Verrenkungen und Perspektivverwirrung

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Ehemaliges Mitglied

Hallo zusammen,

die lauen Temperaturen und der klare Himmel lockte mich heute Nacht mit dem 60/700er Teleskop auf den Balkon. Ich hatte keine konkreten Pläne, nur Lust auf spontanes Sternegucken.

Da der Mond verführerisch genau in vermeintlich bester Beobachtungsposition stand, nahm ich ihn ins Visier. Leider war er schon recht tief herab gesunken, so dass ich von meinem Hocker aus kaum ins Okular schauen konnte, auch wenn ich mich so weit nach oben streckte, wie es ging. Da fiel mir ein, dass man den Zenitspiegel im Okularauszug ja drehen kann, um dann seitlich ins Teleskop zu blicken anstatt von oben. Das mache ich eigentlich nie, weil mich das von der Orientierung her dann zusätzlich zum seitenverkehrten Bild durch den Zenitspiegel völlig aus der Bahn wirft. Aber gut, dachte ich mir heute, beim Mond macht das ja nicht so viel aus. Also drehte ich den Zenitspiegel um ca. 90 Grad nach rechts - und war ganz perplex, weil der hell beleuchtete Teil des Mondes im Okular plötzlich fast genauso ausgerichtet war wie in "echt" beim freiäugigen Anblick! Ich hab keine Ahnung, aber vielleicht kann man so das Seitenverkehrte aufgrund des Zenitspiegels wieder etwas ausgleichen. Zumindest beim Mond schien das zu funktionieren.

Eine Weile genoss ich den Anblick des Mondes und fragte mich mal wieder, wieso ich ihn eigentlich so selten beobachtete.

Als ich vom Mond und dem ungewohnten Seiteneinblick ins Teleskop genug hatte, drehte ich den Zenitspiegel wieder zurück. Ich ließ meinen Blick über den Himmel schweifen und überlegte, was sich denn als Beobachtungsobjekt noch spontan anbieten würde. Der Löwe war noch gut zu sehen, aber wegen der Straßenbeleuchtung von unten, die eine halbwegs brauchbare Dunkeladaption unmöglich machte, verwarf ich den Gedanken an das Leo Triplet sofort wieder.

Das mit den Galaxien verließ meinen Kopf allerdings nicht vollständig. Denn vor einer Weile hatte ich die Gelegenheit, durch ein 20 Zoll Newton-Teleskop dieses Galaxienpaar M 51 zu sehen, und da der große Wagen ja gerade so hoch steht, dachte ich, es wäre ja mal wieder einen Versuch wert, ...

Tja, der fragliche Himmelsbereich war dann aber so zenitig, dass ich trotz Verrenkungen nicht hingucken konnte. Also gut, dann warte ich eben, bis der Wagen wieder etwas tiefer steht.

Ich beschloss, mit dem 25 mm Okular einfach ein wenig am Himmel herum zu schauen. Auf bequemer Einblickhöhe, nur mal Sternketten suchen. Und so fand ich in einem Himmelsareal auch gleich ein sehr hübsches Arrangement. Nun interessierte mich, wo ich denn gerade war. Deshalb holte ich mir den Karkoschka und stellte fest, dass ich nahe der Dachspitze des Kepheus-Hauses sein musste. Dieses Sternbild hab ich bis jetzt eher vernachlässigt. Ich studierte die Sternkarte, um die Kette, die ich da gefunden hatte, einem Bereich zuordnen zu können. Aber das wurde nichts.

Da fiel mir auf, dass laut Karte nahe dieser Gegend der Sternhaufen M 52 zu finden sein sollte. Ich peilte den entsprechenden Bereich an und versuchte, irgend eine Sternformation von der Karte am Himmel wiederzufinden, um von dort aus zu dem Haufen zu navigieren. Aber das war wegen dem seitenverkehrten Bild sehr verwirrend. Ich strengte mich an, die Karte richtig herum zu halten und mir dann alles seitenverkehrt vorzustellen. Aber für sowas fehlt mir einfach das nötige Talent.

