Sven_Wienstein
Aktives Mitglied
Re: Erfahrungen mit guten Teleskopen
Hallo Christian,
von Dir war das doch mit der Logik und dem Satz vom Widerspruch. Damit im Kopf solltest Du mal den Roth lesen und über die Stelle stolpern, an der er erstens feststellt, dass lange Brennweite gut gegen Seeing ist und zweitens feststellt, dass auch eine Barlow-Linse gut gegen Seeing ist.
Nun vermisse ich bei vielen Lesern des Buches den logischen Aufschrei: Wie soll denn die Brennweite des Teleskops das Seeing vor demselben beeinflussen? Und wie soll das durch das Einstecken einer Barlow geschehen? Durch Messenger-Teilchen die aus dem Teleskop und der Barlow in die davor liegenden Luftschichten fliegen? Das erinnert mich an das Ptolemäische Räderwerk zur Erklärung der Planetenbewegung!
Nein, man stellt ganz einfach fest, dass der Autor nicht wusste, welche optischen Effekte er beobachtet und verglichen hat. Die Barlow-Verwendung hat in seinem Fall Schwächen des Okulars ausgeglichen und genauso wie die lange Brennweite des Teleskops es erlaubt, einfacher aufgebaute und zu seiner Zeit dadurch für seinen Zweck leistungsfähigere Okulare zu verwenden.
Nun muss man aber weiter die Frage stellen, wie man mit dieser Erkenntnis jeglichen weiteren Ausführungen des Autors bezüglich der Teleskop- und Okularwahl Vertrauen schenken soll. Und ich frage mich auch, wer damals Lektorat gemacht hat, denn dessen Aufgabe hätte es doch sein müssen, den Autor vor solchen Aussagen zu bewahren. Das heißt da ist also gleich noch jemand im Boot, der zumindest zu der Zeit denselben schlechten Bezug zur Logik hatte.
Auf ähnliche Weise findet man immer wieder auch in Standardliteratur Äußerungen die unverifiziert vom Vorgänger übernommen wurden. Dadurch wird eine unwissende Folgerung zum Glaubensbekenntnis und damit hat man sich dann herumzuschlagen, wenn man das Glück hatte, ein paar entscheidende Beobachtungen mit bestimmten Systemen zu machen.
Was den allermeisten Forenteilnehmern fehlt ist schlicht und ergreifend die Gelegenheit zu haben, einmal für ein paar grundlegende Optiktypen nahezu perfekt gefertigte und thermisch beherrschte Exemplare unter gutem Himmel kennenzulernen.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Von der Benutzung eines 18" Newtons und dem wiederholten, fliegenklatschenartig hingeworfenem "Zambuto", kann ich nicht darauf schließen, dass derjenige einen guten Newton kennt. Einen teuren, das wohl, und einen, der aufgrund seiner Größe so allerhand neue Probleme an Bord hat - neben der Geschichte mit der Thermik. Auch die Mitarbeit an irgendeinem Forschungsprojekt weist mir das nicht nach.
Es sind ein paar wenige, entscheidende Beobachtungen, anhand deren man erlernen kann, wie sich Optiken unter gegebenen Bedingungen verhalten. Es ist spannend, wenn ein 8" SC in einer thermisch guten Nacht und dank guter Justage ein 130er Starfire Dublett versägt. Es ist spannend, wenn ein unbelüftetes 16" SC praktisch gar nichts zeigt, während ein zwangsbelüfteter 8" Newton an seiner theoretischen Grenze kratzend stehende Planetenbilder abliefert. Es macht einen Heidenspaß, sich die farbreinen Beugungsringe eines wahren Vollapos an Polaris zu betrachten und mit den farbig werdenden Ringen eines scheinbar farbreinen Teleskops zu vergleichen. Auch ein Mak-Cassegrain mit einer russischen Babypopo glatten Optik muss man mal gesehen haben und auch ein Blick durch ein 112cm RC, welches ja nach hier postuliertem Glaubensbekenntns aufgrund seiner Öffnung praktisch gar nichts von Saturn zeigen dürfte, kann ungeheuer erhellend sein.
Und man muss mal erlebt haben, wie die größten Schreihälse auf der Wiese ganz stumm werden, wenn sie das erste mal durch ein richtig gut beherrschtes Teleskop mit einer im Polystrehl beugungsbegrenzten Optik gucken.
