Deepsky mit 114/900mm Newton

komposer

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Hallo,

ich habe ja meine selbst gebastelte Nachführung optimiert und meinen Vixen 114/900mm Newton auf die alte EQ 2 gesetzt.
Back to the roots mit fast in Vergessenheit geratenen Wackeldackel-Feeling !
vixen-antrieb20231028.jpg

Jeder Windhauch bringt das überforderte System in Schwingung aber egal, ich wollte unbedingt testen was damit möglich ist.
Als Kamera verwende ich die sehr rauscharme Asi462mm mit IR-Cut Filter.

Mutig habe ich für die Belichtungszeit 6 Sekunden bei Gain 250 angedacht.
Am 03.11.2023 dann endlich der erste Versuch mit NGC 891.

Tja und dann gleich das erste Problem: Das Auffinden

Startpunkt war der Stern Almach Soweit so gut, der war natürlich schnell auf dem Monitor.
Anschließend habe ich Binning eingestellt, den Gain hochgejagdt um erst einmal mit 1 Sek. Belichtungszeit auf NGC 891 zu schwenken.
Tja und da fingen die Probleme an !
Der Bildausschnitt ist bei 900mm und dem kleinen Sensor sehr klein. Von der Galaxie weit und breit keine Spur. Testweise habe ich auf 6 Sek. erhöht, nichts !

Ok, da habe ich mir aber ein sehr lichtschwaches Objekt ausgesucht, also musste ich die sterne wiedererkennen.
Und schon das nächste Problem: Ich habe den Astrorechner nicht am Internet hängen und keinen erweiterten Sternkatalog in Stellarium installiert.
Somit fehlten die lichtschwächeren Sterne zur Orientierung. Schließlich musste ich meinen Laptop mit nach draußen nehmen und konnte damit die richtige Stelle finden.
So sieht ein 6 Sek. Light, natürlich dann ohne Binning, mit gain 250 aus:
ngc891-031123a0042.jpg

Nicht einmal ein Hauch von Galaxie zu erkennen, ja 114/900mm also ca. F8, das ist wirklich keine Deepsky Kanone !

Nun konnte ich die Aufnahme starten um möglichst viele Lights zu sammeln bis der Mond zu hoch stand.
Jetzt zeigte sich natürlich die ungenaue Nachführung, aber besonders auch die Windanfälligkeit des recht langen Newton auf viel zu schwacher Montierung.

Die Verwendungsrate lag später leider unter 50% aber immerhin, ich konnte 333 x 6 Sek. sammeln.
Heute folgte die Nachbearbeitung und nach dem Stacken mit fitswork die positive Überraschung: Da ist ja schon deutlich die Galaxie zu sehen !
Hier das Summenbild:
Zielbild-ngc891.jpg


Nun folgte eine längere Nachbearbeitung mit Graxpert, Starnet und vor allem Gimp.
Für die Farbe hatte ich noch diese ältere Aufnahme mit Asi120mc am 76/300mm Selbstbau-Newton:
ngc891_311019-300mm-neu.jpg


Das habe ich mit fitswork an die neue größere Aufnahme angepasst und ein L-RGB erstellt. Hier nun mein Endergebnis:
ngc891-031123-900mmc.jpg


Mein Fazit: Es geht was, auch mit diesem Low Budget Equipment !

Gruß,
Holger
 
Danke für die Likes und Anmerkungen.

Allerdings hat die Bildbearbeitung das Staubband entstellt.
Könntest du das konkreter benennen damit ich im bisherigen Workflow nachsehen kann ab wann da was schief gelaufen ist ?
Mir selbst fällt da die etwas breitere Ausdehnung in der Mitte auf. Die ist allerdings recht schnell beim Anpassen der Kurven des entsternten Bildes entstanden.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

