dromedaris
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Dies wird ein etwas längerer Beitrag. Daher mache ich von Zwischenüberschriften Gebrauch.
=== Vorkenntnisse (Null, außer Sternbilderkennung) ===
Im vergangenen Frühherbst habe ich mich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt. Insbesondere anhand der Seite astroshop.de. Und z.B. auch anhand dieses Beitrages: Omegon N150/750 EQ-3 zu empfehlen?
Nach der Recherche war die Beschlusslage die Anschaffung eines Dobson 6". Aber ich wollte noch nicht die Mittel dafür aufwenden. Jetzt war die Zeit reif, aber ich habe mich dann doch auf eine parallaktische Montierung festgelegt, weil ich mit Stativ einen höheren/flexibleren Aufbau hätte, und so eher möglichkeiten sah, zwei gegenüberliegende Dachfenster als "Fenster" zum Nachthimmel verwenden zu können. Zudem würde ich konkrete Erfahrungen mit der Montierung sammeln. Das in der Überschrift angegebene Omegon-Modell habe ich ausgesucht, weil
a) das Preis/Leistungsverhältnis stimmte,
b) die Userbewertungen überwiegend positiv erschienen (mehr dazu weiter unten) und
c) weil ich mir überlegte, dass ich anhand dieses Modells eine gute Basis dafür hätte, dieses nicht lange danach zu verkaufen, und dann ein "definitives" Teleskop zu besorgen.
Ich hatte übrigens die Extras aus dem sog. Set bestellt (minus Planetenokular, welches alleine schon über die Hälfte des Teleskops gekostet hätte), aber mit Himmelskarte und ein Einsteigerbuch Sterne beobachten für Dummies.
Nachdem ich mich mit der Himmelskarte und dem Buch beschäftigt habe, habe ich das Teleskop ausgepackt und aufgebaut.
=== die Handhabung der EQ-Montierung ===
Gemäß der einschlägigen Empfehlungen habe ich erst mal "Trockenübungen" im normalen Tageslicht gemacht. Das war superinteressant und aufschlussreich. Schade allerdings, dass die Omegon-Anleitung praktisch keine Basisanleitung für die Bedienung der Montierung beinhaltet. Somit habe ich mich größtenteils auf meine technische Intuition bzw. technisches Verständnis verlassen. Zuerst habe ich gedacht: die Einstellung an der Achse mit Stundenangaben ist doch eher für die Höheneinstellung? Lange Rede kurzer Sinn: nachdem ich einige Zeit probiert habe, die Montierung vom Prinzip her zu verstehen, bin ich erst weiter gekommen, als ich mich auf dem Nordpol gestellt habe. Nein, kalt und nass war es überhaupt nicht, denn ich habe im Zimmer auf dem Nordpol gestanden, indem ich die Basis der Montierung auf 90° eingestellt habe. Mein Gedanke war: wenn ich den Tubus genau auf den sich über meinen Kopf befindlichen "Polarstern" einstellen würde, also der Tubus senkrecht nach oben stelle, und dann die Achse mit dem Zeitring (Rektaszensionsachse) verstelle, müsste die senkrechte Position natürlich immer unverändert bleiben. Was ich dann erkenne: das "Ding" bleibt senkrecht stehen, aber dreht sich wie ein Planet um die Polachse der Montierung.
Jetzt wurde klar, warum es so schwer ist, die Montierung auf einem "normalen" 50. Breitengrad-Einstellung intuitiv zu verstehen - und entsprechend die Feineinstellung an einer Achse zum Mitführen ebenso. Es wurde auch deutlich, warum der Tubus je nach Höhenlage so "komische" Positionen einnimmt, wenn ich ein ganz normales Himmelsobjekt ansteuern würde. Das zu verinnerlichen wurde erst einfacher, als ich in meinem "Übungsraum" Oberkörper und Kopf bewusst schräg Richtung des echten Nordpol ausgerichtet habe und dabei die beiden Arbeitsachsen wie im Spiel hin und her verstellte. Am Abend danach (am 16. Februar) kam die erste Kostprobe. Hier wurde auch deutlich, dass das Okular dabei recht "unbequeme" Positionen einnehmen kann, so dass ich den Tubus eigentlich gerne rotieren würde (darauf habe ich verzichtet - wäre nicht ganz trivial). Ein Fazit dazu: es wäre ganz wesentlich einfacher, diese Montierung intuitiv zu verstehen, wenn der Tubus sich nicht wie einen Planeten um eine bestimmte angedachte Achse drehen würde (wie das Nordpolexperiment deutlich machte). Hier sind erste Zweifel gekommen, ob parallaktisch für eine spätere Anschaffung das Richtige für mich ist. Aber: es hat spaß gemacht, mich überhaupt ganz praktisch damit zu befassen!
