Abell 12

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003sec

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Guten Tag,
bisher habe ich hier noch keine DS-Bilder eingestellt, deshalb kurz ein paar Infos.
Seit Jahren bin ich recht aktiv im Parallelforum, aber ist habe festgestellt, dass die Überschneidungen doch nicht so groß sind, wie ich dachte. Es bleibt für mich zwar schwierig auf 2 Hochzeiten zu tanzen, aber ich hoffe auf zusätzlichen Austausch und Anregungen hier.
Eine Besonderheit meiner DS-Bilder besteht darin, dass ich mit außergewöhnlich kurzen Einzelbelichtungen arbeite. Ich mache das nun schon seit fast 2 Jahrzehnten und habe die Kurzzeitbelichtungstechnik auch mit publik gemacht.
Es gibt Vor- und Nachteile, und es gibt persönliche Vorlieben. Meine besteht darin, dass ein Astrofoto für mich unbedingt scharf sein muss. Keinesfalls will ich hier „Werbung“ für die Kurzbelichtungstechnik machen. Fragen dazu beantworte ich aber gerne.
Eine andere Besonderheit hat sich quasi als Folge ergeben, denn ich kann auf diese Weise mit einem großen Dobson arbeiten. Der ist komplett motorisiert, mit GoTo ausgestattet und funktioniert besser als meine EQ6. Die Bildfelddrehung kompensiere ich beim Stacken.
Aber auch bei kurzen Einzelbelichtungen spielt das Seeing eine große Rolle und so komme ich auf nicht viele Objekte pro Jahr.
Einige Bilder finden sich hier:

Das letzte habe ich gerade erst fertig gemacht, und zwar Abell 12.
Der ist sehr leicht zu finden, und zwar direkt neben µ-Orionis. Das Problem ist eben jener helle Stern, der den Winzling (ca. 30") leicht überstrahlt. Die seltsamen Spikes entstehen bei der Bildfeldrotation aber mittlerweile mag ich die sogar. Der Zentralstern hat knapp 20 mag und ist damit nicht gerade leicht abzubilden. Alles in allem habe ich mehrere Nächte mit dem Objekt verbracht, Experimente gemacht und Ideen auch wieder verworfen. Wie gesagt, es geht mir nicht um „ein Astrofoto haben“, sondern ich will (und das wird langsam sogar zum Fluch bei diesem Wetter). Ich will meine maximalen Möglichkeiten ausschöpfen. An Tiefe ist hier am Niederrhein kaum zu denken (Bortel 5-6, 20 mag pro Bogensekunde ist ein Zielwert), aber bei der Schärfe kann ich fleißig sein und darum „kämpfen“.
Bei Abell 12 komme ich etwa auf 0,7" Auflösung, das ist so ziemlich das Ende der Fahnenstange, da ich bei nur ca. 1300 mm Brennweite arbeite. Die anderen Daten stehen im Bild.
abell12.jpg


Viele Grüße
ralf
 
Hallo Ralf,

Was mich bei deiner Technik interessiert: Führst du mit einem Autoguider nach, oder ist der bei den kurzen Belichtungszeiten obsolet? Die Methode der kurzen Belichtungen ist schon interessant, um ohne zu großen technischen Aufwand Bilder aufzunehmen.

Viele Grüße
Gerd
 
Hi Ralf,

cool, da auch einmal ein Dobson-Foto von zu sehen. Visuell ist mir der einmal mit meinem 12-Zöller vor die Linse gekommen, ging aber nur mit OIII-Filter und 214x / 375x.

CS,
Stefan
 
Bei Abell 12 komme ich etwa auf 0,7" Auflösung
Hallo Ralf,

Für Deepsky Bilder ist das Rekordverdächtig. Ich kenne keine normale Amateuraufnahme, die so hoch auflöst. Da kommen nichtmal die Leute ran, die richtige Sternwarten auf große Berge stellen.

So eine Auflösung habe ich selbst bisher nicht mal ansatzweise hinbekommen. Bei meinem Dobson mit 1,5m Brennweite habe ich ein Sampling von ca. 0,5"/px. Also theoretisch könnte ich nahe an 1" Auflösung herankommen. In der Praxis ist allerdings bei 1,7-1,8" im Stack schluss gewesen bisher. Selbst die Einzelbilder sind nie besser als 1,5". Da ich Mondbilder aber durchaus mit 0,4-0,5" hin bringe, liegt das nicht unbedingt am Standort. Das könnte durchaus gehen. Aber dazu müsste ich deutlich unter eine Sekunde belichten, was ich auch noch nie hinbekommen habe. So ab 1/9s fängt sich an die Airy Disk gegen das aufgefächerte Sternbild mit längeren Belichtungszeiten durchzusetzen. Darüber macht wenig Unterschied ob ich 1s, 10s oder 300s belichte. Das sind vielleicht 10% in der Auflösung. Um so gut aufzulösen wie du, müsste ich 1/10s rum belichten. Das habe ich noch nie geschafft.

