Hallo Marcel,
ein leichter 70/900 geht bis 100x auf einem gut gängigen Videoneiger mit Rutschkupplung überraschend gut (mehr hab ich nicht probiert), wenn Du einen stabilen, langen Hebel zum Nachführen hast und das Teleskop fast nichts wiegt. Bei den Geräten ist ja auch spätestens bei 140x Schluss, realistischer ist 100-120x. Speziell der AZ70 ist meiner Meinung nach auf der azimutalen Montierung für das Geld okay; auf der parallaktischen würde ich ihn nicht mal scharf ansehen wollen, auch wenn er dekorativer ausschaut... Aber: You get, what you pay for, durchaus möglich, dass es Positionen gibt, wo er durchrutscht (auch unter dem Stichwort Serienstreuung). Aber das bereitet weniger Frust als eine unterdimensionierte parallaktische Montierung der Klasse Wackeldackel.
Mit meinem ED80 konnte ich im Lieferzustand auf einem TS-Neiger bis etwa 100x gehen und mit der aktuellen Ausbaustufe schätzungsweise bis 50x oder 70x - das Gerät wiegt jetzt deutlich mehr und hat einen ungünstigen Schwerpunkt. Das Limit hängt auch der eigenen Leidensfähigkeit und dem Gesichtsfeld der Okulare ab.
Rein vom Gefühl her wiegt der komplette AZ70 soviel wie mein 36er-Hyperion-Okular mit Zenitspiegel, dementsprechend wenig Hebel übt er aus. Und auch Videoneiger ist nicht gleich Videoneiger: Neulich hatte ich mit einem kleinen Richfielder (70/400?) auf einem Videoneiger mit Alu-Stativ beobachtet, was bis 30x wunderbar ging - aber eine schwere Spiegelreflex wollten wir nicht auf das Stativ setzen. Ich kenne sogar noch einen alten Fraunhofer aus dem 19. Jahrhundert (ca. 80/1300 oder so), der auf einem einfachen Gelenk montiert ist - funktioniert, aber das will ich keinem mehr zumuten, vor allem nicht mit den damaligen Okularen mit Mini-Gesichtsfeld

Das ist wirklich nicht mehr State-of-the-art...
Zu dem 500-Euro-Kompromiss: Für 300 Euro ist ein Dobson drin, der aber noch getunt werden sollte (das ist für mich der erste Kompromiss, ich will nichts, was ich erst noch optimieren muss - andere Leute basteln gerne). Dann bleiben 200 Euro für 3 Okulare, Literatur, eventuell noch Leuchtpunktsucher und anderer Kleinkram (Nebelfilter in 2-Zoll, Grau-/Polfilter für Mond, Rotlicht...). Das wird schon eng und langt zwar für eine wirklich brauchbare Okularausstattung, aber das dürfte nicht die endgültige sein. Ab 500 Euro Neupreis würde ich sagen, ist eine sinnvolle Ausstattung möglich, unter 500 (oder sagen wir 400, das ist natürlich keine harte Grenze, sondern nur eine Hausnummer) wirds eng. Entweder wird ein Okular eingespart, oder irgendwo anders klemmts, und Bastelarbeit steht auch noch an. Sowas verstehe ich unter Kompromisse: Es bleiben Wünsche offen, und es ist kein Budget für eventuelle Fehlkäufe da. Das heißt nicht, dass man für 499 Euro nur Aussteiger-Teleskope bekommen würde, sondern nur, dass das ganze noch ausbaufähig ist
Daher auch mein Verweis oben aufs GAD: Die nächste Sternwarte hat in der Regel einiges an Geräten, mit denen man testen kann, wie die eigenen Ansprüche sind. Das kann zwar langfristig sehr viel teurer werden, aber dafür setzt man kein Geld in den Sand, sondern kriegt etwas, das "preis-wert" ist.
Gruß,
Alex