Hobbyfotograf (Natur, insbesondere Wildlife) bittet um Hilfe bei der Suche nach einer Montierung

Moin @all und Danke für die Aufnahme hier in diesem Forum,

Wie der Betreff schon sagt, ich bin Hobbyfotograf und die begehrten "Deep Sky Objekte" sind typisch Eisvogel, Blaukehlchen & Co, gerne bei Sonnenaufgang und Bodennebel im Moor. Für diese Motive existiert ein brauchbares Equipment. Die Schnittmenge zu einem Randbereich der Astrofotografie liegt im Bereich Polarlichter, die wir (meine Frau mit einem Smartphone, ich mit Kamera) bei günstiger Gelegenheit seit über einem Jahr fotografieren konnten, sowohl hier in Schleswig-Holstein als auch in Norwegen. Hier in S-H kamen auch schon unwissentlich und zufällig NLC und ein BEAM vor die Linse. Soweit, so gut - und durchaus faszinierend.
Angeregt durch das Buch "„Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung“" von Katja Seidel würde ich wirklich gelegentlich noch ein wenig mehr den Nachthimmel fotografieren, jedoch mehr in Hinsicht auf Bildkomposition. Ab hier käme aus meiner Sicht eine einfachere Montierung ins Spiel. Mein jetziges Weitwinkel 15 mm und f/2,4 reicht für die hiesigen Polarlichter, aber ISO liegt typisch im Bereich 3200 bis zu 6400 ISO, wobei ich mich mit den Zeiten (je nach den Umständen wie Kamera und Objektiv 10 bis 20 Sekunden) an der NPF Regel orientiere.
Die Idee ist nun, dass man mit einer Montierung die Belichtungszeiten erhöhen und ISO erniedrigen kann, gemäß der alten fotografischen Regel exposure to the right. Auch wäre es schön, wenn ich mit den anderen Objektiven, die deutlich lichtschwächer sind, ein wenig mehr Farbe und Struktur an den Nachthimmel zaubern kann, nebst Horizont. Dem Buch habe ich entnommen, dass Brennweiten bis 100 mm auch mit einfacheren Montierungen möglich sind, mehr wird es nicht werden.
Folgende Objektive stehen zur Verfügung:
IRIX 15 mm f/2,4
Canon EF 24-105mm f/4L IS II USM
Canon EF 70-200mm f/2.8 L IS II USM
Canon EF 50mm F/1.8 STM
Als Bodies kämen die EOS 6D Mark II oder die R5 in Frage. Mein Stativ trägt 20 kg, hat aber eine ausziehbare Mittelsäule.
Eine Montierung müsste in etwa folgendes Gewicht tragen:
- Body (wiegen beide grob je ca. 0,8 kg), wobei ich die 6D II bevorzugen würde. Die braucht wenig Strom und ob die geringere Anzahl von Pixeln wirklich kriegsentscheidend ist, weiß ist nicht. Alle sonstigen moderneren Features der R5 werden schließlich nicht benötigt.
Das schwerste Objektiv wiegt 0,8 kg. Dazu kämen noch der Kugelkopf auf der Montierung mit 0,5 kg, eine Arca Swiss Platte (geschätzt 0,1 kg) und eine Objektivheizung (ebenfalls geschätzt 0,1 kg). Macht in etwa 2,3 kg. Grob. Nun kommt man schnell und leicht auf die Montierung MiniTrack LX3, die könnte, wenn ich denn richtig liege, bis in die Brennweiten von 80- 100 mm für meine Ansprüche brauchbar sein. Hier wird ja eine für einen akzeptablen Preis angeboten.
Sind meine Überlegungen bis dahin überhaupt richtig und wenn ja, welche Alternativen gäbe es noch? Eine mechanische Lösung an sich gefällt mir recht gut, ich muss ansonsten nämlich schon auf genug fotografisches Gerödel mit Akku/Batterie aufpassen.

Ulrich
 
Servus. Der Skywacher Staradventurer wäre eine Variante für dein Vorhaben. Ich hatte vor vielen Jahren sogar mal zwei Kameras damit im Einsatz.
 

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Hallo Ullrich,

mit einem Fernauslöser auf dem Fotostativ lässt sich auch schon einiges machen.
Ich habe hier noch einen Programmierbaren für Zeitraffer z.B. einstellbar Anzahl der Aufnahmen, Belichtungszeit, Pause dazwischen.

Habe den aber schon lange nicht mehr benutzt.

