Der AP 1,0 bzw. Vmax = 1xD Mythos.

Liebe User,

bitte diskutiert wieder sachlich und wertschätzend miteinander. Das ist auch für alle Mitlesenden interessanter als der Austausch persönlicher Anwürfe.


Für die Moderation
Gruß Horst
Hallo Horst,

auch mir wäre es lieber wenn diese Persönlichen Animositäten aus der Diskussion rausgehalten werden.
Schließlich habe ich diesen Thread hier gestartet um über den Titel desselben zu diskutieren und nicht über die Animositäten die Gerd K gegen mich zeigt.
Nur wenn Gerd-K bereits direkt nach meinem Startbeitrag wieder Persönlich wird und auch so gut wie in jeder seiner Antworten hier mehr oder weniger versteckt seine persönliche Animosität gegen mich erkennen lässt wird es halt schwierig beim Thema des Threads zu bleiben.

Grüße Gerd
 
Hallo,
ich finde das Thema (immer wieder) interessant und relevant; vielen Dank an den TE!
Aus meiner bescheidenen aber langjährigen Beobachtungserfahrung kann ich sagen, dass ich Mond, Planeten und kompakte KS oftmals subjektiv gewinnbringend mit einer AP von 0,5mm oder sogar kleiner beobachten kann, sofern das seeing mitspielt. Ein Detailgewinn gegenüber AP 1,0mm ist hierbei jedoch kaum möglich.
Bei sehr engen Doppelsternen wähle ich sogar öfters APs von 0,4mm bis 0,2mm...auch hier muss das seeing natürlich stimmen...
(anmerken will ich aber, das wir hierbei optisch nahezu perfekte Apochromaten verwenden... :))
 
Ja, da muss nicht nur das Seeing stimmen, sondern sehr relevant auch die Teleskopöffnung.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals von Berichten gelesen zu haben, dass ein Sternfreund einen Erfahrungsbericht am beispielsweise 30 Zöller mit 0,4 mm AP oder weniger „gewinnbringend“ hier geteilt hätte.

Viele Grüße
Werner
 
Für mich ist die AP ein wertvoller Anhaltspunkt für die Brennweitenzusammenstellung von Okularen. So bilden die AP's von ca. 5,5mm als obere Grenze beim Himmel unter dem ich normalerweise beobachte und 1mm als AP die man (fast) immer gewinnbringend einsetzen kann, die Eckpunkte.
Beim F4,5 Dobson: Sind das ein 24mm und 4,7mm Okular.
Dazwischen habe ich im Abstand mit Faktor ca. 1,4 den Zwischenstufen fein abgestuft.
in meinem Fall 17mm (AP~4mm) 12mm (AP~2,5,) 9mm (AP~2mm) und 6,8mm (AP~1,5mm).
Und weil auch am 16" Dobson manchmal mehr noch gut brauchbar sein kann, darunter noch ein 3,5mm Okular ( AP 0,77). Noch einer kleinere AP bzw. höhere Vergrößerung als ca. 500fach kann ich mir zumindest für meine Belange nicht vorstellen und das 3,5mm Okular kommt echt schön selten zum Einsatz.

Am 5" Semi-Apo ähnlich, hier geht aber unter 1mm AP häufiger und auch 0.6mm AP immer Mal wieder...

Gruß Horst
 
Hallo Werner
Ich denke ein 30" ist in diesem Fall ein krasses Extrembeispiel.
Der Klassische ATM-DeepSky-Dobson schafft in der Regel die kleinen APs schon nicht mangels Nachführung und fehlendem ADC.
Oft kommen auch noch fehlende Zwangsbelüftung, mangelhafte Streulichtunterdrückung und eine fehlende Taukappe hinzu.
Hinzu kommt, dass viele Gitterkonstruktionen bei schwerem und ausladendem Zubehör wie z.B. ADC mit Bino ihre Justage verlieren.
Und bei größeren Spiegeln über 16" fehlt gelegentlich auch die optische Qualität.
Wo soll da der Kontrast für hohe Vergrößerungen bzw. kleine APs herkommen?
Die leiden dann halt einfach unter dem aller Orts schlechten Seeing ;)

Ich persönlich konnte mit meinem 16" Planetennewton schon mit Vergrößerungen um 720x (AP=0,57mm) den Mond beobachten, der Mond kulminierte dabei aber bei ca. 67°üH.
Auch konnte ich schon einmal in den frühen Morgenstunden mit einem extrem guten 24" Newton einen Jupiter bei ca. 800x beobachten, welcher ebenfalls sehr hoch kulminierte und übersäht war mit unglaublich vielen Details.