Mir kam das mit dem Mond und dem wieder halbwegs "richtig" aussehenden Abbild von ihm im gekippten Zenitspiegel wieder in den Sinn. Und in mir keimte die vage Hoffnung, dass durch das Verkippen und den seitlichen Einblick vielleicht auch jetzt der Anblick im Okular einigermaßen seitenrichtig sein könnte. Was soll ich euch sagen? Orientierungsmäßig war diese Schnapsidee eine einzige Katastrophe! Im Okular sah ich etwas, das wie ein netter, etwas verzogener großer Wagen in klein aussah und eine schöne Sternkette, die davon ausgehend nach unten zog. Wo auch immer dieses "unten" in Wirklichkeit sein mochte! Auf der Sternkarte fand ich eine Struktur, die so ähnlich aussah. Aber dann hätte der Anblick im Okular mit dem um 90 Grad nach rechts verdrehten Zenitspiegel halbwegs seitenrichtig sein müssen. Und das kann ich mir nicht ernsthaft vorstellen, auch wenn es beim Mond so ausgesehen hatte.

Ich versuchte noch ein wenig, anhand der fraglich gefundenen Sternformation zu M 52 zu finden. Aber jetzt bewegten sich die Sterne quer durchs Bild, wenn ich das Teleskop in der waagerechten Achse bewegte. Und ich wusste zum Schluss nicht mehr, was rechts und was links war und ob ich jetzt noch seitenverkehrt denken musste oder seitenrichtig.

Am Ende war mir dann M 52 ziemlich egal. Es gab in dieser Gegend viele schöne Sternarrangements. Und wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, hätte ich einfach mal so ein Sternfeld gezeichnet. Auch, wenn ich keine Ahnung hatte, was, wo und wie das alles in Wirklichkeit am Himmel stehen mochte. Denn eigentlich ist es doch ganz egal, wie herum diese Sterne "richtig" wären - solange man nicht versucht, sie mit einer Sternkarte zu vergleichen.

Ich wünsch euch allen ebenfalls viele schöne Beobachtungserlebnisse - möglichst ohne Richtungsverwirrungen. :)

Herzliche Grüße und allseits klare Nächte,
Sabine
 
Hallo Sabine,

schöner Bericht und in vielen Punkten nachvollziehbar. ;)

Aber, hast du mal über ein Amici-Prisma anstelle des originalen Zenitspiegels nachgedacht? Das Prisma richtet das Bild wieder auf und du siehst durch das Okular das gleiche wie mir freiem Auge (nur eben vergrößert). Das hat mir bei meinen ersten visuellen Schritten ungemein geholfen.

Vielleicht sorgt das auch für mehr Erfolgserlebnisse bei dir?

Gruß und CS
Mike
 
Hallo Sabine,
ja ich meine auch, der Kauf eines Amiciprisma wäre nicht verkehrt. Benutze es am C 8 und habe den gleichen Anblick wie im Bino-

Gruß Günther
 
Ich hatte am Anfang auch Schwierigkeiten, M52 zu finden.
Was helfen kann:
M52 ist kein grosser Sternhaufen. Wenn man mit niedriger Vergrösserung / grossem Gesichtsfeld sucht, kann man den leicht übersehen. Insbesondere wenn man grössere Sternhaufen im Hinterkopf hat.
Ich suche M52 immer via Beta Cas auf. M52 liegt dann fast auf der Verlängerungslinie Alpha Cas - Beta Cas.

Grüße, Tom
 
Guten (viel zu frühen :giggle:) Morgen, ihr Lieben.

Vielen Dank für euere Tipps!

Ja, so ein Amiciprisma ist Gold wert. In meinem 80er Teleskop steckt eines drin, und das erleichtert die Orientierung am Himmel sehr. Im Grunde hätte ich letzte Nacht einfach die Teleskope tauschen können und die Sache wäre in einigen Punkten komfortabler geworden. Aber man braucht ja hin und wieder seine Herausforderungen. Außerdem war ich, ehrlich gesagt, zu fau... sziniert vom Sternenhimmel, um nochmal umzubauen. :)

Das mit M 52 werd ich bestimmt nochmal versuchen. Aber dann mit dem 80er.

Herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine,

Du kannst ja mal tagsüber durch das Teleskop gucken und Dir notieren, wie der Anblick jeweils ausgerichtet ist. Ich weiss nicht, wie Du es bewegst, aber auch das Drehen der Wellen im Uhrzeigersinn oder gegen d. U. kannst Du Dir ja mal entsprechend der Bewegung des Teleskops am Himmel (links, rechts, hoch, runter) notieren. Bei einem Dobson oder einer azimutalen Montierung ist sowas natürlich direkt intuitiv (hoch ist hoch, etc.).

Welche Sucher benutzt Du denn? Normalerweise kommt man ja bereits mit einem geradsichtigen Leuchtpunktsucher relativ genau in die Beobachtungsregion und kann dann mit niedriger Vergrößerung schon im Teleskop das Objekt sehen bzw. dessen Sternnachbarn. Und dann höher vergrößern.

Dies wären meine Tips ohne weitere Investitionen. Ein Amiciprisma kann helfen, muss aber eben besorgt werden.

CS,
Henning
 
Du kannst ja mal tagsüber durch das Teleskop gucken und Dir notieren, wie der Anblick jeweils ausgerichtet ist. Ich weiss nicht, wie Du es bewegst, aber auch das Drehen der Wellen im Uhrzeigersinn oder gegen d. U. kannst Du Dir ja mal entsprechend der Bewegung des Teleskops am Himmel (links, rechts, hoch, runter) notieren. Bei einem Dobson oder einer azimutalen Montierung ist sowas natürlich direkt intuitiv (hoch ist hoch, etc.).
Ah, das ist eine gute Idee!
Ich hab eine einfache Alt/Az Montierung, die kann ich ziemlich frei bewegen.

Am 60er Teleskop habe ich einen Leuchtpunktsucher. Mit dem kann ich ein Zielgebiet ganz gut ansteuern. "Interessant" wird es dann erst, wenn ich mit Hilfe der Sternkarte sternehüpfend meine Objekte ansteuere. Da macht mich das seitenverkehrte Bild regelmäßig wahnsinnig, weil ich zwischen Kartenansicht und dem Bild im Okular umdenken muss.

Aber, wie schon geschrieben, mit dem 80/400er geht das alles bedeutend besser. Das hat ein Amiciprisma und liefert ein seitenrichtiges Bild. Außerdem hat es bei schwacher Vergrößerung ein großes Gesichtsfeld. Für gezielte Objektsuchereien sollte ich besser dieses Teleskop benutzen. Allerdings ist dieses Teleskop mit einem Häkelsucher zum groben Anpeilen ausgestattet. Den Leuchtpunkt-Luxus gibt es nur beim seitenverkehrten 60er. Aber das geht schon auch.

Vielen Dank für all euere Tipps!

Herzliche Grüße
Sabine
 
Ciao,

zwei Ratschläge (die ich selber - erfolgreich ;) - anwende seit Jahren)

1. Sucher und Hauptteleskop müssen den gleichen Strahlengang haben. Also beide Amici-Prisma, oder beide Zenitprisma, oder beide ohne Prisma, oder beide Newton-Teleskope. Ansonsten dreht man durch beim StarHopping und komplexeren Suchen ! Man kann sich solche Änderungen nicht wirklich vorstellen, kann man vergessen !

2. Wenn man Kartenprogramme wie Guide oder CdC am Teleskop (anstatt Papierkarten) benutzt, kann man die Software Spiegelungen (ZP) oder Verdrehungen jeder Art (AltAz Montierung oder sonst. Drehungen) reinrechnen lassen. Dann sieht die Karte so aus,c wie das was ich sehe im Okular. Bzw. ERST WENN es auf dem Screen so aussieht, fange ich meine Suche per StarHop überhaupt erst an. Nebenbei hat Software viel höhere Grenzgrössen...

