jweingrill
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Hier ein kurzer Erfahrungsbericht von meiner brandneuen WD-17S:
Zwei Dinge fand ich bei Montierungen schon immer reizvoll: Harmonic Drives bzw. Wellgetriebe und Servomotoren. Nachdem die Steuerung meiner G41 mir Probleme bereitet und ich ohnehin meist nur mit dem TS-RC8" beobachte, wollte ich mir eine neue Montierung zulegen.
Fündig wurde ich bei Skyoptikst. Die boten die WD-17S um knapp 2000€ an; Versand kommt oben drauf. Die Steuerung ist übrigens eine abgekupferte OnStep, wobei ich mir nicht sicher bin, ob alle Lizenzbedingungen eingehalten wurden. Nach langem Überlegen habe ich das Teil bestellt und der Händler hat auch sofort über WhatsApp mit mir Kontakt aufgenommen.
Nach knapp drei Wochen war die Montierung dann in Deutschland, wobei UPS es zwei Mal nicht geschafft hat, vor unser Wohnung stehenzubleiben um das Paket zuzustellen. Letztendlich ist es dann mit zwei Tagen Verzögerung beim Paketshop gelandet. Der Händler "Robert" war übrigens immer bemüht und hat mit Sorge den Trackingstatus von UPS verfolgt.
Der Karton war vom Transport offenbar stark mitgenommen. Die Montierung kommt aber im eigenen Transportkoffer und war gut geschützt. Der Händler hat mir noch eine dreiteilige Gegengewichtsstange (D=20mm, L= 3x100mm) dazugelegt.
Der Montierungsfuß hat ein zentrisches 3/8" Gewinde bzw. 3 M6 Gewinde für die Aufnahme am Stativ. Für Montage und Zusammenbau musste mein Manfrotto-Fotostativ herhalten, das natürlich für einen Echtbetrieb viel zu schwach ist. Der Aufbau (Azimut-Schrauben bzw. -Klemmen) geht in wenigen Minuten von Statten. Die Montierung ist durchwegs hochwertig gearbeitet, jedoch fallen einen sofort die scharfen Kanten an einigen Stellen und an den selbstgefertigten Schrauben auf. Das ist bei anderen Herstellern auch in diesem Preissegment deutlich besser gearbeitet. Die Handsteuerung wird an den ST-4 Anschluss angesteckt, der unüblicherweise als USB-C Buchse ausgeführt ist. Die Verbindung zum PC ist ebenfalls eine USB-C Buchse. Ein entsprechendes Kabel auf USB-A liegt bei.
Nach mehreren Stunden Frust, die Montierung mit Astroberry zu verbinden, musste ich kapitulieren. Astroberry erkennt die OnStep als GPS-Gerät und steigt sich somit selbst auf die Füße – oder besser gesagt auf das serielle Port. Die Support-Gruppe auf Discord hat mir zum Umstieg auf StellarMate geraten. Also nochmals ein paar € weniger im Geldbörserl. Dafür hat die Steuerung vom RaspberryPi4 aus dann auch anstandslos geklappt. Anscheinend muss der indi_lx200_onstep Treiber mindestens in der Version 1.17 vorliegen.
Zwischen durchziehenden Wolkenfeldern konnte ich dann einen schnellen Test am Himmel durchführen:
Als Testoptik musste mein TS-Mak1000 herhalten. Die Stromversorgung übernahm ein Bresser-Powertank. Die Montierung habe ich grob auf den Polarstern ausgerichtet (das ist die Parkposition) und dann ein GoTo zu Vega gestartet. Mit 5º/s bewegt sich die Montierung eher gemächlich. Meine G-41 ist da mit 8º/s merklich schneller unterwegs. Wenigstens wurde Vega so ungefähr getroffen. Das Homing der Montierung und damit die absolute Positionierung am Himmel ist schon ein nicht zu verachtender Vorteil. Da ich pro Nacht aber ohnehin meist nur ein Target aufnehme, ist die Geschwindigkeit zu verschmerzen und war aber für mich ohnehin kein Ausschlusskriterium. Die Bedienung an der winzigen OnStep-Handsteuerung ist für mich zu fummelig.
Pros:
"You get, what you pay for!" trifft es ganz gut. Auch wenn ein mulmiges Gefühl bleibt, wenn man in China bestellen muss, vor allem wenn ein Garantiefall eintreten sollte. Die Montierung hällt – im wahrsten Sinne – was sie verspricht, ein gutes Stativ vorausgesetzt.
Gesamter Text: 2023 © Jörg Weingrill
Zwei Dinge fand ich bei Montierungen schon immer reizvoll: Harmonic Drives bzw. Wellgetriebe und Servomotoren. Nachdem die Steuerung meiner G41 mir Probleme bereitet und ich ohnehin meist nur mit dem TS-RC8" beobachte, wollte ich mir eine neue Montierung zulegen.