Für kleine Super-APOs bis ca. 6" Öffnung mit Strehl 0.95/+ kann ich Gerds Formel voll und ganz bestätigen.
Die hohe optische Qualität, Farbreinheit und Transparenz solcher APOs erzeugen den besten Kontrast, welcher sich leicht hoch vergrößern lässt.
Bei größeren APOs bekommt man dann ebenfalls thermische Anpassungsschwierigkeiten, da ist der hohe Kontrast oft nicht mehr so leicht abrufbar.
Ich persönlich finde das Beobachten mit größeren Austrittspupillen einfach komfortabler.
Hohe Sehschärfe, keine Glaskörpertrübungen, helles Bild, bessere Farbkontraste, entspanntes Einblick verhalten.
LG
 
Ich persönlich finde das Beobachten mit größeren Austrittspupillen einfach komfortabler.
... Ich finde dieses ist ein sehr wichtiger Punkt !
Persönliche Vorliebe ist etwas anderes als Theorie und Möglichkeit.

Und dieses ist dann oft der Grund vieler, sicher überflüssigen und vermeidbaren Debatten welche dann im Ärger enden. Man sollte auch andere Meinungen " gelten lassen ".

Entweder sind es persönliche Dinge oder auch fundierte theoretische Sachverhalte die beschrieben werden. Beides ist doch ok ?
Gruss
Marco
 
Zuletzt bearbeitet:
Was Quanten über die Systemqualität schreibt kann ich voll unterschreiben. Seitdem ich "Super-Apos", ADKs und "Super-Orthos" in Kombination verwende - und erst dann! - betrachte ich nicht mehr 0,7mm AP als gewinnbringendes Optimum für kontraststarke Himmelsobjekte, sondern 0,45mm und mache regelmäßige Ausflüge zu 0,35mm oder gar 0,3mm um dort den ADK optimal einzustellen und - sehr selten aber nicht nie - Gewinn am Himmelsobjekt zu erzielen, z.B. bei einer Ganymed-Beobachtung mit 7 Zoll bei 600x diesen Frühlung.

Auch die Frage nicht-motorischer Nachführung bei kleiner AP und somit kleinem Feld ist teils eine Frage der Montierungsqualität, verbunden mit Übung und - darf ich's sagen? - Freude am bewegten Objekt.

Grüße in die Runde, Christopher
 
Auch die Frage nicht-motorischer Nachführung bei kleiner AP und somit kleinem Feld ist teils eine Frage der Montierungsqualität, verbunden mit Übung und - darf ich's sagen? - Freude am bewegten Objekt.
Hallo Christopher ...
Da bin ich bei Dir.
Auch dieses ist ganz sicher etwas, was für jeden ganz "eigen", eine Rolle spielen wird.
Weder die Theorie noch eine fremde Meinung der ( zur ) passenden AP ist hierzu " allgemeingültig " richtig oder falsch ...
... nur jeder wird es für sich entscheiden können.
Gruss
Marco
 
......... ich bin ja nicht derjenige wie einige unter euch, der das Hobby mit einer reichhaltigen Intensität betreibt (andere Hobbys werden auch praktiziert). Aber ich betreibe das Hobby visuell seit Ende der 80er. Und ja, in der Beschäftigung mit der Theorie tauchte auch dieses hier besprochene Thema auf.
Ich habe es in Summe ignoriert, weil, es erinnert mich immer an der für mich akademischen Frage, welches Auto erfordert welchen Raumkomfort für eine 3-köpfige Familie für eine 2500km entfernte Urlaubsstrecke. Der Mensch als Größe, mit subjektiver Empfindungseinflussgröße nimmt in der theoretischen Formel eine viel zu große Unbekannte ein.
 
