Liebes Forum,
gestern gab es das erste "First Light" des neu erworbenen Houdini-30-mm-Okulars. Zusammen mit zwei befreundeten Astronomen des Köln-Bonner Astrotreffs habe ich bei klarer Sicht im Bergischen Land, östlich von Köln, beobachtet. Da die Sommernächte kurz sind, war es erst ab 1 Uhr einigermaßen dunkel. Ich schätze die Lichtverschmutzung in Richtung Süden und Osten auf Bortle 4–5, im Westen Richtung Köln war sie aber deutlich höher.
Da wir in der Gruppe beobachteten, standen viele Okulare zum Vergleich bereit. Neben meinem Explore Scientific 30 mm waren das ein APM UFF 30 mm, ein Televue Panoptic 27 mm und ein Omegon SAW 32 mm. Für den Vergleich wurde im Endeffekt das Houdini 30 mm mit dem ES 30 mm und dem APM UFF 30 mm herangezogen (siehe Abbildung). Als Vergleichsteleskop diente mein 10-Zoll-Dobson f5 von Galaxy. Da in der Gruppe auch ein Vixen SD 150 Apochromat f/7,7 zur Verfügung stand, wurden die Okulare auch dort kurzzeitig eingesetzt. Der Fokus der restlichen Gruppe lag auf dem Beobachten. Trotzdem fließen in meine subjektive Bewertung auch die Hinweise der anderen Beobachter mit ein.
Optische Leistung am 10-Zoll-Dobson f/5
Um 2 Uhr nachts standen die Sternenhaufen h und Chi so hoch am Himmel, dass ein längerer Vergleich der Okulare gegeneinander erfolgen konnte. Aufgrund des höheren Gewichts des ES 30 mm von ca. 1 kg im Vergleich zum Houdini 30 mm mit 580 g und dem APM UFF 30 mm mit 556 g war der Wechsel auf das ES 30 mm jeweils mit dem Anbringen eines magnetischen Gegengewichts am unteren Tubus des Dobson verbunden, um das Teleskop nicht aus der Balance zu bringen.
Der doppelte Sternenhaufen passt in ein Gesichtsfeld von ca. einem Grad. Aufgrund der Lage des doppelten Sternenhaufens in der Milchstraße hat man aber auch bei dem ca. 2-Grad-Gesichtsfeld des Houdini 30 mm und des ES 30 mm noch genügend Sterne am Rand des Gesichtsfeldes, um die Abbildungsqualität am Rand beurteilen zu können. Um es kurz zu machen: Am Rand ist das Houdini 30 mm klar besser als das Konkurrenzokular ohne Komakorrektur. Die Abbildung im Houdini ist bis auf die letzten zehn Prozent zum Gesichtsfeldrand sehr gut. Die Randabbildung lässt sich aber durch leichtes Nachfokussieren verbessern und ist auch so in Ordnung. Im Vergleich dazu würde ich das äußere Drittel des Gesichtsfelds im ES 30 mm als schlechter bewerten. Hier bringt ein Nachfokussieren aber keine wirkliche Verbesserung. Das APM UFF 30 mm hat mit 70 Grad zwar immer noch ein großes scheinbares Gesichtsfeld. Dieses erscheint mir nach dem Okularwechsel zunächst einmal sehr klein. Gefühlt hat man mit diesem Okular einen etwa gleich großen Bereich mit sehr guter Abbildung, prozentual also besser als beim ES 30 mm, allerdings "nur" 1,75 Grad Gesichtsfeld.
Die zentrale Abbildung ist bei allen Okularen sehr gut. Es handelt sich erkennbar um hochwertige Okulare. Trotzdem habe ich versucht, im zentralen Gesichtsfeld des Houdini 30 mm einen schwachen Stern der Sternenhaufen an der Wahrnehmungsgrenze zu finden und diesen dann im ES 30 mm zu betrachten. Nach einigem Hin und Her war klar, dass dieser Stern in beiden Okularen sichtbar ist, im Houdini 30 mm aber noch etwas besser, also direkter, zu erkennen ist. Aus Zeitgründen habe ich diesen Wechsel beim APM nicht nachvollzogen.
Beim Einblickverhalten ziehe ich das Houdini 30 mm dem ES 30 mm ebenfalls leicht vor. Auch wenn das ES 30 mm im Internet mit 22 mm Augenabstand angegeben ist, wird dieser durch die tief versenkte Augenlinse deutlich reduziert. Im Endeffekt ist das ohne Brille kein Problem. Trotzdem muss ich die Augenmuschel umklappen, um den Rand des Gesichtsfeldes sehen zu können. Beim Houdini 30 mm, das mit einem theoretischen Augenabstand von 20 mm und einem effektiven Augenabstand von 15 mm angegeben wird, kann ich das Gesichtsfeld auch mit hochgeklappter Augenmuschel überblicken. Gleichzeitig habe ich beim ES 30 mm stärker das Gefühl, dass ich "um die Ecke" schauen muss, um das gesamte Gesichtsfeld zu erfassen. Hier ist der Einblick beim Houdini entspannter.
