ich denke man kann den DC Motor sicher noch etwas feiner einstellen, als ich es in meinem Test geschafft habe.

1645901499587.png


Ich denke es gibt zwei Fehlerquellen im Bereich der Antriebe für EQ-Plattformen: Die ungeregelten DC-Motoren, die Last- und Batteriezustandsabhängig eine falsche Sternengeschwidigkeit fahren und weiterhin dürfte rein mathematisch ein DC-Motor nicht auf einem Ellipsenstück eine Konstantgeschwindigkeit fahren. Die Geschwindigkeit müsste auch elliptisch variieren, aber ich kann nicht sagen, ob das bei der ein oder anderen Plattform wesentliche Fehler herbeiführt und ob der Gedanke rein akademisch ist.

Viele Grüße

Basti
 
Hallo,

ich habe das Thema weiter verfolgt und bin nun überzeugt, dass die Messmethode sehr exakt ist.

Hier mal ein paar Ergebnisse in Bildern....

Ich habe ein Durchlauf gemacht und kaum Abweichungen messen können. Um zu validieren, dass es überhaupt sinnvoll misst, habe ich beim zweiten Durchgang einfach zwei mal ISO-Tape mit ca. 220 um dicke auf ein Ellipsenstück geklebt:
WhatsApp Image 2022-02-26 at 22.27.01.jpeg


Dabei kam folgender Plot raus, der noch in Pixel der Kamera angegeben ist (grün ideale Ellipse, blaue ohne Tape, orange mit Tape):
TestGenauigkeit.png

Da die Angabe in Pixel nicht so sehr viel bringt, habe ich das auf Abweichung in Winkelsekunden normiert. Die Normierung erhält man durch die Pixelvektorlänge die eine gewisse Zeit durchstreift. Eine kurze Linearisierung von ca. 10 Sekunden gemittelt über den gesamten Ellipsenweg (obere Plot ohne Tape, unten mit Tape):
TestGenauigkeitNormWinkelSekunden.png


Anschließend habe ich die Fahrgeschwindigkeit in einer Periode von 10 Sekunden untersucht. Also wenn Abweichungen unter 10 Sekunden entstehen (Periode) kann das hier leider nicht erfasst werden. Dies liegt an der Auflösungsgrenze. Ganz hinten im Plot habe ich mal mit dem Fingernagel auf den Tubus geklopft, um einfach wieder sicher zu gehen, dass es Fehler erkennen kann:

TestGenauigkeitGeschwindigkeitsschwankungen10s.png



Mein Fazit:
Eine Montierung oder EQ-Plattform lässt sich mit dieser Vorrichtung (LED + Webcam) sehr gut in einem kleinen Bereich (< 1h) vermessen, gerade so etwas wie Schneckenfehler und Vibrationen sind gut zu sehen.
Was nicht geht, was aber auch mit dem künstlichen Stern auf dem Monitor nicht gehen sollte: Langzeitfehler -> Also ob die Plattform in der Lage ist eine Stunde lang einen Stern zu verfolgen. Aber das bekommt man auch recht schnell und frustfrei unter freiem Himmel heraus.

Was ich noch gern probieren würde:
Um mögliche Geschwindigkeitsfehler des Antriebs unter 10 Sekunden sinnvoll untersuchen zu können (als die typischen Belichtungszeiten bei einer EQ-Plattform) benötigt man mehr Auflösung. Dazu werde ich wohl entweder einen Laserpunkt auf eine Wand schmeißen müssen oder die LED noch näher an die Webcam heran bringen, falls das mit dem Fokus noch klappt. Dann kann man natürlich nur 5 Minuten messen, aber das wäre dafür ausreichend.

Viele Grüße

Sebastian
 
Hi Sebastian,

tolle Sache. ;)
Noch eine Methode.

Bei meinen Messungen kam übrigens heraus, dass die Genauigkeit in der Deklination bei beiden Plattformen ganz ok war.
Für mich war das überraschend. Ich hätte da mehr Ungenauigkeiten erwartet.
Aber gut, der Radius der durch die Segmente geführt wird, ist halt auch sehr gross. Da spielen dann Ungenauigkeiten in den Lagern keine grosse Rolle mehr.