Letztens mit Handy auf Stativ im Nachtmodus und zwischen 3sec. Und 10 sec. Einige Aufnahmen gemacht.

Mit der DSLR , Fern bzw. Kabelauslöser müsste es eigentlich noch besser gehen.
Einfach viele Aufnahmen mit z.B. 10 oder mehr Sekunden machen und dann Stacken.

Versuch ist es Wert.
 

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Für die Montierung Star Adventurer 2i Wi-Fi Photo-Set würde ich mich wohl auch entscheiden. Gute Idee.

 
Hallo Ulrich,

Ich rate Dir zu einer Skywatcher Star Adventurer GTI. Die kann goto und kann auch über einen Computer gesteuert werden. Es gibt die GTI auch derzeit gebraucht zu kaufen.

Viele Grüße,

Günther
 
Hallo Ulrich,
es ist leider nicht ganz trivial, Deine Frage zu beantworten, da es davon abhängt, wie wichtig Dir die Aspekte sind, die Du genannt hast. Je mehr Aspekte davon unbedingt mit der gleichen Montierung funktionieren sollen, desto höher würde ich auch empfehlen einzusteigen (also mindestens ein Star-Tracker à la Skywatcher StarAdventurer).

Solange Du bei der Brennweite bis max 100mm bleibst, nimm die LX3 (oder LX4). Sie ist leicht und es schon sehr charmant, wenn man ohne ein weiteres Batterieproblem auskommt.

Mit dem 70-200er brauchst Du erstens die Möglichkeit, die Kamera in Balance zu bringen. Das geht nur, wenn Deine Montierung ein bewegliches Gegengewicht hat. Das gibt es z.B. für die StarAdventurer. Zweitens musst Du die Polausrichtung schon ziemlich genau machen, ansonsten gibt's schnell Eiersterne. Die kriegst Du mit einem normalen Stativkopf nur sehr schwer hin (es gibt immer Freaks, die sowas können), da lohnt sich dann eine Polhöhen-Wiege.

Und wenn Du es bunter haben willst - hm. Reichen Dir bunte Sterne? Wenn ja, geht das mit allen genannten Objektiven. Wenn Du bunte Objekte haben willst, dann sind 200mm schon der untere Rand der Brennweite. So, und dann sind wir wieder beim obigen Problem, dass dafür eine LX3 vermutlich nicht passt.

Und da Du Naturfotograf bist, bist Du bestimmt sehr picky hinsichtlich der Schärfe ;-) Leg Dir noch eine Bahtinov-Maske zu, denn Du musst manuell fokussieren. Klar kannst Du mit Liveview etc. es versuchen. Es geht nur mit einer Bahtinov-Maske leichter und verlässlicher.

Viel Freude mit der Astrofotografie!
LG Wolfgang
 
Moin Ulrich,
herzlich willkommen auch von meiner Seite.
Wolfgang (openfuture) hat schon die wesentlichen Punkte genannt.
Die Frage ist auch, von wo aus du hauptsächlich fotografieren möchtest.
Willst bzw.musst du überwiegend in die Pampa, oder auch von zu Hause aus?

Nichts gegen die rein mechanischen Montierungen, aber eine Staradventurer - ruhig die ganz einfache Version- oder vergleichbar eine Ioptron Skyguider sind gut transportabel, bieten aber für Langzeitbelichtung mehr Komfort.
Für die irgendwann nötige Objektivheizung brauchst du ja auch Strom. Also eine kleine Powerbank, mit der du parallel auch die Staradventurer betreiben kannst.
Den Kugelkopf brauchst bei der Staradveinturer nicht unbedingt. Kannst einfach die Cam auf die Deklinationseinheit schrauben. Am besten mit Stativschelle, um die Cam rotieren zu können.

Mit den Kameras und den Objektiven bist du bestens aufgestellt.

Viel Spaß beI der Entscheidungsfindung.
lg
Wolfgang
 
Moin,
kurze Rückmeldung: zunächst einmal ein großes Dankeschön an alle, die geantwortet haben. Ihr seid echt schnell! Hut ab! Darunter sind auch für mich neue Anregungen, die ich nochmals genauer überdenken muss. Nicht in dem Sinne, ob oder ob nicht, sondern was gekauft werden könnte.
Hoffentlich finde ich am späten Nachmittag ausreichend Zeit, um auf einige Antworten näher einzugehen und noch einige Verständnisfragen zu stellen.