=== erste Beobachtungen ===
Drei Okulare (25 mm, 6 mm und ein ganz billig anfühlender 2x Barlow) sind Bestandteil des Lieferumfangs. Das ist doch prima, um eine vernünftige Bewertung des Gesehenen bei verschiedenen Vergrößerungen (hier: max. 250x) zu ermöglichen. Natürlich hatte ich Glück, dass gerade einige Planeten gleichzeitig zu sehen waren. Sichel bei Venus (30-fach). Toll. Dann Jupiter. Da müsste aber mehr Vergrößerung her, damit ich etwas von den Strukturen erkennen könnte. Also 125-fach. Das fand ich auch etwas mager, zumal eine gewisse Unschärfe herein kam (und Vibrationen - gleich mehr dazu). Nebenbei habe ich hier die praktische (logische) Erfahrung gemacht, häufiger nachführen zu müssen. Schließlich habe ich den Barlow hinzugenommen.
Um kurzzugehen: während der Recherchen war ich im o.g. Themenstrang zu diesem Teleskop auf das letzte Posting gestoßen. Dort wurde berichtet, dass dieses Teleskop nicht mit einem Parabolspiegel, sondern mit einem sphärischen Spiegel ausgestattet ist (und das steht nicht auf der astroshop-Webseite). In einem anderen Beitrag (woanders) gab es Rechenbeispiele, wonach sphärische Spiegel bei 150 mm Spiegeldiameter nur bei Brennpunktabstände ab 1.200 mm vertretbar wären.
Mit dem Barlow wurde es auch nicht besser. Aber gut, das hat mich nicht überrascht, weil ich bei der Recherche damals mitbekam, dass Barlows nicht unkritisch seien. Der erste Abend wurde so zu einer Enttäuschung (trotz guter Vorbereitung). Ich habe mich gefragt, ob es mit der Kollimation zu tun haben könnte. Aber auch dazu nichts in der Anleitung. Die Stabilität war übrigens auch nicht überzeugend. Sobald ich mit dem Auge das Okular leicht berühre, wackelt das Bild schon etwas. Ich erinnerte mich an einen guten Rat im "Dummies"-Buch: Der Schütteltest.
Was im Prinzip sonst noch Unruhe ins Bild bringen könnte ist die Luft. Die war aber sehr klar und ruhig. Nach Norden stört zwar Stadtlichtverschmutzung, aber zur Südhälfte des Kosmos ist alles gut dunkel - über die Nordeifel.
=== Zwischenstand ===
Bei den Trockenübungen habe ich auch das Sucherröhrchen justiert. Dabei fiel mir schon ein gewisses Spiel auf. Am Abend der ersten Beobachtungen erwies sich das als echter Minuspunkt. Allmählich wurde mir klar, dass mein ursprünglicher Plan, das Teleskop in absehbarer Zeit zu verkaufen und dann ein passendes "Zielinstrument" zu besorgen, modifizieren sollte. Dieses Teleskop könnte ich nicht mit gutem Gewissen einem anderen Einsteiger verkaufen.
Jetzt komme ich auf die bereits angesprochenen Userbewertungen zu sprechen. Erst jetzt fiel mir auf, dass die Bewertungen auf der betreffenden astroshop-Produktseite nicht strikt nach Datum sortiert sind, sondern nach Bewertung, und als nächst Sortierebene erst das Datum. Denn als ich weiter scrollte fand ich Bewertungen mit Detailaussagen, die sich im Wesentlichen mit meinen eigenen Erfahrungen nach einem (längeren) Abend deckten.
