Moin,
ich habe weitere Sonnenfototest gemacht. Die Warnung des Herstellers in der Bedienungsanleitung, mit nicht mit dem Objektiv direkt in die Sonne zu fotografieren, konnte mich nicht abhalten.

Zwischen Fotos habe ich das Objektiv aber abgesenkt.
Dazu habe ich nun auch endlich ein passenden Dummymond gefunden, der mir einen Teil der Sonne verdunkelt. Den Mast eines Windrads. Ich habe keinen einzigen weiteren hohen Turm gefunden, bei dem ich mich in ca. 40 bis 50m Entfernung frei beweglich genau im Schlagschatten aufstellen konnte, sodass die Blende (der Windradmast) und die Sonne ungefähr in gleichem fotografischen Schärfebereich liegen, was die die zwingende Voraussetzung für das Testen des Überstrahlens/ Ausfressens ist. (Siehe Diskussion oben.) Außerdem sind Windradmasten mit einer nahezu perfekten, matten grau-grünen Farbe gestrichen, aber die meisten Kirchturmdächer haben irgendwo immer was spiegelndes dran, was sie ungeeignet macht. Ein Hoch auf die erneuerbaren Energien.
Meine vorrangigen Testobjekte des Versuchs waren:
- Test des Überstrahlens/ Ausfressens mit einem 300 mm Tele
- Test der Szenenautomatik ("Belichtungs"automatik) Sonnenuntergang
- Test eines Stapels aus mehreren ND-Filtern
Alles drei hat nicht zufriedenstellend funktioniert. Ich bin sowas von froh, dass ich es VORHER getestet habe.
Hier mal ein paar Testfotos.
Szenenautomatik Sonnenuntergang mit dünner Schleierwolke vor Sonne funktioniert halbwegs
Szenenautomatik ohne Wolke funktioniert gar nicht. Die mittleren Helligkeitswerte fehlen, damit der Algorithmus funktioniert.
Das gleiche Bild mit ND16 Verlaufsfilter und Zeitautomatik, 5 Blenden unterbelichtet (EV -5), wir nähern uns. Kleine Spiegelung des Filters, die man retouchieren könnte.
Stapel aus mehreren ND Filtern erzeugt Spiegelungen und Regenbögen
Weitere Ergebnisse/ Probleme
- Genaues Scharfstellen an der Sonne ist nicht möglich, der Lichtkreis der Sonne durch die Atmosphäre ist viel zu ausgefranzt. Worauf stellt man das Objektiv scharf, wenn es nicht zufällig ein paar Wolken gibt?
- Mit hoher Brennweite von 300 mm in die Sonne kommt die Zeitautomatik ohne Filter an die Grenze. Dann ist eine große Fläche des Bilds sehr hell. Die kürzeste Belichtungszeit von 1/8000 reicht dann auch bei Blende 32 nicht mehr aus.
- Mit einem passenden (vollflächigen) ND4 oder ND8 Filter für "mit hoher Brennweite in die Sonne fotografieren",
- - wird des Live-Sucherdisplay einer Systemkamera so dunkel, dass man außer der Sonne nichts mehr sieht. Man irrt mit hoher Brennweite erstmal ein wenig am Himmel rum, bis man die Sonne findet.
- - werden die anderen Details sehr dunkel.
- Nur ein einzelnes! ND16 oder ND32 Verlaufsfilter (, es ist für Gesamthelligkeit viel weniger effektiv) mildert den Kontrastumfang eines Fotos in die Sonne genug ab, sodass andere Bildelemente (z.B. Wolken) gut erkennbar werden.
- Ohne ein solches Verlaufsfilter wird man immer einen Kompromiss zwischen Absaufen der Szenerie im Dunkeln und Überstrahlen/ Ausfressens des Mondes machen müssen.
- Das schwarze Fotoobjektiv wird in der Sonne regelrecht heiß. Ich werde mir ein fuselfreies Tuch zum Abdecken zwischen den Fotos mitnehmen.
Resümees
Die Sonne ist einfach zu hell, um sie zu fotografieren.
Die Brennweite von 300 mm war natürlich zu hoch, um eine Fotoszene mit weiteren Bildelementen um die Sonne zu arrangieren. Ca. 100 mm dürften, je nach dem Stand der Sonne und der Phase der Verdunklung, das absolute Maximum sein, um eine Skyscene zu erzeugen. Wenn man einen langsam ansteigenden Berg als Szenenhintergrund zur Verfügung hat, eventuell auch maximal 150 mm Brennweite.
Nichts desto trotz war der Versuch mit dem 300 mm Tele am Windradmast in die Sonne genau der richtige Test, um die Probleme eines Sonnenfotos mit Blendenabdeckung aka Sonnenfinsternis bestmöglich zu untersuchen.
Gruß
P. S. Ein gelb leuchtendes Getreidefeld als Vordergrund würde das gelbe Leuchten der Sonne optimal zur Geltung bringen. Leider sind die meisten Getreidefelder jetzt schon abgemäht. Aber vielleicht findet jemand eine Wiese mit hohem verdörrtem langen Grass als Vordergrund.