Ulrich
 
Moin,

Eine meiner Prämissen war falsch, die Montierungen, die elektrisch betrieben werden, haben typisch explizite Batteriefächer. Ich hatte irgendwas mit fest montieren Akku im Kopf. Von daher muss es nicht unbedingt mechanisch sein, Blitz & Co. haben das ebenfalls.
Was ich bislang mitgenommen habe: die Traglast kann ruhig etwas höher sein, das ergibt in meinen Augen eine sinnvolle Reserve. Mein Stativ ist schließlich auch ein wenig überdimensioniert.
So in diese Richtung tendiere ich auch.
Willst bzw.musst du überwiegend in die Pampa, oder auch von zu Hause aus?
Unser zu Hause liegt in der Pampa rund 20 km westlich von Neumünster. ;)

Wir können fußläufig von unserem Haus den Ort erreichen, von dem wir aus Polarlichter fotografiert haben. Wobei der sich nicht für Langzeitbelichtungen > 10 s eignet, aber wenige Meter weiter könnte sich was anbieten. Ansonsten sind wir gerne in den dunkleren Jahreszeiten in Norden Dänemarks mit noch mehr Pampa und kaum Lichtverschmutzung.
Mit dem 70-200er brauchst Du erstens die Möglichkeit, die Kamera in Balance zu bringen.
Danke für den Denkanstoß. Möglicherweise habe ich auch einen Denkfehler begangen, denn genau das besitzt eine Objektivschelle, damit es auf dem Stativ halbwegs ausbalanciert ist. Daher bin ich davon ausgegangen, das müsste reichen. Oder?

Offen gestanden, kann ich noch nicht abschätzen. Bislang ja.

Und da Du Naturfotograf bist, bist Du bestimmt sehr picky hinsichtlich der Schärfe ;-)

Jain. Wenn man eine wirklich knackige und lichtstarke Festbrennweite (so zwischen 500 bis 800 mm BW) kaufen möchte, dann reden wir über einen nennenswerten Betrag. Engagierte Naturfotografen haben dann bisweilen den Gegenwert eines gut ausgestatteten kleineren PKW im Rucksack. 5 Eurostellen, die vorne mit einer 2 beginnen. Wobei das auch nicht hilft, wenn das 20 cm kleine Motiv 50 Meter weit weg ist und die Luft dazwischen alles andere als durchsichtig ist.
Da klappt kein Stacking. Auch die Motive oder die Halme, auf denen sie rumturnen, bewegen sich gerne.
Kurz: nein, diese Art von teurer Materialschlacht ist nicht mein Ding.

Von der habe ich schon gehört. Danke für den Tipp.

Ist vorhanden, S-H und nachts sorgten bereits für ausreichend Feuchtigkeit. ;)

Den Kugelkopf brauchst bei der Staradveinturer nicht unbedingt. Kannst einfach die Cam auf die Deklinationseinheit schrauben. Am besten mit Stativschelle, um die Cam rotieren zu können.
Ah, scheint also doch zu gehen.

Mit den Kameras und den Objektiven bist du bestens aufgestellt.

Viel Spaß beI der Entscheidungsfindung.

Danke!

Es wird wohl noch ein klein wenig dauern, denn ich habe hier gelesen, dass in Neumünster ein Teleskoptreffen stattfindet. Wir wohnen ja nicht so weit weg davon, da frage ich im anderen Thread mal nach, ob es dort eine kleine Gebrauchtbörse gibt. Vielleicht gibt es ja eine Gebrauchtbörse.

Ulrich
 
Danke für den Denkanstoß. Möglicherweise habe ich auch einen Denkfehler begangen, denn genau das besitzt eine Objektivschelle, damit es auf dem Stativ halbwegs ausbalanciert ist. Daher bin ich davon ausgegangen, das müsste reichen. Oder?
Das ist definitiv besser als der Anschluss am Gehäuse, ja. Aber damit hast Du nur die DEC-Achse ausbalanciert und Du kannst das Bildfeld entsprechend rotieren. Auf der RA-Achse hast Du eben auf der einen Seite Kamera und Objektiv, auf der anderen eben nichts, wenn es kein Gegengewicht gibt. Damit belastest Du eben den Antrieb auf der RA-Achse in eine Richtung. Das führt in der Regel zu ungleichmäßigen Bewegungen, d.h. die Sterne werden eben eierig.

Darum würde ich ohne Gegengewicht maximal bis 50mm gehen. Je größer die Brennweite, desto empfindlicher wird die gesamte Konstruktion und die Objektive werden auch schwerer.

