Doppelsterne im kleinen Refraktor

Blackbert

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Am Freitag ist endlich das Buch von Sissy Haas bei mir angekommen. Gestern Abend war es zwar recht stürmig, aber ich wollte trotzdem wenigstens etwas beobachten. Beim Durchblättern der Sissy bin ich auf ein paar Doppelsterne aufmerksam geworden, die ich mir rein von den Daten her nicht aussuchen würde. Die wunderbare Beschreibung von Sissy trieb mich also mit dem 55mm-Refraktor auf den Innenhof.

Die farbigen Zeichnungen wurden mit Faber-Castell Polychromos auf schwarzem Fotokarton gezeichnet und anschließend mit Darktable bearbeitet. Die Zeichnung von 90 Leo ist eine reine Bleistiftzeichnung.

88 Leo
Bei 42x gut trennbar bei mäßigem Abstand. Die Hauptkomponente erschien weiß-gelblich. Recht großer Helligkeitsunterschied.

90 Leo
Bei 42x A und B ziemlich dicht zusammen bei sichtbarem Helligkeitsunterschied. Weit ab die viel schwächere Komponente C. Alle drei Komponenten liegen fast auf einer Linie. Sehr schöner Anblick.
2019-03-09_90_leo.jpg


83 Leo & tau Leo
Zwei wunderschöne Doppelsterne in sehr schöner Umgebung. Beide zeigten einen leichten Farbkontrast. Die B-Komponenten wirkten grau-bläulich, die A-Komponenten weiß-gelblich, wo die von tau Leo noch einen Hauch Orange zeigte.
2019-03-09_83_leo_tau_leo.jpg


gamma Leo
Diesen habe noch einmal bei 59x beobachtet und genauer auf die Farbe geachtet: A wirkte gelb-orange, B weiß-bläulich.
2019-03-09_gamma_leo.jpg
 
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CaptainKirk

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Hallo Robert, mir gefällt dein ganzer Beitrag hier sehr gut !! Ich habe mich mit Doppelsternen noch gar nicht groß beschäftigt, nach diesem Beitrag hier wird sich das wohl ändern. Toll finde ich auch, das hier kleinere Refraktoren ihr Können so gut aus spielen, schnell einsatzbereit ohne großes Aufbauen ist man schnell mal am beobachten. Du hast ja oben geschrieben, das die großen Spiegel wohl nicht mehr so viel zum Einsatz kommen, liegt wohl am unruhigen Bild und den Beugungsstreben?
Ach ja, einen Doppelstern-Plan habe ich: Keid im Sternbild Eridanus, ein gelb-orangener Stern mit einem weißen Zwerg und einem roten Zwergstern, muß farblich ein schöner Anblick sein. Er wird auch als 40 Eridani oder Omicron2Eridani bezeichnet.
Gruß Olaf.
 

Blackbert

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Lieber Olaf,

danke für die Blumen :) Das freut mich sehr.

Du hast ja oben geschrieben, das die großen Spiegel wohl nicht mehr so viel zum Einsatz kommen, liegt wohl am unruhigen Bild und den Beugungsstreben?
Es liegt mehr am unruhigen Bild. Hauptursache dürfte mangelnde Auskühlung gepaart mit Tubusseeing sein. Bei meiner Praxis kann bzw. möchte ich es mir nicht leisten, das Teleskop vorher auskühlen zu lassen, zumal man bei Doppelsternen die Wahl hat und damit auch kleine Refraktoren eingesetzt werden können.

Ich hatte zum Beispiel 16 Cnc mit dem 120mm-f/5-Refraktor wunderschön beobachten können. Im 8-Zoll-f/6-Newton war die Abbildung weit schlechter. Von verschmelzenden Beugungsscheiben oder gar einer Trennung war nichts zu sehen. Aber da muss halt jeder selbst probieren, wie er seine Instrumente nutzen kann bzw. möchte.

Letztlich soll die Beobachtung Freude bereiten. Bei meinen spontanen Beobachtungen sind Refraktoren die erste Wahl.

