Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Liebe Glasaugen,
bis 79 mm und keiner mehr! Wider dem Öffnungswahn!
Nein, im Ernst, Klassiker kann hier beides heißen: gemeint habe ich eigentlich a) klassische Beobachtungsobjekte, aber es können gerne auch b) klassische Teleskope sein.
In meinem Fall war's heute Abend beides: Der a) Orionnebel und die Plejaden mit dem b) Telementor - heraus kam c) eine faustdicke Überraschung!
Über meine Schwäche für den Telementor habe ich ja erst unlängst berichtet. Dabei hatte ich ihn im Reigen seiner ganzen Nachfolger (in hoher Kadenz) irgendwie ... aus den Augen verloren. Vorhin, als ich seit längerem mal wieder durch ihn hindurch in den Himmel sah, wurde mir das schlagartig bewusst. Gut - gebucht für den Urlaub war er sowieso. Einfach, weil ich ihn mal wieder nutzen wollte. Doch so ein Rest an Zweifeln waren doch noch dagewesen ("Vielleicht nehme ich besser doch den kurzen Apo mit ...", so Sachen).
Seit einer halben Stunde nicht mehr.
Trete ich um diese Zeit auf mein Dach, dann springt mir Orion fast auf den Kopf und die Plejaden rufen nur etwas weiter südlich: "Hiiiieeeeer sind wir!"
Es war naheliegend, sich die beiden Klassiker in dem alten Scherben mal anzusehen.
Telementor 63/840, f/ 13,3 komplett orignal montiert mit originalen Zeiss 40-H, 25-O und 16-O Okluaren. Zusätzlich noch ebenfalls einzöllige Spectros aus der ersten und zweiten Serie in 7,5 und 5 mm Brennweite.
Ursenhausen, 23.00 Uhr loc, +2°C, windstill, mäßig feucht und leicht dunstig, Himmel klar, Mond hinter dem Haus, Seeing III. Akzeptable Bedingungen.
Orionnebel
So unspektakulär der Telementor aussieht, so funktional ist er.
Das 40er Okular wird statt des Konus' - in den wiederum die Okularaufnahme geschraubt wird - in die Verlängerungshülse am Helikalauszug eingeschraubt. Ist zwar ein klein wenig Fummelei (was bei vielen heute wahrscheinlich gar nicht mehr geht! - mir aber egal ist), dafür ist die Konstruktion völlig simpel, perfekt zu Ende gedacht (ohne zusätzliche Anbauteile oder Zwischenringe) und hochfein verarbeitet; Konstruktion: 12 von 10 Punkten.
Die optische Qualität des Okulars hat mich spontan verzaubert, ohne Witz. Der erste Eindruck war wirklich nichts weniger als zauberhaft. Klingt komisch, okay, aber mir fällt kein besseres Wort ein. Die Sterne lagen wie kleine Brillanten auf einem schwazen Kissen (ich weiß, wie abgedroschen das klingt; deswegen spare ich mir jetzt auch den "schwarzen Samt" - aber das war halt wirklich mein Eindruck!).
Im 40er Okular (21-fach mit 3 mm AP) sprang mir das Trapez in Form dreier, unterschiedlich farbiger Sterne sofort ins Auge. Der vierte kam beim zweiten Blick aber noch beim direkten Sehen. Die Farben waren deutlich unterscheidbar. Nebelstrukturen waren erkennbar aber nur in einem relativ begrenzten Bereich. Im 25-H (34-fach mit 1,9 mm AP) war das Bild gut und scharf, doch die Farben verblassten stark. Die Nebelstrukturen waren nicht besser aufgelöst als im 40er - nett, doch gänzlich unspektakulär. Das 16-O hat mich enttäuscht. Es war irgendwie verwaschen. Vielleicht sollte ich es mal putzen ...
Richtig geflasht aber haben mich dann die beiden Spectros, die ich schon länger mal am Telementor ausprobieren wollte.
Nach dem verblasenen Bild im 16er Zeiss habe ich eher unwillig das 7,5er in die Okularaufnahme gesteckt, als mich die nebelige Struktur von M42 regelrecht ansprang - fast mit der Maximalvergrößerung des Geräts, wohlbemerkt! (112-fach mit 0,6 mm AP). Das hatte ich wirklich nicht erwartet, mit der Vergrößerung noch so feine Nebelstrukturen zu sehen. Die Transparenz der Okulare ist ziemlich beeindruckend.
