Der Letzte seiner Art ?

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Hallo zusammen,

mit unter ist mir persönlich in diesem Thread schon zu viel Populismus aufgetaucht und das Herziehen über Digiknipser oder was ein Fotoamateur alles nicht kann hilft der Forderung nach gleichwertiger Bahndlung nach visuell optimierten Geräten auch nicht weiter.

Wer fotografiert, weil's Spaß macht, dem sei sein Hobby gegönnt. Nix anderes tun die visuellen Beobachter ja auch. Müßig dem einen dieses und dem anderen jenes abzusprechen. Das endet wie die Diskussion um Spiegel oder Linse.

Nein, was bleibt ist einfach die Erwartung der Hobbyastronomen, dass es neben den vielfach fotografisch optimierten Geräten jetzt auch welche gibt, die für die visuelle Beobachtung optimiert wurden.

Das kann jedoch dem einen sein f/9-Refraktor sein, welcher auch mit Orthos zurechtkommt, dem anderen sein f/6, welcher weites Feld und große APs hinbekommt. Ein anderer wünscht viel Öffnung (visuell ein schlagendes Argument), der vierte alles zusammen. Vielleicht ist es schwerer, hier ein visuell optimales Gerät zu haben.

Cs,
Stefan
 
Hallo zusammen,

Generell ist Astronomie für mich ein Hobby, was nicht zum Kreieren oder Vorzeigen irgendwelcher wissenschaftlichen Ergebnisse dient, sondern zum Selbst-Erleben. Das ist vielleicht in der Tat nochmal anders als beim Fotografieren, da man hier ja wirklich auch Werke schafft die man dann herumzeigen kann (oder auch nicht) – den Durchblick durch ein Okular kann man aber niemandem zeigen, da muß jeder selbst reinschauen und das erleben.

Ich hatte im Studium Gelegenheit, in einer Uni-Sternwarte einige Wochen zu verbringen und an den dortigen Instrumenten zu arbeiten.... hatte Astronomie als Nebenfach gewählt. Das war extrem spannend und interessant und hat aber auch die Erkenntnis gebracht, daß ich selbst definitiv ein Amateurastronom bleiben möchte.

Da ich also Astronomie eben ohne ein Ziel zum Vorzeigen betreibe, ist mir aber letzten Endes auch egal, wieviel Objekte ich an einem Abend sehen kann. Das Erlebnis des Abends unter den Sternen zählt als meistes. Für mich zählt auch einfach dazu, die Objekte selbst zu finden, nicht einfach per Knopfdruck; auch wenn natürlich trotzdem gewisse technische Hilfsmittel wie Teilkreise und Sternkarten usw. dazugehören, anders geht es ja nicht. Natürlich möchte man es sich nicht mit total untauglichem Equipment "versauen", aber wenn einige Zeit durch manuelles Objektefinden draufgeht, ist das doch in meinen Augen völlig okay.

Man kennt sich irgendwann in den Sternbildern gut aus, auch das ist z.B. wissenschaftlich heute völlig uninteressant. Aber als Wissenschaftler schaut man auch in der Astronomie generell nur noch in einen Computerbildschirm und genau das unterscheidet eben z.B. in meinen Augen den Beruf von der Liebhaberei..... ich hatte ja quasi die Wahl.

Wer AstroFOTOGRAFIE machen möchte, wird dagegen man auf Digitalsensoren, GoTo, Autoguider, und die vielen anderen hilfreichen Techniken von heute sicher nicht mehr verzichten wollen. Aber auch da steht doch nicht unbedingt das wissenschaftlich auswertbare Bild als Ziel da, sondern einfach "nur" ein schönes, vorzeigbares Bild von fernen Welten, was man sich dann an die Wand hängen oder mit seinen Freunden teilen kann......

LG
Thomas
 
Hi!

Zitat von Thomas_John:
Aber als Wissenschaftler schaut man auch in der Astronomie generell nur noch in einen Computerbildschirm und genau das unterscheidet eben z.B. in meinen Augen den Beruf von der Liebhaberei.....

