Wobei die negative Handelsbilanz einfach an der mangelnden Qualität amerikanischer Produkte liegt.
Das kann man so nicht pauschal sagen. Es gibt auch top Produkte aus den USA. Die haben aber ihren Preis. Bei qualifizierten Berufen kostet ein Amerikaner ca. zweimal so viel wie ein Deutscher. Deshalb verstehe ich auch nicht, weshalb Firmen wie z.B. Bosch dort jetzt massiv in die Produktion investieren wollen. Die USA können es sich nicht leisten, mit der ganzen Welt auf Kriegsfuß zu stehen. Das weiß auch die GOP. Da wird gerade viel heiße Luft produziert, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es mit Europa oder den Demokratien in Ostasien einen Deal gibt. Und dann bleibt die Produktion zu teuer.
In Europa sollte man meiner Meinung mittlerweile ohne Probleme mit den Chinesen, was die Produktionskosten angeht, mithalten können. Der größte Teil der Wertschöpfung in China kommt um den Raum Shanghai, wo die Löhne praktisch auf unserem Niveau sind und jedes Jahr ca. 7% steigen. In Osteuropa kann man schon lange billiger produzieren und selbst in DE sollte das mittlerweile immer weniger Probleme machen. Das Problem ist eher, dass die Investition halt dort schon gemacht wurde und man das nicht so einfach zurück drehen kann. Der chinesische Staat ist auch automatisch Mehrheitseigner von jeder Niederlassung dort. Das ist halt auch sowas...
Auf der anderen Seite sind die USA im Export von Services ganz weit vorne dabei. Fast jeder von uns hat irgendein Abo von Netflix, Apple, Disney, Amazon und co. Eine negative Handelsbilanz haben die nur bei Gütern. In der Summe ist es ausgeglichen.
Die Geschichte mit den unfairen Deals ist im Wesentlichen nur Propaganda, Drohkullisse. Auch das wissen die alle. Wie sonst sollten die USA zum reichsten Land der Welt geworden sein? Abgesehen von Geschäftsmodellen von ein paar kleinen Ländern wie Steuerhinterziehung oder Rohstoffen, sind Median Amerikaner auf pro Kopf mit der wohlhabendste der Welt. Mit schlechten Geschäften ist das sicher nicht so geworden. Es wird einfach zum eigenen Vorteil gelogen, dass sich die Balken biegen.
Deren Problem ist eher, dass der Median immer weiter unter dem Durchschnitt liegt, dass also einige wenige den großen Reibach machen und es für den Rest eher stagniert. Das hat auch zur Folge, dass sich dort einige Spekulationsblasen bilden. Z.B. beim Housing. Das ist bei uns ähnlich. In den letzten beiden Jahren unter Biden wurde die Kaufkraft im Median aber eher sogar wieder etwas besser. Auch ähnlich wie bei uns. Die Inflationsjahre wurden im wesentlichen wieder durch die Löhne kompensiert. Auch wieder wie bei uns. Trotzdem kann man aber auch hier die Leute wunderbar aufhetzen. Einschränken muss sich allerdings kaum jemand.
Rein statistisch hatten die USA was die Kaufkraft angeht sogar für die nächsten Jahre eine deutlich bessere Prognose als Europa. Das wird aber jetzt durch die Zölle, die Kursverluste wieder eingefangen.
Ich denke immer noch, dass diese Kriese eine riesige Chance für Europa ist, sich als unabhängiger und fairer Handelspartner zu etablieren, wenn man nur den Mut aufbringen würde, sich von den USA zu emanzipieren. Auch das ist den Amerikanern klar. Nicht umsonst rudern die mit ihren Zöllen dauern vor und zurück. So lähmen sie hier sämtliche Entscheidungen sich von ihnen schnell zu emanzipieren. Das ist zwar alles furchtbar mit anzusehen grad, aber eine gewisse Methode beobachte ich schon dahinter. Die pflaumen nicht nur blöd rum. Da ist überall eine Absicht dahinter.
Grüße
Joachim