Ich persönlich finde das Thema Austrittspupille schon recht gehaltvoll für die praktische Beobachtung.
Wie Horst bereits geschrieben hat, kann das Thema durchaus auch Auswirkungen auf Kaufentscheidungen bei Okularen haben.
Die Austrittspupille hat unter anderem Einfluss auf:
  • Bild- bzw. Flächenhelligkeit
  • Himmelshelligkeit bzw. Hintergrundhelligkeit
  • Auflösung
  • sinnvolle maximale Vergrößerung für Planeten, Doppelsterne und DeepSky Objekte
  • sinnvolle Normalvergrößerung für Deep-Sky und die Erkennbarkeit schwacher Flächenstrukturen
  • Minimalvergrößerung bzw. Sucherfunktion
  • Sichtbarkeit von Aberrationen
  • den durch die Austrittspupille bedingten Astigmatismus bzw. Einfluss der Augenpupille
  • Wirkung von UHC-/OIII-Filtern
  • Grenzgröße bei schwachen Sternen
  • Seeingempfindlichkeit
  • Nutzbarkeit der maximalen Teleskopauflösung
  • sinnvolle Abstufung einer Okularsammlung
  • Vergleich verschiedener Teleskopöffnungen und Brennweiten
  • Binokulare Beobachtung
Würde man das Thema komplett ignoriert, fehlen einem letztlich wesentliche Anhaltspunkte, um eine sinnvolle Okularzusammenstellung oder die passende Teleskopöffnung zu wählen.
Man müsste entsprechende Komponenten im Grunde blind kaufen und könnte erst anschließend feststellen, ob sie für die eigenen Beobachtungsziele sinnvoll zusammenpassen.
Deshalb finde ich es etwas widersprüchlich, die Austrittspupille als "reine Theorie" abzutun.
Gerade hier zeigt sich doch ziemlich deutlich, dass ein theoretisches Konzept einen unmittelbaren praktischen Nutzen haben kann.
LG
 
Das gesamte Thema ist immer eine Debatte wert.
... natürlich ist die Austrittspupille auch keine " rein Theorie " , keine Frage !
In der Praxis sind aber ( zumindest für mich ) sehr viele " praktische " Dinge entscheidender.
Nur " mein eigenes sehen " entscheidet, was ich als , für mich geeignet, brauchbar empfinde.

Natürlich kann man sich auch theoretisch, mathematisch der Austrittspupille nähern. Das ist absolut ok.

Ich selber entscheide eher pragmatisch., was jedoch theoretische Überlegungen zur Okularanschaffung / Auswahl nicht ausschließt.
Wie auch immer jeder wird " seine " AP sicher finden.

Gruß an alle
Marco
 
Was ich mich bei der Diskussion ja immer frage: Gibt es Menschen, z.B. mit bestimmten Sehfehlern, die von einer Übervergrößerung tatsächlich/objektiv profitieren? :unsure:

CS Lutz
 
Deshalb finde ich es etwas widersprüchlich, die Austrittspupille als "reine Theorie" abzutun.
das war natürlich nicht meine Absicht. Dann muss ich es korrigieren, mehr erläutern, wie ich es meinte. Selbstverständlich ist die Maßgabe der AP ein Auswahlkriterium, bindet mich aber letztendlich nicht, außerhalb von ihr zu praktizieren und das Ergebnis für mich als gut anzusehen.
 
Was ich mich bei der Diskussion ja immer frage: Gibt es Menschen, z.B. mit bestimmten Sehfehlern, die von einer Übervergrößerung tatsächlich/objektiv profitieren? :unsure:

CS Lutz
Hallo Lutz,

ich wüsste jetzt nicht welcher Sehfehler speziell davon profitieren würde außer dass es natürlich förderlicher für manche mit Visus deutlich kleiner als 1,0 sein mag, wenn das Dargebotene größer dargestellt wird. Das ist etwa gleichbedeutend damit, dass man bei einer kleinen Schrift die Distanz signifikant reduziert, möchte man es lesen können, oder man bläst diese Schrift zum Lesen entsprechend deutlich auf.

Es gilt natürlich auch gewissermaßen der Umkehrschluss, dass ich beispielsweise mit einem Visus jenseits von 2,0 im Dargebotenen bereits bei geringerer Größe alles Relevante erkenne.