Problem war bei der einen Plattform die Nachführung in Rektaszension, also der Nachführ-Geschwindigkeit.
Das war auch mit einem KS schwierig zu messen, da man dann die Konstanz der Geschwindigkeit messen muss.
Aber mit der Guiding Messung über PHD2 und dem SWMT war das dann auch kein Problem mehr.

Gruß
Peter
 
Hi Peter,

wie Sebastian anfangs habe ich gerade auch meine Anfangsverständnisprobleme mit der Funktionalität der Software... sie soll ja angeblich einen Stern mit seiner Sterngeschwindigkeit simulieren.
Aber wie funktioniert das? Das Programm hat doch keine Informationen zur Monitorgröße, oder? Es sollte doch einen Unterscheid machen, ob ich den KS in 5m Entfernung auf einem kleinen Laptop, oder auf einem 50" Fernseher "laufen" lasse...

VIele Grüße,
Alex
 
Hi Sebastian,

was ich bei Deiner Auswertung nicht ganz verstanden habe ist, worauf die Abweichung der orangenen Kurve zur grünen Kurve zurückzuführen ist. Wenn ich Dein erstes Diagramm richtig lese, dann stellt es im Prinzip die gemessenen x/y Koordinaten der LED dar. Bedeutet bei einem Wert von etwa 1000 auf der x-Achse hat sich Dein Tubus etwas gesenkt und ist beim Wert von etwa 1400 wieder auf die Ideallinie zurückgefallen... Ich sehe auf Deinem Foto vom Aufbau, dass Du das ISO Tape auf einen kurzen Abschnitt geklebt hast. Kommt die Abweichung zustande, als das Teleskop das Band "überfahren" hat? also der erste Knick beim befahren des Tapes und der zweite als das Tape wieder verlassen wurde? Dann müsste der Ausschlag in der Kurve aber eigentlich nach oben weisen, oder? Das Tape müsste das Teleskop etwas anheben?

Viele Grüße,
Alex
 
Hallo Alex,

ja, genau. Die Abweichung kommt durch das 220 µm dicke Tape zustande. Also ob die Abweichung in die Ellipse "rein geht" oder aus der Ellipse raus, hängt natürlich noch stark vom Testaufbau ab. z.B. ob das Teleskop eine Ellipse unter dem Himmelsäquator (beim Test locker möglich) oder darüber fährt. Ich denke es war darüber und das Teleskop stand auf der Plattform Richtung Nordlager. Die Webcam beginnt glaube ich mit der Pixelzählung oben links. Weiterhin wäre dabei wahrscheinlich noch relevant ob es nach dem "simulieren" Meridian oder davor und auf welcher Seite das Klebeband dazu ist. Mir dreht es schon bei dem Gedanken, das alles Auflösen zu wollen. :geek:
Aber: Insgesamt habe ich mir natürlich über die absoluten Werte wenig Gedanken gemacht, da alles in Relation zueinander gemessen werden kann. z.B. habe ich die Skalierung der Winkelsekunden daran vorgenommen, dass ich weiß, dass über 45 Minuten hinweg, der Motor sehr exakt die Plattform auch die 45 * 60 Sekunden über die X-Y-Koordinaten bewegt. Dies ist dann einfache eine Langzeitbeobachtung an einem echten Stern. Damit habe ich kurze Vektorpfeile über die Ellipse gezogen und den Mittelwert gebildet, dies ist dann die Sternengeschwindigkeit pro Pixel. Anschließend wurden die kurzen Abschnitte der Vektorpfeile herangezogen, um die Abweichung an dem entsprechendem Ellipsenstück in Winkelsekunden auszurechnen. Letztendlich beweißt natürlich auch die erste Fahrt in blau ohne Klebestreifen, dass es funktioniert haben sollte.

Fazit ist: die Ellipsenstücke sind an so einer Plattform peinlichst genau zu erstellen, falls man vor hat 60 Sekunden und mehr zu belichten.

Ich hoffe man versteht so halbwegs was ich sagen möchte. Bin kein so guter Erklärbär.

