Ehemaliges Mitglied
Hallo zusammen,
die lauen Temperaturen und der klare Himmel lockte mich heute Nacht mit dem 60/700er Teleskop auf den Balkon. Ich hatte keine konkreten Pläne, nur Lust auf spontanes Sternegucken.
Da der Mond verführerisch genau in vermeintlich bester Beobachtungsposition stand, nahm ich ihn ins Visier. Leider war er schon recht tief herab gesunken, so dass ich von meinem Hocker aus kaum ins Okular schauen konnte, auch wenn ich mich so weit nach oben streckte, wie es ging. Da fiel mir ein, dass man den Zenitspiegel im Okularauszug ja drehen kann, um dann seitlich ins Teleskop zu blicken anstatt von oben. Das mache ich eigentlich nie, weil mich das von der Orientierung her dann zusätzlich zum seitenverkehrten Bild durch den Zenitspiegel völlig aus der Bahn wirft. Aber gut, dachte ich mir heute, beim Mond macht das ja nicht so viel aus. Also drehte ich den Zenitspiegel um ca. 90 Grad nach rechts - und war ganz perplex, weil der hell beleuchtete Teil des Mondes im Okular plötzlich fast genauso ausgerichtet war wie in "echt" beim freiäugigen Anblick! Ich hab keine Ahnung, aber vielleicht kann man so das Seitenverkehrte aufgrund des Zenitspiegels wieder etwas ausgleichen. Zumindest beim Mond schien das zu funktionieren.
Eine Weile genoss ich den Anblick des Mondes und fragte mich mal wieder, wieso ich ihn eigentlich so selten beobachtete.
Als ich vom Mond und dem ungewohnten Seiteneinblick ins Teleskop genug hatte, drehte ich den Zenitspiegel wieder zurück. Ich ließ meinen Blick über den Himmel schweifen und überlegte, was sich denn als Beobachtungsobjekt noch spontan anbieten würde. Der Löwe war noch gut zu sehen, aber wegen der Straßenbeleuchtung von unten, die eine halbwegs brauchbare Dunkeladaption unmöglich machte, verwarf ich den Gedanken an das Leo Triplet sofort wieder.
Das mit den Galaxien verließ meinen Kopf allerdings nicht vollständig. Denn vor einer Weile hatte ich die Gelegenheit, durch ein 20 Zoll Newton-Teleskop dieses Galaxienpaar M 51 zu sehen, und da der große Wagen ja gerade so hoch steht, dachte ich, es wäre ja mal wieder einen Versuch wert, ...
Tja, der fragliche Himmelsbereich war dann aber so zenitig, dass ich trotz Verrenkungen nicht hingucken konnte. Also gut, dann warte ich eben, bis der Wagen wieder etwas tiefer steht.
Ich beschloss, mit dem 25 mm Okular einfach ein wenig am Himmel herum zu schauen. Auf bequemer Einblickhöhe, nur mal Sternketten suchen. Und so fand ich in einem Himmelsareal auch gleich ein sehr hübsches Arrangement. Nun interessierte mich, wo ich denn gerade war. Deshalb holte ich mir den Karkoschka und stellte fest, dass ich nahe der Dachspitze des Kepheus-Hauses sein musste. Dieses Sternbild hab ich bis jetzt eher vernachlässigt. Ich studierte die Sternkarte, um die Kette, die ich da gefunden hatte, einem Bereich zuordnen zu können. Aber das wurde nichts.
Da fiel mir auf, dass laut Karte nahe dieser Gegend der Sternhaufen M 52 zu finden sein sollte. Ich peilte den entsprechenden Bereich an und versuchte, irgend eine Sternformation von der Karte am Himmel wiederzufinden, um von dort aus zu dem Haufen zu navigieren. Aber das war wegen dem seitenverkehrten Bild sehr verwirrend. Ich strengte mich an, die Karte richtig herum zu halten und mir dann alles seitenverkehrt vorzustellen. Aber für sowas fehlt mir einfach das nötige Talent.
