Hi Stefan,
Eben nicht. Die Geschwindigkeit, mit der man die Motoren regelt, muss an die Eigenfrequenz des Regelkreises Motor-Encoder angepasst werden, sonst kann es zu Resonanz kommen.
Naja, das kommt darauf an.
Bei mir beträgt die Eigenfrequenz an der RA-Achsen wenigstens 10 Hz bis 20 Hz. Um auf der sicheren Seite zu sein, ist die Rate der Richtungswechsel auf 5 bis 10 Hz limitiert und die Beschleunigung der Motoren entsprechend begrenzt.
Stefan, noch mal zum mitmeisseln: Deine Encoder haengen an der RA Achse (mit dem Teleskop und den Gegengewichten) hinter dem Getriebe/Schnecke. Du gibst z.B. deinem Teleskop einen Schubs (Impulsanalyse) und misst dann die resultierende Torsionsschwingung.
Und dabei kam heraus, dass dein Teleskop+Gegengewichte
mechanisch mit 10-20Hz schwingen?
Ich sag's mal so: Das glaube Ich jetzt einfach mal nicht.
Was Du wahrscheinlich meinst, ist dass 1/(Zeit der Korrekturschleife) zwischen Encoder auslesen und Korrektur auf die Motoren anwenden irgendwo zwischen 10-20Hz liegt und dies theoretisch eine Regelresonanz waere, auf die man aufpassen muss?
Ja, das stimmt zwar theoretisch, ist aber praktisch relativ unkritisch, denn diese hohen Frequenzen werden wie gesagt von der Masse der Montierung mechanisch tiefpassgefiltert und deine antizipierte Resonanzkatastrophe findet nicht statt. Kannst ja einfach mal den Motor mit 20Hz Schwingen lassen und dann Messen, wie dein Teleskop + Gewichte oben mitschwingt. Das wird eher sehr unspektakulaer...
Sorgen machen musst Du dir dagegen ueber ganz andere Resonanzen: Wenn z.B. die Eigenfrequenz der
mechanischen Torsionsschwingung der RA Achse (oft je nach Beladung 0.1-0.5 Hz) eine ungerade Harmonische deines Regelkreises ist (auch Guiding ist oft in dieser Region) , dann wird i.d.T. Energie in die Montierung hineingepumpt und dann wird Guiding mitunter etwas hektisch. Deshalb variiert man die Regeldauer auch leicht (spread spectrum feedback) um solche Resonanzen zu vermeiden (was bei Guiding i.d.R. ganz von selbst passiert).
Aber wir schweifen hier sehr weit ab, in jedem Fall sind wir uns wohl darueber einig, dass sich das schnellere Auslesen von Encodern in jedem Fall nicht in genauso schnelle Korrekturen am Teleskop umsetzen laesst.
Es bring zumindest soviel, dass ich nicht guiden muss.
Wie schon andere geschrieben haben, ob man ueberhaupt Guiding
oder Encoder haben muss, ist letztendlich auch eine Frage der Brennweite, der Belichtungszeit und der Pixelgroesse. Fuer meinen kurzen Widefield-Refraktor brauche Ich (wie viele andere Leute auch nicht)
weder Guiding noch Encoder, fuer mein 200mm Foto-Objektiv nicht einmal eine DEC-Achse. Von daher, was soll das nun genau heissen ?
Das Einnorden macht man nur um Bildfeldrotation zu vermeiden.
Nein, das Einnorden macht man auch aus einem zweiten Grund, naemlich um die beiden Euler-Winkel der RA und DEC Achsen zur Erdrotationsachse festzulegen. Um Bildrotationen zu vermeiden ist die Kalibration der RA-Achse parallel zur Erdrotationsachse natuerlich die logische Wahl, richtig. Aber es passiert implizit etwas mehr als nur "Bildrotation vermeiden", denn das zweite Ding, dass da passiert
Leute mit Bildfeldrotator können Achse #1 beliebig ausrichten (die Richtung ist eine Parameter des Pointing Modells), Achse #2 sollte halbwegs rechtwinklig zu Achse #1 sein (der exakte Winkel ist ein weiterer Parameter des Pointing Modells) und die optische Achse sollte halbwegs rechtwinklig zu Achse #2 sein (noch ein Parameter) .
macht man bei deinem "Pointing Modell" halt explizit trotzdem.
Denn auch jede z.B. azimutale Nachfuehrung muss relativ zur Erdrotationsachse eingerichtet werden - Encoder hin, Encoder her. Und wenn Bildfeldrotation keine Rolle spielt und man seine Rotationsachsen halt irgendwo anders hinlegen will, dann braucht man halt mindestens eine Drei-Punkt Kalibierung, um deren Ausrichtung zu bestimmen (um Goto machen zu koennen, oder siderisch in der richtigen Richtung nachzufuehren). Das macht es aber weder einfacher, noch genauer als Einnorden(?).
Und wenn Bildfeldrotation keine Rolle spielt, dann kann man selbstverstaendlich auch eine azimutale Montierung ueber optisches Guiding nachfuehren (das machen viele Leute mit z.B. PhD2) das ist jetzt nicht irgendwie Encoder-spezifisch.
Wenn man mit Flüssigkeit kühlt sind solche Aktuator-Lösungen durchaus realisierbar. (Z.B. das Sensor-Array der SDSS. Das wird mit flüssigen Stickstoff gekühlt.) Wenn man die nicht ganz lächerlichen Entwicklungskosten auf die im Vergleich zu DSLR's lächerlichen Stückzahlen umrechnet, ergeben sich Preise bei denen zumindest mir das Lachen vergeht.
Deine Meinung sei dir belassen, aber schau doch mal, wie man heutzutage auch mit normalen modernen DSLRs super DS-Bilder machen kann, die verglichen mit gekuehlten Kameras in Sachen Dunkelrauschen gar nicht so weit hinterherhinken. -40 gC Kuehlen wie bei CCD war einmal (was Amateure betrifft).
Das "Kuehlen" bei modernen CMOS Sensoren dient eigentlich inzwischen nur in zweiter Line dazu "Rauschen" zu deckeln, sondern vielmehr dazu eine kontrollierte Temperatur zu erzeugen, die zu den Darks passen. Und die neueren CMOS Sensoren haben inzwischen so wenig Amp-Glow, dass Darks wahrscheinlich schon eine Generation weiter komplett hinfaellig werden. Und ein ausgesuchter Grade 1 Sensor der dem meiner Amateurkameras entspricht hat auch schon heute bei +15 - +20gC ein Dunkelrauschen wie meine Grade 2 Sensorn bei -10. Das geht also bereits heute, ist aber lediglich eine Preisfrage.
Und was die Profiastronomen "stickstoffgekuehlt" so machen ist allerlei, aber sicher nicht die Messierobjekte abfotografieren ....
So let's agree to disagree ....
MfG & CS