Viele Grüße
Werner
 
Hier mal ein praktisches Beispiel von letzter Nacht (bei seeing Pickering 8) für die Anwendung einer sehr kleinen AP von 0,25 mm:
Der sehr enge und helligkeitsdifferente Doppelstern tau Cygni wurde nur bei einer AP von 0,25 mm, 520x (Radian 3mm plus 2x Barlow) gemäß Dawes-Kriterium (als "Schneemann") "getrennt", im LZOS 130/780. Etwas größere APs brachten keine "Trennung".
Für die Trennung solcher Doppelsterne sind offenbar sehr kleine APs hilfreich:
 
Die Idee mit der Auswirkung von Sehfehlern hat mir keine Ruhe gelassen.
Ich habe mich mal mit der Google-KI Gemini darüber unterhalten.
Wirklich passende Krankheiten kamen dabei nicht heraus, aber der interessante Fakt, dass Menschen durchaus deutlich unterschiedlich große Sehzellen haben. Im Zentrum je nach Individuum im Bereich von etwas über 100'000 bis über 300'000 Zellen pro mm^2, also von der Fläche her ein Faktor von 3.
Bezogen auf die lineare Auflösung ergibt sich somit ein Unterschied von Wurzel(3), also ca. ein Faktor von 1,73 der entsprechend zwischen der maximal sinnvollen Vergrößerung von jemandem mit kleinen, dicht gepackten Sehzellen und jemandem mit großen Sehzellen liegt.
Jemand mit großen Sehzellen braucht also eine höhere Vergrößerung, um die gleichen Details zu erkennen, wie jemand mit kleinen Sehzellen (und wird diese in der Praxis an der Auflösungsgrenze meist wohl trotzdem nicht erreichen, da bei sehr kleinen Austrittspupillen lokale Störungen im Auge eine relativ größere Rolle spielen).

In gewissen Grenzen ist es also durchaus auch physikalisch bedingt, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vergrößerungen (bzw. Austrittspupillen) als das maximal (bzw. minimal) sinnvolle wahrnehmen. Dazu kommen natürlich noch unterschiedliche Vorlieben und Sehgewohnheiten.
Nur weil jemand anderes das Limit anders sieht, sieht er es nicht automatisch falsch.
Und selbst wenn es jemand übertreibt und sich die Beugungsscheibchen in allen Details angucken möchte, soll er doch. Tut ja keinem weh (und ergibt bei Doppelsternen sogar Sinn).

CS Lutz
 
Hallo Gerd,

Ich denke das ist eine sehr individuelle Sache und die Erfahrung, bis zu welchem Punk man vergrößern kann, muss jeder für sich selbst herausfinden. Deine Faustregel ist dafür ein guter Ausgangspunkt, damit man als Anfänger kein unnötiges Geld zum Fenster raus wirft. Die Logik hinter der Rechnung kann ich auch gut nachvollziehen.

In meinem persönlichen Fall habe ich mich über Jahrzehnte gefragt, was die Leute alle mit ihren kleinen Austrittspupillen wollen. Denn zu kleine Austrittspupillen haben abgesehen von der fehlenden Helligkeit noch das Problem, dass zunehmend Eintrübungen im Glaskörper des Auges scharf abgebildet werden. Ich persönlich hatte auch keinen Detailgewinn mehr. Und mich persönlich stört das auch. Außerdem verbessert in meinem Fall binokulares Sehen den Wahrnehmungsgewinn in einem Ausmaß, dass ich mir selbst Deepsky Beobachtung ohne überhaupt nicht vorstellen kann.

Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass das anderen nicht so geht. Dass sowohl die individuelle Sehqualität als auch der Gewinn durch beidäugiges Sehen nicht bei jedem gleich ist.

Der Visus bei gesunden Menschen bewegt sich zwischen 0,8 und 1,6 für die meisten Menschen. Mein Visus lag zwischen 1,4 und 1,5. Da habe ich einfach Glück gehabt. Außerdem habe ich große Auge. Selbst mit 30 kam ich noch auf eine Augenpupille von mehr als 8mm. Nochmal Glück gehabt. Außerdem bin ich kreuzdominant und wahrscheinlich habe ich deshalb kein besonders dominantes Auge. Mit Bino hat für mich selbst eine Austrittspupille von 1mm keinen Nutzen mehr gebracht. Bei allem anderen doof, aber für astronomische Beobachtungen nochmal Glück gehabt.

