26. Woche - Aktive Sonne im Calziumlicht

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Galeriemaster

Mitarbeiter
Galerie-Moderator
adw-2022-26kw.png

Vorweg: Das AdW-Team erhält hin und wieder Bildeinsendungen zu aktuellen Ereignissen. Bisher hatten wir mit den Bildautoren vereinbart, dass sie sich wie alle Einsender bei solchen aktuellen Bildern auch am Ende der Warteschlange anschließen. Das haben wir im AdW-Team nun geändert. Aufnahmen zum aktuellen Geschehen sollen auch aktuell bleiben, und nicht nach langer Zeit als nicht mehr aktuell nachgelegt werden. Das heutige AdW von Helmut Metz, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, ist genau so ein Fall. Alle bisher geplanten kommenden AdWs verschieben sich daher um eine Woche. Wir denken, dass die davon betroffenen fleißigen AdW-Bildautoren diese Regelung als sinnvoll akzeptieren, denn die Deep-Sky-Objekte werden sich in dieser Zusatzwoche wohl kaum verändern … ;-))

Die Sonne befindet sich aktuell in der Phase ihrer ansteigenden Aktivität und bietet somit wieder eine lohnende Bühne für fotografische Aufnahmen, meist gewonnen im Weißlicht und auch in der roten Hα-Linie bei 656,3 Nanometern. Seltener findet man Aufnahmen im violetten Licht der Fraunhofer’schen Calziumlinien. Neben der Linie mit der traditionellen Bezeichnung H (396,85 nm) gibt es auch die Linie K (393,37 nm).

Seit einigen Jahren sind spezielle schmalbandige Filter für die Sonne auch dem ambitionierten Amateur zugänglich. So nutzte Helmut Metz ein speziell für die Linie K ausgelegtes Teleskop der Marke Coronado SolarMax 70 CaK. Die Refraktor-Optik hat eine Öffnung von 70 mm und eine Brennweite von 400 mm. In der Regel liegt die Halbwertsbreite dieser Filter bei ca. 24,2 nm. Mit diesem Teleskop wird die sehr dünne Schicht knapp oberhalb der Chromosphäre ca. 500 km über der Photosphäre sichtbar.

Da das Bild im Calziumlicht zum einen sehr dunkel ist und besonders ältere Menschen in diesem Bereich des Sonnenspektrums fast „blind“ sind, liegt der Schwerpunkt für Arbeiten in diesem Spektralbereich in der fotografischen Bildgebung. Es sei erwähnt, dass die Kalziumlinie schon sehr nah am ultravioletten Flügel des Sonnenlichts liegt und damit je nach Grad des technischen Schutzes hinsichtlich UV- und IR-Strahlung die Gefahr nicht zu unterschätzen ist, sich bei längerer visueller Beobachtung trotz des dunklen Bildes zu sehr der schädlichen UV-Strahlung auszusetzen.

Dieser kurzwellige Spektralbereich ist sehr seeinganfällig, im Gegensatz zur langwelligen Hα-Linie bei 656,3 Nanometern, die selbst bei mit Eiswolken verschmiertem Himmel immer noch akzeptable Beobachtungsmöglichkeiten bieten kann. Die Aufnahme entstand am 18.06.2022 an der Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen und ist ein Komposit, wie der Bildautor konstatierte: „Es handelt sich um eine Fotomontage aus zwei verschieden lang belichteten Aufnahmen. Die Videos wurden mit PlanetarySystemStacker zu den geschärften Summenbildern verarbeitet, wobei jeweils 512 von 2000 Frames verwendet wurden.“

Photosphärische Fackelgebiete lassen sich im Gegensatz zu Weißlichtbeobachtungen, wo diese begünstigt durch die Randverdunklung und damit entsprechendem Kontrastumfang vornehmlich nur am Sonnenrand sichtbar werden, im Calziumlicht auf der gesamten Sonnenoberfläche abbilden. Diese vor 10 Tagen gewonnene Aufnahme zeigt zahlreiche, einige fast noch sichtbare aktive Regionen: AR13030-35, sowie AR13037+38.

Um sie herum erkennt man u.a. sogenannte Supergranulationszellen. Sie haben durchschnittlich einen Durchmesser von etwa 30.000 Kilometern. Ihre Aufgabe ist es, heißes Gas in Richtung Sonnenoberfläche zu transportieren. Bei diesem Transport kommt es zu einer gewissen Konzentration der magnetischen Felder an den Rändern der Supergranulationszellen. Diese heizen ihrerseits das sie umgebende Gas weiter auf. Diese heißen äußeren Ränder lassen sich im Licht der Calziumlinie deutlich heller erkennen. Auch hellere Protuberanzen sind mit diesem Teleskop sichtbar, wie dieses Komposit aus zwei unterschiedlich belichteten Sequenzen zeigt.

