Re: C/2015 X8 (NEOWISE)
Lieber Mike,
vielen Dank für diese Grafiken. ich möchte noch ein paar Worte zur Erkennung kontrastschwacher Objekte verlieren.
Oft wird eine Objekt als "zu dunkel" angesehen um erkannt zu werden. So ist das nicht. Licht ist idR. genuch da. So lange man noch die Feldblende des Okulars erkennt, kommt aus dem gesamten Hintergrund Licht. Der geringe Kontrast ist es, der die Erkennbarkeit erschwert bzw. verhindert.
Ganz verhindert werden kann der Nachweise übrigens nie. Mit statistischen Mitteln lässt sich immer ein auch noch so geringer Kontrastunterschied nachweisen. Es kommt eben nur auf die Anzahl der Beobachtungen an. Elektronisch wird das längst genutzt, aber auch visuell ist das möglich.
Nun sind solche (Selbst-)Versuche schwierig mit einem Objekt an bekannter Position. Wer schonmal mit übergroßer Anstrengung ins Okular gestiert hat weiß, dass irgendwann überall graue Flecken auftauchen. Aber bei einer unbekannten Position lässt sich die statistische Methode gut nutzen, einfach in dem man die Position als "gesehen" angibt, die es am ehesten ist.
Alle Angaben zur Kontrastreserve und ähnlichen astronomischen Ansätzen beruhen auf der Arbeit von Richard Blackwell, die er in den 40er Jahren im Auftrag des Miltärs machte ( Blackwell, R.H., 1946. Contrast Thresholds of the Human Eye. Journal of the Optical Society of America 36, 624-643 ). Blackwell hatte einen Kinosaal umgebaut (gaaanz dunkel) und Projektoren eingebaut, mit denen er verschiedene Kontrastsituationen nachstellen konnte. Er hatte 20 Frauen dort (Männer waren knapp weil im Krieg), die mussten tagein tagaus angeben, an welcher Stelle ein schwaches Glimmen war. Als Orientierung diente ein projizierter schwacher roter Punkt, von dort aus mussten "Uhrzeiten" angegeben werden. Blackwell führte fast 1 Mio. solche Messungen aus! Das bringt nur das Militär fertig: Mit Versuchen zu Hause oder auf einem Teleskoptreffen erreichen wir das nie.
Blackwell fand ziemlich sicher heraus, dass auch geringste Kontraste "erkannt" wurden, bis hinunter zu 0,2%: Wenn man oft genug hinschaut: Statistisch wurden diese Stellen signifikant öfter angegben. Fehler gab es freilich auch, sie waren sogar in der großen Überzahl.
Das machen sich Amateure bis zu einem gewissen Grade zu Nutze: "Blitzte immer wider auf" heißt nichts anderes, als dass an einer Stelle die Wahrnehmung ein Objekt für wahrscheinlicher hält. Langandauerndes Beobachten ist auch eine Methoe, welche die Entdeckungswahrscheinlichkeit merklich erhöht. Blackwell stellte fest, dass selbst Beobachtungszeiten von mehreren Minuten einen Gewinn ergaben gegenüber nur einer Minuten und noch mehr gegenüber den anfänglich benutzten 6 Sekunden. Auch dass kann man als eine Art statistische Methode ansehen, mit dem Statistikrechner "Sehzentrum".
Wie weit da der einzelne geht, bis er von einer Sichtung spricht, das mag jedem selbst überlassen bleiben. Die Altvorderen waren in dieser Hinsicht konservativ, und gaben nichts als gesehen an, was zwischen Schätzen und Vermuten lag. Heute, wo es mehr um das visuelle Erleben als um den Erkenntnisgewinn geht, mag man da laxere Maßstäbe anlegen.
Ich habe zu diesem Thema mal einen Vortrag bei der VdS gehalten, davon ist eine Kurzfassung online:
http://kometen.fg-vds.de/piu/a/BeobachtungenAmLimit