Liebe Grüße,
Robert
 

Schiefspiegler

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Hallo Captain Kirk (Olaf),

Dir ist sicher bewusst, dass Keid der Heimatstern von Commander Spock, Deinem Ersten Offizier auf dem Enterprise ist?;) Ich fand immer die Vorstellung klasse, dass Spock in seiner Jugend drei Sonnen am Himmel hatte.

Ich habe öfters versucht, alle drei Komponenten von Keid mit kleineren Geräten zu knacken. Der weisse Zwerg ist nicht so schwierig, da immerhin 9m5; das ist sogar der leichteste weisse Zwerg überhaupt, wenn ich mich recht entsinne. Viel schwieriger ist der rote Zwerg. Das hat teils mit seinen 10m8 zu tun, teils auch damit, dass rot von unseren Augen nachts viel schwieriger zu erfassen ist.

Viel Erfolg dabei wünscht
Christopher
 

CaptainKirk

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Hallo Robert, Danke für die aufschlussreiche Erläuterung mit Beispiel.
Hallo Christopher, ja, das wusste ich, nach der kürzlichen Entdeckung eines Planeten um 40Eridani (Spocks Planet) bin ich neugierig geworden und habe mir mal ein paar Infos zum Dreifachstern herausgesucht (wer kreist um wen und wie lange dauert das, Farben der Sterne...). Leider hatte das Wetter und die Zeit noch nicht für mich gepasst, vom Balkon kann ich ihn nicht sehen, muss also rausfahren. Bin aber mal gespannt, wie er in meinem 115mm ED Refraktor so aussieht.
Gruß Olaf.
 

Schiefspiegler

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Liebe Freunde der Doppelgestirne, ich möchte Euch ein „Doppel-Doppel“ im Luchs vorstellen: Struve 1333 und Struve 1334 (aka 38 Lyn). Die Daten:

Struve 1333 in Lyn; 284 Lj.
09h18m26s / +35°21'51"
6m6 / 6m7; 1,9"
Struve 1334 in Lyn, 38 Lyn; 125 Lj.
09h18m51s / +36°48'09"
3m9 / 6m1; 2,5"

Mit bloßem Auge bildet Struve 1334 (auch 38 Lyn genannt) mit dem 2½° entfernten Alpha Lyn ein auffallendes Paar an der Schwanzspitze des Luchses, das Auffinden ist also einfach. Im Fernglas ist Struve 1333 etwa 1½° und genau südlich von 1334 auszumachen.

Ich bin am 18. März 2019 mit 6“ über beide gestolpert ohne von ihrer Existenz zu wissen, als ich mal von Alpha Lyn aus zur UFO-Galaxie NGC 2683 navigieren wollte. Ich fand die zwei DS – sowohl einzeln als auch als Kontrastprogramm – so schön, dass ich in jener Nacht immer wieder zurück bin und sie bestaunt habe. Die zwei sind seitdem immer wieder ein Ziel, wenn ich mit 6“ draussen bin. Mir ist bewusst, dass es hier im Thread um Doppelsterne mit kleinen Refraktoren geht. 6“ ist natürlich nicht klein zu nennen – weiter unten berichte ich aber von Beobachtungen mit 3“. Ich hoffe, dass der Vergleich zwichen den Beobachtungen mit 3“ und 6“ für manche Leser interessant sein mag.

Struve 1334 hat einen wunderschönen Farbkontrast und Struve 1333 einen ganz eigenen Reiz wegen der fast identischen Komponenten. Das Seeing war in jener Nacht recht gut, das 150/1200 Fraunhofer bestens temperiert: so stand Struve 1333 mit einer hauchfeinen schwarzen Trennung bei 100x. In anderen Nächten mit weniger guten Bedingungen habe ich mehr Vergrößerung gebraucht, um eine saubere Trennung zu bekommen.

Struve 1333 hat Eigenschaften, welche die Trennung sehr erleichtern: die Komponenten sind nicht zu hell, nicht zu dunkel, und die Helligkeiten sind fast identisch mit 6m63 und 6m69. So wird es möglich, trotz der 1,9“ das Paar schon bei 100x gut zu trennen, wenn das Seeing mitspielt.