Fündig wurde ich bei Skyoptikst. Die boten die WD-17S um knapp 2000€ an; Versand kommt oben drauf. Die Steuerung ist übrigens eine abgekupferte OnStep, wobei ich mir nicht sicher bin, ob alle Lizenzbedingungen eingehalten wurden. Nach langem Überlegen habe ich das Teil bestellt und der Händler hat auch sofort über WhatsApp mit mir Kontakt aufgenommen.
Nach knapp drei Wochen war die Montierung dann in Deutschland, wobei UPS es zwei Mal nicht geschafft hat, vor unser Wohnung stehenzubleiben um das Paket zuzustellen. Letztendlich ist es dann mit zwei Tagen Verzögerung beim Paketshop gelandet. Der Händler "Robert" war übrigens immer bemüht und hat mit Sorge den Trackingstatus von UPS verfolgt.
Der Karton war vom Transport offenbar stark mitgenommen. Die Montierung kommt aber im eigenen Transportkoffer und war gut geschützt. Der Händler hat mir noch eine dreiteilige Gegengewichtsstange (D=20mm, L= 3x100mm) dazugelegt.
Der Montierungsfuß hat ein zentrisches 3/8" Gewinde bzw. 3 M6 Gewinde für die Aufnahme am Stativ. Für Montage und Zusammenbau musste mein Manfrotto-Fotostativ herhalten, das natürlich für einen Echtbetrieb viel zu schwach ist. Der Aufbau (Azimut-Schrauben bzw. -Klemmen) geht in wenigen Minuten von Statten. Die Montierung ist durchwegs hochwertig gearbeitet, jedoch fallen einen sofort die scharfen Kanten an einigen Stellen und an den selbstgefertigten Schrauben auf. Das ist bei anderen Herstellern auch in diesem Preissegment deutlich besser gearbeitet. Die Handsteuerung wird an den ST-4 Anschluss angesteckt, der unüblicherweise als USB-C Buchse ausgeführt ist. Die Verbindung zum PC ist ebenfalls eine USB-C Buchse. Ein entsprechendes Kabel auf USB-A liegt bei.
Nach mehreren Stunden Frust, die Montierung mit Astroberry zu verbinden, musste ich kapitulieren. Astroberry erkennt die OnStep als GPS-Gerät und steigt sich somit selbst auf die Füße – oder besser gesagt auf das serielle Port. Die Support-Gruppe auf Discord hat mir zum Umstieg auf StellarMate geraten. Also nochmals ein paar € weniger im Geldbörserl. Dafür hat die Steuerung vom RaspberryPi4 aus dann auch anstandslos geklappt. Anscheinend muss der indi_lx200_onstep Treiber mindestens in der Version 1.17 vorliegen.
Zwischen durchziehenden Wolkenfeldern konnte ich dann einen schnellen Test am Himmel durchführen:
Als Testoptik musste mein TS-Mak1000 herhalten. Die Stromversorgung übernahm ein Bresser-Powertank. Die Montierung habe ich grob auf den Polarstern ausgerichtet (das ist die Parkposition) und dann ein GoTo zu Vega gestartet. Mit 5º/s bewegt sich die Montierung eher gemächlich. Meine G-41 ist da mit 8º/s merklich schneller unterwegs. Wenigstens wurde Vega so ungefähr getroffen. Das Homing der Montierung und damit die absolute Positionierung am Himmel ist schon ein nicht zu verachtender Vorteil. Da ich pro Nacht aber ohnehin meist nur ein Target aufnehme, ist die Geschwindigkeit zu verschmerzen und war aber für mich ohnehin kein Ausschlusskriterium. Die Bedienung an der winzigen OnStep-Handsteuerung ist für mich zu fummelig.
Pros:
- Leichter (3,5kg) und starker Montierungskopf (13kg bzw. 38Nm)
- Präzise verarbeitet
- Aufnahme für Vixen- und Losmandy-Schiene
- Sehr leise im Betrieb und beim Slewing
- Eingebautes GPS für Position und Uhrzeit
- Gute Unterstützung auf Discord
- Homing und Enkoder auf beiden Achsen
- Rückgabefrist von nur 7 Tage(!) bei ungenutzem Artikel
- Klemmschrauben für Azimut 6mm zu lang und kollidieren mit der Pier-Extension
- Bedienungsanleitung erklärt nicht die Handbedienung
"You get, what you pay for!" trifft es ganz gut. Auch wenn ein mulmiges Gefühl bleibt, wenn man in China bestellen muss, vor allem wenn ein Garantiefall eintreten sollte. Die Montierung hällt – im wahrsten Sinne – was sie verspricht, ein gutes Stativ vorausgesetzt.
Gesamter Text: 2023 © Jörg Weingrill