ich schätze deine Arbeit sehr und vor allem begeistert mich, wie du aus einfachen Dingen beeindruckende Aufnahmen machst.
Für mich ist aber die Ausarbeitung des Staubbandes schiefgelaufen. Das der kleine Newton im Staubband keine filigranen Details auflöst ist klar, aber für mich
sieht der Bereich künstlich fremd aus. Irgendwie wie mit dem Kachelfilter in PS bearbeitet. Da sind Kanten und Bereiche zu sehen, die so nicht da sind und durch die Bildbearbeitung entstehen. Wenn ich mir das Summenbild ansehe ist da schon eine Struktur zu sehen, die passt aber harmonisch zum Rest. Nach der Bildbearbeitung dann für mich nicht mehr. Sterne die im Summenbild vorhanden sind sind im finalen Bild nicht mehr vorhanden und irgendwelche Strukturen drübergebügelt.
Im fertigen Bild gibt es filigrane Strukturen, Bögen, helle und dunkle Details die nie in den Bereich der Auflösung des Teleskopes kommen.
Für mich wäre da wenige mehr gewesen.

Ich habe mal als Beispiel zwei Ausschnitte übereinandergestellt.

Zielbild-ngc891_ausschnitt.jpg

ngc891-031123-900mmc_ausschnitt.jpg


Gruß Thomas
 

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Danke Thomas,

jetzt kann ich das besser nachvollziehen und weiß auch wodurch das entstanden ist.
Sterne die im Summenbild vorhanden sind sind im finalen Bild nicht mehr vorhanden und irgendwelche Strukturen drübergebügelt.
Das liegt an der Hauptbearbeitung mit dem sternlosen Bild. Dadurch wird das Staubband mehr hochgezogen / bearbeitet als die Sterne.

Da sind Kanten und Bereiche zu sehen, die so nicht da sind und durch die Bildbearbeitung entstehen.
Das habe ich recht stark geschärft.

Danke für deine Einschätzung und auch die Mühe das genau zu erklären.
Mal sehen ob ich da für mich noch einen guten Kompromiss finden kann. Ich habe eben sogar eine Neubearbeitung versucht aber dann gefiel mir nachher doch die erste besser.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

ich finde es prima, das du so konstruktiv mit meiner Kritik umgehst. Ich bin eben der Meinung, das Sterne eben auch noch das sein sollten. Momentan bietet die Bildbearbeitung durch besser werdende Software und KI viele Möglichkeiten der Bildbearbeitung und Schärfung. Ist eben auch nur ein Werkzeug. Schnell ist man über das Ziel hinausgeschossen, wenn man über Stunden am Rechner sitzt. Manchmal hilft eine längere Pause und am besten am nächsten Tag weitermachen.
Momentan sieht man öfter in den veröffentlichten Bildern Strukturen in z.B. Dunkelnebeln die weit kleiner sind als die Auflösung des verwendeten Teleskopes zulässt. Vielleicht bin ich da mit meinem Gemotze zu konservativ, aber ich bin der Meinung, was das Teleskop nicht zeigen kann, gehört auch nicht ins Bild.

Gruß und CS
Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Thomas,

ich bin gerade dabei und musste feststellen, dass die Strukturen nicht nur durch zu viel Schärfen entstanden sind.
Die knapp über 30 Min. sind nicht viel und da musste ich stark entrauschen.

Ohne sternloses Bild geht das gar nicht. Habe eben mal das Summenbild weiter gestretcht und die Sterne / Spikes sehen ganz schnell unmöglich aus.
Bei dem dürftigen Ausgangsmaterial ist für mich eine feinere Bearbeitung schwierig.

Gruß,
Holger
 
Hallo,

am 10.04.2024 endlich mal wieder klarer Himmel und eine Gelegenheit den langen Newton auf die viel zu schwache Monti zu setzen.
Diesmal kaum Wind und so lag die Verwendungsrate bei 6 Sek Belichtungszeit zwischen 70-80 %.

Leider war das Seeing grausig. Schon das Scharfstellen am Stern war eine Herausforderung.
2 Objekte waren angedacht: Hamburger & Sombrero Galaxie.
Luinanz mit Asi462mm & IR.Cut bei Gain 300 und Farbe mit Asi120mc bei Gain 60 und 2x2 Binning.

