Hallo allerseits,
ich werde zuerst eine konkrete Empfehlung geben und diese, für die interessierten, begründen.
Als Anfängerglas für die Astronomie empfehle ich ein 8x40 oder ein 10x50 Fernglas in Porroprismen-Bauweise mit Mehrschichtvergütung und BAK 4 Prismen.
Solche Ferngläser sind neu für den schmalen Taler zu haben, wir reden hier zwischen 100 bis 200€, und bieten eine gute Optische Qualität. Oftmals sind die Gläser in dieser Preisklasse schon wasserdicht oder wassergeschützt, was ein netter, wenn auch nicht zwingend notwendiger Bonus ist.
Komme ich zur Begründung:
Warum ein 8x40 oder 10x50er Fernglas? In Deutschland haben wir keine perfekten astronomischen Verhältnisse, unsere Lichtverschmutzung ist recht hoch. Ein 7x50 Fernglas hellt das Bild toll auf, allerdings sind viele Sterne aufgrund der Lichtverschmutzung schlecht oder gar nicht sichtbar. Ein 8x40 oder ein 10x50 sind bei Lichtverschmutzung die bessere Wahl. Hier wird der Hintergrund weniger stark aufgehellt, Sterne sind besser zu sehen. Der Vorteil eines 8x40 ist, dass es etwas kleiner und leichter ist, und sich tendenziell ruhiger halten lässt. Ein 10x50 bietet dagegen etwas mehr Vergrößerung und fängt rund 40% mehr Licht ein, es sind theoretisch mehr Sterne zu sehen. Allerdings ist es schwerer, das Bild wackelt stärker, die Beobachtung wird etwas anstrengender.
Warum Porroprismen? Es gibt zwei gängige Bauweisen für ein Fernglas in unserer gewünschten Größe, einmal mit Porroprismen und einmal mit Dachkantenprismen. Bei ersteren werden die Ferngläser etwas größer und schwerer, allerdings lassen sich Porroprimenferngläser mit guten optischen Eigenschaften deutlich einfacher und damit günstiger herstellen. Damit kommen wir zu Dachkantenprismenferngläsern. Diese sind leichter und kompakter. Eine gute optische Qualität ist machbar, aber technisch aufwendiger und damit teurer. Solche Ferngläser erfordern deutlich höhere Präzision und eine bessere, phasenkorrigierte, Vergütung. Bezogen auf meine obige Preisempfehlung liegen wir hier bei rund 200€ bis 400€ für eine akzeptable optische Qualität.
Was sind BAK 4 Prismen? Sagen wir kurz, die besseren. Es gibt daneben noch BAK 7 Prismen. BAK 4 und BAK 7 bezeichnen die Glasart, erstere bieten die bessere optische Qualität. Als Leihe kann ich diese einfach dadurch unterscheiden, dass ich mir die Austrittspupille des Fernglases anschaue, ist diese kreisrund oder rautenförmig verzehrt? Bei BAK 4 Prismen ist erstes der Fall, zudem sind die Abbildungen heller und kontrastreicher als bei BAK 7 Prismen.
Wie ist das mit der Vergütung? Schaut man in die Werbung so hat jedes Fernglas ein ganz tolle Vergütung. Dennoch kann man grob in zwei Arten unterscheiden, in Einfachvergütung und Mehrschichtvergütung. Ganz grob gesagt bei einer Einfachvergütung ist ein Glas nur auf einer Seite beschichtet, bei der anderen auf beiden. Letztere führt oft (aber nicht immer) zu einer besseren optischen Qualität. Letztendlich ist auch die Qualität der Vergütung selber entscheidend, ich kann eine weniger gute auf alle Flächen aufbringen oder eine gute auf wenige Flächen, das zu unterscheiden ist nicht einfach. Hier hilft oft nur der Blick durch das Fernglas selber. Bei der oben genannten Preisempfehlung sollte eine akzeptable Optische Qualität rauskommen.
Gibt es noch etwas? Ja! Hat das Fernglas eine Tasche, Schutzkappen usw.? Es sollte ein Gurt dran sein um das Glas vor runterfallen zu sichern. Eine Tasche schützt es beim Transport und vor plötzlichen hohen Temperaturschwankungen (Feuchtigkeit durch Kondensation). Sterne schauen bei Regen funktioniert nicht wirklich gut, daher muss unser Glas nicht zwingen wasserfest sein. Aber es kann sich wie bereits erwähnt Kondenswasser am Fernglas bilden wenn ich es von kalten draußen in einen warmen Innenraum bringe, davor schützt ein Köcher oder eine gute Tasche.
Für manche sind 200€ oder gar 400€ eine menge Geld, daher möchte ich noch abschließend meine persönlichen Erfahrungen mit Ferngläsern teilen. In der Vergangenheit hatte ich mal ein Steiner Skyhawk Fernglas, 8x42. Hier war am Himmel eine menge zu sehen, auch freihändig. Es war gut transportabel, relativ leicht, aber mit 400€ Listenpris nicht wirklich günstig. Ich besaß auch mal ein Celestron Skymaster Fernglas mit 12x70, aktuell besitze ich ein 15x70. Diese Ferngläser haben den Nachteil, dass sie recht schwer sind und am Tage nicht ein optimales Bild liefern, zudem braucht man ein Stativ. Schaut man auf den Preis, liegen diese bei gut 100€. Diese Gläser gibt es auch mit 10x60 oder 10x50 und stellen die untere Grenze dessen dar, zu dem ein Anfänger meiner Meinung nach greifen sollte. Daneben hatte ich auch mal ein 10x50 Fernglas von TS-Optics, die wassergeschützte Variante. Sie lag optisch recht nah am Steiner Skyhawk, war aber recht schwer. Nun habe ich aktuell noch ein russisches Zomz 12x40 und ein CZJ Binoktar 7x50 aus der DDR. Letztes Glas bietet die beste Bildqualität in Sachen Helligkeit, Schärfe (Bildmitte) und Kontrast. Hier übertrifft es alle anderen Ferngläser, leider habe ich hier mit dem oben genannten Problem der Lichtverschmutzung zu kämpfen. Bekommen habe ich es vor einigen Jahren auf Ebay für 80€. Hier lohnt es sich aber in Ruhe zu schauen und sich Zeit zu nehmen da die Preise deutlich schwanken. Allerdings ist CZJ nicht gleich CZJ, die Qualität der Vergütung hat sich im Laufe der Zeit deutlich verbessert. Ab 1978 mit Herstellungsnummer 4800000 wurde eine hochwertige Mehrschichtvergütung eingeführt, ein solches Glas wäre meine ganz persönliche Empfehlung. Aktuell werden die CZJ Dekarems oder Jenoptems in 10x50 zwischen 120 und 250€ auf Ebay gehandelt, achtet auf einen guten Zustand und eine Herstellungsnummer oberhalb der 4.8 Mio. Dann bekommt ihr mit etwas Glück ein Glas mit dem man lange seine Freude hat und was einem als späterer Profi weiterhin gute Dienste leistet.
Über Meinungen und Kommentare zu meinem Anfänger-Fernglas-Guide würde ich mich freuen.
Viel Grüße
Wigand