Reiseführer *und* Karte
Hallo zusammen!
Warum machst man überhaupt Zeichungen, wenn man doch ein Foto reinstellen könnte ?
Weil eine Zeichnung den visuellen Anblick weitaus besser wiedergeben kann als ein Foto.
Das kollektive Gejammer über die fehlenden Aufsuchkarten bringt mich ins Grübeln. Warum wird das so sehr als Manko empfunden? Ein wirkliches Problem gibt es m.E. nicht und die Diskussion hier befremdet mich durch akademische Aussagen fernab jeder Praxis oder einfach das übliche (typisch deutsche?) Gemecker an allem und jedem.
Überlegt mal, wie viele Atlanten oder Programme es schon gibt - für jeden Bedarf und Geschmack ist da was dabei. Ausserdem sind wir uns doch weitgehend einig, dass man mit einem Atlas alleine sowieso nicht auskommt. Das zeigen die städig rekurrierenden Diskussionen um die Frage nach "dem" Atlas in diesem Forum.
Ein Vergleich: Terrestrische Reiseführer enthalten nicht unbedingt die passende Landkarte (oder keine die so genau ist, dass ich alleine damit meine Ziele finden könnte/möchte). Die Autoren gehen davon aus, dass Touristen eine Karte mitführen. Das halte ich für eine durchaus vernünftige Annahme.
Zu den mehr als 600 Objekten im DSR3 jeweils eine detaillierte Aufsuchkarte bereitzustellen, hätte den Umfang vermutlich um hundert Seiten oder mehr vergrößert. Und ob mit diesen Karten dann jeder zufrieden gewesen wäre?
Ich würde einfach meinen Atlas oder ausgedruckte Karten mitnehmen - schließlich kommt man auch spontan auf die Idee, sich irgendwas anschauen zu wollen, was vielleicht nicht im Buch steht.
Über die amerikanische DS-Literatur habe ich einen repräsentativen Überblick (also ca. einen Meter davon im Bücherregal stehen) und will nur anmerken, dass es dort bei Büchern mit Reiseführer-Charakter i.d.R. nur zu ausgewählten Objekten Aufsuchkarten gibt. Ausnahme ist das m.W. nicht mehr neu erhältliche "1000+" von Tom Lorenzin. Das ist aber weniger ein Reiseführer als eine recht nackte Objektliste ohne Bilder oder Zeichnungen und ein recht rudimentärer Atlas (vergleichbar vielleicht mit dem "Cambridge Star Atlas").
Die Karten im NSOG sind meiner Erfahrung nach ziemlich untauglich. Sehr klein und zu wenig Sterne.
Im Burnham gibt es brauchbare Aufsuchkarten, aber natürlich nur für ausgewählte Objekte (dann hauptsächlich Veränderliche).
"Deep Sky Observing" von Steve Coe bringt keine Karten, kommt aber dem Reiseführer sehr nahe. Darüberhinaus jede Menge Tipps und Tricks zu allen wichtigen Themen. Das Buch ist so eine Art Kreuzung zwischen dem "Praxishandbuch Deep Sky" und einem anspruchsvolleren Karkoschka.
Der Luginbull/Skiff bringt einige Karten, speziell zu Galaxienhaufen - aber auch nicht flächendeckend.
"Aufsuchkarten" gibt es im Starhopping-Buch von Robert Garfinckle. Sah auf den ersten Blick vielversprechen aus, verstaubt aber inzwischen im Regal. Ich habe noch nicht einmal einen Hinweis auf den Durchmesser der dort so großzügig in den Aufsuchkarten eingezeichneten Gesichtsfelder gefunden :-(
Also: warum freut ihr euch nicht darüber, dass es ein schönes deutschsprachiges Deep Sky Buch gibt, das im Kombipack mit dem persönlichen Lieblingsatlas ein super Gespann abgibt? Ich bin froh darüber, dass ich keine Aufsuchkarten bezahlen muss, die ich eh wegen des immer mitgeführten Kartenmaterials, Notebooks oder des Sky Commanders (Dig. Teilkreise) nicht brauche!
Clear skies,
Tom