Beobachtung verbessern

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phil3400

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Hey Leute,
überall steht ja im Internet, dass "Profis" mehr sehen als Anfänger. Wie kann man denn die "Beobachtungsgabe" verbessern? Oder wie lange braucht man um mehr erkennen zu können? Was genau macht ein Profi anders als ein anfänger? Schreibt bitte sinnvolle Antworten und nicht soetwas wie "Das komm irgendwann von alleine..."

Gruß Philipp
 
Das kommt drauf an was Du erwartest und welche Objekte.
Farbe ist nicht, ausser bei Planeten.
Mein Vorschlag wäre, such Dir ein einfaches Objekt aus, Orion ist z.B. ein Kandidat der wieder aktuell wird.
Den einfach mal länger beobachten, am Bsten mit einem UHC Filter.
Dann wirst Du da einer Weile mehr entecken und Deine Augen schulen auf was man achten sollte
 
Hi,

die Beobachtungsgabe verbesserst Du in dem Du möglichst häufig beobachtest, möglichst auch mal durch andere Teleskope das selbe Objekte beobachtest, möglichst das Objekt auch bei verschiedenen Himmelsqualitäten beobachtest, das indirekte Sehen übst, das Objekt - falls sinnvoll - auch durch Filter (UHC, OIII) beobachtest, eventuell sogar eine Zeichnung vom Objekt anfertigst und möglichst nicht gleich zum nächsten Objekt hüpfen weil man ja "eh" nix sieht. Dazu braucht es Geduld und viel Zeit. Eine Aussage wie lang "man" dazu braucht ist nicht möglich, da dies ein Prozess ist, der dein Leben lang anhält und individuell sehr unterschiedlich ist. Frank Zappa sagte einmal über sein Gitarrenspiel: "Ich übe seit 25 Jahren, so langsam werde ich gut". Genauso ist mit der Beobachtung auch.

Grüße
Matthias
 
Hallo Philipp,

ein Profi hat seine Wahrnehmung einfach mehr trainiert. Er macht also nichts (oder nur wenig) anders als ein Anfänger, aber die Wahrnehmung (Kombination Auge + Gehirn) verändert sich mit der Zeit. Bei mir war das jedenfalls so.

Analogie: Ein Läufer, der fleißig trainiert, wird schneller. Dies wird er durch kräftigere Muskeln und eine bessere Sauerstoffaufnahme, nicht aber dadurch, das er etwas anders macht (Laufen ist immer noch Laufen)

So ist es auch bei der visuellen Astronomie. Die Wahrnehmung kann man nur durch Training verbessern, und dann kommt das in der Tat von alleine.

Um dich damit nicht abzuspeisen (das wolltest du ja eigentlich nicht hören ;)), hier noch ein paar praktische Tipps:

- Geduld mitbringen (wichtigste Tugend bei diesem Hobby), sowohl an einem einzelnen Abend, als auch insgesamt
- Pro Objekt mindestens 15 Minuten reine Beobachtungszeit einplanen, dabei ausprobieren, wie verschiedene Austrittspupillen (Vergrößerungen) wirken
- Probieren, wie das indirekte Sehen funktioniert
- Die gesehenen Objekte zeichnen (sehr wirkungsvoll zur Schulung der Wahrnehmung, das wird dir jeder bestätigen, der selbst zeichnet)

Ich bin jetzt seit gut 3,5 Jahren bei diesem Hobby dabei und habe schon eine deutliche Steigerung meiner Wahrnehmungsfähigkeit festgestellt. Mit der Zeit wird die Lernkurve sicher etwas flacher, aber ich denke, dass auch nach 3,5 Jahren noch lange nicht Schluss ist.

VG
Hermann
 
Hallo Philipp,

überall steht ja im Internet, dass "Profis" mehr sehen als Anfänger. Wie kann man denn die "Beobachtungsgabe" verbessern?

indem man ein und das selbe Objekt immer wieder beobachtet. Nicht "aufbauen, durchgucken, nach 20 Sekunden das nächste Objekt anfahren".

Astronomie ist:

a) eine Wissenschaft
b) erfordert Geduld und Lernwilligkeit

Wenn Du noch nie Gitarrenunterricht hattest, kannst auch nicht erwarten, daß Du ein paar Tage nach dem Kauf einer Gitarre konzertreif spielen kannst. Da mußt Du auch erstmal Noten lesen lernen, dann jahrelang die Griffe üben und dann hast es drauf, sofern Du musikalisch begabt bist.

So ist es auch mit dem Beobachten am Teleskop. Alles außer der Sonne und dem Mond ist so dunkel, daß Dein Auge und das Gehirn das "Sehen" neu lernen/trainieren muß.

Das bedeutet ganz konkret, daß Du zuerst das Handwerk lernen mußt (Aufbau, einnorden, Objekt aufsuchen) und dann dieses Objekt mal 20 Minuten am Stück anschaust. Mit unterschiedlichen Vergrößerungen. Direkt und indirekt. Und dann machst Dir am besten mal ne Skizze, was Du wirklich gesehen hast.

Zeichne nen Kreis (für das Okulargesichtsfeld) und mal jeden Stern, jedes Detail von nem Nebel möglichst genau (bezogen auf Position, Größe und Helligkeit) da rein. Und beschreibst mit eigenen Worten, was Du bei direktem und beim indirektem Sehen gesehen hast.

Dadurch schulst Du Deine Wahrnehmungsfähigkeit ungemein.

Und dann guckst hinterher bei Stellarium oder einem anderen Programm nochmal die Gegend an, die Du beobachtet hast...