Für die Sonnenoberfläche wurde eine Belichtungszeit von 0,1 ms verwendet, für die Protuberanzen war eine 50-mal längere Belichtungszeit von 5 ms notwendig. Als Aufnahmekamera kam eine monochrome CMOS-Kamera der Marke ZWO ASI290MM zum Einsatz. Der Bildautor hat die Aufnahme in Photoshop CC nachträglich eingefärbt. Wir danken Helmut Metz für diese schöne aktuelle Sonnen-Aufnahme.

Wir sagen dem Bildautor ein herzliches Dankeschön für diese interessante Aufnahme, dazu auch die Gratulation des AdW-Teams zum gelungenen Astrofoto der Woche.



Jens Leich
Bildautor: Helmut Metz




Vollbild unter: https://www.astronomie.de/neuigkeiten/26-woche-aktive-sonne-im-calziumlicht/




Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Leider können wir im Forum nicht mitmachen. Scheuen Sie sich also nicht, den direkten Kontakt zu uns zu wählen: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach auf den Namen. Sie können auch den Autornamen anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

Mitmachen beim Astrofoto der Woche

Ihr möchtet Euch für das Astrofoto der Woche bewerben? Dann schickt uns Euer Bild. Jetzt zum Formular gehen!

Mailingliste der VdS-Fachgruppe Astrofotografie​

Die VdS-Fachgruppe Astrofotografie bietet allen Interessierten eine Mitgliedschaft in einer aktiven Mailingliste an.
Weitere Informationen erhalten Sie unter http://astrofotografie.fg-vds.de/mailingliste.php3
 
Was ich mich bei dem Thema Kalzium-Filter / UV-Strahlung immer Frage - lassen die denn MEHR UV-Licht durch als Weißlicht-Optiken? Und - da ich doch wie bei jeder anderen Form der Sonnenbeobachtung insgesamt für eine massive Lichtdämpfung sorgen muss, wollte ich denn überhaupt visuell beobachten - wie erreiche ich denn dann mehr Schutz?
Klingt vielleicht etwas spitzfindig, denn in der Tat macht die visuelle Kalziumbeobachtung keinen Sinn - aber vorgenannter Zusammenhang treibt mich noch um...

Unabhängig davon ein hübsches Bild, was zeigt, dass die Sonne in diesem Spektralbereich auch für Amateure sehr abwechslungsreich sein kann.

Stefan Korth
 
Hallo Jens, hallo Peter,

als sehr aktiver Sonnenbeobachter freut es mich sehr, ein Bild der Sonne im Kalzium Licht hier zu sehen. Die Aufnahme gefällt mir sehr gut! Das Teleskop scheint einen recht schmalen Durchlass zu haben, wenn Protuben sichtbar gemacht werden können.

@Stefan: Nein, die lassen nicht mehr Licht durch. Letztlich ist das ein ganz normales Teleskop nur mit einem sehr engbandigen Filter auf die Kalzium Linie. Problematisch für die Optik, Filter und das Auge ist im Grunde nur IR, als Wärmestrahlung und für das Auge der UV Bereich jenseits von 393nm. IR kann man mit einem entsprechenden Filter vor dem Filter blocken. Entweder bereits vor der Öffnung oder kurz vor dem Brennpunkt. Das läßt sich problemlos mit Interferenzfiltern machen. Da diese die Wärme reflektieren und nicht absorbieren (und sich somit aufheizen würden). In Richtung UV läßt der eigentliche Filter nichts weiter durch.
Ob dieser enge Wellenlängenbereich auch schädlich für das Auge ist, darüber streiten die Gelehrten. 8 Stunden täglich wird aber sicher nicht förderlich sein.
In meinem Alter brauche ich mir da aber keine Gedanken machen, da ich visuell in dem Bereich mittlerweile praktisch blind bin ;-) Ich nutzte einen Kalziumfilter nur fotografisch. Visuell kann ich gerade noch erkennen, dass da irgendwas Rundes in violett zu sehen ist. Richtig dicke Sonnenflecken gehen auch gerade noch. Daher spare ich mir meinen Verfall auf diese Weise zu sehen ;-)

Gruß Dirk
 
Danke für die Ausführungen, Dirk. Dem Hinweis, das CaK-Visuell ziemlich sinnlos ist, kann ich folgen - ich selber nutze einen 3 nm - Antlia -Filter + Herschelkeil, keine Chance. Bin halt 55...
Aber auch meine 21-jährige Tochter sieht nichts außer eine tiefblauen Sonnenscheibe und Sonnenflecken - ist wohl nicht nur altersbedingt, das dort visuell nichts erkennbar ist. Macht mir persönlich aber nichts, die fotografische CaK-Beobachtung ist für mich spannender als Weißlichfotografie, weil sehr dynamisch.
Und für den IR-Bereich? Da gilt in der Tat Blocken, blocken, blocken. Wobei - die von Amateuren verwendeten Optiken sind wie alles andere aus Glas eigentlich ein massiver Blocker für thermisches Infrarot. Aber in Summe kommt eben von der Sonne sehr viel Strahlung am Fernrohr an und hat entsprechendes Schädigungspotential. Was wohl (um auf die Eingangsfrage zurückzukommen) für den reinen UV-Anteil nicht gilt.

Gruß,
Stefan
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben