Lasst uns das Thema doch mal von der anderen Seite betrachten. Ich habe hier im Forum, in anderen Foren, bei Astrobin usw mal nach Hinweisen gesucht, wo ein Astrofotograf tatsächlich einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt
Diese Amateure gibt es schon auch, all die Kleinplanetensucher, diejenigen die Veraenderliche beobachten, oder diejenigen, die Bahndaten von Muell im Orbit abgleichen, usw.
Nur ist das Bildmaterial dieser Art i.d.R. als Hingucker denkbar unspektakulaer, das Datensammeln ist Kaernerarbeit und dann als Teil umfassender Bobachtungsdatenbanken sowieso ein Team-Work, dass sich z.T. ueber viele Jahre hinzieht.
Shoemaker-Levi gibt's alle zwanzig Jahre einmal.
Diese Amateure posten weder (oder sehr selten) hier noch auf Astrobin bunte Bildchen. In der Szene geht es in etwa so nuechtern zu wie hier im Spektroskopieforum und es ist eine kleine wenig sichtbare Minderheit, die diese Diskussion hier wohl eher verwundert belaechelt.
Aber wie Du schon sagst, weder machen die hier ein Fass auf, noch verlaufen sich viele (diskutable) Astroknipser hier und eigentlich ist das ein herbeigeredetes Problem. Das tut aber auch Frank in seinem Video nicht, denn irgendwo um Minute 10 stellt er das eigentlich klar.
So weit , so gut.
Gegenrede
in meinem aktuellen Video habe ich ein schwieriges Thema angepackt.
Nein Frank, hast Du nicht.
Was Du in dem Rest des Videos ab Minute 10 da verarbeitest ist eher dein ganz persoenliches Dilemma: Als Musiker, der selber auch mal ein rauchiges Saxophonsolo improvisiert welches auf keinem Notenblatt steht, bist Du Kuenstler und bestehst auf deiner kuensterlischen Promiskuitaet/Freiheit. Als Fotograf bist Du dagegen eher (stock-)konservativ und dementsprechend normierend.
Was sich latent durch deine gesammte Youtube und Forenhistorie zieht, ist die banale Tatsache, dass Du fotografisch (in Ermangelung eines besseren Vergleichs) Naturalist geblieben bist und bei Astrobildern, die in Richtung "Astro-Impressionismus" gehen die Augenbrauen hochziehst und spaetestens bei "M33 goes Pop-Art" heftigstes Sodbrennen bekommst (geht mir uebrigens oft nicht anders...).
Und obwohl Ich deinem Geschmack nicht so fern stehe, ziehen wir offenbar voellig verschiedene Schluesse daraus:
Ich klicke das nonchalant weg, Du hast dagegen tatsaechlich die Tendenz bekommen da normierend eingreifen zu wollen (und wie viele Influencer das Selbstverstaendnis das auch zu koennen). Nur gibt es da halt ein Argumentationsproblem, denn in diesen Dingen diskutiert man schnell ueber Geschmack und historisch/willkuerlich/mehrheitsdominierte Konventionen (siehe teilweise dieser Thread).
Was dir daher fehlt ist ein griffiges Argument, wie man mit dieser "entarteten Kunst" (Du nennt diese verbraemt "krass aesthetisch ueberprozessiert") aufraeumen kann, ohne einfach nur zu sagen "gefaellt mir halt nicht". Und da hast Du dir inzwischen folgende Bruecke gebastelt: Wissenschaftliche Bilder muessen einem trockenen dokumentierendem Standard genuegen (richtig) und sind daher eher "naturalistisch" als ein knalliger Pferdekopfnebel in Pink mit senfgelbem Nachbarnebel (was eigentlich auch schon komplett falsch ist, aber das ist eine andere Sache).
Und da Fotografie in der Amateurastonomie mit den wissenschaftlichen Wurzeln begonnen hat, liegt deinem Verstaendnis nach dieser eher dokumentierende Naturalismus daher naeher an der "richtigen" (vulgo: wissenschaftlichen) Art dies zu tun.