Mein Farbwahrnehmung von Struve 1334 – zart-zitronengelb / matt-orange – deckt sich genau mit jener, die der bekannte Astro-Zeichner Jeremy Perez mit 6-Zoll Spiegel hier zeigt: http://www.perezmedia.net/beltofvenus/archives/000827.html
Seine Zeichnung entspricht derart genau meiner Wahrnehmung, dass ich sie gerne für mich sprechen lasse. Seine gemessene Trennung von 3,4“ widerspricht allerdings allen wissenschaftlichen Quellen – da hat er sich wohl vermessen.

Nun geht es hier im Thread aber um kleine Refraktoren. Also habe ich gestern Nacht mit einem 80/504 Refraktor draufgehalten und die ganze Vergrößerungspanne durchgespielt. Bedingungen: Vorstadthimmel, fst im Zielgebiet etwa Mag 4,8, Seeing mittelprächtig.

Struve 1334 wirkte bei 30x im 3-Zöller schon wie ein gestreckter Stern. Ich habe den Eindruck mit dem 2 ½ Grad entfernten Alpha im Luchs im verglichen um eine Täuschung auszuschliessen; jener Stern bot eine saubere kreisrunde Beugungsscheibe. Bei 42x eine Ausbuchtung zur 8-Form. Bei 63x eine deutliche 8 aber noch ohne Trennung. Bei 84x eine blickweise Ablösung des Begleiters welche bei 100x schliesslich eindeutig gehalten werden konnte. Bei 126x stabile und deutliche Trennung. Bei dieser geringen Austrittspupille sehe ich am Begleiter keine Farbigkeit mehr; am Hauptstern ein zartes strohgelb im Gegensatz zu dem leuchtenden Zitronengelb, den ich im 6-Zöller sehe.

Dann zu Struve 1333 rüber, 1½° südlich. Bei 84x sah ich eine 8 ganz dicht vor der Trennung. Bei 100x eine blickweise Trennung, welche jedoch schwer zu halten war. Bei 126x keine bessere Trennung; das Seeing war nicht optimal und schlug bei dieser Vergrößerung voll zubuche.

Soweit mein Erkundung dieser beiden Doppelsterne, die mit ihren verschiedenen Eigenarten ein wirklich sehr reizvolles Kontrastprogramm beiten.

CS, Christopher
 

UwePilz

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Lieber Christopher und alle,

deiner Empfehlung folgend habe ich mir gestern das Doppelsternpaar angeschaut. Als einen richtigen Doppel-Doppel wie ε Lyrae möchte ich ihn nicht ansehen, dazu sind die beiden Komponenten zu weit voneinander entfernt, 42 Bogenminuten. Vielleicht gelingt es ja jemandem, alle vier Sterne in einem Feld zu sehen, also Σ 1333 und Σ 1334 jeweils getrennt. Ich habe (alles im Vierzöller) versucht, welche Vergrößerung erforderlich ist. Dazu genügten bei beiden Paaren 66x, das war aber schwierig. Bei 88x war es dann deutlich. Man benötigt schin wirklich gute , sauber bis zum Rand abbildende Okulare, um beide Paare in einem Blick zu haben. Mit meinem Ortho hätte es rechnerisch gerade so klappen können, ich habe es aber nicht probiert. Das nächste Mal vielleicht.

Ich habe zwar vier Zoll Öffnung benutzt, das ist aber nicht nötig. Wahrscheinlich klappt es im Telementor, wenn man ~150x benutzt. Als den schönsten Anblick empfand ich 200x.

Besonders reizvoll finde ich, wie unterschiedlich die Paar sind: Σ 1334 aka 38 Lynxis ist ein eher weites Paar mit serh unterschiedlich hellen Komponenten: 3m9 und 6m1 mit 2,6". Der helle Stern ist auffallend gelb. Σ 1333 hingegen sind zwei fast gleichhelle gelbliche Sterne, 6m6 und 6m7. Der Heligkeitsunterschied ist gerade so erkennbar. Sie sind merklich enger, nur knapp 2". Lohnend!
 

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Blackbert

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Ich konnte den letzten Tagen wieder einige Doppelsterne beobachten :) Hier eine Auswahl meiner Beobachtungen...

