Ehemaliges Mitglied
Hallo zusammen!
Na gut, tropisch waren nur die Temperaturen, nicht der Beobachtungsplatz...
Geplant war die gestrige Beobachtungsnacht nicht gewesen. Nach einem heißen Tag hatte es bis Dämmerungsbeginn immer noch kaum abgekühlt, und obwohl ich schon müde war, hätte ich innerhalb meiner Wohnung wegen der Hitze keinen Schlaf gefunden. Also beschloss ich, es mir in meinem Liegestuhl am Balkon gemütlich zu machen.
Halb wach, halb dösend, schaute ich dabei zu, wie ein Stern nach dem anderen auftauchte: Arktur, Spica, Wega, und nach und nach die helleren Sternbilder. Dabei noch eine schöne Musik im Ohr, was will man mehr?
Es wurde immer später und dunkler, aber kaum kühler. Na, das konnte ja eine „heiße Nacht“ geben! Als ich gegen 23.45 Uhr wieder einmal die Augen öffnete, erhaschte ich den Blick auf eine Sternschnuppe. Wunderschön! Sie war recht langsam ein Stück links vom Bootes unterwegs, außerordentlich hell und irgendwie „dick“. Und sie machte den Anschein, eher quer über den Himmel zu ziehen. Ich erinnerte mich daran, dass laut Jahrbuch gerade die Juni-Bootiden unterwegs sein sollten. Heute las ich dort nach, und tatsächlich sollen diese Sternschnuppen auch eher langsam sein.
Nun gut, von dem Gedanken an das Jahrbuch war der nächste Gedanke an einen Artikel in einer Astro-Zeitschrift nicht weit, in dem der Schmetterlings-Sternhaufen vorgestellt worden war. Diesen Sternhaufen wollte ich mir schon längst mal anschauen. Und weil es in dieser Nacht wegen der Hitze mit dem Schlaf sowieso so schnell nichts werden würde, raffte ich mich aus dem Liegestuhl hoch und holte meinen kleinen 60/700er Refraktor heraus auf den Balkon.
Dass der Schmetterlingshaufen ein Messier-Objekt war, wusste ich noch. Und weil ich mir sicher war, dass es sich bei ihm um M 5 handelte, schaute ich das nicht in der Zeitschrift nach, sondern suchte mit Hilfe meines Messier-Buches gleich nach M 5. Etwas seltsam kam mir die Sache schon vor, denn den Schmetterlingshaufen hätte ich eher Richtung Skorpion vermutet gehabt und nicht so hoch oben zwischen Schlange und Jungfrau. Aber was weiß ich schon!
Der Himmel war etwas diesig aus einer Mischung von Saharastaub und dünnen Wolken. So fiel es mir eher schwer, den Schlangenträger, die Schlange und die umgebenden Sternbilder genau genug erkennen zu können, um einen geeigneten Ausgangsstern für die Hüpfstrecke zu M 5 hin zu finden. So peilte ich die Zielgegend einfach auf gut Glück ungefähr an. Mit dem Ergebnis, dass ich im 25 mm Übersichtsokular überhaupt keine Sternkonstellationen erkennen konnte, die auch nur annähernd irgendwas mit denen auf meiner Sternkarte gemeinsam hatten. Ich suchte und suchte und suchte eine Weile herum, bis es mir zu dumm wurde. Dann eben heute kein Schmetterlingshaufen! Es wäre ja zu schön gewesen.
Als ich das Messier-Buch wieder zur Seite legen wollte, fiel mein Blick auf den Begleittext zu M 5. Wieso stand da was über einen Kugelsternhaufen? Einen Moment lang überlegte ich, wie denn ein Kugelsternhaufen schmetterlingsartig aussehen können sollte, bis mir dann die ernüchternde Wahrheit schwante. Könnte es sein, dass ich mich in der Nummer geirrt hatte? Ich recherchierte das, und tatsächlich: Für alle, die den Schmetterlingshaufen suchen, nehmt nicht die Nummer 5, sondern die 6.