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dir hier zustimme!

Wobei ich das "am Computer sitzen und Daten auswerten" auch sehr spannend und interessant finde (sonst würde ich andere Sachen studieren).

Aber mal ganz abseits von der photographisch/visuell-Debatte... letztendlich kommt es bei uns Hobby-Astronome darauf an, dass man auch sowas wie Begeisterung/Enthusiasmus für die Astronomie hat.
Leider gibt es viele Berufsastronomen, die sich fachlich mit der Materie perfekt auskennen, aber privat weder ein Teleskop besitzen, noch die Begeisterung von Amateuren nachvollziehen können.


Wenn allerdings alle Astro-Professoren auch begeisterte Beobachter wären (und zwar egal ob photo oder visuell), würde immerhin wahrscheinlich keiner mehr über die Schließung vom Observatorium am Hohen List in der Eifel nachdenken!


Viele Grüße
 
Hallo,

Sterne schauen is wie Pilze sammeln, wenn dir jemand die Dinger vor die Füße schmeißen würde und du nicht danach suchen müsstest wärs nur halb so spannend.
Daher Goto gut und schön aber selber finden macht mehr Spaß.

Gruß Deadlock
 
Zitat von Sven_Wienstein:
Die Fotografie für "Pretty Pictures" hingegen ist wohl auch mit hohem Anteil motiviert durch den Wunsch nach Bestätigung durch andere.

:super:

Als ambitionierter Fotoamateur mit der entsprechenden Forenkenntnis zu dem Thema kann ich das bestätigen. Das will ich auch gar nicht kritisieren. Wer gerne ein "Danke fürs zeigen" lesen will, der kann je nach Forum auch seine unterdurchschnittlichen Fotos veröffentlichen. Wesentlich weiter bringt ihn das in seiner fotografischen Entwicklung allerdings nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Was mich allerdings wundert ist, daß im Gegensatz zur normalen Fotografie, vom Interesse der "Allgemeinheit" her betrachtet, die Astronomie eher was für "Freaks" ist und das die fotografische Aufarbeitung dieses Themas kaum auf allgemeines Interesse stößt. Wer sich nur ein wenig dafür interessiert, schaut sich im Internet die Hubble-Bilder an.

Insofern ist die Selbsterstellung solcher Fotos eine Leidenschaft, und die sei jedem gegönnt. Ich persönlich liebe in diesem Fall die Schönheit/das Glücksgefühl des Augenblicks (im wahrsten SInne des Wortes).

Ich käme nie auf die Idee, diesen Augenblick auf einen Sensor zu bannen, mein Auge ist dafür besser geeignt. Ich verstehe aber auch Leute die das anders sehen.

Gruß
Knut
 
Hallo Karsten,

ich beobachte rein visuell.

Wäre nett wenn die Hersteller ( z.B. solche wie Orion UK ) Hartpapier als Tubusmaterial entdecken würden und man nicht vor die Wahl zerknittertes Dosenblech oder 2000 Euro für Kohlefaser hinnehmen zu müssen gestellt wüde. Wenn bei Newtons die bekannten Mängel abgestellt würden (Lüfter rumdrehen, Spiegel nicht verspannen, Tubus groß genug...) wäre das einfach toll :super: Wenn es die Wahl zwischen "visuell ausgelegt" und "fotografisch ausgelegt" gäbe wäre das nicht ungeschickt. Wenn es einen Newton mit etwas Überlänge am Tubus gäbe könnte man einfach nach Bedarf den HS versetzen (und FS tauschen) wäre dann nobelpreisverdächtig.

Dann müßte die Klee Barlow wieder oder etwas vergleichbares angeboten werden, gerne auch komakompensierende Okulare (ich brauch dann nur ne kontostandkomoensierende Idee ?) ). Die Krönung wäre ein Fokussierschlitten in 2", mit viel Weg, Feinfokussierung, spielfrei...


Viele Grüße Felix
 
Zitat von Thomas_John:
Was, das soll geschlossen werden? Hoher List ist genau die Sternwarte, wo ich damals gewesen bin.

Es ist nicht 100%ig sicher. Aber irgendwie scheint kein Professor mehr Interesse an beobachtender Astronomie direkt an der Uni Bonn [also am Hohen List] zu haben. Und wenn keiner mehr was mit den Teleskopen machen will... dann kommen Leute natürlich ganz schnell auf die Idee, das man sich das Observatorium auch ganz sparen kann.
Die zur Zeit laufenden Projekte würden dann eingestellt werden (z.B. Holigrail [Gravitationslinsen & Co.]), was dann mit dem 1m-Teleskop & Co. geschieht... keine Ahnung... scherzhaft hat irgendwer im Frust wohl aufm Flur mal "verschrotten" geflüstert...


=> Für Ideen, wie man so ein Observatorium langfristig erhalten kann: z.B. hier melden! :)

Aber das gehört in einen eigenen Thread. Will wer nen Thread aufmachen? :D


Viele Grüße
 
Huhu, ich gehöre auch zur (jungen) Zunft der visuellen Beobachter. Einfach deshalb weil ich mich dabei entspannen kann und nicht auf irgendwas aufpassen oder komplexe abläufe kontrolieren muss (so stell ich mir astrofotografie vor). Ich finde wenn man es selbst "Live" beobachtet hat man was zu erzählen/beschreiben. Und irgendwie sind es auch schöne erinnerungen die man dann hat. Sicher hat die Fotografie auch was für sich. Ich meine Galileo Galilei hatte auch keine Knipse...

In diesem Sinne Akula
 
Zitat von Akula_1980:
Hu Ich meine Galileo Galilei hatte auch keine Knipse...

Und der hatte noch echt dunklen Himmel, der Glückspilz!

Ich mache ebenfalls auf visuell. Da ist der Himmel irgendwie "realer". Und das Suchen und Finden der Objekte ist mindestens genauso befriedigend wie die Beobachtung selbst. Das kann sicher jeder nachvollziehen, der ein Objekt, das er anfangs mit der Sternenkarte eine Viertelstunde lang gesucht hat, ein paar Wochen später punktgenau mit dem Laserpointer anpeilen kann.
Abgesehen davon bin ich (nicht astronomischer) Hobbyfotograf und da kann ich nur bestätigen, dass eine gute Aufnahme zu machen schnell mal in eine stressige Materialschlacht unter Zeitdruck ausarten kann. Wer aber bewusst keinen Foto dabei hat, kann genießen.

(PS: Nichts desto Trotz bewundere ich immer gerne die tollen Fotos der Forenmitglieder. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür!)

Schönen Abend noch,
Tilo

 
Und übrigens ich mache beides.
Erst schauen dann knipsen.
Danach schlafen gehen und wenn es draußen so ein sch... Wetter gibt dann schaue mir die gemachte Bilder an um meine visuelle Erinnerungen zu wecken...

Ich benutze auch kein GoTo ich habe mir selber die Steuerung gebaut wegen nachführung für die Fotografie und weil ich schnell und bequem in RA und DEC mich bewegen will ohne die ganze Zeil Knopfe zu suchen an dem ich dan hin und her drehe.

CS,
Igor
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,

hier ist noch ein visueller Beobachter. Das Hauptproblem ist aus meiner Sicht die zunehmende Lichtverschmutzung. Ich habe den direkten Vergleich zwischen Stadthimmel und relativ dunklen Landhimmel. Weiterhin habe ich beobachtet, dass auch der dunkle Landhimmel eine unterschiedliche Durchsicht/ Transparenz an verschiedenen Tagen zeigt. Das beste visuelle Gerät ist meiner Meinung nach das, welches häufig zum Einsatz kommt, dann steigt auch die Chance bei guter Transparenz und Seeing beobachten zu können. Es sollte daher transportabel bei ausreichend großer Öffnung und opt. Qualität sein. Hier bieten sich Dobsons an, aber bitte etwas leichter als die GSO und Skywatcher, die in 12 Zoll Volltubus Format eine echte Transportherausforderung schon sind, daher Leichtbau bei ausreichend Stabilität, gern aus Alu und Carbon. Ich beobachte mit einem Martini in 8 Zoll und einem 12 Zoll Reisedobson und bin ganz zufrieden damit. Die ganz tollen Astrofotos hier im Forum sind ebenfalls eine schöne Sache und es wäre Schade wenn sie weniger werden würden. Ich würde mir aber auch mehr Zeichnungen wünschen , das sie dem vis. Seherlebnis näher kommen.

CS und viele Grüße Jan
 
Hallo Leute,

ich täusche mich gerne, aber ein wenig sieht mir mancher Beitrag nach Wettstreit um den ernsthafteren Astronomen aus und das hängt mir zu hoch.
Jedem Tierchen sein Plesierchen.

Ich ärgere mich wie Karsten darüber, dass man so ganz allmählich kein wirklich visuell ausgelegtes Newtonteleskop im günstigen Einsteigerbereich mehr bekommt, den es so lange ja noch gar nicht gibt.
Die Möglichkeiten sind eigentlich da, ich denke z.B. an die im Mittel deutlich gestiegene und sicherer gewordene Hauptspiegelqualität.
Wer noch keinen visuell optimierten 6-Zöller oder 8-Zöller gesehen hat, kann gar nicht ermessen, was da bei vorgegebener Öffnung und vorhandenem Potenzial verschenkt wird. Er wird zufrieden sein und darf das auch, bis er mit seinem Teleskop von der Stange mit übergroßem FS, OAZ-Turm und weiteren Bugs mal neben einem solchen optimierten Gerät steht.
Dann wird er mit seinem Teleskop nicht mehr so zufrieden sein oder er ist visuell wirklich sehr genügsam.
Wenn man dann noch weiß, wie wenig Aufwand seitens der Hersteller nötig wäre und wie viel Aufwand es bedeutet, selbst die notwendigsten Änderungen an so einem Teleskop vorzunehmen, wenn man sieht, dass auch im Bereich der Linsenteleskope die Aufweichung einst allgemein akzeptierter Kriterien immer weiter voranschreitet, dann kann man schon auf den Gedanken kommen, dass man der letzte oder einer der letzten seiner Art ist.

Ob Ethos oder Baader Genuine, die Okulare können die grundsätzlich vom Teleskop gelieferte optische Qualität höchstens verschlechtern.
Teleskop, Auge-Visus/Gehirn ist Bildverarbeitung visuell, die Augenblickswahrnehmung zählt.

Der Fotograf hat da deutlich mehr Möglichkeiten auch aus schlechten Bildern noch "pretty pictures" herauszuholen.

Gruß
*entfernt*

 
Zuletzt bearbeitet:
Hi!

Zitat von the_viewer:
=> Für Ideen, wie man so ein Observatorium langfristig erhalten kann: z.B. hier melden! :)
Mal herumfragen, ob sich eine Volks- oder Universitätssternwarte in der "Nähe" verbessern möchte. "Nähe" deshalb in Anführungszeichen, weil das Einzugsgebiet ziemlich groß sein dürfte.

Zum Topic des Threads: Ich beobachte auch praktisch nur visuell, wenngleich ein Wiedereistig in die Fotografie geplant ist - für H-alpha sind unsere Augen nachts halt nicht merklich empfindlich. Das Aufsuchen geht per Starhopping, nicht per Goto. Letzteres wäre zwar praktisch und ist gerne gesehen, aber kaufen würde ich es nur, wenn der Kauf keine merklichen Auswirkungen auf den Etat der anderen Ausrüstung hat.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Günther,

Du bemängelst ja letztlich, daß einfach die Qualität der Einsteigergeräte und auch die der kleinen Refraktoren immer schlechter und weniger konstant wird.

Aber darunter leiden doch genauso auch die Astrofotografen, oder nicht?

Das Beispiel mit dem speziell visuell ausgelegten Newton ist davon unbetroffen. Ich verstehe da auch die Argumentation der Händler im anderen Thread nicht, daß z.B. verschiedene Tubuslängen oder bestimmte Spiegeldurchmesser "nicht machbar" seien, da es doch wirklich eh schon hunderte verschiedenster Tubuslängen und Spiegelgrößen gibt und diese ja auch alle nicht unmöglich waren.

Andererseits gibt es doch mittlerweile sogar 150er f/8 und sogar einen 150er f/11 Newton, und wen sonst als Leute, die NICHT fotografieren wollen, möchte man denn mit sowas ansprechen?

Wie auch immer, letztlich sehe ich in den Dingen, die Du ansprichst, einfach viele generelle Qualitäts-Fragezeichen, aber eben nicht nur welche, die speziell visuelle Sterngucker betreffen.

Andererseits kriegt man heute trotz allem für 200 Euro trotzdem schon ganz andere und in vieler Hinsicht auch deutlich leistungsfähigere Teleskope als vor 20 Jahren für 400 Mark.... oder nicht? Und wo wir gerade von Preisen reden: Ich kann echt nur *jedem* empfehlen, sich auch auf den Gebrauchtmärkten umzuschauen. Teleskope "altern" quasi überhaupt nicht durch die Benutzung, wenn man einigermaßen vorsichtig damit umgeht (Am ehesten altert noch die Verspiegelungen bei Newtons, aber auch die halten ja nun auch im schlechtesten Fall eigentlich immer deutlich mehr als 5 Jahre, beispielsweise). Okulare und Montierungen und sonstiges Zubehör altert noch viel, viel weniger... und trotzdem haben so viele Dinge im Astro-Bereich in allerkürzester Zeit einen Wertverlust schlimmer als ein VW Phaeton.

Mir ist das ehrlich gesagt schon ein Rätsel. Es gibt ja auch keine Astro-Steuer, die den Unterhalt von Teleskopen zur Geldfrage machen würde.
:)

Aber ich bin nicht bös drum, so kann man sich mit ein bißchen Geduld problemlos eine Astro-Ausrüstung mit einem Listenpreis von etlichen tausend Euro zum Spechteln besorgen und zahlt vielleicht nen 5tel oder weniger dafür.... jedenfalls was ich sagen möchte: Wer diese merkwürdige Eigenart des Astro-Gebrauchtmarktes *nicht* berücksichtigt, könnte bei einem Blick ins Biete-Forum tatsächlich denken, daß das Hobby bald ausstirbt....

LG
Thomas
 
Hallo Bernd,

ich finde es amüsant, wie es ein Eigenleben entwickelt, wenn man kritisiert, dass (nicht näher genannte) Astrofotografen visuelle Beobachter nicht für voll nehmen. Sinnerfassend Lesen, Zusammenhänge sehen - oder aber eben mit maximalem Fehlverständnis eine Luftnummer aufblasen.

Um hier mal on Topic noch etwas mehr beizutragen: Ein gelungener Beobachtungsabend enthält den typischen Duft einer Sommerwiese nach einem warmen Tag. Es ist nicht ganz der Duft von Heu, schwer zu beschreiben. Und historisch bedingt kann ich es sehr gut leiden, wenn eine Herde Kühe nebst sanftem Kuhglocken-Gebimmel in der Nähe (neugierig) wiederkäuend herumliegt und schaut, was die verrückten Menschen da um die Zeit so machen. (So regelmäßig erlebt in Nordrhein-Westfalen, man muss dafür nicht in den Urlaub fahren.)
Aber auch Kiefernduft oder andere Nadelgehölze gehören zur Stimmung. So wie der Geschmack eiskalter Luft über Schnee, ruhig auch mit viel Wind dabei.
Solche Beobachtungsnächte sind sehr, sehr schöne Gesamterlebnisse.
Das hat mit dem technischen Kram in einem Forum über Astronomie wenig zu tun. Es ergibt sich aber (für Eier- und Postingzähler schlecht ersichtlich) ein rundes Bild, wenn man sich überlegt, dass man sich für unser Hobby einsetzen muss, wenn man noch irgendeine Hoffnung haben will, dass die Lichtverschmutzung sich wenigstens in bestimmten Gebieten nicht weiter verschlimmert, so dass dieses Hobby überhaupt noch visuell auszuüben ist. Daher sollte man für das Hobby Werbung machen, wo man nur kann. Astrofotografie gehört übrigens dazu, wenn man sie publikumswirksam praktiziert. Bei uns lokal ist eine Astrofoto-Ausstellung auf die Beine gestellt worden, die zunächst einmal eine Ausstellung in einem lokalen Museum gefüllt hat, die aber auch die Runde machen soll in anderen Lokalitäten mit Publikumsverkehr. Genau: Gerade in der Sparkasse vor Ort, weil da natürlich auch Leute hereinschauen, die in ein Museum eben nicht gehen würden.