Mir kam das mit dem Mond und dem wieder halbwegs "richtig" aussehenden Abbild von ihm im gekippten Zenitspiegel wieder in den Sinn. Und in mir keimte die vage Hoffnung, dass durch das Verkippen und den seitlichen Einblick vielleicht auch jetzt der Anblick im Okular einigermaßen seitenrichtig sein könnte. Was soll ich euch sagen? Orientierungsmäßig war diese Schnapsidee eine einzige Katastrophe! Im Okular sah ich etwas, das wie ein netter, etwas verzogener großer Wagen in klein aussah und eine schöne Sternkette, die davon ausgehend nach unten zog. Wo auch immer dieses "unten" in Wirklichkeit sein mochte! Auf der Sternkarte fand ich eine Struktur, die so ähnlich aussah. Aber dann hätte der Anblick im Okular mit dem um 90 Grad nach rechts verdrehten Zenitspiegel halbwegs seitenrichtig sein müssen. Und das kann ich mir nicht ernsthaft vorstellen, auch wenn es beim Mond so ausgesehen hatte.
Ich versuchte noch ein wenig, anhand der fraglich gefundenen Sternformation zu M 52 zu finden. Aber jetzt bewegten sich die Sterne quer durchs Bild, wenn ich das Teleskop in der waagerechten Achse bewegte. Und ich wusste zum Schluss nicht mehr, was rechts und was links war und ob ich jetzt noch seitenverkehrt denken musste oder seitenrichtig.
Am Ende war mir dann M 52 ziemlich egal. Es gab in dieser Gegend viele schöne Sternarrangements. Und wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, hätte ich einfach mal so ein Sternfeld gezeichnet. Auch, wenn ich keine Ahnung hatte, was, wo und wie das alles in Wirklichkeit am Himmel stehen mochte. Denn eigentlich ist es doch ganz egal, wie herum diese Sterne "richtig" wären - solange man nicht versucht, sie mit einer Sternkarte zu vergleichen.
Ich wünsch euch allen ebenfalls viele schöne Beobachtungserlebnisse - möglichst ohne Richtungsverwirrungen.
Herzliche Grüße und allseits klare Nächte,
Sabine
die lauen Temperaturen und der klare Himmel lockte mich heute Nacht mit dem 60/700er Teleskop auf den Balkon. Ich hatte keine konkreten Pläne, nur Lust auf spontanes Sternegucken.
Da der Mond verführerisch genau in vermeintlich bester Beobachtungsposition stand, nahm ich ihn ins Visier. Leider war er schon recht tief herab gesunken, so dass ich von meinem Hocker aus kaum ins Okular schauen konnte, auch wenn ich mich so weit nach oben streckte, wie es ging. Da fiel mir ein, dass man den Zenitspiegel im Okularauszug ja drehen kann, um dann seitlich ins Teleskop zu blicken anstatt von oben. Das mache ich eigentlich nie, weil mich das von der Orientierung her dann zusätzlich zum seitenverkehrten Bild durch den Zenitspiegel völlig aus der Bahn wirft. Aber gut, dachte ich mir heute, beim Mond macht das ja nicht so viel aus. Also drehte ich den Zenitspiegel um ca. 90 Grad nach rechts - und war ganz perplex, weil der hell beleuchtete Teil des Mondes im Okular plötzlich fast genauso ausgerichtet war wie in "echt" beim freiäugigen Anblick! Ich hab keine Ahnung, aber vielleicht kann man so das Seitenverkehrte aufgrund des Zenitspiegels wieder etwas ausgleichen. Zumindest beim Mond schien das zu funktionieren.
Eine Weile genoss ich den Anblick des Mondes und fragte mich mal wieder, wieso ich ihn eigentlich so selten beobachtete.
Als ich vom Mond und dem ungewohnten Seiteneinblick ins Teleskop genug hatte, drehte ich den Zenitspiegel wieder zurück. Ich ließ meinen Blick über den Himmel schweifen und überlegte, was sich denn als Beobachtungsobjekt noch spontan anbieten würde. Der Löwe war noch gut zu sehen, aber wegen der Straßenbeleuchtung von unten, die eine halbwegs brauchbare Dunkeladaption unmöglich machte, verwarf ich den Gedanken an das Leo Triplet sofort wieder.