Der Vollständigkeit halber (doch mit noch weniger Erwartung) probierte ich auch noch das 5er, und siehe da - auch in ihm waren (mit 168-facher Vergrößerung bei 0,4 mm AP) noch deutliche Nebelschlieren zu erkennen, wenn auch nicht mehr so hell.
Ich schwöör' bei mein' Dreier BMW, Alder!!
Aber gedacht hätte ich es wirklich nicht.
Plejaden
Hier war es im Prinzip dasselbe Setup: Ein Trapez mit unterschiedlich hellen und farbigen Sternen, jedoch ohne Nebel.
Es gibt eine Dreiergruppe unterschiedlich heller Sterne, die in verschiedenen Farben leuchten. Im 40er Okular (21-fach mit 3 mm AP) waren die Farben - weiß, rötlich und gelblich - deutlich unterscheidbar, was den Anblick wirklich besonders machte. Im 25-H (34-fach mit 1,9 mm AP) schien das Bild noch einen Hauch schärfer, was aber daran liegen kann, dass die Farbigkeit bei Weitem nicht mehr so gut sichtbar war. Das 16er war , wie oben, ein vermutlich schmutzbedingter Totalausfall. Die Spectros waren auch hier wunderbar scharf und kalt in ihrer Abbildung, aber bei Weitem nicht so beeidruckend, wie beim Orionnebel.
Fazit:
Ich weiß jetzt wieder, warum ich immer gesagt habe, der Telementor wäre das letzte Gerät, das vom Hof geht!
Zunächst hat man überhaupt nicht den Eindruck, mit einer Apertur von nur 63 Millimetern zu arbeiten. Die Optik ist für mein Dafürhalten noch immer weit oben mit dabei, vor allem, wenn man die passenden Okulare einsetzt. Am langsamen Achromat mag das nicht die Hauptrolle spielen, doch wie an jedem Teleskop bringen erst richtig gute Okulare das volle Potenzial des Teleskops zum Tragen. Die Zeiss Okulare sind ja seit jeher über jeden Zweifel erhaben (sagen manche), und die sind auch gut (sofern sie sauber sind).
Aber selbst die Spectros scheinen sehr, sehr gut zu funktionieren mit dieser Optik. Und dann gibt es ja auch noch die alten Fingerhüte von Pentax und Tak.
Ich werde auf jeden Fall dranbleiben - in 70 Tagen geht es nach Griechenland.
Schönen Abend,
Urs
bis 79 mm und keiner mehr! Wider dem Öffnungswahn!
Nein, im Ernst, Klassiker kann hier beides heißen: gemeint habe ich eigentlich a) klassische Beobachtungsobjekte, aber es können gerne auch b) klassische Teleskope sein.
In meinem Fall war's heute Abend beides: Der a) Orionnebel und die Plejaden mit dem b) Telementor - heraus kam c) eine faustdicke Überraschung!
Über meine Schwäche für den Telementor habe ich ja erst unlängst berichtet. Dabei hatte ich ihn im Reigen seiner ganzen Nachfolger (in hoher Kadenz) irgendwie ... aus den Augen verloren. Vorhin, als ich seit längerem mal wieder durch ihn hindurch in den Himmel sah, wurde mir das schlagartig bewusst. Gut - gebucht für den Urlaub war er sowieso. Einfach, weil ich ihn mal wieder nutzen wollte. Doch so ein Rest an Zweifeln waren doch noch dagewesen ("Vielleicht nehme ich besser doch den kurzen Apo mit ...", so Sachen).
Seit einer halben Stunde nicht mehr.
Trete ich um diese Zeit auf mein Dach, dann springt mir Orion fast auf den Kopf und die Plejaden rufen nur etwas weiter südlich: "Hiiiieeeeer sind wir!"
Es war naheliegend, sich die beiden Klassiker in dem alten Scherben mal anzusehen.
Telementor 63/840, f/ 13,3 komplett orignal montiert mit originalen Zeiss 40-H, 25-O und 16-O Okluaren. Zusätzlich noch ebenfalls einzöllige Spectros aus der ersten und zweiten Serie in 7,5 und 5 mm Brennweite.
Ursenhausen, 23.00 Uhr loc, +2°C, windstill, mäßig feucht und leicht dunstig, Himmel klar, Mond hinter dem Haus, Seeing III. Akzeptable Bedingungen.
Orionnebel
So unspektakulär der Telementor aussieht, so funktional ist er.