Und daher ist das Video ganz klar rhetorisch dementsprechend aufgebaut: Erst wird das Thema historisch behandelt, daraus wird eine "Tradition" abgeleitet, die dann wiederum als normierend "richtig" postuliert wird. Auch deine gewaehlte Rolle beschreibst Du uns, Frank: Du siehst deine Aufgabe u.a. darin "die frivolen Fotografen und (Pseudo-)Kuenstler" die da aus dem Wilden Westen kommen hin zum dokumentierenden Naturalismus der "richtigen" Amateurastronomie zu fuehren.
Das dabei die argumentative Luft sehr, sehr duenn wird, ist spaetestens bei Minute 26 klar (Zitat): "Wer entscheidet, was ein gutes Astrofoto ist? [...] Erst mal sind es die Leute, die das schon laenger als ihr machen ..."
Soso, Frank, also die konservative Minderheit mit Reichweite normiert per se was "gut" ist?
Sagt wer?
Du?
Die Influencerszene und deren jeweilige selbstbestaetigende Blase?
Der Kegelclub "alle Neune"?
Und warum noch gleich muss das ueberhaupt allgemeingueltig entschieden werden?
Und irgendwo da bricht deine Argumentation halt weitgehend zusammen. Auch in deinem eigentlichen Broterwerbsberuf gilt: Richtig, erfahrene Kuenster sind sehr wohl besser in der Lage zu beurteilen was gutes "Kunsthandwerk / Musikhandwerk" ist (das kann man objektiv bewerten), aber nicht besser oder schlechter als jeder andere, um zu definieren was "gute" Musik ist (weil das dagegen rein subjektiv).
Du schafft es in dem Video nicht "Kunst" und "Kunsthandwerk" sauber auseinander zu halten, ebensowenig wie einen Musiker von einem Komponisten und schaffst es dementsprechend auch nicht das
Handwerk Amateurastronomie von einer vielleicht pfiffigen Idee in einem fuer sich stehenden Astrobild zu unterscheiden und verlaeufst dich dementsprechend in einen Definitionsanspruch von "gutes Bild/schlechtes Bild", der nicht haltbar ist. Um diesen Bruch zu kitten faehrst Du als Hilfstruppe die Wissenschaftlichkeit auf, aber da wird das Eis eigentlich noch duenner, denn "wissenschaftliche Bilder" sind zu 95% alles andere als aesthetisch (koennen es aber zufaellig auch mal sein, aber wenn es dann ein kribbelbuntes SLOAN farbkodiertes Bild ist, dann u.a. eben auch alles andere als
naturalistisch), weil ueberhaupt nicht deren Sinn.
Frank, Du riskierst in dieser persoelichen Frage irgendwann zur tragischen Figur zu werden: Warst Du schon mal in einer Gallerie und wolltest dann den Kunstgenuss im Galleriekaffee gedanklich abschliessen, um dort dann unvermeidlicherweise in den Typen am Nachbartisch zu stolpern, der larmoyant jeden der nicht bei drei auf den Baeumen ist erklaert, warum ihm Matisse sowieso nie was gegeben hat, sondern ihm nur die alten niederlaendischen Meister was sagen?
Diese Leute wo man immer versucht ist aufzustehen und zu sagen: Junge, dann ist das hier eben nicht deine Ausstellung und daher geh' doch einfach in die, die dich anspricht, aber hoer' auf deine persoenlichen Vorlieben zur Norm zu (v)erklaeren.
Es geht eben nicht darum zu diskutieren,
welche Norm nun fuer so ein Hobby die Richtige waere, und
wer die definiert. Ich stellen hier ganz offen dein Postulat in Frage, ob es diese Normiererei bei diesen (Frontalangriff: banalen) Amateurschnappschuessen ueberhaupt braucht.
Du sagst ja, Ich ordne das irgendwo zwischen irrelevant und vermessen ein.
Gruss & CS
PS:
Ich habe 5 Minuten ueberlegt, ob Ich's poste und am Ende tatsaechlich durch Muenzwurf entschieden...