Trotzdem: Wer meint, ein Sternfreund der keine Astrofotografie betreibt, sei nicht für voll zu nehmen, kann nicht mein Freund werden.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Thomas,

nein ich bemängele nicht die schlechtere Qualität, ich sehe sogar beim den Newton Hauptspiegel eine deutlich gestiegene mittlere Qualität.
Ich bemängle schon eher, dass z.B. gesunkenes mechanisches/optisches Niveau, z.B. wegen günstiger Produktion, beworben wird, als habe sich nichts geändert und alles sei nach wie vor High End, nur eben spottbillig geworden.
Ich bemängele aber hauptsächlich, dass vorhandenes Potenzial quasi versteckt wird, hinter kleinen, leicht zu behebenden Fehlern, hinter eingebauten und vorrangig beworbenen Nutzungsmöglichkeiten die dann doch in eine Spezialisierung (auch des Geräts münden müssen), hinter halbherzigen Lösungen und ebenso bekannten wie leicht abzustellenden Fehlern.

Stattdessen immer mehr teurer, unnützer Schnickschnack.

Irgendwann geht es uns wie mit den Handys:
"Ja, wenn sie das unbedingt wollen, können sie damit auch noch telefonieren." :teufelgrr:

Gruß
*entfernt*
 
Moin Günther,

Wer noch keinen visuell optimierten 6-Zöller oder 8-Zöller gesehen hat, kann gar nicht ermessen, was da bei vorgegebener Öffnung und vorhandenem Potenzial verschenkt wird. Er wird zufrieden sein und darf das auch, bis er mit seinem Teleskop von der Stange mit übergroßem FS, OAZ-Turm und weiteren Bugs mal neben einem solchen optimierten Gerät steht.

Wenn ich da an den gerade erst eingegangenen 6"f6 Fred denke - eigentlich ist doch alles prima. Alle angesprochenen Mängel sind gar keine bzw. die Wahrnehmung läßt sich weit genug verschieben um Mängelfreiheit feststellen zu können - das nenn ich Marketing :respekt: !


Viele Grüße Felix
 
Hallo Felix,
auch wenn das weniger in der Frageintention von Karsten steht, ist der 6“er ein gutes Beispiel für den Zustand der Astrobranche:

Da ist es wie überall in der Werbung: Wahrheit ist nicht das Ziel von Werbekampagnen!
Vielmehr soll der Eindruck vermittelt werden, dass ein bestimmtes Produkt absolut gut ist! Ohne das notwendig wirklich zu sein. Denn der Eindruck hat Einfluss auf das Kaufverhalten (und das Selbstbild des Käufers).

Alle Untersuchungen der letzen Jahren zeigten: Den Kunden fehlt der Abstand, um Werbung als das zu erkennen, was sie ist: die Jagd nach Geld. Über 60% fällt es schwer, den Wahrheitsgehalt von Werbung abzuschätzen! Immerhin: zwei Drittel der Verbraucher zweifeln an der Redlichkeit von Werbung. D.h. aber, ein Drittel glaubt daran. Dass den Großhändlern dies genügt, ist täglich im Biete-Forum ersichtlich… :teufelgrr:
Aber das nur mal nebenbei. Es geht eben nicht um gute Ware, sondern um den guten Eindruck der Ware.

