Hallo zusammen,
engere Ca-K-Filter bringen einen grundsätzlich näher an die chromosphärischen Schichten, aber man sollte m.E. unterscheiden, was tatsächlich abgebildet wird. Die Ca II K-Linie besteht aus verschiedenen Beiträgen: K1 entspricht noch der oberen Photosphäre bzw. unteren Chromosphäre, K2 der mittleren Chromosphäre und K3 dem eigentlichen Linienkern mit dem „reinsten“ chromosphärischen Signal, welches noch höher als der Halpha-Linienkern gebildet wird. Ich hatte die Linienanteile des Ca II K in einem Beitrag spektroheliografisch abgebildet (
Link zum Beitrag). Der K3-Bereich ist extrem schmal (≈0,2 Å) und m.E. praktisch nur mit Spektroheliografie sauber isolierbar.
Die gängigen Ca-K-Filter zeigen daher überwiegend die obere Photosphäre mit Anteilen der Chromosphäre. Selbst sehr schmale Filter wie 1 Å (z. B. Alluxa) kommen zwar deutlich näher an K3 heran, bleiben aber immer noch deutlich breiter als der eigentliche Kernbereich und mischen weiterhin K1/K2-Anteile mit ein. Double-Stacking kann die effektive Bandbreite zwar weiter reduzieren; zusätzlich können Verkippung (Tilt), thermische Verschiebungen und eine aktive Temperaturregelung dabei helfen, den effektiven Durchlass stabil zu beeinflussen bzw. zu optimieren – allerdings könnten hier auch neue Herausforderungen mit Drift entstehen?
Für die Praxis ist jedoch entscheidend: Für die Beobachtung von Plages und magnetisch aktiven Regionen ist ein extrem schmaler Bandpass oft gar nicht notwendig. Diese Strukturen sind bereits über einen relativ breiten Höhenbereich sichtbar und zeigen sich auch in 1–5 Å sehr kontrastreich. Der zusätzliche photosphärische Anteil erhöht dabei oft sogar Signal und Stabilität des Bildes.
Die Isolation des reinen K3-Kerns ist eher für die physikalische Schichttrennung interessant, bringt für die klassische Aktivitätsbeobachtung aber m.E keinen zwingenden Zusatznutzen? In der Praxis kann ein moderater Bandpass daher auch als der bessere Kompromiss aus Informationsgehalt, Signalstärke und Beobachtbarkeit betrachtet werden?!
@Frank_Slotosch, ich finde deine CA II K Fotografien von beeindruckender Qualität, ich wüsste nicht, ob ein engerer Bandpass dir da wirklich einen "Zugewinn" bieten würde. Strukturen wie Protuberanzen, Fibrillen und Filamente (sichtbar in K3) erhältst du dann ja deutlicher in der Halpha Linie...
Hier noch eine passende Präsentation von Viladrich auf englisch:
Link
CS
Stephan