Hallo Gerrit,
ich denke wir müssen unterscheiden zwischen erreichbarem Auflösungsvermögen und erreichbarer Grenzgröße.
Letzteres kann man mit längeren Belichtungszeiten und effektiveren Sensoren steigern, da ist was die Sensoren betrifft sicherlich auch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.
Das Beugungsbegrenzte Auflösungsvermögen kann man hingegen nicht steigern, das ist physikalisch vorgegeben.
Man kann aber Anstrengungen unternehmen es auch wirklich auszunutzen.
Davon ist man bei DS Fotografie in der Regel aber meilenweit entfernt.
Der M13 den du verlinkt hast zeigt das sehr deutlich.
Da haben wir einen Abbildungsmaßstab von gerade mal 2,1“ /Pixel.
Um das Auflösungsvermögen von 1,33“ der 85mm Öffnung des dort verwendeten Teleskops voll zu nutzen wären aber 0,67“/ Pixel nötig.
Wie du richtig bemerkt hast löst das gezeigte Bild M13 nicht bis in das Zentrum auf, kein Wunder denn man bleibt ja immerhin um Faktor 2,1/0,67 = 3,1 unterhalb der beugungsbegrenzten Möglichkeiten der 85mm Öffnung
Es wäre hier also mit dem richtigen Abbildungsmaßstab / Pixel mehr als die 3 fache Auflösung möglich und damit könnte man M13 locker vollständig bis in das Zentrum auflösen.
Das ist mit 85mm Öffnung also gar kein Problem.
Probiere es doch einfach mal aus.
Entscheidend ist der Abbildungsmaßstab / Pixel, wie du ihn nun erreichst also entweder durch kleinere Pixel bei gegebener Brennweite oder durch eine Verlängerung der Brennweite bei gegebener Pixelgroße ist dabei egal.
Der M13 mit dem FSQ106 wurde ja mit Extender also N = 8 gemacht, damit ergibt sich bei den 5,4 Mikron Pixeln des verwendeten Sensors schon ein besseres ausnutzen des theoretischen Potentials der Öffnung.
Dementsprechend besser ist auch die Auflösung im Bild.
http://www.darkforceastro.de/Darkfo...-FSQ106@F8-LRGB-80-4.jpg?disposition=download
Dennoch bleibt man mit Faktor 2,43 deutlich unter den N= 19,44 die nötig wären um das volle Potential der Öffnung mit dem dort verwendeten Sensor zu nutzen.
Unter dem Aspekt der Detailtiefe. Den hab ich hier angesprochen, ist selbst das eVoscope noch nicht im Optimum angelangt. Man schaue sich nur die Zutaten an.
Das eVScope hat als Sensor den Sony IMX224 mit 3,75 Mikrometer Pixeln.
Das ergibt bei den 450mm Brennweite einen Abbildungsmaßstab von
arctan 0,00375mm/450mm = 1,72“/ Pixel.
Die beugungsbegrenzte Auflösung von 114mm Öffnung also 113,4/114 = 0,995“ erreicht man bei rund 0,5“/Pixel.
Natürlich ist da noch Luft nach oben aber im Gegenzug erreicht man dementsprechend kürzere Integrationszeiten was ja gerade beim Live-Stacking besonders wichtig ist.
Diese Auslegung macht also Sinn.
Dabei ist das eVScope nur ein Exemplar. Mehr nicht. Und es ist für mich auch keine Revolution.
Die einzelnen Komponenten und natürlich auch das Live-Stacking sind sicherlich keine Revolution aber das was man daraus gemacht hat ist bis jetzt zumindest einzigartig.
Beschäftige mich damit, wie die Energieverteilung in den Beugungsringen ist und wie man Rückschlüsse auf die wahre Lichtpunktquelle bilden kann. Und da komme ich eben zu der Einsicht, daß man noch mehr Möglichkeiten hat.
Ergo: Das Potenzial von 106 mm Öffnung bei einem FSQ106 ist noch lange nicht ausgeschöpft. Respektive der Aufnahmen von Immo Gerber. Ich weiß noch wie begeistert Immo war, als er erstmalig einen 8300er Chip an den FSQ gehangen hat. Bislang kannte man meistens nur Aufnahmen mit einem 11002er Chip mit 9 Mikron. Das war schon ein Quantensprung. Und selbst meine letztne Versuche am M33 mit der ASI1600MMC mit 3,8 Mikron waren schon Aufschlußreich.
Es reicht eigentlich sich auf die MTF zu konzentrieren, die Auflösungsgrenze also die Grenzfrequenz ist der Punkt an dem diese gegen Null läuft.
Dieser Punkt errechnet sich zu Lambda/D in Radiant oder umgerechnet in Bogensekunden (206265*Lambda)/D
Also bei 550nm Wellenlänge zusammengefasst 113,4/D.
Rayleigh gibt lediglich einen bestimmten Grad einer Auflösung am Doppelstern an und kennzeichnet nicht das eigentliche Auflösungsvermögen.
Und was den Auflösungsgewinn beim Wechsel vom Chip mit 9 Mikron Pixeln zum Chip mit 5,4 oder 3,8 Mikron Pixeln anbelangt so wundert mich das nicht.
Das maximale Potential würde man zb. bei einer Öffnungszahl N von 5 etwa bei 5/3,6 = 1,49 Mikron Pixeln erreichen.
Anders rum könnte man mit Extender also Brennweiten Verlängerung auch mit dem jetzigem Chip schon das maximale Auflösungsvermögen erreichen.
Müsste aber natürlich entsprechend länger belichten.
Der Handel ist immer Auflösung gegen Belichtungszeit, das kann man drehen und wenden wie man will.
Grüße Gerd