Gruß
Thorsten
 
Hallo Kai,

du hast etwas pauschalisiert und in einigen Teilen vielleicht sogar noch unrecht.

1. Die Chinesen haben mit ihren EDs und Newtons, sowie jetzt auch MC den Markt erst so groß werden lassen, wie er ist. Nehme die chinesischen Teleskope weg und wir sind ein kleines Häuflein.

2. Die Chinesen werden besser, wie nicht erst ein umlängst erschienener Test in interstellarum vermuten lässt. Ein Stück noch und wir holen uns lieber einen Skywatcher Equinox, als einen echten APO vom Japaner (um bei diesen Klischees zu bleiben)

3. Die Chinesen werden einfallsreicher sein und vor allem marktorientierter. Die neuen SC von Skywatcher werden ob ihres Preises und aus interesse (Kompaktheit) bestimmt gekauft. Diesen Teleskoptyp gibt es schon sehr lange, also scheints der Markt zu wollen

4. Niemand hat die anderen davon abgehalten für ihr Produkt zu werben oder ihre Produkte für den Markt interessant zu machen. Es wäre auch möglich gewesen ein Bedürfnis zu kreieren - hat niemand verboten.

Es ist aus meiner Sicht hilflos, jetz auf den Chinesen zu zeigen, nur weil man selbst seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Es ist ja nicht so, dass alles über den Preis läuft. Beim Einsteiger in jungen Jahren ist das so, aber wer mit über 40 Jahren immernoch das chinesische Produkt kauft, der wird auch die Qualität berücksichtigt haben. Dann wird es bedenklich für andere Hersteller, die als 'nicht chinesen' verstanden werden wollen.

CS,
Stefan

P.S.: Ich bin kein Chinese, falls das gerade so rüberkommen sollte ;)



 
Hallo Micha,

Zitat von winnie:
Ich kenne jedenfalls mehr "Visuelle" als Astro-Fotografen - wobei ich nicht jeden Heini, der halbwegs unfallfrei eine Knipskiste an den OAZ kriegt, als "Fotograf" bezeichnen möchte. ;)
Die Wirklichkeit sieht also ein bißchen anders aus, als das die Beiträge in den Foren zum Thema "Foto" suggerieren wollen. IMO gibt es weitaus mehr Gelegenheitsspechtler mit einfachem Equipment, als hier im Forum überhaupt prozentual vertreten sind

Und warum ist das so?

Weil viele sogenannte Astrofotografen vom Applaus leben! Denen gehts doch nur darum, ihre schönen, aus 1000 Einzelbildchen zusammengepopelten Fotos in den entsprechenden Foren zur Diskussion zu stellen und Anerkennung einzuheimsen.

Dadurch entsteht, durch die Fülle der in den Foren gezeigten Bilder eben der subjektive Eindruck in der Szene gäbe es größtenteils Astrofotografen.

Oder wenn in der heimatlichen Hütte Freunde und Bekannte zu Besuch sind läßt sich mit solchen Aufnahmen nebst komplett aufgebauten Fotogeraffel natürlich schon Eindruck schinden.
Wo früher mal die unsäglichen, weil lang(weilig) dauernden Dia-Abende herhalten mußten, werden heute eben bunte Astrobildchen gezeigt.

Mir ist auf dem BTM 2007 Folgendes passiert:

ein junger Astrofreund (ca. 30 Jahre alt) kam an meinem 10" Galaxy Dobson vorbei, blieb kurz stehen und sagte: mit Sowas hab ich auch mal angefangen, gut, solche Lichteimer sind halt schön billig...
Auf meine Frage, was Er denn für ein Teleskop dabei hätte, kam: gar Keines, steht bei mir zu Hause in meiner Sternwarte, fest auf einer Säule montiert und eingescheinert. Ist ne tolle Fotomaschine, und auf meinen Dobson schauend: kostete mich aber bestimmt 10x soviel wie so eine Spanplattenkonstruktion.

Da konnte ich nicht anders und hab ihm für solche Fälle meinen Standardsatz reingewürgt:
Weist, ich schaue mir ja auch Frauen viel lieber in Natura an als auf einem Bildchen und so halte ich es auch in der Astronomie...

