Erster Beobachtungsbericht - First Light/Test mit Lüfter-Mod, nach langer Zeit, mal ohne OWL-Dunst-Suppe

iReckyy

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Hallo zusammen,

nachdem ich am Wochenende endlich meinen neuen DIY-Lüfter-Mod, eine 3D-gedruckte Halteplatte an der Spiegelzelle für den 80-mm-Celestron-USB-Lüfter auf 5V, fertiggestellt hatte, war ich natürlich gespannt auf den ersten Praxistest. Gestern Nacht passte das Wetter, der Mond und ich konnte etwas Zeit einrichten.

Hier der Bericht von einer Nacht eines noch relativ unerfahrenen Beobachters. Eine Nacht technischer Erfolge, optischer Realitäten an schnellen Öffnungsverhältnissen und dem ewigen Kampf gegen die normalerweise immer aufsteigende Feuchtigkeit in OWL.
Laut Lightpollutionmap soll ich hier eine Bortle 4 haben, ich würde es eher auf 5-6 schätzen.

Rahmenbedingungen & Setup
  • Teleskop: 10" f/4.7 Skywatcher Dobson (Flextube mit Astrozap-Streulichtschutz)
  • Okulare & Zubehör: Explore Scientific 24 mm (82° und 68°), Baader Morpheus 17,5 mm (76°), ES 11mm (82°), ES 6,7mm (82°), Astronomik 2" UHC & OIII Filter
  • Ort: Garten in OWL (auf dem Rasen)
  • Bedingungen: Sommerlich warm am Tag (über 26 °C), nachts angenehm abkühlend auf ca. 17 °C. Ausnahmsweise war es weitgehend dunstfrei, was eine wirklich gute Transparenz bescherte. Obwohl die Luftfeuchtigkeit im Laufe der Nacht spürbar anstieg und der Rasen merklich feucht wurde, blieben das Teleskop und das Zubehör glücklicherweise vollkommen trocken.
Die Vorbereitung: Kampf gegen die Thermik und den Schweinehund

Rausgestellt zum Auskühlen, hatte ich das Teleskop gegen 21:00 Uhr, als die Sonne hinter der Garage verschwunden war.
Gegen 22:15 Uhr ging es kurz für die Justage und Sucherausrichtung nach draußen.
Der schnelle Schwenk danach auf die tiefe Venus über den nahen Dachgiebeln war jedoch eine Katastrophe. Das Wärmeflimmern der aufgeheizten Dachpfannen machte eine scharfe Abbildung unmöglich.

Da die astronomische Dunkelheit erst um 00:24 Uhr einsetzte, durfte der 10-Zöller mit eingeschaltetem 5V-Lüfter erst einmal noch zwei weitere Stunden vorkühlen, während ich mich hingelegt habe.

Um 00:15 Uhr klingelte der Wecker. Eigentlich wollte ich bequem auf dem Holzdeck am Gartenhaus bleiben, aber das Gartenhausdach schränkte das Sichtfeld zu stark ein. Also raffte ich mich zusammen und schleppte den Tubus samt Rockerbox doch noch rüber auf den Rasen. Eine goldrichtige Entscheidung.


Der Lüfter-Test: Ein voller Erfolg

Bevor die eigentliche Jagd losging, steuerte ich Vega für den ersten Test an. Es wurde fokussiert und die intra- und extrafokalen Beugungsscheibchen inspiziert:
  • Das Ergebnis: Ein absolut ruhiges, gleichmäßiges Bild.
  • Kein nervöses thermisches Flirren über der Spiegeloberfläche, kein Gewaber durch eine stehende Grenzschicht.
  • Der langsame, sanfte Luftstrom des 80-mm-Lüfters reichte völlig aus, um die Grenzschicht wegzusaugen, wie es aussieht, ohne störende Turbulenzen im Tubus zu erzeugen.

Deep-Sky-Beobachtungen & optische Erkenntnisse

Dann ging es los mit den Deepsky-Objekten. Ich wollte einfach mal schauen, was bei der guten Transparenz und ausnahmsweise mal ganz ohne den sonst so typischen Dunst im Garten so machbar ist. Folgende Objekte habe ich einzeln abgeklappert:

  • M13: Im Vergleich zu meinem kleinen 80-mm-Refraktor (den ich letzten Samstag benutzt habe) ein absoluter Kulturschock. Der 10-Zöller löste den Kugelsternhaufen bei höherer Vergrößerung bis tief ins Zentrum in ein glitzerndes Meer aus unzähligen Einzelsternen auf. Hier zeigte sich der pure Größenunterschied der 10 Zoll Öffnung. So aufgelöst habe ich M13 bisher nur auf Gran Canaria durch einen 16“ Dobson gesehen. Beste Ansicht: ES 11mm 82°.

  • M57: Der Telradsucher wurde ungefähr passend an die richtige Stelle in der Leier ausgerichtet. Der Ringnebel stand auf Anhieb im Okular, dank der klaren Luft wie ein knackiger, sauber abgegrenzter und rauchiger Donut im Raum. Ein Filter war überhaupt nicht nötig. Den konnte ich am Samstag mit dem ST80 nicht auffinden. Beste Ansicht: ES 6,7mm 82°.