Weitere Info zum StarHop:

Mit click auf das e4s icon oben rechts kommen noch mehr Artikel...

LG, Peter
 
> Da macht mich das seitenverkehrte Bild regelmäßig wahnsinnig

Mein Vorredner hate es eben erwähnt: Besoge dir ein 90° Amici-Prisma für die Aufsuche. Dann hast du wenigstens den gleichen Anblick wie durch den Peiler und auch den der Sternkarte. Zjm Beobachten kannst du dann ja wiedr auf Zenitspiegel wechseln. Das Amici ist im Grunde für Erdbeobachtungen gedacht und für intensivere Beobachtung astr. Objekte eher weniger geeignet.

Nicht jeder kann die Ansichten im Teleskop entsprechend umsetzen. Das erfordert schon einige Übung. Für die Objekte, die du aufsuchen willst, würde ich mir vorher entsprechend dem Teleskopanblick orientierte Aufsuchkarten ausdrucken. Das erfordert natürlich einiges an Vorausplanung. Oder man nimmt (ich hatte lange ein Netbook im Einsatz) einen kleinen Compi mit ans Teleskop, läßt sich da die entsprechende Aufsuchkarte richtig orientiert einblenden und kann dann sogar noch Kreise mit dem erreicbaren Gesichtsfeld eines bestimmten Okulars anzeigen. So habe ich das x-Jahre lang gemacht.
Einen Ordner mit selbstgedruckten Aufsuchkarten hatten früher viele Kollegen am Mann. Das war eigentlich ziemlicher Standard.

Hast du eigentlich den Akrkoschka? (Atlas für Himmelsbeobachter)? Mit dem Buch legt man eigentlich los...
 
Hallo Sabine,

ich benutze ein durchsichtiges Klemmbrett, lege die Sternkarte mit der bedruckten Seite nach unten darauf und beleuchte das Ganze von der Rückseite aus mit einer angeklemmten Rotlicht-Kartenlampe. Auf diese Weise stimmt die Vorlage mit dem Anblick im Teleskop überein.

Viele Grüße
Egbert
 
Hallo zusammen,

ich benutze ein durchsichtiges Klemmbrett, lege die Sternkarte mit der bedruckten Seite nach unten darauf und beleuchte das Ganze von der Rückseite aus mit einer angeklemmten Rotlicht-Kartenlampe. Auf diese Weise stimmt die Vorlage mit dem Anblick im Teleskop überein.
Das ist ein prima Tipp!

Einen Ordner mit selbstgedruckten Aufsuchkarten hatten früher viele Kollegen am Mann.
Das klingt sehr sympathisch. Ich bin auch noch eher die Generation "Ordner mit ausgedruckten Sternkarten".

Den Karkoschka besitze ich. Für die Detailkarten dort hab ich mir auch mal eine Schablone mit dem Gesichtsfeld gebastelt, das ich beim 80er Teleskop (das ist mit einem Amiciprisma bestückt und liefert ein seitenrichtiges Bild) mit dem 25 mm Okular habe. Das ist schon sehr hilfreich zum Aufsuchen.

1. Sucher und Hauptteleskop müssen den gleichen Strahlengang haben. Also beide Amici-Prisma, oder beide Zenitprisma, oder beide ohne Prisma, oder beide Newton-Teleskope. Ansonsten dreht man durch beim StarHopping und komplexeren Suchen ! Man kann sich solche Änderungen nicht wirklich vorstellen, kann man vergessen !
Das kann ich gut nachvollziehen.

Ich benutze keinen vergrößernden Sucher. Das 80er hat eigentlich so einen, den hab ich aber außer Betrieb genommen. Denn das hat das Umdenk-Chaos noch größer gemacht, weil ich wegen der Vergrößerung nicht mehr wusste, wo am Himmel ich denn gerade hin schaute.