44 Boo
Den hatte ich mir in der Sissy Haas herausgesucht und mit dem 70mm ED-Refraktor versucht. Im Buch von Sissy steht dieser Doppelstern mit 1.9" Abstand drin. Wohl ein Fehler, denn im WDS ist er mit 0.9" angegeben. Das hatte ich aber erst nach einem vergeblichen Trennungsversuch festgestellt. Später habe ich diesen Doppelstern noch einmal mit dem neuen 4-Zoll-ED-Refraktor besucht, aber die Luft war sehr unruhig. Nur in kurzen Momenten konnte man bei genauem Hinsehen eine leichte Elongation erkennen.

39 Boo
Im 70mm ED-Refraktor bei 44x länglich, teils mit Einschnürung. Bei 67x getrennt, aber sehr dicht zusammen. Ein Helligkeitsunterschied war nicht erkennbar. Bei 133x deutlich getrennt bei geringem Helligkeitsunterschied. A wirkte blass-gelblich, B eher warm-weiß.

mu 1/2 Boo (STFA 28 & STF 1938)
Ein sehr schönes Dreifachsystem! Zuerst hatte ich nur das weite Paar (STFA 28) im 70mm-ED-Refraktor bei 22x beobachtet: Auffällig, großer Abstand und Helligkeitsunterschied. A: weiß-gelblich, B: grau. Später habe ich dies mit dem 4-Zoll-ED-Refraktor gezeichnet und auch die engere Komponente erfasst.

2019-04-04_mu_boo.jpg
 

winnie

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Moin Robert!

Danke wieder mal für deine interessanten B-Berichte, ich bin eifriger Leser. Weiter so! (y)

> 44 Boo

...steht sogar im Karkoschka als Doppelstern 5m1 und 6-7m (var.) mit stark abnehmenden Komponentenabstand in den letzten 15 Jahren. Aktuell (2020) wird er mit 1,8" Abstand angegeben. Andere Bezeichnung: Σ 1909.

...und ja - im WDS steht tatsächlich was anderes. Seltsam.
 
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Schiefspiegler

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Lieber Robert,

Ich bin kürzlich Deiner Methode gefolgt, d.h. ich habe mich von Sissy Haas inspirieren lassen und habe mir im Sextanten den Doppelstern angeschaut, der nach ihr den stärksten Farbkontrast in diesem Sternbild hat. Dies ist 35 Sextantis, aka Struve 1466.
35 Sex liegt in der nordöstlichen Ecke des Sternbilds, an den Löwen sich schmiegend, bei den Koordinaten 10h43m21s und +04°44'52" in einer Entfernung zu uns von 553 Lj.
Die Trennung der Komponenten ist 6,7", die Helligkeiten sind 6m2 / 7m1.

Bei 64x im 3-Zöller sah ich das Paar deutlich getrennt. Die Hauptkomponente erschien mir schwach ziegelrot, der Begleiter graublau. Ein sehr schöner Anblick!

Dann habe ich die Vergrößerung verringert um zu schauen welche Auswirkung eine Erhöhung der Austrittspupille hat. Bei 42x weiterhin sauber getrennt, der Begleiter ins Blaugraue gehend, die Hauptkomponente wirkte nun aber eher korngelb als matt-ziegelrot. Bei 30x schliesslich immer noch stabil haarfein getrennt, die Hauptkomponente nun orangegelb, einen Farbeindruck des Begleiters konnte ich wegen Überstrahlung durch den Hauptstern nicht mehr bestimmen.

Wieder lasse ich eine Zeichnung von Jeremy Perez für mich sprechen:
http://www.perezmedia.net/beltofvenus/archives/001413.html
Sie gibt farblich meinen Eindruck im 3-Zöller bei 42x wieder, wenngleich ich die Farben nicht so leuchtend sah - Perez hat ja auch 8 Zoll verwendet.

Interessant finde ich, dass manche Beobachter das Paar eher orange plus gelb sehen, andere jedoch eher gelb plus blau (mit allerlei Variationen: Sissy Haas z.B. „zitrusorange plus blaugrün“, ein anderer Beobachter „gold plus silber“). Ich bin im gelb-blauen Lager.