  • M27: Beim Hantelnebel war etwas mehr Sucherei nötig, da hatte ich nicht mehr die richtige Stelle im Kopf. Nach kurzer Suche und kleinem Gegencheck in Stellarium, stand er deutlichst sichtbar im Okular. Die "Ohren" der Hantelform wunderbar plastisch und kontrastreich auszumachen. Beste Ansicht: ES 11mm 82°. Der Oiii Filter zeigte den Nebel nochmal deutlicher, aber auch viel dunkler.

  • M39: Mitten im dichten Band der Milchstraße gelegen. Hier musste ich auch erst einmal mit Stellarium abgleichen, um sicherzugehen, dass ich wirklich richtig bin. Auf den ersten Blick zeigten sich im Okular nur etwas hellere Sterne, die sich vor dem reichen Hintergrund nicht ganz so spektakulär abhoben. Beste Ansicht: ES 24mm 82°.

  • M29: Ähnliches Spiel wie bei M39. Auch hier half nur die Kontrolle mit Stellarium, da der offene Haufen im dichten Milchstraßen-Hintergrund erst einmal nicht sonderlich markant herausstach. Beste Ansicht: ES 24mm 82°.

  • M52: Auch bei diesem Sternhaufen musste ich erst mit Stellarium checken, wo ich hin muss, er war dann aber gut auffindbar und auch deutlicher zu erkennen als die anderen beiden. Beste Ansicht: ES 24mm 82°.

  • NGC 7635 (Bubble-Nebula): War leider absolut nicht auffindbar – auch nicht mit dem Oiii-Filter. Ich denke damit habe ich mich, den Dobson und oder den Himmel überschätzt.

  • M97: Weil er da relativ in der Nähe ist, dachte ich mir, ich schwenke noch kurz zum Eulennebel rüber, musste dann aber feststellen, dass der große Wagen zu tief im Nordwesten steht, wo es auch nicht ganz dunkel ist. Im Winter, im Zenit fand ich M97 schon schwer, diesmal war er nicht sichtbar.

  • M92: Der zweite Kugelsternhaufen des Abends. Im Vergleich zu M13 etwas kompakter, aber ebenfalls wunderschön fein aufgelöst. Ein toller Kontrast zum großen Nachbarn. Gefunden habe ich ihn durch systematisches Absuchen der Herkulesumgebung. Beste Ansicht: ES 11mm 82°.

  • M71: Der Kugelsternhaufen im Pfeil war schnell auffindbar, ist aber nochmal deutlich kleiner und dunkler als die anderen Kugelsternhaufen. Beste Ansicht: ES 11mm 82°.


Ein paar Feststellungen: Okular- und Filter-Frust

So erfolgreich die Beobachtung der Objekte war, so lehrreich war diese Nacht in Bezug auf mein Zubehör an einem schnellen f/4.7-System:

Die Randdarstellung am schnellen Öffnungsverhältnis

Ich hatte das Explore Scientific 24 mm (82°) und das ES 24 mm (68°) als Übersichtsokulare im Einsatz. Hier kam die Ernüchterung:

  • Beim 68°-Okular war das äußere Viertel des Gesichtsfelds quasi unbrauchbar unscharf verschmiert.
  • Beim 82°-Okular war es das äußere Fünftel. Um überhaupt so weit an den Rand zu schauen, muss man zudem gefühlt "in das Okular hineinkriechen" Man fühlt sich dann zwar wie im Weltraum, aber der Rand lenkt trotzdem etwas ab.
  • Zum Aufsuchen war das große Feld zwar nützlich, für den Genuss am Rand aber eine Enttäuschung. Hier fordert vermutlich die unkorrigierte Koma des f/4.7-Hauptspiegels in Kombination mit Okular-Astigmatismus ihren Tribut.
  • Das Baader Morpheus 17.5 mm (76°) schlug sich hier um Welten besser und zeigte eine hervorragende Performance, wenngleich auch hier der äußerste Rand aufgrund der systembedingten Spiegel-Koma nicht ganz zu 100 % perfekt war. Die kürzeren Brennweiten zeigten dann keine nennenswerten Randfehler mehr.
Ist das jetzt rein systembedingt, oder kann ich da noch etwas optimieren?

Das Filter- und Fokusproblem

Die Nutzung der Astronomik UHC- und Oiii-Filter lief etwas unrund:

  • Zum einen machte mir eine neue, kleine Solar-PV-Lampe am Gartenhaus die Dunkeladaption zunichte, da ich sie auf die Schnelle nicht abdunkeln konnte. Ohne perfekte Dunkeladaption wurde das Bild mit Filter extrem dunkel und anstrengend anzuschauen.
  • Zum anderen war das Scharfstellen mit eingeschraubtem Filter extrem schwierig, da die Sterne stark abgedunkelt wurden und der Randbereich in den 24-mm-Okularen völlig unbrauchbar wurde. Lediglich an M27 brachte der Filter gestern einen echten Benefit.