Mein aktuelles Orientierungsproblem bestand eher wegen dem Unterschied zur Kartenansicht. Deshalb sollte ich für solche Sternhüpfereien am besten das 80er Teleskop mit seinem Amiciprisma benutzen, weil dann die Ansicht im Teleskop mit der auf der Karte übereinstimmt. Oder beim 60er Teleskop mit Zenitspiegel eben die Karte "auf links drehen".

Danke für euere Ideen und Hinweise!

Schönen Sonntag euch allen und herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo,
....und fürs aufsuchen dienen mir die Coeli-Sternkarten, Forma DIN A 3, 1xgefaltet, außerdem die losen Karten des AAVSO-Atlasses. Habe bis jetzt so ziemlich alles gefunden, wenn es auch "mehr als 10 Min." gedauert hat......
Nichts gegen GOTO, jedoch durch die Star-hopping-Methode lernt man den Himmel besser kennen.....

Gruß Günther
 
Hallo Günther,

wenn es auch "mehr als 10 Min." gedauert hat......
O ja! Dass das länger dauern kann, kenne ich sehr gut. :giggle: Aber das gehört meiner Ansicht nach zu unserem Hobby dazu. Umso mehr freut man sich, wenn man das lange gesuchte Objekt irgendwann findet.

jedoch durch die Star-hopping-Methode lernt man den Himmel besser kennen.....
Das sehe ich ebenso. Und es ist schön, wenn man beim Suchen in eine Himmelsgegend kommt, die einem plötzlich bekannt vorkommt.

Herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine,
danke für deine netten Zeilen. Du hast es auf den Punkt gebracht, und pflichtest mir bei, was ja nicht selbstverständlich ist.

Viele Grüße
Günther
 
(...)
Mein aktuelles Orientierungsproblem bestand eher wegen dem Unterschied zur Kartenansicht. Deshalb sollte ich für solche Sternhüpfereien am besten das 80er Teleskop mit seinem Amiciprisma benutzen, weil dann die Ansicht im Teleskop mit der auf der Karte übereinstimmt. Oder beim 60er Teleskop mit Zenitspiegel eben die Karte "auf links drehen".
(...)

Hi nochmal,

nur um das mit dem StarHop nochmal ganz klar zu ziehen:
Es ist letztlich egal mit welchem Strahlengang Du irgendwas siehst.

Wichtig ist: drehe (und spiegele) die Karte (schon am Ausgangspunkt Deines StarHops !!!) so, dass das was im Okular erscheint 1:1 der Karte entspricht. Daher ist Software gut. Den Auschnitt machst Du (zum Okular-GF) passend. Die Grenzgrösse kannst Du einfach hoch/runterdrehen, wie Du es siehst und den Dreh-Winkel bzw. die Spiegelung kannst Du auch gestalten wie Du willst (das sind i.a. 1-2 clicks). Jede gedruckte Karte ist eben die meiste Zeit nur 'falsch' oder 'nicht wirklich passend'. Du brauchst das Detail in der Karte, das Du vor Augen hast !

DANN: gehst Du mit dem Gesichtsfeld GF weiter in die Richtung wo Dein gesuchtes Objekt (auf der gerehten/gespiegelten Karte jetzt) steht. Da Karte und Okular immer übereinstimmen (müssen ! sonst gehst Du nicht weiter...) bleibst Du immer orientiert.

Was Nord/Süd, Ost/west, Oben/unten (gespiegelt oder sonstwas) ist in diesem Moment, ignorierst Du dabei komplett. Du konzentrierst Dich auf
Okular und den Vergleich mit der (gleich orientierten) Karte. Fertig.
So kommt man garantiert ans Ziel.

Insofern ist der Tip mit dem Amici-Prisma (vielleicht manchmal hilfreich, aber letztlich doch) leider zweitrangig.
Beispiel: Ein Newton KANN gar kein Amiciprisma einsetzen, oder !? Was meinst Du wie die 20"-Dobsonianer mit ihren Newtons (ich bin einer) dann schwächste Objekte bei 15mag Helligkeit finden ? So wie ich schrieb...

NUR: WENN Du 2 optische Instrumente parallel hast sollten beiden die selbe Orientierung liefern (um keine Verwirrung z erzeugen). DAS meinte ich oben.