Wie gehst du bei deinen Aufnahmen eigentlich vor? Du hattest auch mal erwähnt, dass du dein Teleskop darauf optimiert hast, möglichst hoch aufzulösen.

Die seltsamen Spikes entstehen bei der Bildfeldrotation aber mittlerweile mag ich die sogar.
Mir gefällt das auch. Das sieht wie ein richtiger Stern aus :)

An Tiefe ist hier am Niederrhein kaum zu denken (Bortel 5-6, 20 mag pro Bogensekunde ist ein Zielwert)
Das geht schon. Man muss halt nur länger belichten und gnadenlos die Auflösung opfern. Die Gradienten kriegt man mittlerweile dank Graxpert AI einigermaßen einfach in den Griff. Mit dem Dobson wäre mir das auch zu anstrengend. Mit meiner EQ6 kriege ich allerdings mit Binning auch sowas wie Dunkelwolken gut abgebildet trotz nicht so tollem Himmel.

Grüße,
Joachim

PS: die Bearbeitung ist wie üblich auch hervorragend. Steht deinen Mond und Planetenbildern in nichts nach!
 
Hallo Ralf,
schön Dich auch endlich hier in diesem Forum zu sehen, in Sachen DeepSky Astrofotografie ist hier etwas mehr los.
Das Bild ist natürlich absolut grandios, ist mir echt ein Wunder woher Du immer das gute Seeing dafür hernimmst, bei 1.5" ist bei mir auch mit Kurzbelichtungen normalerweise Schluss. Die Bildbearbeitung sieht super aus, die Schärfe kommt gut raus und die Sterne verleihen dem Bild eine gute Tiefe im Bild.
LG und CS, Jan
 
Hallo Ralf,
Wirklich sehr beeindruckend, die Aufnahmen auf deiner Seite hauen mich um! Sag mal welche Aufnahme Software nutzt du für die Kurzbelichtungen?
VG York
 
Hallo zusammen,
oh, das sind aber viele Likes, danke dafür, und dass sich so viele hier zu Wort gemeldet haben freut mich auch, einige kenne ich ja schon. Vielleicht ist es wirklich so, dass hier in Sachen Deep-Sky mehr los ist als woanders. Auf jeden Fall freue ich mich auf einen regen Austausch.
Ich beantworte auch gerne eure Fragen.
Wo ich das Seeing hernehme? Tatsächlich ist mir in diesem Winter auch nicht viel gelungen, aber ich hatte eine gute Serie vom letzten Jahr, die musste nur noch um Farbe und etwas Tiefe erweitert werden.
Autoguiden tue ich nicht, ich würde es vielleicht sogar machen, aber mit dem Dobson ist das wohl schwierig. Die Bildfelddrehung kann im Zenit sehr große Werte annehmen, ich fürchte da verschluckt sich der Guider.
Meine Aufnahmesoftware ist SharpCap, wie bei den Planeten. Auch das Stacken mache ich wie bei den Planeten in Autostakkert. (die Bildfelddrehung muss man per Hand eingeben). Dafür Stacke ich dann aber 1000 Bilder in 2 Minuten.
Es gibt eine untere sinnvolle Belichtungszeit, bei mir sind das etwa 250 ms, je nach Himmelsqualität. Ich habe mein Teleskop darauf hin optimiert (Reducer, sehr saubere Justage, Auskühlung etc.), Dass ich bei f/3,3 natürlich eine hohe Flächenhelligkeit habe ist klar. Nicht vergessen sollte man aber auch, dass 16" eine Menge Photonen einsammeln können. Die Werte lassen sich also nicht verallgemeinern.
Früher habe ich mit 5,7 Sek. und später mit 2 Sek. an anderen Teleskopen und mit anderen Kameras gearbeitet.
Auch da hatte ich schon oft schärfere Bilder als gewöhnlich. Vielleicht habe ich dabei gar nicht das Seeing ausgetrickst, sondern meine Montierung. Ein wirklicher Schritt nach vorne waren dann die modernen Cmos-Chips mit dem geringen Ausleserauschen.
Viele Grüße
ralf
 
Hallo Ralf,

beeindruckende Details, mehr geht dann wohl tatsächlich nur mit Profiteleskop an Profistandort. Und wie er hinter dem Strahlenkranz hervorlugt ist auch sehr nett :-)
 