Zum Abschluss: Saturn

Als Rausschmeißer gab es am Ende gegen 02:00Uhr noch einen Blick auf Saturn. Obwohl er noch recht tief stand, war der Anblick im 10-Zöller absolut faszinierend. Die Ringe stehen aktuell immer noch recht schmal, es ist aber bedeutend besser als letztes Jahr. Der Planet stand wunderbar still im Okular, ein wunderschöner Anblick zum Abschluss.
Da das schon halb beim Aufräumen stattfand, war das 6,7mm Okular schon verstaut. Also kam das ES 11mm 82° mit 109x zum Einsatz.



Fazit

Der Umstieg von 3 auf 10 Zoll ist visuell eine Offenbarung. F4.7 verzeiht aber spätestens beim Zubehör keine Fehler mehr. Während der Lüfter-Mod ein voller Erfolg war, zeigt mir die Randabbildung der 24-mm-Okulare deutlich die physikalischen Grenzen auf. Beim nächsten Mal werde ich die Solarleuchte am Gartenhaus abkleben, um dann evtl. mit den Filtern bei so einer guten, klaren Nacht noch mehr rauszuholen.

Für eine kurze Gartensession würde ich das Ganze als gelungen bezeichnen.


(Der Text wurde teilweise mit Hilfe von KI erstellt)

Clear Skies,

Dennis
 

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Zuletzt bearbeitet:
Hallo Dennis,
vielen Dank für Deinen Bericht, es freut mich, dass Du einen guten Einstieg in die visuelle Beobachtung gefunden hast.
Zum ES 24mm mit 82° kann ich berichten, dass es bei f/5 deutliche Farbsäume und Unschärfen im Außenbereich zeigt. Bei f/5.5 ist das dagegen weniger ausgeprägt und nicht so störend. Mit dem ES 24mm 82° hatte ich in der Nacht vom letzten Sa auf So mit einem O III Filter einen wunderbaren Anblick vom Cirrusnebel am 14,5" f/5.5 Dobson. Das Okular ist sein Geld schon wert, aber bei sehr hohen Erwartungen an die Bildqualität kann es mE nicht liefern. Habe es mir als Übersichtokular für einen 12" f/5 gebraucht gekauft und dafür ist es in Ordnung. Das schöne 35mm TV Pano hätte da einfach zuviel AP.
CS Tom
 
Hallo,

vielen Dank für die Rückmeldung.

Bei mir ist das 24mm 82° auch als Übersichtsokular gedacht, eigentlich wird es ja überall für die Abbildungsleistung gelobt.
In Betrachtung des Preises ist die Abbildung wohl auch gut.
Will man mehr muss man wohl sehr tief in die Tasche greifen.. Der Preis für Öffnungsverhältnisse <f5...

Da hat man es mit dem klassischen 8" f6 Dobson deutlich einfacher/günstiger.

Gruß

Dennis
 
Hallo Dennis,

so ein unerfahrener Beobachter bist du eigentlich nicht mehr. Da hast du in ca. 2 Stunden eine Mnege Objete gesehen.
Einen Lüfter habe ich bei meinem Dobson noch nie vermisst. Gerade im Sommer a.m.S unnötig, da es kaum Temperaturdifferenzen gibt.

Laut Lightpollutionmap soll ich hier eine Bortle 4 haben, ich würde es eher auf 5-6 schätzen.
Ja, das finde ich auch die Lightpollutionmap stellt die Situation viel zu positiv da.

So was hat mein Nachbar auch, gleich 3 Stück. Ich hasse das. Kommt gleich nach den furchtbaren Bewegungsmelder, wo dann 100+ Watt Lampen angehen und für 1 minten strahlen! :(

Das mit dem Filter beobachten will geübt sein, da vorallem beim O-III das Bild merklich dunkler ist. Du musst die Objekte erst ohne Filter aufsuchen und dann den Filter reinschrauben.
Selber benutze ich nur einen 2" UHC, da bei O-III mir das Bild zu dunkel wird, da ich nur mit AP 2,8 mm oder kleiner beobachte.
An PNs ist so ein Filter aber oft gewinnbringend einsetzbar und macht manchmal den Unterschied zum nicht sehen und sehen!
Und jipp, Saturn war bei meiner letzten Session im OdW auch der Abschluß, inkl. 5 Monde! Planten gehen für mich immer. Den Mond mag ich abger gar nicht. :)

Noch viel Spaß mit deinem 10" Dobson.

cs
Lothar
 
Vielen Dank für das Feedback.

Ich denke mit Abkleben der Pv-Lampe und beim nächsten Mal mit Hocker, etwas mehr Ruhe und nicht dem Gedanken in ein paar Stunden arbeiten zu müssen ist noch mehr aus dem Garten möglich.

Auch möchte ich mich dann mal der Dokumentation des Gesehenen witmen.

Ich habe da schon einen Messierkatalog mit Notizfeldern vorbereitet, den ich dann füllen möchte.

Gruß

Dennis
 
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