Seit sich bei mir die Altersweitsichtigkeit breit macht, hat sich das aber geändert. Selbst korrigiert ist die Sehqualität nicht mehr das was sie einmal war. Heute gehe ich mit Bino auf 1mm runter, ohne auf die von dir gerechneten 0,8mm. Ich bin tatsächlich jetzt nicht soo alt. Also vermute ich, dass das nicht mehr besser wird ;)

Deine Formel passt für den Normalfall sicher ganz gut. Besonders ältere Menschen könnten vielleicht sogar etwas höher gehen bei hellen Objekten. Bei Jugendlichen kann man wahrscheinlich mit etwas größeren Pupillen anfangen. Ich glaube, bei jungen Menschen ist der Median beim Visus so 1,2 rum. Der Visus wird mit zunehmendem Alter wie alles andere auch immer schlechter.

Aber wie gesagt, als Faustregel für den ersten Okularsatz passt deine Formel sicher sehr gut. Aber ich glaube das muss am Ende jeder für sich empirisch herausfinden, wie es für ihn persönlich genau ist. Daher kann es durchaus sein, dass jemand mit 3x Objektivdurchmesser am Mond für sich persönlich noch einen Gewinn macht. Aber ich glaube in den Fällen ist die generelle Sehqualität eher unterdurchschnittlich, als dass die böswilligen Blödsinn erzählen und Leute zum Fehlkauf verleiten wollen.

Grüße
Joachim
 
Hallo Joachim,

ich denke gewisse Anhaltspunkte an denen man sich ein wenig orientieren kann sind bestimmt kein Fehler. Allerdings hast du das Entscheidende selbst zum Ausdruck gebracht: Aufgrund vieler individueller Unterschiede muss jeder ein wenig experimentieren und kommt am Ende nicht immer zu „allgemeingültigen“ Ergebnissen.

Allein die Spannbreite des Visus (du erwähnst 0,8-1,6 bei den meisten) ist schon nicht so klein.

Allerdings gibt es diesbezüglich noch Abweichungen nach unten und nach oben ebenso. Auskorrigiert habe ich beispielsweise trotz fortgeschrittenem Alter das große Glück, noch immer ein ganzes Stück weit oberhalb von 1,6 Visus zu liegen. Aus diesem Grund relativiert sich das mit der AP für mich ohnehin etwas. Anderen mag das ähnlich gehen.

Wir haben aber im Laufe der Diskussion gesehen, dass selbst die berechtigten Anhaltspunkte für eine „optimal“ angepasste AP streng genommen (aufgrund des Seeings) fast immer nur für relativ kleine Geräte optimal genutzt werden können. Auch hierbei gibt es große Unterschiede bei der konkreten Anwendung am Sternenhimmel.

Viele Grüße
Werner
 
Hier mal ein praktisches Beispiel von letzter Nacht (bei seeing Pickering 8) für die Anwendung einer sehr kleinen AP von 0,25 mm:
Der sehr enge und helligkeitsdifferente Doppelstern tau Cygni wurde nur bei einer AP von 0,25 mm, 520x (Radian 3mm plus 2x Barlow) gemäß Dawes-Kriterium (als "Schneemann") "getrennt", im LZOS 130/780. Etwas größere APs brachten keine "Trennung".
Für die Trennung solcher Doppelsterne sind offenbar sehr kleine APs hilfreich:
Hallo Steinheil, danke für diesen spannenden Bericht aus der Praxis. Ich habe mir dieses System sofort für meine nächste Nacht mit dem 5-Zöller notiert. Das ist ein echtes physikalisches Paar dessen Trennung relativ flott zwischen 1" und 0,5" variiert. Sowas ist sehr nach meinem Geschmack.