Und dann ließ mal ein bischen was zu dem Objekt, was Du beobachtet hast. Wie es entstanden ist, wie weit weg es ist, wie es sich in Zukunft entwickeln könnte...

Leg Dir dazu am besten ein Beobachtungsbuch aus Papier an. Weiche Bleistifte zum Malen und ne Rotlichttaschenlampe für die Stirn, damit Du die Hände frei hast.

Oder wie lange braucht man um mehr erkennen zu können?

das ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Wer nur 2 oder 3 mal im Jahr durch ein Teleskop guckt, wird nie und nimmer die selbe Beobachtungen machen können wie ein Profi. Weil das Gehirn in der Zwischenzeit alles wieder vergessen hat. Da muß mann kontinuierlich dabei bleiben, so wie es das Wetter halt erlaubt...

Nach 10 oder 15 mal "Andromedagalaxie angucken" wirst irgendwann einen Abend erwischen, wo alles paßt. Seeing sehr ruhig, Transparenz sehr gut und dann erkennst auf einmal deutlich mehr. Nicht nur den helleren inneren Bereich, sondern Strukturen. Staubbänder. Hellere Knoten...

Das gilt natürlich nicht nur für die Andromedagalaxie, sondern für alle Objekte...

Was genau macht ein Profi anders als ein anfänger?

- der läßt vor einer Beobachtung mindestens 4 Stunden lang Alkohol und Zigaretten weg - die rauben nämlich kostbaren Sauerstoff im Blut und sorgen dafür, daß man prinzipiell weniger sieht

- der vermeidet jedes unnötige Licht (Straßenlaternen, Weiße Taschenlampe, Bildschirm von Handy, Laptop...)

- der fährt ins dunkle Umland

- der prüft jedesmal sein Teleskop und kollimiert gegebenenfalls vor der Beobachtung am Stern, bis die Abbildung optimal ist

- der nutzt in Lichtverschmutzten Regionen lange Taukappen zur Streulichtreduzierung und ein schwarzes Tuch über dem Kopf/Okularauszug

- der sucht sich zu seinem Himmel (Lichtverschmutzung/Mondphase) und Instrument (Öffnung/Brennweite) passende Objekte aus (das kann er aber nur, wenn er theoretische Kenntnisse hat) und beobachtet die dann mit viel Geduld

- der macht sich vor dem Beobachten Gedanken, was er beobachten möchte und druckt gegebenenfalls Aufsuchkarten für Objekte, deren Position er nicht auswendig weiß (Plan A)

- wenn er feststellt, daß die Bedingungen schlecht sind (Seeing, Wind, Luftfeuchtigkeit), dann packt er entweder ein oder geht auf leichter zu beobachtende Objekte bei geringer Vergrößerung (Plan B)

- der beobachtet die Objekte dann, wenn sie kulminieren (am höchsten stehen) und kein Mondlicht stört

- der hat neben seiner Erfahrung auch optimierte Teleskope und nen Koffer voller Aufsuchkarten, diverse Filter, zu seinem Teleskop passende Okulare und viel Hintergrundwissen.

Dieses Hintergrundwissen ist ausschlaggebend für das "Kopfkino". Erst wenn Du weißt, was Du da eigentlich anguckst (ne ferne Galaxie, einen Kugelsternhaufen, den Überrest einer Supernova, ein Sternentstehungsgebiet...), kannst den Anblick so richtig genießen...

Um soweit zu kommen, braucht es Jahre. Oder Jahrzehnte.
 
Danke :D Genau solche Antworten habe ich gesucht! Vielen Dank für eure Hilfe. Werde versuchen die meisten tipps anzuwenden :D

Gruß Philipp
 
Hallo Phillip,

ich habe das Gefühl, dass Du ein [zensiert] bist. Lustig gell. Vielleicht bist du doch jünger als 14? Ich denke auch Astrofotografie ist eher was für dich, weisst Du, da siehst du einfach mehr.

Matthias
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Nein bin kein [zensiert] (im Gegensatz zu dir wo ich mir echt nicht sicher bin) Bin älter! Und glaube das DU ein [zensiert] bist weil du auf einfach jeder Frage rumhackst!
 
Hallo Tom,

ich glaub ich kenn dich. Und solltest du es sein, du bist ein verdammt guter Typ. Bei Taiwan hat`s dann gedämmert, klar.
Deine Schreibweise, deine Aktionen, deine Vorgehensweise, all das gefällt mir.
Da ich schon mehr Beiträge von dir gelesen habe und dich sehr schätze möchte ich mich bei dir entschuldigen, sorry vielmal.
In Taiwan wünsch ich dir viel Glück und Erfolg.
Bleibst du dort für längere Zeit verwurzelt?

Jedenfalls alles Gute, den Tipp mit dem Handy finde ich dennoch nicht prickelnd.

Grüße und bleib gesund, Tobias
 
Hallo Fee,

Zitat von Sternenfee123:
überall steht ja im Internet, dass "Profis" mehr sehen als Anfänger. Wie kann man denn die "Beobachtungsgabe" verbessern?

indem man ein und das selbe Objekt immer wieder beobachtet. Nicht "aufbauen, durchgucken, nach 20 Sekunden das nächste Objekt anfahren".
Es können durchaus immer wieder andere Objekte anvisiert werden. Das macht keinen großen Unterschied. Wichtig ist nur, sich selbst immer wieder an die Grenze des Machbaren zu bringen (siehe Hermann und die Analogie zum Sport).

Gruß,
Robert
 
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