CS, Christopher
 
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47Tau

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Hallo Christopher,
dein Bericht hat mich daran erinnert, diesen DS mal mit 6" Spiegel beobachtet zu haben. Meine Aufzeichnungen sagen tatsächlich als Farbkontrast gelb-orange. Interessant. Zur Farbwahrnehmung bei DS gibt es ja zig Ansätze. Ich denke, es wird tatsächlich mit der AP. Je größer die wird, umso eher empfinde ich die Farben oft als die Komplementärfarben.
Gruß
Thorsten
 

Schiefspiegler

Mitglied
Hallo Thorsten,
Ich finde die Frage der Wechselwirkung der Farbwahrnehmung zwischen den Komponenten der Doppelsterne auch sehr interessant. Ich habe mich noch gar nicht vertieft damit beschäftigt, doch bekomme ich wie Du den Eindruck, dass es Einiges mit AP zu tun hat.
Beste Grüße
Christopher
 

Blackbert

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Ich konnte wieder ein paar Doppelsterne beobachten, wieder mit dem langen 4-Zoll-ED-Refraktor. Dieser macht am Doppelstern viel Freude :) Die Bedingungen können grob mit Bortle 6- abgeschätzt werden.

STF 1426
Bei 160x war AB-C ein einfach Ziel: echt großer Abstand und damit einfach zu trennen. Die C-Komponente war allerdings ziemlich schwach. Das deutlich engere Paar AB (0.9") war natürlich nicht so einfach: Auf den ersten Blick länglich, bei genauem Hinsehen als '8' erkennbar.

STF 2034
Mit 1.1" Bogensekunden ebenfalls ein enger Doppelstern für 4 Zoll. Bei 187x deutlich länglich, teils als '8' mit geringem Helligkeitsunterschied erkennbar. Bei 280x zwei deutliche, sich leicht überlappende Beugungsscheibchen sichtbar.

35 Sex
Danke Christopher für diesen Tipp. Sehr schöner Anblick. Bei 28x deutlicher Helligkeitsunterschied und einfach zu trennen, wobei A leicht orange wirkte. Bei 86x erschien B grau-blau.
Ich habe mal versucht, diesen Doppelstern zu zeichnen.

2019-04-06_35_sex.jpg
 

P_E_T_E_R

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> 44 Boo

44 Boo - Den hatte ich mir in der Sissy Haas herausgesucht und mit dem 70mm ED-Refraktor versucht. Im Buch von Sissy steht dieser Doppelstern mit 1.9" Abstand drin. Wohl ein Fehler, denn im WDS ist er mit 0.9" angegeben.
> 44 Boo - ...steht sogar im Karkoschka als Doppelstern 5m1 und 6-7m (var.) mit stark abnehmenden Komponentenabstand in den letzten 15 Jahren. Aktuell (2020) wird er mit 1,8" Abstand angegeben.
Die Winkeldistanz ist halt stark zeitabhängig: Nach einer neuen Orbitanalyse von Henry Zirm in Jena sollte der Abstand jetzt sogar nur noch 0,2" betragen:

The Rapid Convergence of 44 Boötis ...

The current (2010) separation of the components of 1.6 arcsec is expected to approach 0.2 arc seconds in the next 10 years.
 

winnie

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Moin Peter!

Aha - dann haben also zwei Quellen (Karkoschka & Haas) falsche bzw. veraltete Bahndaten verwendet, so wie ich das jetzt verstehe. Danke für die Aufklärung! (y)
 

P_E_T_E_R

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dann haben also zwei Quellen (Karkoschka & Haas) falsche bzw. veraltete Bahndaten verwendet
Hallo Micha,

der von S. Haas angegebene Winkelabstand von 1,9" gilt für das Jahr 2004 und basiert anscheinend auf Orbitparametern von Söderhjelm (*). Keine Ahnung wie das beim Karkoschka ist.

In Grafik unten ist die zeitliche Entwicklung der Winkelabstände von 44 Boo für verschiedene ältere Parametrisierungen zusammen mit der neueren von Zirm (**) dargestellt.