Aber schau es mal andersrum: ein kleiner Tracker ist preislich verschmerzbar. Schlimmstenfalls verkaufst Du ihn wieder, wenn Du ein Upgrade brauchst - oder Du hast eben zwei davon. Aus eigener Erfahrung wachsen die Anforderungen, sobald man einen Level geschafft hat. Und die schlechteste Wahl ist immer noch, gar keinen zu haben ;)
 
Moin,

Auf der RA-Achse hast Du eben auf der einen Seite Kamera und Objektiv, auf der anderen eben nichts, wenn es kein Gegengewicht gibt.
Aha, da liegt der Hase im Pfeffer. Danke.

ein kleiner Tracker ist preislich verschmerzbar. Schlimmstenfalls verkaufst Du ihn wieder, wenn Du ein Upgrade brauchst - oder Du hast eben zwei davon.
Stimmt.

Ulrich
 
Moin,

Über eine Anmerkung bin ich noch gestolpert und möchte mal Erbsen zählen;)

Je größer die Brennweite, desto empfindlicher wird die gesamte Konstruktion und die Objektive werden auch schwerer
Brennweite und Gewicht korrelieren in der Fotografie nicht so, wie man es gerne hätte. Mein WW wiegt ca. 600 g, das kleine 50 mm f/1.8 wiegt dagegen nur 160 g.

Also sollte ich gerade bei WW auch ausbalancieren.

Ulrich
 
Also sollte ich gerade bei WW auch ausbalancieren.
Kann Dir passieren, ja. Klar, Dein kleines 50mm-Objektiv ist superleicht, d.h. mit dem sind die Chancen ohne Gegengewicht gut.

Bei dem WW hängt es davon ab, wie Du es befestigst. Wenn Du es mit einer Schelle direkt an die Montierung schraubst, sollte alles fein sein. Wenn Du aber einen Kugelkopf dazwischen hast, dann wird durch diesen Hebel die Konstruktion schon wackeliger. Wie gesagt, es müsste gehen, aber es ist eben nicht digital...

Und die Erbse darfst Du gerne behalten :)
 
Moin,

Bei dem WW hängt es davon ab, wie Du es befestigst.
Genau das hat leider keine Schelle. Aus meiner bisherigen Sicht könnte ich noch eine längere ARCA Swiss Platte nutzen, auf einem Stativ wäre das eine einfache Ausbalancierung für die gesamte Kamera, aber mehr dann auch nicht, denn der Body selber muss nach wie vor den Hebelarm und die Kräfte des Objektive aushalten. Ist normalerweise kein Thema, gegen Wackeln gibt's schließlich Stabilisierung, AF oder kurze Belichtungszeiten.
Das hilft aber hier überhaupt nicht weiter.


Wenn Du aber einen Kugelkopf dazwischen hast, dann wird durch diesen Hebel die Konstruktion schon wackeliger.
Wackelig ist ein gaaaanz weiter Begriff. ;)

Oje, ich habe Eulen nach Athen getragen. Sorry!

Wie auch immer, wenn es klappt, werde ich Ende des Monats in Neumünster auf dem 13. SHT Schleswig-Holstein Teleskoptreffen auftauchen, siehe 13. SHT Schleswig-Holstein Teleskoptreffen . So wie es aussieht, kann ich dann vor Ort ein wenig mit einer einfachen Montierung spielen, mein vorgesehenes Equipment nehme ich mit. Da lassen sich wahrscheinlich noch weitere Dinge klären, wie zB ein Wackeltest oder all die Dinge ansprechen, die hier vielleicht den Rahmen sprengen oder so selbstverständlich sind, dass man sie deshalb nicht erwähnt.

Ulrich
 
Mach das, Ulrich, da kannst Du mal die Dinge auch anfassen. Das hilft schon sehr...
Und das mit der Erbse, das war ein Scherz - sorry! Hab gemerkt, das kam etwas pampig rüber, was gar nicht so gemeint war ;-)
 
Moin,

da kannst Du mal die Dinge auch anfassen. Das hilft schon sehr.

Das fiel mit zwischendurch auf und Neumünster ist umme Ecke. Fotoneulingen rate ich schließlich auch, mach's wie auf dem Markt. Anfassen, riechen und schmecken.


Und das mit der Erbse, das war ein Scherz - sorry!
Überhaupt kein Thema, das habe ich auch so nicht aufgefasst.

Ulrich
 
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