Falls du bissel Ahnung von OpenCV und Python hast, ich könnte dir gern ein Skript zum Aufnehmen der Koordinaten per Webcam zu *.csv schicken und ein Juptyer Notebook, um nachgelagert die Graphen zu erstellen.

Viele Grüße

Basti
 
Hallo Basti,

ja, dann habe ich das richtig verstanden. Das scheint rechnerisch tatsächlich einen großen Einfluss zu haben. Auf der anderen Seite finde ich es erstaunlich was Holger @komposer mit sehr einfachen Mitteln und einer handgeführten EQ Plattform erreicht hat:
und

Python programmiere ich nicht, aber c# und ein paar andere Sprachen schon. für c# gibt es anscheinend auch einen Port von OpenCV. Ich könnte es wahrscheinlich übertragen, bevor ich mich in Python einarbeite... aber zuerst muss ich mich dran machen meine aktuelle Plattform fertig zu machen. Davor gibt es noch nicht viel zu messen... ;-)

Viele Grüße,
Alex
 
Hi alle EQ-Plattform Anhänger,
Aber wie funktioniert das? Das Programm hat doch keine Informationen zur Monitorgröße, oder? Es sollte doch einen Unterscheid machen, ob ich den KS in 5m Entfernung auf einem kleinen Laptop, oder auf einem 50" Fernseher "laufen" lasse...
interessante Frage, das macht natürlich einen Unterschied.

Vom Test her sollte es aber kein Problem sein. Man stellt und verändert die Kurve am SWMT ja so , dass der Kreis/Ellipsenbogen auf dem Bildschirm dem entspricht den die Montierung abfährt.

Aber so gesehen prüft man "nur", ob und wie die Montierung dann diesen Kreis/Ellipsenbogen korrekt, mit konstanter Geschwindigkeit abfährt.

Es ergibt sich daraus ein wichtiger Punkt bei einer EQ-Plattform, an den ich bisher nicht gedacht habe!

Man muss bei einer EQ-Plattform zusätzlich prüfen, ob die virtuelle Achse auch wirklich konstant in die gleiche Richtung zeigt.
Falls das nicht so ist, ist die Kurve des SWMT auf diesen Fehler eingerichtet und man stellt das nicht fest.
Bei einer parallaktischen Achsen-Montierung ist das kein Problem, da hier die Achse fest und konstant ist.
Bisher habe ich gar nicht an eine fehlerhafte, präzessierende virtuelle Achse gedacht.
Ich denke eine EQ-Plattform hat da auf Grund der Bauart bestimmt fast immer so einen Achsen-Fehler.
Das muss ich unbedingt mal prüfen.

Übrigens testet man beim Einsatz von PHD2 auch wirklich das auf das es in der Praxis ankommt, nämlich den echten Guiding Fehler. Das ist beim Einsatz von PHD2 der Riesenvorteil. Man kann selbstverständlich die EQ-Plattform mit PHD2 genauso auch am echten Himmel testen.

Insgesamt und das ergibt sich auch aus meiner bisherigen Astrofoto Praxis mit der EQ-Plattform wird man schwer mit einer EQ-Plattform ohne aktives Guiding eine längere (>10s) korrekte Nachführung für Astrofotografie erreichen. Für mich ist das aber kein grosses Problem, da ich sowieso ein Anhänger des Live-Stacking mit kurzen Belichtungen (<10s) bin. Man bekommt dabei halt eine hoffentlich leichte Drift (schwarzer Rand im Bild). Das kann man aber auch leicht korrigieren und klein halten, indem man immer mal wieder, zb alle Minute ein Recenter durchführt.

Im Moment bin ich dabei mit meiner Plattform und meinem steuerbaren Dobson ein automatisches Recenter mittels Plate-Solving zu ermöglichen. Manuell geht das natürlich jetzt schon, aber es ist halt ein bisschen unhandlich. Leider muss man dazu einen ASCOM Anschluss/Treiber für den Dobson realisieren, damit zB SharpCap das Recenter automatisieren kann. Das ist SW-technisch etwas "komplex". Aber ich habe schon Lösungsansätze.

Wenn das funktioniert, kann ich auch länger Aufnahmen im mehreren Minuten wahrscheinlich auch Stunden Bereich durchführen.

Gruß
Peter
 
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