Das mit den Galaxien verließ meinen Kopf allerdings nicht vollständig. Denn vor einer Weile hatte ich die Gelegenheit, durch ein 20 Zoll Newton-Teleskop dieses Galaxienpaar M 51 zu sehen, und da der große Wagen ja gerade so hoch steht, dachte ich, es wäre ja mal wieder einen Versuch wert, ...
Tja, der fragliche Himmelsbereich war dann aber so zenitig, dass ich trotz Verrenkungen nicht hingucken konnte. Also gut, dann warte ich eben, bis der Wagen wieder etwas tiefer steht.
Ich beschloss, mit dem 25 mm Okular einfach ein wenig am Himmel herum zu schauen. Auf bequemer Einblickhöhe, nur mal Sternketten suchen. Und so fand ich in einem Himmelsareal auch gleich ein sehr hübsches Arrangement. Nun interessierte mich, wo ich denn gerade war. Deshalb holte ich mir den Karkoschka und stellte fest, dass ich nahe der Dachspitze des Kepheus-Hauses sein musste. Dieses Sternbild hab ich bis jetzt eher vernachlässigt. Ich studierte die Sternkarte, um die Kette, die ich da gefunden hatte, einem Bereich zuordnen zu können. Aber das wurde nichts.
Da fiel mir auf, dass laut Karte nahe dieser Gegend der Sternhaufen M 52 zu finden sein sollte. Ich peilte den entsprechenden Bereich an und versuchte, irgend eine Sternformation von der Karte am Himmel wiederzufinden, um von dort aus zu dem Haufen zu navigieren. Aber das war wegen dem seitenverkehrten Bild sehr verwirrend. Ich strengte mich an, die Karte richtig herum zu halten und mir dann alles seitenverkehrt vorzustellen. Aber für sowas fehlt mir einfach das nötige Talent.
Mir kam das mit dem Mond und dem wieder halbwegs "richtig" aussehenden Abbild von ihm im gekippten Zenitspiegel wieder in den Sinn. Und in mir keimte die vage Hoffnung, dass durch das Verkippen und den seitlichen Einblick vielleicht auch jetzt der Anblick im Okular einigermaßen seitenrichtig sein könnte. Was soll ich euch sagen? Orientierungsmäßig war diese Schnapsidee eine einzige Katastrophe! Im Okular sah ich etwas, das wie ein netter, etwas verzogener großer Wagen in klein aussah und eine schöne Sternkette, die davon ausgehend nach unten zog. Wo auch immer dieses "unten" in Wirklichkeit sein mochte! Auf der Sternkarte fand ich eine Struktur, die so ähnlich aussah. Aber dann hätte der Anblick im Okular mit dem um 90 Grad nach rechts verdrehten Zenitspiegel halbwegs seitenrichtig sein müssen. Und das kann ich mir nicht ernsthaft vorstellen, auch wenn es beim Mond so ausgesehen hatte.
Ich versuchte noch ein wenig, anhand der fraglich gefundenen Sternformation zu M 52 zu finden. Aber jetzt bewegten sich die Sterne quer durchs Bild, wenn ich das Teleskop in der waagerechten Achse bewegte. Und ich wusste zum Schluss nicht mehr, was rechts und was links war und ob ich jetzt noch seitenverkehrt denken musste oder seitenrichtig.
Am Ende war mir dann M 52 ziemlich egal. Es gab in dieser Gegend viele schöne Sternarrangements. Und wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, hätte ich einfach mal so ein Sternfeld gezeichnet. Auch, wenn ich keine Ahnung hatte, was, wo und wie das alles in Wirklichkeit am Himmel stehen mochte. Denn eigentlich ist es doch ganz egal, wie herum diese Sterne "richtig" wären - solange man nicht versucht, sie mit einer Sternkarte zu vergleichen.
Ich wünsch euch allen ebenfalls viele schöne Beobachtungserlebnisse - möglichst ohne Richtungsverwirrungen.
Herzliche Grüße und allseits klare Nächte,
Sabine