Gruß, Peter

(*) Söderhjelm, Staffan, 1999, Astronomy and Astrophysics, v.341, 121-140.

(**) Zirm, Henry, Journal of Double Star Observations, Vol. 7 No. 1 January 1, 2011, Page 24

Image Credit: Henry Zirm

44 Boo.jpg
 
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Schiefspiegler

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Liebe Freunde der Doppelgestirne,

Diese Woche habe ich mich einem Doppelstern im Haar der Berenike mit starkem Farbkontrast gewidmet: 24 Comae Berenices, aka Struve 1657.

24 Com liegt am Nordrand des Virgo-Galaxienhaufens bei den Koordinaten 12h35m08s und +18°22'37" in einer Entfernung zu uns von 450 Lj.
Die Trennung der Komponenten ist 20,4", die Helligkeiten sind 5m1 / 6m3.

Bei 12,5x im 42mm-Refraktor, den ich als Sucher benutzte, war das Paar mit etwas Schwierigkeit schon getrennt. Die gelbliche Farbcharakteristik des Hauptsterns war erkennbar, jene des Begleiters nicht wirklich. Bei 30x im 3-Zöller präsentierte sich der Hauptstern dann deutlich orange-gelb mit einem deutlich getrennten eisblauen Begleiter – sehr hübsch!

Mit fiel dabei ein, dass die Komponenten von Iota Cancri, der im April in ähnlicher Horizonthöhe wie 24 Com steht, nicht nur einen ähnlichen Farbkontrast haben, sondern auch eine sehr ähnliche Lage im Raum, mit dem bläulichen Begleiter jeweils westlich vorausgehend. Also verglich ich:

Iota Cancri (4m1/6m0; 31,3“) war bei 12,5x im 42mm Refraktor wesentlich leichter zu trennen als 24 Com. Dabei wirkte der Hauptstern fast farblos, beim gut abgesetzten Begleiter konnte ich die bläuliche Färbung erkennen. Bei 30x im 3-Zöller hatte die Hauptkomponente ein nur wenig ins Orange gehende Gelb, und der weit getrennte Begleiter war nicht eisblau wie bei 24 Com sondern eher blaugrau.

Ich wollte nun wissen, wie die Farben der zwei Doppelsterne sich im 6-Zöller bei 100x darstellen. Beide waren in dieser Öffnung wunderschön, dabei sehr ähnlich und zugleich sehr anders. Bei 24 Com leuchtete der Hauptstern nun in einem heftigen mandarinorange, der Begleiter weiterhin eisblau. Bei Iota Cnc dagegen war der Hauptstern zitronengelb mit einem Stich ins Orangene, der Begleiter ein feines, starkes Graublau. Ich konnte mich gar nicht entscheiden, welches Paar ich attraktiver fand, und verbrachte eine Viertelstunde mit Hin- und Her-Schwenken. In 6 Zoll hat 24 Com etwas „Wildes“, Iota Cnc etwas „Vornehmes“.

Zurück in 3 Zoll ist jedenfalls zu sagen, dass der geringere Helligkeitsunterschied der Komponenten 24 Com zum angenehmeren Kollegen bei geringer Vergrößerung macht.

CS, Christopher
 

Nachtschwalbe

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Hallo Leute,
prima Thread !
Normalerweise hätte ich gestern Abend nicht beobachtet, da ja fast Vollmond war, aber ihr habt mich dann doch animiert den ollen 114/900 aus der Mottenkiste zu holen und ein paar DS abzugrasen.
War aber gar nicht so einfach, weil der Mond die schwachen Sternbilder völlig überstrahlt hat und der kleine Newton nur einen Leuchtpunktsucher hat , ein optischer Sucher wär sinnvoller gewesen...
Iota CNC habe ich aber dann doch gefunden, toller Farbkontrast.
Das Farbempfinden scheint aber wirklich bei jedem anders zu sein , den Hauptstern sah ich Knallorange, den Begleiter in einem schwer zu fassenden Blaugrau mit einem Hauch Magenta wenns sowas gibt, da muss ich heute Abend doch mal den 14er rausholen.
Bin gespannt wie sich darin die Farben zeigen.
CS Alex
 
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