Günstig sind i.a.:
- ein Telrad statt Peilsucher, weil man damit auch Abstände (0.5/2/4° und Vielfache) 'messen' kann
- Okulare mit grossem Eigengesichtsfeld (UWW Okulare mit 82° oder mehr wären ratsam), um möglichst grossen Überblick zu haben
- kurzbrennweitige Teleskope, weil damit die Feldgrösse (GF) auch gross wird (wenn man z.B. keine UWW Okulare hat)

Es lohnt sich, das StarHoppen gut zu lernen und RICHTIG zu machen. Ganz einfach weil die Objektsuche ja ganz am Anfang steht beim Beobachten. Wenn man das nicht gut kann, murkst man immer irgendwie rum und vergeudet wertvolle Zeit unter 21.5mag/sas Neumondhimmel bei Bestwetter... (was es vllt. nur 3x pro Jahr gibt). Das wäre natürlich echt blöd. Ausserdem beobachtet man ohne guten StarHop 'sein Leben lang M42' - und es gibt so viel mehr. Das wäre dann schade.

Weiteres in meinem Artikel von oben falls nötig.

Good luck + lg,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hier zur Illustration mal eine Guide 9.1 Software-Karte mit M52 (links die Cassiopeia). Telradkreise mit 0.5/2/4° Durchmesser im Zentrum.
M52 ist mittig halbrechts, knapp oberhalb der Ekliptik.
Links unten eine Legende mit Sterngrössen und Orientierung (die auch gedreht werden könnte natürlich).

Natürlich kann man das auch mit CdC machen...

Guide 9.1 darf man allerdings mittlerweile auch legal kopieren...

M52_Guide9.1.JPG



Und hier der Closeup auf M52:

M52_Guide9.1_closeup.JPG


Und noch weiter reingezoomt (schau mal die Grenzgrösse links unten in der Legende ! - man hat also immer alle Sterne im Blick... ;-)
(Die DSS Overlays kann man auch ausblenden, wenn sie stören, klar).

M52_Guide9.1_closeup2.JPG


Dann good luck !
:y:;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter,

vielen, vielen Dank für Deine Tipps!

Mit diesen digitalen Karten werd ich nur eingeschränkt warm. Die haben für mich viel zu viele Funktionen, mit denen ich mich nicht auskenne. Mit Stellarium komme ich fürs Nötigste zurecht, aber ich bin einfach der Papierkartentyp.

Vor einer Weile hab ich mir so einen frei verfügbaren Deep Sky Atlas aus dem Internet besorgt, bei dem man die Karten ausdrucken kann. Vom Maßstab her passen die zu meiner Gesichtsfeldschablone, die ich für das 80er Teleskop mit dem 25 mm Okular gebastelt habe. Das geht ganz gut, wenn ich einen hellen Stern als Ausgangspunkt fürs Sternehüpfen habe - und, wenn Karte und Bild im Teleskop seitenrichtig sind. Beim 80er ist das ja so.

Herzliche Grüße und lieben Dank an euch alle für euere Hilfe
Sabine
 
Ciao Sabine,

Du bist nicht alleine, die meisten mögen keine Digitalkarten, trotz (wegen?) Ihrer (zu hohen ?) Flexibilität (eher wohl: etwas Computer-Abneigung in der Freizeit und fürs Hobby). Meine Erfahrungen damit sind aber definitiv sehr gut, und daher empfehle ich es jedem/jeder der/die nicht schnell genug wegläuft... :LOL:

Die grundsätzliche Methodik von oben ist mit Analogkarten aber natürlich genauso beim StarHop, geht also auch analog (bis auf das Spiegeln beim Einsatz eines ZP, das ist natürlich blöd, also dann doch besser Amici statt ZP ;-).