Clear Skies
Sven
Hallo Christian,
von Dir war das doch mit der Logik und dem Satz vom Widerspruch. Damit im Kopf solltest Du mal den Roth lesen und über die Stelle stolpern, an der er erstens feststellt, dass lange Brennweite gut gegen Seeing ist und zweitens feststellt, dass auch eine Barlow-Linse gut gegen Seeing ist.
Nun vermisse ich bei vielen Lesern des Buches den logischen Aufschrei: Wie soll denn die Brennweite des Teleskops das Seeing vor demselben beeinflussen? Und wie soll das durch das Einstecken einer Barlow geschehen? Durch Messenger-Teilchen die aus dem Teleskop und der Barlow in die davor liegenden Luftschichten fliegen? Das erinnert mich an das Ptolemäische Räderwerk zur Erklärung der Planetenbewegung!
Nein, man stellt ganz einfach fest, dass der Autor nicht wusste, welche optischen Effekte er beobachtet und verglichen hat. Die Barlow-Verwendung hat in seinem Fall Schwächen des Okulars ausgeglichen und genauso wie die lange Brennweite des Teleskops es erlaubt, einfacher aufgebaute und zu seiner Zeit dadurch für seinen Zweck leistungsfähigere Okulare zu verwenden.
Nun muss man aber weiter die Frage stellen, wie man mit dieser Erkenntnis jeglichen weiteren Ausführungen des Autors bezüglich der Teleskop- und Okularwahl Vertrauen schenken soll. Und ich frage mich auch, wer damals Lektorat gemacht hat, denn dessen Aufgabe hätte es doch sein müssen, den Autor vor solchen Aussagen zu bewahren. Das heißt da ist also gleich noch jemand im Boot, der zumindest zu der Zeit denselben schlechten Bezug zur Logik hatte.
Auf ähnliche Weise findet man immer wieder auch in Standardliteratur Äußerungen die unverifiziert vom Vorgänger übernommen wurden. Dadurch wird eine unwissende Folgerung zum Glaubensbekenntnis und damit hat man sich dann herumzuschlagen, wenn man das Glück hatte, ein paar entscheidende Beobachtungen mit bestimmten Systemen zu machen.
Was den allermeisten Forenteilnehmern fehlt ist schlicht und ergreifend die Gelegenheit zu haben, einmal für ein paar grundlegende Optiktypen nahezu perfekt gefertigte und thermisch beherrschte Exemplare unter gutem Himmel kennenzulernen.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Von der Benutzung eines 18" Newtons und dem wiederholten, fliegenklatschenartig hingeworfenem "Zambuto", kann ich nicht darauf schließen, dass derjenige einen guten Newton kennt. Einen teuren, das wohl, und einen, der aufgrund seiner Größe so allerhand neue Probleme an Bord hat - neben der Geschichte mit der Thermik. Auch die Mitarbeit an irgendeinem Forschungsprojekt weist mir das nicht nach.
Es sind ein paar wenige, entscheidende Beobachtungen, anhand deren man erlernen kann, wie sich Optiken unter gegebenen Bedingungen verhalten. Es ist spannend, wenn ein 8" SC in einer thermisch guten Nacht und dank guter Justage ein 130er Starfire Dublett versägt. Es ist spannend, wenn ein unbelüftetes 16" SC praktisch gar nichts zeigt, während ein zwangsbelüfteter 8" Newton an seiner theoretischen Grenze kratzend stehende Planetenbilder abliefert. Es macht einen Heidenspaß, sich die farbreinen Beugungsringe eines wahren Vollapos an Polaris zu betrachten und mit den farbig werdenden Ringen eines scheinbar farbreinen Teleskops zu vergleichen. Auch ein Mak-Cassegrain mit einer russischen Babypopo glatten Optik muss man mal gesehen haben und auch ein Blick durch ein 112cm RC, welches ja nach hier postuliertem Glaubensbekenntns aufgrund seiner Öffnung praktisch gar nichts von Saturn zeigen dürfte, kann ungeheuer erhellend sein.
Und man muss mal erlebt haben, wie die größten Schreihälse auf der Wiese ganz stumm werden, wenn sie das erste mal durch ein richtig gut beherrschtes Teleskop mit einer im Polystrehl beugungsbegrenzten Optik gucken.
Clear Skies
Sven