So etwas kann man natürlich machen, aber das kann letztlich nicht im Interesse der Firma sein, wenn es dadurch vermehrt zu (kostspieligen) Rücksendungen kommt.
Dieses Teleskop habe ich einige Tage danach wieder in Einzelteilen zerlegt, eingepackt und zurückgesendet.
=== wie weiter? ===
Mir wurde klar, dass ich mindestens 300-fach vergrößern müsste, um ausreichend Details auf Jupiter oder Saturn sehen zu können. Mein nächstes Teleskop sollte also 10" haben, und dann ist Dobson aus Kostengründen schon klar erste Wahl. Aber der Verzicht auf Nachführung mit nur einem Einstellrad würde mir schwerfallen, zumal ich ja gemerkt habe, wie schnell man bei 250-fach nachführen muss (also rein optisch, Fotografie hätte ich eh nicht vor).
Ich wollte also einen "parallaktischen" Dobson haben.
Ich glaube, ich habe die Lösung gefunden. Wie ich feststellte, gibt es ja EQ-Plattformen für Dobsons. Mit ca. eine Stunde Nachführmöglichkeit. Reicht ja völlig aus. Die Dinger kosten ein paar hundert Euro, so dass ich zusammen mit einem passenden Teleskop locker 1.300 € ausgebe. Aber für etwas wovon ich weiß, dass es meine Erwartungen erfüllen wird, ist es das wert. Zudem habe ich mir überlegt, auch Anwohner mit Teleskop-sessions zu beglücken. Gerade dann ist eine EQ-Plattform unerlässlich. Die Idee mit den Anwohnenden kam mir aus der Erinnerung aus dem vergangenen Herbst: ich bemerkte, dass die Wartelisten für Beobachtungsabende bei Sternwarten einige Monate umfassen, und dann geht man zudem das Risiko ein, dass das Wetter nicht passt...
Zwischenzeitlich habe ich versucht, die gewünschte Vergrößerungen genauer abzuschätzen. Lt. Wikipedia (Scheinbare Größe – Wikipedia) hat Jupiter je nach Standort einen relativen Durchmesser zwischen 28 und 50 Bogensekunden. Ich würde mir eine Vergrößerung auf 2-3° wünschen. Um das zu erreichen, müsste ich (ausgehend von 40 Bogensekunden) eine Vergrößerung von 180...270x erreichen. Bei Saturn müsste ich mit etwas weniger Zielwinkel vorlieb nehmen.
=== zum Schluss eine Überraschung ===
Wenige Tage bevor ich dieses Posting schrieb, sah ich durch Zufall in einer Liste von installierbaren Applikationen auf meinem KDE-Linux-System eine Kstars-Applikation, welches ich installieren könnte. Beim flüchtigen Sehen sah ich auch ein Teleskop-Icon. Also habe ich diese App mit großer Neugier installiert.
Diese Art Applikation bildet eine phantastische Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, was man allles unter welchen realen Bedingungen mit einem gegebenen Teleskop sehen könnte. Ich nenne jetzt das Stichwort Deep Sky. In meiner Recherche hatte ich diesen Begriff automatisch mit großen Vergrößerungen in Verbindung gebracht, weil ja das Wort "deep" oberflächlich gesehen darauf hinweist, und man für Deep Sky ja ein ordentliches Teleskop bräuchte. Anhand von Kstars wird (bei Aktivierung eines Overlays) schnell deutlich, dass Deep Sky eher mit größeren Objektwinkeln als bei Planeten einher geht, und die größere Spiegeldurchmesser in erster Linie wegen des für Deep Sky benötigten Lichtsammelvermögens benötigt wird. Mit anderen Worten: Solche Applikationen sind im Grunde genommen ein tolles Werkzeug, um besser seine eigenen Wünsche bestimmen zu können. Kurz und knapp: Ich hätte mir vermutlich den Kauf des Omegon Einsteigerteleskops ersparen können, und über diesen Weg meine Anforderungen festlegen können.
=== Vorkenntnisse (Null, außer Sternbilderkennung) ===
Im vergangenen Frühherbst habe ich mich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt. Insbesondere anhand der Seite astroshop.de. Und z.B. auch anhand dieses Beitrages: Omegon N150/750 EQ-3 zu empfehlen?