 
Es läuft wie im realen Leben immer auf eine Materialschlacht hinaus. Das schnellste Auto, das größte Haus, ...

Der liebe Gott hat uns zwei Augen gegeben, die sollten wir nutzen.

Gruß
Knut
 
Zitat von chiron:
Der liebe Gott hat uns zwei Augen gegeben, die sollten wir nutzen.
Gerade das geht natürlich am Bildschirm einfacher als am Okular ...

Wenn wir streng konservativ und naturbelassen argumentieren, dann sollten wir gänzlich ohne Hilfsmittel in den Himmel schauen. Wir dürfen doch nicht vergessen, dass auch das Teleskop ein Hilfsmittel ist. Ob wir nun zusätzlich noch eine Barlow und/oder eine Videokamera mit Bildschirm zwischen das Objektiv und unser Auge schalten, das macht m.E. keinen prinzipiellen Unterschied.

Am Bildschirm können wir zunächst einmal auch andere interessierte Personen an unserem Live-Erlebnis unmittelbar teilhaben lassen. Wir können darüber hinaus das live Erlebte gleichzeitig auf unserer Festplatte speichern und es später noch anderen Personen als Video-Konserve zugänglich machen oder auch in Form eines aus dem Video entwickelten Fotos zeigen. Nicht zu vergessen: Der Erinnerungswert für uns selbst und ggf. die Freude an der handwerklichen Nachbearbeitung.

Die Vermutung, man wolle sich mit dem Herzeigen in erster Linie wichtig machen, finde ich etwas abwegig. Wie sollte man denn dann über alle kleinen und großen Kunstschaffenden und Interpreten denken? Die möchten doch wohl vor allem andere Menschen an der eigenen Freude bei der Ausübung ihrer Kunst teilhaben lassen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich gerne mal einen freundlichen Gruß an Karsten richten, der hier etwas losgetreten hat und nun offenbar selbst gar nicht mehr zu Wort kommt ...

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Moin Moin

Oh je, wie in vielen anderen Foren auch kommt nun teilweise wieder der Punkt, wo ein Hobbykollege dem anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt...

Ich weiß ja nicht, welche Auseinandersetzungen es zwischen dem einen oder anderen schon gab, dafür lese ich hier zu unregelmäßig, aber "Leben und leben lassen" sollte auch hier die Devise sein.

Ich gehöre auch eher zu denen, die über den Himmel noch "zu Fuß" wandern. Ohne großes Brimborium habe ich Optik und Monti in 5 Minuten auf dem Balkon, RA Motor angeworfen und los geht`s. Oder in ein paar Minuten mit mobiler Ausrüstung auf die Höhen zwischen Erkrath und Mettmann gefahren. Das lässt sich auch bei plötzlich sich bessernder Wetterlage schnell bewerkstelligen.

Viel mehr Technik, die ja nun für gute Fotos unerlässlich ist, wäre nur unnötiger Ballast für mich.
Gelegentlich mal die DSLR mit Konverter an die Optik geschnallt, um den Mond aufzunehmen oder mit der kleinen Digiknipse durchs Okular, das war es dann auch.

Das Höchste der (Foto-) Gefühle waren 5 Minuten-Bilder von Orion- und Flammennebel sowie Galaxien im Löwen und großen Wagen, die ich auf den Kanaren mit einfacher Nachführung gemacht habe. Eigentlich auch nur, um meiner Frau zu beweisen, dass "da oben" auch wirklich was ist...
Nun ja, die Ergebnisse waren sogar erstaunlich gut.

Trotzdem bleibe ich bei visuellen Wanderungen am Himmel.

Aber ich freue mich auch über die vielen Top-Fotos, die hier im Forum und auch anderswo von Amateuren gemacht werden.
Den Ehrgeiz, so etwas auch zu fabrizieren werde ich nie haben. Daher meinen Respekt davor.
Also, von mir aus jeder wie er mag.

Gruß
Gerd


 
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