Hallo Kurt,
bin gespannt!
Hallo Christian,
Wenn ich mich recht erinnere hast genau du dich abfällig über kleinere Linsenteleskope geäußert und sie als Sucher beschimpft
Ich schrieb daß ich lieber weiter mit meinem Newton beobachte und wenn jemand seinen Sucher besser findet mich das nicht stört. Ja.
Ich versuche es mal zu erklären: ich gehöre zu den Spinnern die gerne mal durch mehrere nebeneinander aufgebaute Teleskope schauen um zu sehen ob/wie Theorie und Praxis auf der Wiese in Einklang zu bringen sind. Glücklicherweise kenne ich einige Leute die ihre Teleskop nicht unkritisch sehen und mit denen man auf der Wiese ganz offen darüber reden kann welches Teleskop für welchen Zweck besser ist oder auch nicht. Karsten und Sven gehören unter anderm dazu, und ja, wenn einer von uns ein Teleskop oder ein Okular Schei.ße findet dann sagt er das ganz offen. Blöderweise sind wir uns meistens einig...
So, Theorie ist das eine, ob es alltagstauglich ist muß man ausprobieren. Die Theorie sagt: viel Öffnung hilft viel wenn sie gut genug ist. Ganz ohne Werte und Strehlerei. Für den Amateur ist viel Öffnung meistens nur in Form von Reflektoren bezahlbar, ein Refraktor wird auch als FH ab einer gewissen Größe sehr teuer, dazu kommen noch die Kosten für eine passende Montierung. Also: 8" Vollapo oder noch viel längerer 8" Monster-FH auf Monstermontierung fällt für die meisten aus und ist auch nicht mehr sonderlich transportabel. Fragt sich: wie kann man für einen Bruchteil der Kohle genausogut Planeten gucken? Und schon sind wir beim leidigen Thema Newton vs. Refraktor.
Wenn man die preiswerten cinesischen Newtons auspackt, unausgekühlt auf die Wiese stellt und versucht mit 0,5mm AP Details aus Jupiter zu sehen wird man in fast 100% aller Fälle entäuscht sein. Wenn einen die im Gewaber gelegentlich sichtbaren "Details" zusagen muß man schon geborener Newton Fan sein. Und schon heißt es überall: Newton taugt nix, für Planeten schon gar nicht. Der daneben stehende 4" Refraktor zeigt einen scharfen Jupiter, die Wolkenbänder und den großen roten Fleck. Vielleicht noch einige Farbnuancen, geübte Beobachter können einige Details erkennen.
Nimm den gleichen 8Zöller, justier ihn und laß ihn auskühlen, beobachte mit etwa 0.9 bis 0.8mm AP... in über 90% aller Fälle hat man dann schon mehr Details als man zu hoffen gewagt hat.
Wenn der 8-Zöller was taugt
und das Seeing mitspielt: etliche Strukturen in und zwischen den Wolkenbändern, etliche kleine und große Wirbel und helle und dunkle "Flecken" am Rande der Bänder, man sieht wie der große rote Fleck von einem dunklen Saum begrenzt in die Umgebung übergeht mit Wirbeln im Schlepptau. Der Bereich zwischen den Hauptbändern ist komplett strukturiert, teilweise wirkt der Rand eines Bandes leicht ausgefranst. Schön der Übergang zu einem Pol wo eine ganze Reihe von kleinen Flecken die helle Polregion vom Rest abgrenzt, eine regelrechte Perlenkette. Die andere Polregion ist "nur" von einigen sehr schmalen Bändern gesäumt. Je länger man schaut desto mehr sieht man. Klar wabert es immer wieder, mal ist der Planet wieder ganz unscharf, ein paar Sekunden später paßt es wieder.
Das war der 8-Zöller, den Anblick im 12er erspare ich mir in Anbetracht meiner langsamen Tipperei zu beschreiben sonst sitz ich morgen noch hier.
Der daneben stehende 4" Refraktor zeigt immer noch einen scharfen Jupiter, die Wolkenbänder und den großen roten Fleck. Vielleicht noch einige Farbnuancen, geübte Beobachter können einige Details erkennen.
Den ganzen Unsinn haben wir mit mittlerweile etlichen Teleskopen - Refraktoren und Reflektoren verschiedenster Bauart von etwa 70mm bis 12" Öffnung betrieben, ATM Gurken und Seriengeräten. Dazu gehört auch Günthers 12"f5,3 mit einschwenkbarem 6" Sucher-/Riechfieldspiegel oder ein angeblich nicht planetentauglicher 12"f4 Newton (Zur Planetenbeobachtung braucht man lange Brennweiten...

) Oder so verschrieene Konstrukte wie der 114/440 oder 500 Parabolnewton von Skywatcher - mit Klee-Barlow und passendem Okular ein lustiges Mondskope mit ansprechender Leistung, dank wenig Hebel einfachst zu montieren und gebraucht spottbillig zu haben weil ihn alle Schei.ße finden.
Und ja: viel Öffnung hilft viel wenn's kein Schrott ist. Man muß nur entscheiden in welcher Form man sich wieviel Öffnung antut - weil es süchtig macht, nach immer noch mehr Öffnung...und farbrein muß sie sein, absolut 100% farbrein und riesen- riesengroß... :hochachtung:
Das bekloppteste an der Sache: mein Traum ist ein langer Farbwerfer aus der vorletzten Jahrhundertwende auf originaler oller Messingmontierung und Glockensäule!
Viele Grüße Felix