Abschied von Jupiter und Io mit 12" f/4 Newton

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JochenBorgert

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Hallo Sternfreunde,

mit dem nicht unbedingt für Planetenfotografie gedachten 12" f/4-Newton der Sternfreunde Münster habe ich mich mal an Jupiter herangewagt.
Die Aufnahme entstand mit einer ALccd QHY 5 III 178 Mono-Kamera und einem Satz RGB-Filter von Astronomik.
Ich habe, mangels Alternative, die Brennweite mit einer 2fach-Barlowlinse von TeleVue auf 2400 mm gesteigert. Eigentlich war ich der Meinung, dass dies zu kurz sei. Angesichts
der sehr kleinen Pixel der 178 (2,4 x 2,4 Mikrometer) scheint das aber gar nicht der Fall zu sein. Bei der Barlowlinse handelt sich um den TeleVue 2x Bino View Amplifier, den ich testweise als Barlowlinse eingesetzt habe. Ich habe den Eindruck, dass der auch als reine Barlowlinse gut funktioniert, hat jemand ähnliche Erfahrungen?
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Das Seeing war nur mäßig, nichtsdestotrotz war ich sehr positiv überrascht, was mit einem so lichtstarken Newton geht. Wichtig hierbei war die Dekonvolution, die ich unter Fitswork
mit Io als PSF durchführen konnte.
In R,G.B habe ich jeweils nur etwa 500 Aufnahmen gemacht, von denen ich jeweils 25% verwendet habe.

Clear skies

Jochen
 
Hallo,
für den Anfang schonmal gut. Wenn ein paar Tips erlaubt sind:
Versuche es mal mit mehr Frames. Ein paar tausend pro Kanal sind da schon ratsam, um später besser schärfen zu können. Bei Jupiter bekommt man auch gute Ergebnis mit Farbkameras, vor allem bei Spiegeloptiken, die keine chrom. Aberration zeigen. Das erspart viel Arbeit. Wg. der schnellen Rotaion sind mehrere kurze Sets ratsam, die nacher mit Ausgleich der Rotation zusammengefügt werden können ('Derotation'), z.B. mit dem Programm WinJupos.
Was die Sampling Rate anbelangt, ist bist du Pi mal Daumen ja bei F8 mit der 2x Barlow, da geht noch mehr. Das ist allerdings ein Feld für 'Glaubenskriege' :) , aber m.E. nach geht's ab ca. F20 erst richtig los. D.h. oversampling, also das Licht auf mehr Pixel zu verteilen als eigentlich nötig, bringt entgegen landläufiger Meinungen doch Vorteile, (wenn man's nicht übertreibt). Es erzeugt ein quasi vorgeglättetes Signal, was sich am Ende besser bearbeiten lässt.
Damit könntest du (aktzeptables Seeing vorrausgesetzt) aus einer 12" Optik wesentlich mehr herausholen.
-cb
 
Hallo allerseits,
danke für Eure Rückmeldungen.
@Cpt. Boiler: Danke für die Hinweise. Leider habe ich (noch) keine Farbkamera, muss mir also mit RGB-behelfen. Wie kann man dann vorgehen um längere Belichtungszeiten zu realisieren?
Mehrere kurze Sets in der Reihenfolge R,G,B, R,G,B, ... hintereinander, um daraus dann jeweils ein kurz belichtetes RGB-Bild zu machen und diese dann zu einem Gesamtbild verarbeiten?
Oder jeweils nur eine, aber lange Sequenz für R, G, und B, diese dann jeweils derotieren und dann zu einem RGB-Bild verarbeiten?
Mir fehlt an dieser Stelle die Erfahrung, da ich noch nicht mit Winjupos gearbeitet habe. Du selber hast ja bei Deinem Bild jeweils 3 x RGB-Sets gemacht. Wie hast Du dann die Bearbeitung zu einem RGB-Gesamtbild gemacht? Wann hast Du derotiert?
Ich fand Deinen Beitrag zum Vergleich Mono vs OCS sehr interessant und die Bilder mit dem 6"-Apo sehr beeindruckend, da habe ich schon geahnt, dass mit 12" mehr gehen muss.
Hinsichtlich der Aufnahmebrennweite: Aus der analogen Planetenfotografie habe ich das mit den sehr langen Brennweiten noch in Erinnerung, deswegen war ich hocherfreut, dass ich im Internet die Information gefunden habe, dass f/8 schon fast ausreichen soll. Glücklicherwerweise habe ich aber noch eine 5x Barlowlinse (dreilinsig von TS), die ich, falls das Wetter mitspielt, heute mal einsetzen werde, um genau f/20 zu erreichen. Ich bin sehr gesapnnt.
Clear skies

Jochen
 
Hi,
übrigens, vielleicht hast du die Posts ja schon gesehen, 2 User haben hier etliches informatives zur Planetenfotografie zusammengestellt,
einmal @TigerClaw35 -> hier
und @komposer -> hier sowie verstreut in anderen Posts.
Da finden sich viele Beispiele und Anregungen, von denen man sich für die ersten Schritte leiten lassen kann. Am Ende läuft es dann darauf hinaus, dass jeder m.o.w seinen eigenen Voodoo entwickelt, denn das Equipment und die Bedingungen, unter denen aufgenommen wird, sind ja i.d.R. recht unterschiedlich. Ausserdem gilt immer viel testen und probieren. Genau das macht ja auch den Spass aus, und man entdeckt immer wieder neue Aspekte.

Was längere Zeiten bei Jupiter anbelangt (um mehr Frames zu bekommen) mache ich z.B. mehrere kurze Color Aufnahmen oder RGB Sets. mind. 2, meistens 3, auch mal 5, jew. à 70-90 sec. Je höher die Auflösung der Optik, desto mehr muss man hier aufpassen, damit die Rotation innerhalb der Aufnahme nicht am Ende Auflösung zunichte macht. Da hat man mit 6" noch etwas mehr Spielraum:). Die Aufnahmen werden dann gestackt und mit WinJupos derotiert (siehe ob. Links) und zum Schluss geschärft.
Bei Mono Aufnahmen teile ich 3 Sets ao auf: RRR GGG BBB, damit ich nicht zu oft die Filter wechseln muss (inkl. nachfokussieren, was bei Spiegeloptiken aber nicht nötig ist). Dann werden zuerst jeweils die 3 Mono-Aufnahmen zusammen(de-)rotiert und am Ende die Kanäle zu einem RGB nochmal derotiert. Ist also doch ziemlich aufwändig. Man kann mit WinJupos auch Streams derotieren, habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Und was die Brennweite anbelangt, im Grunde hast du schon recht mit der Überlegung hinsichtl., der kleinen Pixel, die auch mit weniger Brennweite auskommen. D.h. 2x Barlow ist schon OK. Aber wiegesagt, da stecken noch viele Details im ganzen Prozess, z.B: die Lichtempfindlichkeit d. Pixel, Streuung unter den Pixeln, die Schärfungs-Algorithmen und ihre Eigenarten etc, die man nur ahnen kann, sowie manch simple Aspekte, an die man zuerst nicht denkt (z.B: ist die Schärfentiefe bei langen Brennweiten höher, d.h. auch die Fokustoleranz). So bin ich am Ende bei längeren Brennweiten angelangt.
-cb
 
Hallo Cpt. Boiler,
danke für die ausführliche Antwort. Leider verabschiedet sich Jupiter jetzt, so dass ich noch etwas auf weitere Experimente warten muss. Clear skies
Clear skies
Jochen
 
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