Dann good luck, :y:
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
> natürlich genauso beim StarHop, geht also auch analog (bis auf das Spiegeln beim Einsatz eines ZP

Ich meine, das ist eine Sache der Gewöhnung. Wenn ich eine lange Zeit hintereinander mit Refraktoren beobachtet habe, dann ist der Blick durch einen Newton tatsächlich auch erstmal wieder ungewohnt. Es bleibt einem ja auch überlassen Aufsuchkarten gleich gespiegelt auszudrucken - neben einer normalen Variante. Wie geschrieben, diese beiden Blätter wandern dann in die Klarsichthülle und in den Kartenordner. So legt man sich eine kleine Kollektion an mit Objekten, die nicht unbedingt leicht zu finden sind.

Für den Ringnebel bspw. braucht man nun keine Karte, wenn man den ein paar Mal aufgesucht hat. Irgendwann hat man dann immer mehr Objekte im Kopf und bastelt sich mental seine Eselsbrücken, wie man zu den entsprechenden Objekten findet.
Spannend wird's da erst, wenn sich so ein "faint fuzzie" auch noch bewegt - ich meine damit die Kometen, wenn sie in opt. Reichweite gelangen. Erst da lernt man dann richtiges Starhoppen, wenn sich die Aufsuchsituation auch noch täglich ändert. Ich habe insgesamt bestimmt 120 Kometen beobachtet, allesamt aufgesucht mit Starhopp in nicht-computerisierten Teleskopen (wenn sie nicht gerade freisichtig erkennbar waren - wenige Ausnahmen).
Geht alles, es ist nur eine Sache von Geduld und Ausdauer.
 

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Ja, man KANN natürlich letztlich auch alles mit analogen Papierkarten machen, wenn man möchte. Grosse analoge Karten bieten viel Überblick, das ist am Anfang (und auch später mal) sicher sehr gut, ja !

Aber eben doch:
Gerade wenn man noch eher am Beginn seiner Astrokarriere steht, ist frühe Gewöhnung an Chart Software durchaus ratsam IMHO. Eigentlich ja auch umso mehr, wenn man dynamische Phänomene hat (Kometen, Planetoiden...), weil man diese Objekte dann automatisch auf die Karte gezeichnet bekommt... Ja ich hab auch schonmal (sehr laaaange her) Ephemeiden-Koordinaten von Ceres auf meinen Beobachtungszeitpunkt interpoliert (alles richtig gemacht ?), auf die Papierkarte gezeichnet (alles richtig gemacht ?) und so beobachtet. Aber jetzt - mit NEA's - (ziehe ich mir die neuesten Bahnelemente per click und) vertrau ich dann doch auf Freund Computer... und finde damit auch 'abgefahrene' dynamische Objekte, z.B.


Etwas (das Wichtigste in summiert etwa 1h) Einarbeitung in Software ist nötig ja, aber man kann deren Detailfunktionen getrost erstmal weglassen (und dann lernen wenn man's braucht). Ort einstellen, Zeit einstellen, fertig. An jede gewünschte Himmelsstelle reinzoomem oder per Suchfunktion das Objekt xyz positionieren lassen... Die Grenzgrösse fährt die Software mit dem Zoom automatisch hoch/runter (kann man natürlich auch manuell ändern).

Das ist alles letztlich dann doch nicht sooo schwer ;)

Hier nochmal meine gesammelten Argumente pro Software:

Dabei bin ich eher ein Fan von Notebook + Chartsoftware als von Apps (zu viel Dynamik, zu 'wischig').

Übrigens StarHop-Wege von Stern zu Stern vorbereiten tue ich überhaupt nicht mehr (nur besondere Ausnahmefälle). In der Nacht am Teleskop: Objekt per Id Suche (oder Koordinate) ins Zentrum der Karte stellen. Dann schauen wie man hinkommt (ad hoc und dynamisch). Dass ich ein Objekt nicht finde kommt in <1% der Fälle vor und hat dann meist besondere Gründe. (Am wichtigsten !) Übung, gute (Software-Chart-) Tools und gutes Equipment (Telrad, UWW Okulare, gut + optisch parallel konfigurierte Sucher-/Teleskope) sind entscheidend.