Freilich, ohne Öl in's Feuer giessen zu wollen, frage ich mich in Bezug auf das Thema dieses Threads, ob bei 520x mit dem 5-Zöller der Bart nicht ohnehin bzgl. AP ab ist, und ob es in diesen Sphären nicht letztlich "nur" noch um Vergrößerung geht?

Beste Grüße, Christopher
 
Auskorrigiert habe ich beispielsweise trotz fortgeschrittenem Alter das große Glück, noch immer ein ganzes Stück weit oberhalb von 1,6 Visus zu liegen.
Da hast du aber Glück gehabt. Wie sieht es mit altersweitsichtigkeit bei dir aus? Hast du das Gefühl regelmäßig visuell beobachten bringt etwas? Das mache ich leider viel zu wenig, seit ich mit dem fotografierten angefangen habe. Seit dem geht es augentechnisch auch bergab. Aber alle sagen da kann man nichts machen.
 
Hallo Joachim,

Ich denke das ist eine sehr individuelle Sache und die Erfahrung, bis zu welchem Punk man vergrößern kann, muss jeder für sich selbst herausfinden. Deine Faustregel ist dafür ein guter Ausgangspunkt, damit man als Anfänger kein unnötiges Geld zum Fenster raus wirft. Die Logik hinter der Rechnung kann ich auch gut nachvollziehen.

natürlich ist das auch eine individuelle Geschichte und das dürfte doch allgemeiner Konsens sein, selbst im AP 1,000 Lager.
Dennoch vertritt das AP 1,000 Lager die Ansicht das letztlich exakt AP 1,000 der korrekte Wert sei und wer kleinere APs benötigt der weicht halt von der Norm ab.

Der Grund für diesen Thread war daher nicht eine Dissuasion über Individualitäten wo es sowieso einen allgemeinen Konsens gibt, sondern eine Diskussion über die „Norm“ wo es eben keinen Konsens gibt bzw. wo das AP 1,000 Lager mit einer Selbstverständlichkeit davon ausgeht das es für AP 1,000 diesen Konsens gäbe und das daher als allgemeingültiger Wert gefälligst anzusehen ist.

Ich habe im Startbeitrag diesem AP 1,000 Lager daher vorgerechnet das es weder einen Konsens für AP 1,000 gibt noch lässt dieser Wert sich wirklich sauber begründen.
AP 1,000 ist eine rein willkürliche Festlegung auf einen runden Wert für Rechenfaule.
Denn damit erübrigt sich jede Berechnung V = D geht ganz ohne überhaupt rechnen zu müssen.
V= 1,55xD erfordert halt eine kleine Berechnung.

Es ist aber so wie vorgerechnet das sich eine AP von 0,65 und damit V= 1,55xD sauber begründen lässt auch wenn dies natürlich für den Durchschnitt gilt und es individuelle Abweichungen gibt.

Diese AP 0,65 bzw. V = 1,55xD sind also nicht rein willkürlich festgelegt, sondern basieren auf handfester Grundlage und Berechnung.

Für AP 1,000 gibt es hingegen keinerlei saubere Begründung.
Das ist hier wirklich pure Willkür und diesen Unterschied sollte man eben auch zur Kenntnis nehmen.

Grüße Gerd
 
Hallo Steinheil, danke für diesen spannenden Bericht aus der Praxis. Ich habe mir dieses System sofort für meine nächste Nacht mit dem 5-Zöller notiert. Das ist ein echtes physikalisches Paar dessen Trennung relativ flott zwischen 1" und 0,5" variiert. Sowas ist sehr nach meinem Geschmack.

Freilich, ohne Öl in's Feuer giessen zu wollen, frage ich mich in Bezug auf das Thema dieses Threads, ob bei 520x mit dem 5-Zöller der Bart nicht ohnehin bzgl. AP ab ist, und ob es in diesen Sphären nicht letztlich "nur" noch um Vergrößerung geht?

Beste Grüße, Christopher
Hallo Christopher,
stimmt, das ist schon alles sehr extrem.
Aber, "subarcseconders" kann ich im 5" Triplet nur mit AP kleiner/gleich 0.5mm trennen.
Übrigens, noch etwas schwieriger ist lambda Cyg (STT 413):
Allein, dass Vater Friedrich Georg Wilhelm Struve (STF) diesen Doppelstern nicht knacken konnte (oder nicht katologisiert hat), sondern erst sein Sohn Otto (STT) mit wesentlich größerer Refraktor-Optik Erfolg hatte, lässt tief blicken...
Auch meine Wenigkeit konnte diesen Doppelstern erst mit 520x im LZOS 130/780 knacken...ab seeing Pickering 7, besser 8-10...
 