Das 40er Okular wird statt des Konus' - in den wiederum die Okularaufnahme geschraubt wird - in die Verlängerungshülse am Helikalauszug eingeschraubt. Ist zwar ein klein wenig Fummelei (was bei vielen heute wahrscheinlich gar nicht mehr geht! - mir aber egal ist), dafür ist die Konstruktion völlig simpel, perfekt zu Ende gedacht (ohne zusätzliche Anbauteile oder Zwischenringe) und hochfein verarbeitet; Konstruktion: 12 von 10 Punkten.
Die optische Qualität des Okulars hat mich spontan verzaubert, ohne Witz. Der erste Eindruck war wirklich nichts weniger als zauberhaft. Klingt komisch, okay, aber mir fällt kein besseres Wort ein. Die Sterne lagen wie kleine Brillanten auf einem schwazen Kissen (ich weiß, wie abgedroschen das klingt; deswegen spare ich mir jetzt auch den "schwarzen Samt" - aber das war halt wirklich mein Eindruck!).
Im 40er Okular (21-fach mit 3 mm AP) sprang mir das Trapez in Form dreier, unterschiedlich farbiger Sterne sofort ins Auge. Der vierte kam beim zweiten Blick aber noch beim direkten Sehen. Die Farben waren deutlich unterscheidbar. Nebelstrukturen waren erkennbar aber nur in einem relativ begrenzten Bereich. Im 25-H (34-fach mit 1,9 mm AP) war das Bild gut und scharf, doch die Farben verblassten stark. Die Nebelstrukturen waren nicht besser aufgelöst als im 40er - nett, doch gänzlich unspektakulär. Das 16-O hat mich enttäuscht. Es war irgendwie verwaschen. Vielleicht sollte ich es mal putzen ...
Richtig geflasht aber haben mich dann die beiden Spectros, die ich schon länger mal am Telementor ausprobieren wollte.
Nach dem verblasenen Bild im 16er Zeiss habe ich eher unwillig das 7,5er in die Okularaufnahme gesteckt, als mich die nebelige Struktur von M42 regelrecht ansprang - fast mit der Maximalvergrößerung des Geräts, wohlbemerkt! (112-fach mit 0,6 mm AP). Das hatte ich wirklich nicht erwartet, mit der Vergrößerung noch so feine Nebelstrukturen zu sehen. Die Transparenz der Okulare ist ziemlich beeindruckend.
Der Vollständigkeit halber (doch mit noch weniger Erwartung) probierte ich auch noch das 5er, und siehe da - auch in ihm waren (mit 168-facher Vergrößerung bei 0,4 mm AP) noch deutliche Nebelschlieren zu erkennen, wenn auch nicht mehr so hell.
Ich schwöör' bei mein' Dreier BMW, Alder!!
Aber gedacht hätte ich es wirklich nicht.
Plejaden
Hier war es im Prinzip dasselbe Setup: Ein Trapez mit unterschiedlich hellen und farbigen Sternen, jedoch ohne Nebel.
Es gibt eine Dreiergruppe unterschiedlich heller Sterne, die in verschiedenen Farben leuchten. Im 40er Okular (21-fach mit 3 mm AP) waren die Farben - weiß, rötlich und gelblich - deutlich unterscheidbar, was den Anblick wirklich besonders machte. Im 25-H (34-fach mit 1,9 mm AP) schien das Bild noch einen Hauch schärfer, was aber daran liegen kann, dass die Farbigkeit bei Weitem nicht mehr so gut sichtbar war. Das 16er war , wie oben, ein vermutlich schmutzbedingter Totalausfall. Die Spectros waren auch hier wunderbar scharf und kalt in ihrer Abbildung, aber bei Weitem nicht so beeidruckend, wie beim Orionnebel.
Fazit:
Ich weiß jetzt wieder, warum ich immer gesagt habe, der Telementor wäre das letzte Gerät, das vom Hof geht!
Zunächst hat man überhaupt nicht den Eindruck, mit einer Apertur von nur 63 Millimetern zu arbeiten. Die Optik ist für mein Dafürhalten noch immer weit oben mit dabei, vor allem, wenn man die passenden Okulare einsetzt. Am langsamen Achromat mag das nicht die Hauptrolle spielen, doch wie an jedem Teleskop bringen erst richtig gute Okulare das volle Potenzial des Teleskops zum Tragen. Die Zeiss Okulare sind ja seit jeher über jeden Zweifel erhaben (sagen manche), und die sind auch gut (sofern sie sauber sind).
Aber selbst die Spectros scheinen sehr, sehr gut zu funktionieren mit dieser Optik. Und dann gibt es ja auch noch die alten Fingerhüte von Pentax und Tak.
Ich werde auf jeden Fall dranbleiben - in 70 Tagen geht es nach Griechenland.
Schönen Abend,
Urs
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