Nach der Recherche war die Beschlusslage die Anschaffung eines Dobson 6". Aber ich wollte noch nicht die Mittel dafür aufwenden. Jetzt war die Zeit reif, aber ich habe mich dann doch auf eine parallaktische Montierung festgelegt, weil ich mit Stativ einen höheren/flexibleren Aufbau hätte, und so eher möglichkeiten sah, zwei gegenüberliegende Dachfenster als "Fenster" zum Nachthimmel verwenden zu können. Zudem würde ich konkrete Erfahrungen mit der Montierung sammeln. Das in der Überschrift angegebene Omegon-Modell habe ich ausgesucht, weil
a) das Preis/Leistungsverhältnis stimmte,
b) die Userbewertungen überwiegend positiv erschienen (mehr dazu weiter unten) und
c) weil ich mir überlegte, dass ich anhand dieses Modells eine gute Basis dafür hätte, dieses nicht lange danach zu verkaufen, und dann ein "definitives" Teleskop zu besorgen.
Ich hatte übrigens die Extras aus dem sog. Set bestellt (minus Planetenokular, welches alleine schon über die Hälfte des Teleskops gekostet hätte), aber mit Himmelskarte und ein Einsteigerbuch Sterne beobachten für Dummies.
Nachdem ich mich mit der Himmelskarte und dem Buch beschäftigt habe, habe ich das Teleskop ausgepackt und aufgebaut.
=== die Handhabung der EQ-Montierung ===
Gemäß der einschlägigen Empfehlungen habe ich erst mal "Trockenübungen" im normalen Tageslicht gemacht. Das war superinteressant und aufschlussreich. Schade allerdings, dass die Omegon-Anleitung praktisch keine Basisanleitung für die Bedienung der Montierung beinhaltet. Somit habe ich mich größtenteils auf meine technische Intuition bzw. technisches Verständnis verlassen. Zuerst habe ich gedacht: die Einstellung an der Achse mit Stundenangaben ist doch eher für die Höheneinstellung? Lange Rede kurzer Sinn: nachdem ich einige Zeit probiert habe, die Montierung vom Prinzip her zu verstehen, bin ich erst weiter gekommen, als ich mich auf dem Nordpol gestellt habe. Nein, kalt und nass war es überhaupt nicht, denn ich habe im Zimmer auf dem Nordpol gestanden, indem ich die Basis der Montierung auf 90° eingestellt habe. Mein Gedanke war: wenn ich den Tubus genau auf den sich über meinen Kopf befindlichen "Polarstern" einstellen würde, also der Tubus senkrecht nach oben stelle, und dann die Achse mit dem Zeitring (Rektaszensionsachse) verstelle, müsste die senkrechte Position natürlich immer unverändert bleiben. Was ich dann erkenne: das "Ding" bleibt senkrecht stehen, aber dreht sich wie ein Planet um die Polachse der Montierung.
Jetzt wurde klar, warum es so schwer ist, die Montierung auf einem "normalen" 50. Breitengrad-Einstellung intuitiv zu verstehen - und entsprechend die Feineinstellung an einer Achse zum Mitführen ebenso. Es wurde auch deutlich, warum der Tubus je nach Höhenlage so "komische" Positionen einnimmt, wenn ich ein ganz normales Himmelsobjekt ansteuern würde. Das zu verinnerlichen wurde erst einfacher, als ich in meinem "Übungsraum" Oberkörper und Kopf bewusst schräg Richtung des echten Nordpol ausgerichtet habe und dabei die beiden Arbeitsachsen wie im Spiel hin und her verstellte. Am Abend danach (am 16. Februar) kam die erste Kostprobe. Hier wurde auch deutlich, dass das Okular dabei recht "unbequeme" Positionen einnehmen kann, so dass ich den Tubus eigentlich gerne rotieren würde (darauf habe ich verzichtet - wäre nicht ganz trivial). Ein Fazit dazu: es wäre ganz wesentlich einfacher, diese Montierung intuitiv zu verstehen, wenn der Tubus sich nicht wie einen Planeten um eine bestimmte angedachte Achse drehen würde (wie das Nordpolexperiment deutlich machte). Hier sind erste Zweifel gekommen, ob parallaktisch für eine spätere Anschaffung das Richtige für mich ist. Aber: es hat spaß gemacht, mich überhaupt ganz praktisch damit zu befassen!