Hallo,


Wer ist eigentlich dieses ominöse "AP 1,000 Lager"?
Unter den aktuellen Mitgliedern des Forums kann ich keinen erkennen, der eine Austrittspupille von einem Millimeter verteidigt. Eventuell gab es diese Lagerbildung zu früheren Zeiten dieses Forums.

Der Konsens im diesem Faden ist doch, das die Leute unterschiedlich sind, mit unterschiedlichen Visus, Interessen und Herangehensweisen. Eine AP von einem oder 0,65mm Millimeter kann allenfalls ein Anhaltspunkt sein, aber kein festgelegter und allgemeingültiger Wert.
Es stellt sich hier im diesem Faden doch heraus, was eine Ideale Austrittspupille für den individuellen Beobachter bedeutet, mit was für eine Austrittspupille am liebsten beobachtet wird. Das wurde in diesem Faden alles aufgezählt.
Ich beobachte mit dem 10 Zoll Cassegrain am liebsten mit einer AP von rund einem Millimeter, mit ein paar 1/10 Millimeter im plus oder minus, je nach Vergrößerung, Objekt oder Bedingungen. Im kleinen Refraktor kann ich mit kleinerer AP beobachten, falls die Bedingungen das zulassen. Ich werde mich aber auf keine bestimmte oder willkürliche AP festlegen, nur weil das die Theorie so "vorschreibt".

Im diesem Sinne, eine schöne Beobachtungsnacht. Rhea, Dione und Tethys bilden eine schöne Dreierkonstellation auf der Ostseite vom Saturn.
Gerd
 
Hallo Joachim,

Da hast du aber Glück gehabt. Wie sieht es mit altersweitsichtigkeit bei dir aus? Hast du das Gefühl regelmäßig visuell beobachten bringt etwas? Das mache ich leider viel zu wenig, seit ich mit dem fotografierten angefangen habe. Seit dem geht es augentechnisch auch bergab. Aber alle sagen da kann man nichts machen.

Ja, ich kann natürlich nur hoffen, dass mir dieser Schatz noch eine Weile erhalten bleibt. Die Altersweitsichtigkeit hat bei mir schon einen Sättigungsgrad erreicht. Da tut sich nicht mehr viel. Keine Ahnung, warum ich immer noch alles nachweislich messerscharf wie in deutlich jüngeren Jahren erkennen kann. Wird sich sicherlich noch mal ändern.

Ich finde schon, dass regelmäßiges visuelles Beobachten etwas bringt. Man entwickelt u.a. ein besseres Gefühl für subtile Details, v.a. wenn man Planeten + DS oft visuell beobachtet.

Die Wahrnehmbarkeit läuft m.E. aufgrund des „Trainingseffektes“ irgendwie gezielter ab. Ich finde außerdem, dass visuelles Beobachten gewissermaßen etwas zum „Anfassen“ ist, zumal ja auch das ganze Naturerlebnis draußen mit dazukommt. Vermutlich wird ein Fotograf bequem auf dem Sofa im Wohnzimmer sitzend, bei angenehmen Temperaturen + Remoteverbindung zum Teleskop eine andere Wahrnehmung für die Sache entwickeln. Was mehr gefällt muss sowieso jeder für sich selbst entscheiden.

Gegen den schleichenden Alterungsprozess der Augen kann man wohl nichts machen. Vielleicht kann eine gesunde Lebensweise positiv unterstützen.

P.S.: Gerade fällt mir noch etwas ein. Seitdem ich nicht mehr intensiv am Rechner arbeiten muss, hat sich mein Visus am rechten (schwächeren) Auge um ca. 0,4 nach oben verbessert und ich liege auch mit diesem deutlich besser als 1,6. Zumindest bei mir hatte die ständige berufliche Belastung am Monitor eher nachteilige Effekte.

Viele Grüße
Werner
 
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