Hallo Ralf,

tolles Objekt was du zeigt und mit einer interessanten Technik erstellt.
Ich hatte bis jetzt nur ein paar unbefriedigende Versuche mit dieser Technik, habe mich aber auch noch nicht tiefer damit beschäftigt.
Aktuell gehöre ich noch zu der Langzeitbelichtungsfraktion ;)
Ich habe für meinen 10" Newton eine ASI585mc besorgt, damit wollte ich auch mal in die kurzbelichtungen einsteigen. Eben um mehr Details zu erhalten.
Aktuell hänge ich aber noch an der 30s Marke fest ;) Wäre aber froh mal im Sekundenbereich was vernünftiges hinzubekommen.
Benutzt du live stacking oder machst du das im Nachgang?

Grüße
Carsten
 
Hallo Carsten,
ich mache das im Nachgang.
Die Frage, wie weit du runter gehen kannst, mit der Belichtungszeit hängt von der Hintergrundlimitierung ab. Die kommt bei einer Farbcam natürlich später. Dein Himmel spielt natürlich eine Rolle, wenn der hell ist, dann kannst du früher verlustfrei Kurzbelichten,(auch, wenn das dann insgesamt eben schlechter ist, bei schlechtem Himmel) Und, das ist auch mir erst vor kurzem so richtig klar geworden, die Öffnung spielt eine Rolle. Weniger wichtig hingegen ist das Öffnungsverhältnis, unwichtig ist das aber auch nicht.
Ich habe früher auch 30sec gemacht, dann 5,7sec, dann 2sec und jetzt 250 ms, ... das ist der Weg ;-)
VG ralf
 
Hallo zusammen,
ich mache mal hier weiter, anstatt einen neuen Faden zu beginnen.

M87 mit Jet hatte ich schon öfter abgelichtet. Jedes Mal, wenn ich ein neues Teleskop oder eine neue Kamera hatte, musste die Galaxie herhalten. Mit dem 16er Dobson ist es nun das erste Mal. Belichtet wurde die Galaxie schon Anfang 2023. Beim Bearbeiten fiel mir dann auf, dass die Farbe unbrauchbar war. Die konnte ich erst jetzt nachlegen, aber mit dem Gesamtergebnis bin ich nun doch sehr zufrieden. Der Jet kommt detailreicher heraus, als bei allen meinen Vorgängerversionen. Das Seeing war auch z. T. sehr gut.
Zum ersten Mal aber konnte ich die ganzen Kugelsternhaufen drumherum abbilden. Es gibt etwa 2000 (!) davon, einige sind hier zu finden. Alles das, was wie schwache Sterne um das Zentrum herum aussieht, das sind fast ausnahmslos GCs.

M87.jpg

Es gibt auch noch eine kleine Zugabe, ... ich arbeite daran.
VG ralf
 
Hallo Ralf,

das eigentlich krasse an Deinem Bild sind, finde ich, neben dem natürlich ebenfalls hervorragend abgebildeten Jet, die Massen an Kugelsternhaufen. Schlicht unglaublich, was da alles zusehen ist. Der Vergleich mit Hubble ist schon ernüchternd ( für das Weltraumteleskop) ;).

Viele Grüße
Michael
 
Ein absolutes Lehrbeispiel für Lucky Imaging, allergrößten Respekt. Mannoman, was man sich so mit längeren Belichtungszeiten alles wegmatscht...

CS,
Stefan
 
Servus Ralf,

wieder mal echte "003sec-Bilder"!!!! genial umgesetzt

Frage: Du schreibst bei Deinem M87 Bild u.a. 42.000mal..... bei sehr gutem Seeing...

Wie beurteilst oder misst Du Dein Seeing bzw. was heißt sehr gutes Seeing bei Dir???

lg aus Tirol
tom
 
Hallo Michael, Stefan, Tom und alle "Liker",
vielen Dank für eure Reaktionen und Antworten.
Hier kommt nun meine kleine Zugabe:


Das SL in M87 ist ja weltbekannt. Die Frage ist, wie groß wäre das in meinem Bild. Dazu habe ich eine Animation erstellt. Ich zoome in meinem Bild auf ein Pixel. Dieses Pixel wird sozusagen zu einem Fenster, in dem wieder ein Bild ist, eine Blumenwiese. In dieses Bild zoome ich auch wieder heran, bis ich erneut nur 1 Pixel sehe und dann kommt langsam das SL zum Vorschein. Vielleicht gefällt es ja. Ganz sicher aber zeigt es die Schärfeleistung des EHTs.

VG ralf
 
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