Vor einigen Wochen hatte ich im Forum gefragt, ob die Fokusposition des Houdini 30 mm für meinen visuellen Dobson kritisch sein könnte. Hintergrund ist, dass ich das ES 30 mm um einen Homofokalring erweitern musste, da ich den Fokusierer nicht weit genug herausdrehen konnte, um bequem scharfzustellen. Dies habe ich gestern nicht explizit getestet, sondern schlicht vergessen. Es war aber erkennbar kein Problem, das Houdini 30 mm an meinem Dobson scharfzustellen. Zumindest für visuelle Dobson scheint die Fokuslage unkritisch zu sein.
Optische Leistung am Vixen f7.7 Apo
Aus Interesse wurden die drei Okulare auch kurz am Vixen Apo verglichen. Hier war die Konsensmeinung, dass die Randabbildung im APM UFF 30 mm am besten ist. Natürlich, wie schon erwähnt, wieder bei kleinerem Gesichtsfeld. Dahinter kamen dann das Houdini 30 mm und das ES 30 mm mit leichter Randunschärfe. Es gab keine eindeutige Meinung darüber, ob beide Okulare hier gleich gut waren oder ob das Houdini 30 mm doch etwas besser war. Insgesamt sind alle drei Okulare optisch beeindruckend am Apo. Das ES 30 mm erforderte jedoch wieder einen größeren Aufwand, da das Teleskop vor der Nutzung in der Rohrschelle verschoben werden musste.
Generelle Beobachtungen mit dem Houdini 30 mm am 10-Zoll-Dobson f/5
Das Beobachten mit dem Houdini 30 mm hat mir so viel Freude bereitet, dass ich oft einfach bei diesem Okular geblieben bin und keine Lust auf den Wechsel zum ES 30 mm hatte, da ja, wie gesagt, das Mehrgewicht ausgeglichen werden muss. Deshalb folgen nun einige Beobachtungen, die mit dem Houdini 30 mm gemacht wurden: Aufgrund der großen Austrittspupille von 6 mm und der nicht ganz optimalen Beobachtungsbedingungen kamen teilweise harte optische Filter zum Einsatz. Hierbei handelt es sich neben dem Astronomik OIII 12 nm insbesondere um den Baader OIII Narrowband-Filter (6,5 nm). Dieser ist zwar hauptsächlich für die Fotografie gedacht, passt aus meiner Sicht aber erstaunlich gut zum Houdini 30 mm am f/5 Dobson.
Mit dieser Kombination wurde unter anderem der Zirrusnebel betrachtet. Der Ostteil, also die Hexenhand, wirkte wie ein deutlicher Kreidestrich mit einer faszinierenden Faserstruktur. Auch der Westteil war gut zu erkennen, während der störende Stern stark abgeschwächt war. Ohne Filter war der Nebel nur zu erahnen. Ein Lichtmangel durch den harten Filter ist hier überhaupt kein Problem.
Ein ähnliches Erlebnis gab es mit der gleichen Filter-Okularkombination am Lagunennebel M8. Hier ist mit Filter die Lagune, die den Nebel durchzieht, gut erkennbar. Gleichzeitig ist der eingebettete Sternenhaufen praktisch unsichtbar. Nimmt man den Filter heraus, ist es genau umgekehrt. Man sieht den Sternenhaufen, aber den Nebel nicht mehr. Aufgrund des großen tatsächlichen Gesichtsfelds von ca. 2 Grad hat man zusätzlich die Möglichkeit, neben dem Lagunennebel auch den Trifidnebel M20 zu beobachten. Das wäre beim ES 30 mm natürlich ebenfalls möglich gewesen.
Fazit
Aus meiner Sicht haben die drei getesteten Okulare, Houdini 30 mm, ES 30 mm und APM UFF 30 mm, alle ihre Berechtigung. An meinem Dobson gefällt mir das Houdini 30 mm aber am besten. Für mich ist hier insbesondere das geringere Gewicht von Vorteil, da meine direkt anschließenden kleineren Okularbrennweiten deutlich kleiner und kompakter sind (siehe Bild zum Nagler 11 mm und Nagler 16 mm). Dadurch bleibt mir das Hantieren mit den Gegengewichten erspart. Gleichzeitig bietet es die beste Randabbildung, wenn man, wie in meinem Fall, auf einen Komakorrektor verzichtet. In gewisser Hinsicht fühlt es sich an, als würde das Houdini die besten Eigenschaften der anderen Okulare kombinieren: großes Gesichtsfeld, vergleichsweise geringes Gewicht und gute Randabbildung. Der einzige Nachteil des Houdini ist der deutlich höhere Preis von aktuell ca. 500 € gegenüber ca. 350 € beim ES 30 mm und ca. 230 € beim APM UFF 30 mm. Das ist aber, wie erwähnt, durch eine Mehrleistung für meinen Anforderungsfall gerechtfertigt.
Natürlich möchte ich klar anmerken, dass dieses Fazit für andere Beobachter und insbesondere für andere Teleskope nicht gelten muss. Der Besitzer des Vixen Apo ist mit seinem APM UFF 30 mm sehr zufrieden, was ich absolut nachvollziehen kann. Gleichzeitig erhält man beim ES 30 mm für vergleichsweise wenig Geld ein großes Gesichtsfeld auf bereits hohem optischen Niveau.