Jetzt hätte ich nochmal von vorne anfangen können, aber ehrlich gesagt hatte ich die Schnauze voll von der Aktion „Suche den Schmetterling!“. Außerdem konnte ich den Himmelsbereich, an dem sich M 6 befand, vom Balkon aus nicht einsehen. Und runter gehen hinters Haus wollte ich nicht. Aber nun hatte ich das Astro-Zeug schon rausgeschleppt, da wollte ich nicht schon gleich nach dem ersten Misserfolg alles wieder aufräumen. Und wie gesagt, mit Schlaf würde es sowieso so schnell nichts werden.
Und da Bootes und der Bereich rechts von ihm (ja, das hat eine Himmelsrichtung...
) gut sichtbar waren, suchte ich mir im Messier-Buch eben ein Objekt in dieser Gegend aus. Und das war M 3 in den Jagdhunden. Hier tat ich mich nicht leichter, einen Ausgangsstern fürs Hüpfen zu finden. Deshalb peilte ich mit dem Teleskop wieder nur die ungefähre Gegend an und suchte den Bereich dann langsam nach dem Kugelhaufen ab. Und nach einer Weile tauchte tatsächlich ein helles rundes Nebelfleckchen im Okular auf! Ich verglich den umgebenden Himmelsbereich mit der Sternkarte und beschloss, dass das schon passte. M 3 – gefunden!
Angespornt von diesem Erfolg machte ich mich gleich noch auf die Suche nach M 53 im Haar der Berenike. Auch hier bediente ich mich wieder der „grob anpeilen und dann suchen“ - Strategie. Und es dauerte nicht lange, bis ein ganz zartes rundliches nebliges Etwas durch das Okular huschte. Es ließ sich eher indirekt erkennen als direkt, war aber ganz eindeutig da. Auch hier brachte der Blick in die Sternkarte nicht unbedingt die hundertprozentige Bestätigung. Aber die Himmelsregion stimmte, es war ein Kugelhaufen, und der Begleittext zu M 53 meinte, dass der Haufen sehr unscheinbar sei und eher was für größere Teleskope. Ha! Größere Teleskope – die kennen meinen kleinen feinen 60er nicht...
Die Nacht war inzwischen fortgeschritten, wenn auch noch kaum kühler geworden. Müde war ich nicht mehr, außerdem spukte mir nach diesen positiven Erlebnissen wieder der Schmetterlingshaufen durch den Kopf. Nein, das Teleskop wollte ich nicht mehr runter hinters Haus schleppen. Aber interessieren tat es mich nun zunehmend, ob M 6 überhaupt hoch genug stand, um von dort unten einsehbar zu sein. Außerdem sollte Saturn nun auch schon über den Horizont gestiegen sein, und den konnte ich ebenfalls nur von dort hinterm Haus sehen.
Also zog ich mir schnell was „Ordentliches“ an, schulterte den Klapphocker, nahm Sternkarte und Lampe mit und ging nach unten. Kaum bog ich um die Hausecke, blitzte wieder eine Sternschnuppe im Bootes auf. Im „Stern-Aufgangsbereich“ hinterm Haus fand ich einen nicht allzu hellen Stern - vermutlich Saturn. Überprüfen konnte ich es nicht, denn das Teleskop stand ja immer noch oben am Balkon.
Leider verstellten mir die Nachbarhäuser den Blick auf den Bereich des Skorpions. Und in den Lücken zwischen den Häusern blendeten Straßenlaternen. Ich wanderte (in Hausschuhen) noch ein Stück die Straße entlang, aber da wurden lediglich die Lampen mehr. So kann ich nicht wirklich sagen, ob M 6 hoch genug gestanden hätte. Ich schätze, eher nicht. Mal abwarten, wie sich das die nächsten Wochen entwickelt. Aber vom Gefühl her befürchte ich, dass ich mir den Schmetterling besser aus dem Kopf schlage.