=== erste Beobachtungen ===
Drei Okulare (25 mm, 6 mm und ein ganz billig anfühlender 2x Barlow) sind Bestandteil des Lieferumfangs. Das ist doch prima, um eine vernünftige Bewertung des Gesehenen bei verschiedenen Vergrößerungen (hier: max. 250x) zu ermöglichen. Natürlich hatte ich Glück, dass gerade einige Planeten gleichzeitig zu sehen waren. Sichel bei Venus (30-fach). Toll. Dann Jupiter. Da müsste aber mehr Vergrößerung her, damit ich etwas von den Strukturen erkennen könnte. Also 125-fach. Das fand ich auch etwas mager, zumal eine gewisse Unschärfe herein kam (und Vibrationen - gleich mehr dazu). Nebenbei habe ich hier die praktische (logische) Erfahrung gemacht, häufiger nachführen zu müssen. Schließlich habe ich den Barlow hinzugenommen.
Um kurzzugehen: während der Recherchen war ich im o.g. Themenstrang zu diesem Teleskop auf das letzte Posting gestoßen. Dort wurde berichtet, dass dieses Teleskop nicht mit einem Parabolspiegel, sondern mit einem sphärischen Spiegel ausgestattet ist (und das steht nicht auf der astroshop-Webseite). In einem anderen Beitrag (woanders) gab es Rechenbeispiele, wonach sphärische Spiegel bei 150 mm Spiegeldiameter nur bei Brennpunktabstände ab 1.200 mm vertretbar wären.
Mit dem Barlow wurde es auch nicht besser. Aber gut, das hat mich nicht überrascht, weil ich bei der Recherche damals mitbekam, dass Barlows nicht unkritisch seien. Der erste Abend wurde so zu einer Enttäuschung (trotz guter Vorbereitung). Ich habe mich gefragt, ob es mit der Kollimation zu tun haben könnte. Aber auch dazu nichts in der Anleitung. Die Stabilität war übrigens auch nicht überzeugend. Sobald ich mit dem Auge das Okular leicht berühre, wackelt das Bild schon etwas. Ich erinnerte mich an einen guten Rat im "Dummies"-Buch: Der Schütteltest.
Legen Sie die Hand auf den Tubus und rütteln Sie ganz leicht daran. Wenn das Teleskop schwingt und wackelt, sich zu leicht anfühlt oder sich die Montierung allzuleicht bewegen lässt, kaufen Sie es nicht.
Ich habe den Eindruck gehabt, dass ein leichtes Schwingen schon eingetreten ist, wenn ich das teste. Schön, das Omegon im Set ein Buch mitliefert, welches das gelieferte Teleskop (ohne verglichen zu haben) schon zumindest Minuspunkte verpasst.Was im Prinzip sonst noch Unruhe ins Bild bringen könnte ist die Luft. Die war aber sehr klar und ruhig. Nach Norden stört zwar Stadtlichtverschmutzung, aber zur Südhälfte des Kosmos ist alles gut dunkel - über die Nordeifel.
=== Zwischenstand ===
Bei den Trockenübungen habe ich auch das Sucherröhrchen justiert. Dabei fiel mir schon ein gewisses Spiel auf. Am Abend der ersten Beobachtungen erwies sich das als echter Minuspunkt. Allmählich wurde mir klar, dass mein ursprünglicher Plan, das Teleskop in absehbarer Zeit zu verkaufen und dann ein passendes "Zielinstrument" zu besorgen, modifizieren sollte. Dieses Teleskop könnte ich nicht mit gutem Gewissen einem anderen Einsteiger verkaufen.
Jetzt komme ich auf die bereits angesprochenen Userbewertungen zu sprechen. Erst jetzt fiel mir auf, dass die Bewertungen auf der betreffenden astroshop-Produktseite nicht strikt nach Datum sortiert sind, sondern nach Bewertung, und als nächst Sortierebene erst das Datum. Denn als ich weiter scrollte fand ich Bewertungen mit Detailaussagen, die sich im Wesentlichen mit meinen eigenen Erfahrungen nach einem (längeren) Abend deckten.