Also wie auch immer: good luck + happy observing !
 
Zuletzt bearbeitet:
Zum Einblick zenitnah, ich nutze sehr hohes Stativ, so dass mein Okular stets auf 1.3 m Höhe ist, dazu das auch noch seitlich, manchmal Kinn auf Trekkingstock aufgelehnt.


Beim Amici hätte ich Bedenken wegen schlechterer Sicht. Bei einfachen Teles ist jedes Prozent Klarheit wichtig.

Zur Suche, ich richte grob aus und schwenke hin und her, ansich findet sich alles recht schnell, selbst ohne Sucher. Alles andere kann man um FH eh nicht gut sehen 😁



Na denn...

Fred
 
Hallo
Ich denke daß es da grundsätzlich unterschiedliche Anschauungen gibt in Bezug auf seitenverkehrte Bilder.
Ich hab auch Probleme damit. Haupsächlich deshalb, weil man sich dann den Himmel zweimal merken muss....einmal richtig rum und einmal gespiegelt.
Starhop seitenverkehrt empfinde ich als Qual und bekannte Sternkonstellationen wie Plejaden oder Kleiderbügel sehen irgendwie "falsch " aus.
Meiner Meinung nach wird das Thema ein wenig vernachlässigt.
Ich empfehle deshalb trotz diverser Vorurteile Dachkantprismen.
Ich selber besitze vier Dachkantgläser und drei 90 ° Dachkantprismen.
Kein einziges zeigt sichtbare Spikes bei Sternen..selbst bei Wega muss man genau hinschauen.... Erst bei Strassenlampen sieht man was...
Sicher würde ich sie nicht bei Höchstauflösung am Planeten verwenden aber im Richfieldbereich sind die Bilder weit gut genug . Bei kurzbrennweitigen Richfieldern ist die Qualität des Objektives eher der Flaschenhals.
Was Transmission betrifft herrschen oft ziemliche Vorurteile.
n 90 ° Amici mit BK7 und ordentlicher Vergütung sowie 25mm Durchlass liegt ziemlich sicher jenseits 99 % Durchlass.
Hauptproblem ist eher die schlechte Produktpflege, so dass es immer noch deutliche Ausreisser gibt und die Durchlässe deutlich zu eng sind (bei den 1 1/4 Zoll Amicis).
Und bis heute gibt es keine bzw sehr gut versteckte Amicis mit Phasenvergütung obwohl es sie im Fernglasbereich seit 1988 gibt.
Felix
 
> n 90 ° Amici mit BK7 und ordentlicher Vergütung sowie 25mm Durchlass liegt ziemlich sicher jenseits 99 % Durchlass.

Am Rande: das ist mit unverspiegelter Dachkante gar nicht möglich. Selbst bei einem Zenitprisma gehen 5% des einfallenden Lichts an der schrägen (45°) Fläche verloren. In einem Amici sind von diesen Flächen sogar zwei vorhanden. Also Reflexion 95% an der ersten Fläche, und von diesen 95% werden an der zweiten Fläche ebenfalls nur 95% reflektiert. Das macht in Summe ca. 90% Lichtdurchlaß (0,95x0,95).
Wie geschrieben - das gilt an unverspiegelten Flächen. Ein Sonnenprisma mit umgedrehten Zenitprisma würde ja sonst nicht funktionieren. Hier nutzt man die 5% des herausgespiegelten Lichts zur Beobachtung, siehe Strahlengang unten.


Strahlengang Sonnenprisma
sonnenprisma_strahlengang.jpg
 
Ich glaub da hast Du die Totalreflexion nicht verstanden..
Die reflektiert so gut wie verlustfrei ...jenseits des Grenzwinkels...
 
Nach deiner Rechnung hätte ein Schmitt Pechan Prisma mit 5 Totalreflexionen bloß noch max 81 Prozent ohne sonstige Verluste
 
Dort wird die Glasfaser erwähnt...wenn es da nennenswerte Verluste gäbe könnte man Glasfaser wegen der unzähligen Totalreflexionen vergessen.
 
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