Naja, auf jeden Fall war das gestern endlich mal wieder eine wunderschöne Nacht mit den Sternen. Mit Erfolgen und Misserfolgen und einigen Abenteuern, wie sie einem nur die Astronomie bieten kann.
Ich wünsche euch allen viele schöne Sternen-Erlebnisse in diesen kurzen und vielerorts lauen Sommernächten.
Herzliche Grüße
Sabine
Na gut, tropisch waren nur die Temperaturen, nicht der Beobachtungsplatz...
Geplant war die gestrige Beobachtungsnacht nicht gewesen. Nach einem heißen Tag hatte es bis Dämmerungsbeginn immer noch kaum abgekühlt, und obwohl ich schon müde war, hätte ich innerhalb meiner Wohnung wegen der Hitze keinen Schlaf gefunden. Also beschloss ich, es mir in meinem Liegestuhl am Balkon gemütlich zu machen.
Halb wach, halb dösend, schaute ich dabei zu, wie ein Stern nach dem anderen auftauchte: Arktur, Spica, Wega, und nach und nach die helleren Sternbilder. Dabei noch eine schöne Musik im Ohr, was will man mehr?
Es wurde immer später und dunkler, aber kaum kühler. Na, das konnte ja eine „heiße Nacht“ geben! Als ich gegen 23.45 Uhr wieder einmal die Augen öffnete, erhaschte ich den Blick auf eine Sternschnuppe. Wunderschön! Sie war recht langsam ein Stück links vom Bootes unterwegs, außerordentlich hell und irgendwie „dick“. Und sie machte den Anschein, eher quer über den Himmel zu ziehen. Ich erinnerte mich daran, dass laut Jahrbuch gerade die Juni-Bootiden unterwegs sein sollten. Heute las ich dort nach, und tatsächlich sollen diese Sternschnuppen auch eher langsam sein.
Nun gut, von dem Gedanken an das Jahrbuch war der nächste Gedanke an einen Artikel in einer Astro-Zeitschrift nicht weit, in dem der Schmetterlings-Sternhaufen vorgestellt worden war. Diesen Sternhaufen wollte ich mir schon längst mal anschauen. Und weil es in dieser Nacht wegen der Hitze mit dem Schlaf sowieso so schnell nichts werden würde, raffte ich mich aus dem Liegestuhl hoch und holte meinen kleinen 60/700er Refraktor heraus auf den Balkon.
Dass der Schmetterlingshaufen ein Messier-Objekt war, wusste ich noch. Und weil ich mir sicher war, dass es sich bei ihm um M 5 handelte, schaute ich das nicht in der Zeitschrift nach, sondern suchte mit Hilfe meines Messier-Buches gleich nach M 5. Etwas seltsam kam mir die Sache schon vor, denn den Schmetterlingshaufen hätte ich eher Richtung Skorpion vermutet gehabt und nicht so hoch oben zwischen Schlange und Jungfrau. Aber was weiß ich schon!
Der Himmel war etwas diesig aus einer Mischung von Saharastaub und dünnen Wolken. So fiel es mir eher schwer, den Schlangenträger, die Schlange und die umgebenden Sternbilder genau genug erkennen zu können, um einen geeigneten Ausgangsstern für die Hüpfstrecke zu M 5 hin zu finden. So peilte ich die Zielgegend einfach auf gut Glück ungefähr an. Mit dem Ergebnis, dass ich im 25 mm Übersichtsokular überhaupt keine Sternkonstellationen erkennen konnte, die auch nur annähernd irgendwas mit denen auf meiner Sternkarte gemeinsam hatten. Ich suchte und suchte und suchte eine Weile herum, bis es mir zu dumm wurde. Dann eben heute kein Schmetterlingshaufen! Es wäre ja zu schön gewesen.