So etwas kann man natürlich machen, aber das kann letztlich nicht im Interesse der Firma sein, wenn es dadurch vermehrt zu (kostspieligen) Rücksendungen kommt.
Dieses Teleskop habe ich einige Tage danach wieder in Einzelteilen zerlegt, eingepackt und zurückgesendet.
=== wie weiter? ===
Mir wurde klar, dass ich mindestens 300-fach vergrößern müsste, um ausreichend Details auf Jupiter oder Saturn sehen zu können. Mein nächstes Teleskop sollte also 10" haben, und dann ist Dobson aus Kostengründen schon klar erste Wahl. Aber der Verzicht auf Nachführung mit nur einem Einstellrad würde mir schwerfallen, zumal ich ja gemerkt habe, wie schnell man bei 250-fach nachführen muss (also rein optisch, Fotografie hätte ich eh nicht vor).
Ich wollte also einen "parallaktischen" Dobson haben.
Ich glaube, ich habe die Lösung gefunden. Wie ich feststellte, gibt es ja EQ-Plattformen für Dobsons. Mit ca. eine Stunde Nachführmöglichkeit. Reicht ja völlig aus. Die Dinger kosten ein paar hundert Euro, so dass ich zusammen mit einem passenden Teleskop locker 1.300 € ausgebe. Aber für etwas wovon ich weiß, dass es meine Erwartungen erfüllen wird, ist es das wert. Zudem habe ich mir überlegt, auch Anwohner mit Teleskop-sessions zu beglücken. Gerade dann ist eine EQ-Plattform unerlässlich. Die Idee mit den Anwohnenden kam mir aus der Erinnerung aus dem vergangenen Herbst: ich bemerkte, dass die Wartelisten für Beobachtungsabende bei Sternwarten einige Monate umfassen, und dann geht man zudem das Risiko ein, dass das Wetter nicht passt...
Zwischenzeitlich habe ich versucht, die gewünschte Vergrößerungen genauer abzuschätzen. Lt. Wikipedia (Scheinbare Größe – Wikipedia) hat Jupiter je nach Standort einen relativen Durchmesser zwischen 28 und 50 Bogensekunden. Ich würde mir eine Vergrößerung auf 2-3° wünschen. Um das zu erreichen, müsste ich (ausgehend von 40 Bogensekunden) eine Vergrößerung von 180...270x erreichen. Bei Saturn müsste ich mit etwas weniger Zielwinkel vorlieb nehmen.
=== zum Schluss eine Überraschung ===
Wenige Tage bevor ich dieses Posting schrieb, sah ich durch Zufall in einer Liste von installierbaren Applikationen auf meinem KDE-Linux-System eine Kstars-Applikation, welches ich installieren könnte. Beim flüchtigen Sehen sah ich auch ein Teleskop-Icon. Also habe ich diese App mit großer Neugier installiert.
Diese Art Applikation bildet eine phantastische Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, was man allles unter welchen realen Bedingungen mit einem gegebenen Teleskop sehen könnte. Ich nenne jetzt das Stichwort Deep Sky. In meiner Recherche hatte ich diesen Begriff automatisch mit großen Vergrößerungen in Verbindung gebracht, weil ja das Wort "deep" oberflächlich gesehen darauf hinweist, und man für Deep Sky ja ein ordentliches Teleskop bräuchte. Anhand von Kstars wird (bei Aktivierung eines Overlays) schnell deutlich, dass Deep Sky eher mit größeren Objektwinkeln als bei Planeten einher geht, und die größere Spiegeldurchmesser in erster Linie wegen des für Deep Sky benötigten Lichtsammelvermögens benötigt wird. Mit anderen Worten: Solche Applikationen sind im Grunde genommen ein tolles Werkzeug, um besser seine eigenen Wünsche bestimmen zu können. Kurz und knapp: Ich hätte mir vermutlich den Kauf des Omegon Einsteigerteleskops ersparen können, und über diesen Weg meine Anforderungen festlegen können.