Hamburger Galaxie:
L: 420 x 6 Sek
Farbe: 98 x 6 Sek.
hamburger-100424-900mmc.jpg


Sombrero Galaxie
L: 366 x 6 Sek.
Farbe: 90 x 6 Sek.
sombrero-100424-900mmc.jpg


Naja, für die kurze Gesamtbelichtungszeit, bei dem lichtschwachen Newton, bin ich schon recht zufrieden.
Vielleicht kann ich demnächst bei besseren Bedingungen nochmal etwas nachlegen.

Gruß,
Holger
 
Hallo,

gestern Nacht 18(19.07.24 kam nach längerer Pause wieder der 114/900mm Newton zum Einsatz.
Der Hantelnebel war geplant und kurz vor Mitternacht ging es dann auch los.
Bei 6 Sek. Belichtungszeit und gain 250 war auch im Livebild der Nebel zu erkennen. Mehr wollte ich der überforderten Montierung aber nicht zumuten.
Die Verwendungsrate lag so später bei ca. 60-70%.
527 x 6 Sek bei gain 250 mit IR-Cut Filter sind in der Nacht mit der Asi462mm zusammengekommen.

Hier das Endergebnis der Luminanzaufnahme:
hantelnebel-180724-900mm-sw-c.jpg

Für die Farbe habe ich auf diese ältere Aufnahme mit Asi120mc am 76/300mm Mini-Newton zurückgegriffen:
hantelnebel-16u190718-300mm-c.jpg

Mit fitswork angepasst und noch etwas nachbearbeitet mit gimp, hier das farbige Endergebnis:
hantelnebel-180724-900mmc.jpg


Also der typische Wackeldackel schlägt sich wacker. DeepSky mit 114/900 mm Newton (F7,9) auf alter EQ2 mit Selbstbauantrieb, wer hätte gedacht, dass das geht ...

Gruß,
Holger
 
Großartig! Es geht also auch ohne 10 Stunden Belichtung und mit einer Ausrüstung für weniger als 10.000 €. Danke! Du bist ein Mutmacher.
CS Harald
 
Hallo,

am 28. und 29.07.24 habe ich versucht möglichst viele Lights für H-Alpha und OIII zu sammeln.
Die Verwendungsrate schwankte leider zwischen 50-70%, so dass weniger als erhofft zusammengekommen sind.
RG610 für H-Alpha fast 1 Stunde: 596 x 6s bei gain 250
Das Ergebnis konnte ich als Luminanz verwenden aber die 480 x 6s bei gain 250 mit dem OIII Filter waren einfach zu wenig.
Da ist zwar was zu sehen aber keine anderen Details und das was da war, hätte das H-Alpha Bild eher verschlechtert.
Naja, Zeit leider umsonst investiert oder halt Lehrgeld bezahlt.

Mit der Farbe aus einer älteren Aufnahme mit Mini Newton hier das L-RGB:
adlernebel-290724-900mmc.jpg

Gruß,
Holger
 
Hallo,

die letzten Nächte hatte ich nochmal den 114er Newton im Einsatz und bei den ausgesuchten Objekten werden auch schnell seine Grenzen sichtbar.
Und gerade deshalb zeige ich die eher dürftigen Ergebnisse.

Sichelnebel
Luminanz: 795 x 6s gain 250 rg610
Farbe aus 400mm Aufnahme
sichelnebel-110824-900mmc.jpg


Blasennebel
Luminanz: 1004 x 6s gain 200 rg610
Farbe aus 300mm Aufnahme
blasennebel-120824-900mmc.jpg

Es liegt nicht nur am lichtschwachen Newton. Mir gefallen auch nicht die häßlichen fetten Spikes durch die breite 3 Arm Spinne.
Ich habe den jetzt erst einmal wieder abgeschnallt und setze demnächst wieder auf die M42 / T2 Objektive.

Gruß,
Holger
 
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