Als ich das Messier-Buch wieder zur Seite legen wollte, fiel mein Blick auf den Begleittext zu M 5. Wieso stand da was über einen Kugelsternhaufen? Einen Moment lang überlegte ich, wie denn ein Kugelsternhaufen schmetterlingsartig aussehen können sollte, bis mir dann die ernüchternde Wahrheit schwante. Könnte es sein, dass ich mich in der Nummer geirrt hatte? Ich recherchierte das, und tatsächlich: Für alle, die den Schmetterlingshaufen suchen, nehmt nicht die Nummer 5, sondern die 6.
Jetzt hätte ich nochmal von vorne anfangen können, aber ehrlich gesagt hatte ich die Schnauze voll von der Aktion „Suche den Schmetterling!“. Außerdem konnte ich den Himmelsbereich, an dem sich M 6 befand, vom Balkon aus nicht einsehen. Und runter gehen hinters Haus wollte ich nicht. Aber nun hatte ich das Astro-Zeug schon rausgeschleppt, da wollte ich nicht schon gleich nach dem ersten Misserfolg alles wieder aufräumen. Und wie gesagt, mit Schlaf würde es sowieso so schnell nichts werden.
Und da Bootes und der Bereich rechts von ihm (ja, das hat eine Himmelsrichtung...
Angespornt von diesem Erfolg machte ich mich gleich noch auf die Suche nach M 53 im Haar der Berenike. Auch hier bediente ich mich wieder der „grob anpeilen und dann suchen“ - Strategie. Und es dauerte nicht lange, bis ein ganz zartes rundliches nebliges Etwas durch das Okular huschte. Es ließ sich eher indirekt erkennen als direkt, war aber ganz eindeutig da. Auch hier brachte der Blick in die Sternkarte nicht unbedingt die hundertprozentige Bestätigung. Aber die Himmelsregion stimmte, es war ein Kugelhaufen, und der Begleittext zu M 53 meinte, dass der Haufen sehr unscheinbar sei und eher was für größere Teleskope. Ha! Größere Teleskope – die kennen meinen kleinen feinen 60er nicht...
Die Nacht war inzwischen fortgeschritten, wenn auch noch kaum kühler geworden. Müde war ich nicht mehr, außerdem spukte mir nach diesen positiven Erlebnissen wieder der Schmetterlingshaufen durch den Kopf. Nein, das Teleskop wollte ich nicht mehr runter hinters Haus schleppen. Aber interessieren tat es mich nun zunehmend, ob M 6 überhaupt hoch genug stand, um von dort unten einsehbar zu sein. Außerdem sollte Saturn nun auch schon über den Horizont gestiegen sein, und den konnte ich ebenfalls nur von dort hinterm Haus sehen.
Also zog ich mir schnell was „Ordentliches“ an, schulterte den Klapphocker, nahm Sternkarte und Lampe mit und ging nach unten. Kaum bog ich um die Hausecke, blitzte wieder eine Sternschnuppe im Bootes auf. Im „Stern-Aufgangsbereich“ hinterm Haus fand ich einen nicht allzu hellen Stern - vermutlich Saturn. Überprüfen konnte ich es nicht, denn das Teleskop stand ja immer noch oben am Balkon.
Leider verstellten mir die Nachbarhäuser den Blick auf den Bereich des Skorpions. Und in den Lücken zwischen den Häusern blendeten Straßenlaternen. Ich wanderte (in Hausschuhen) noch ein Stück die Straße entlang, aber da wurden lediglich die Lampen mehr. So kann ich nicht wirklich sagen, ob M 6 hoch genug gestanden hätte. Ich schätze, eher nicht. Mal abwarten, wie sich das die nächsten Wochen entwickelt. Aber vom Gefühl her befürchte ich, dass ich mir den Schmetterling besser aus dem Kopf schlage.
Naja, auf jeden Fall war das gestern endlich mal wieder eine wunderschöne Nacht mit den Sternen. Mit Erfolgen und Misserfolgen und einigen Abenteuern, wie sie einem nur die Astronomie bieten kann.
Ich wünsche euch allen viele schöne Sternen-Erlebnisse in diesen kurzen und vielerorts lauen Sommernächten.
Herzliche Grüße
Sabine