Freitag abend einmal quer....

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Martin_Wylicil

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Hallo Astrofreunde,

gestern abend, Freitag, nach einer vollen Arbeitswoche schön die Beine hochgelegt.... von wegen!

Mein Sohnemann hatte sich mit seinem ersten Teleskop (Celestron FirstScope) ins Atrium begeben, um in der Dämmerung die ersten hellen Sterne zu erhaschen (Wega, Deneb, Atair).. und dann wurde es doch so schön dunkel, dass ich trotz "Rücken" meinen Orion 12-Zöller danebengeschleppt habe.. und wir wurden belohnt!

Erst einmal haben wir die helleren Objekte aufgesucht wie M27 (Hantelnebel) und M57 (Ringnebel), die beide auch mit dem kleinen FirstScope gut zu erkannen waren. Im Westen wollte gerade Herkules hinter dem Gebäude verschwinden, aber wir erhaschten noch einen guten Blick auf M13; mit dem 12´er und Hyperion 13 mm + 2-fach-Barlow tolle Auflösung in Einzelsterne.

Was mich wundert: Auf fotografishen Aufnahmen sieht M15 immer sehr "kugelsymmetrisch" aus; gestern abend sah der Kugelsternhaufen aber eher asymmetrisch aus, was ihn besonders interessant machte...

Mein Sohnemann war inzwischen auf der Hollywoodschaukel im Finsteren eingeschlafen; der Blick ging dann noch zu M31 mit Begleiter, zu h und chi im Perseus: unglaublich schön, wie funkelnde Diamanten auf einem Samtkissen; ich konnte den Blick lange nicht lösen, habe immer weiter vergrößert und mir die Einzelsterne ganz nah gestochen scharf ansehen können.

Dann noch ein Blick auf M15, nicht ganz so imposant wie M13; zuletzt wollte ich mich mal am Cirrusnebel im Schwan probieren, den ich zuletzt 2004 im 10´er Newton betrachtet hatte..

Es dauerte eine Weile, bis ich sowohl NGC 6960 als auch 6992 auffinden konnte (Mit der Dobson-Montierung geht nur "star-hopping", was es aber besonders spannend macht...). Die beiden Nebel waren nur mit OIII-Filter zu sehen, dann aber ganz eindrucksvoll! Ich habe mehrfach den Filter entfernt, aber ohne Filter war nicht zu sehen; mit dem Filter eindrucksvoll nicht nur der Nebel jeweils in toto, sondern auch einzelne, parallel laufende schlierenartige Strukturen..

Alles in allem ein wunderschöner Beobachtungsabend mit "alten Bekannten" am Himmel.

Gruß an alle Spechtler,

Martin
 
Hi Martin,

auch die alten Bekannten machen immer wieder Spaß. Neben der Suche nach neuen Herausforderungen ist es immer wieder schön Vertrautes noch einmal oder auch immer wieder neu und anders zu sehen.

Ich war letztes WE auch im Sauerland (s. Bericht hier) und habe auch die bekannten Sommer-Highlights abgeklappert.

Gerade wenn man Neulinge dabei hat, kann man die besten Objekte ja schön "vorzeigen".

Grüße,

Achim

P.S. Du kannst Dir meines Neides bzgl. des Sauerländer Himmels gewiss sein: Lüdenscheid ist zwar wahrscheinlich nicht so dunkel wie Schmallenberg aber wohl um einiges dunkler als am Düsseldorfer Flughafen.
 
Hi Martin,

schöner Bericht. M15 finde ich auch immer interessant, vorallem bei dunklem Himmel kommen viele schwächere Sterne zum Vorschein.

Der hellere östliche Teil des Cirrusnebel (NGC6960), sollte mit 10" auch ohne Filter gehen (auch aus der Großstadt, bei m~5.0).

Gruß
Lots
 
Hi Lots, hi Achim,

danke für Eure Kommentare!

Habt Ihr eigentlich auch Erfahrung mit dem "Nordamerika"-Nebel" - den habe ich noch nie vor die "Flinte" bekommen, auch nicht vors Fernglas... fehlt mir da ein spezieller
Filter (habe UHC, OIII), oder muss es da noch viel dunkler sein? Bei welchem seeing kann man mit welcher Öffnung den Nordamerika-Nebel vielleicht auch sogar ohne Filter sehen? (Bei gutem seeing kann ich alle Sterne des kleinen Wagens sehen...)

Gruß,

Martin
 
Moin Martin!

Vorsicht, verwechsel nicht "Seeing" (Luftunruhe) mit Transparenz, d.h. der Dunkelheit des Himmels! Das sind zwei verschiedene Sachen.

Den NA-Nebel interessiert Seeing eher weniger, da er ein sehr ausgedehntes Objekt ist. Den schaut man sich am besten in einer mondlosen Nacht mit einem FG an. Fotografisch macht sowas aber mehr her, genauso wie bspw. der California-Nebel im Perseus (NGC 1499, wenn ich mich nicht irre).
 
Hallo Martin,

der Nordamerikanebel ist groß und hat eine mickrige Flächenhelligkeit. Mit einem [O III]-Filter kann man ihn sehen, zumindest bei dunklem Himmel. Ich habe ihn öfter durch einen solchen Filter von Baader betrachtet, freilich mit einem 150/750er Newton und einem 31-mm-Nagler bzw. 35-mm-Panoptic. Bei dieser Optikkombination paßt er allerdings kaum in das Gesichtsfeld.

Grüße

fquadrat
 
Hallo,

in dem Fall erübrigt sich der Nordamerikanebel zumindest hier bei mir zu Hause. Der Flughafen D'dorf ist auch groß, hat aber eine riesige Flächenhelligkeit. :(

Grüße,

Achim
 
Hallo Achim,

so gut haben wir es hier auch nicht - Lüdenscheid nennt sich "Stadt des Lichts" - für unser Hobby leider ganz kontraproduktiv! ;(

Hilft denn nicht ein "skyglow-Filter" gegen die Flughafen-Photonen?

CS,

Martin
 
hallo martin,

ich bin noch ein recht blutiger anfänger in sachen astronomie und beobachtungen mit dem teleskop. es fing damit an, dass ich mir gemeinsam mit meinem mitbewohner ein paar astronomische fragen gestellt habe, woraufhin ich mir ein buch kaufte und seitdem die grundlegenden zusammenhänge unseres universums (mal mehr, mal weniger intensiv) studiere. es entstand dabei auch der wunsch sich das ganze mal selbst näher anzuschauen und daraufhin kaufte ich mir erstmal so auf gut glück das ebenfalls von dir angesprochene FirstScope teleskop. mit diesem schnuckeligen gerät arbeite ich mich nun mit wechselndem erfolg durch den nachthimmel. dazu beobachte ich meistens von meinem balkon aus (süd-west-blick in der großstadt hannover <3) fahre aber auch gelegentlich mal etwas aus der stadt heraus. so... lange rede kurzer sinn... was ich dich fragen wollte:
du sprichst in deinem 1. post die beobachtungen von M27 und M57 an, welche du ganz gut erkennen konntest. diese objekte habe ich zuletzt auch von meinem balkon aus gesucht. die eindrücke, die ich davon erhielt, waren jedoch eher bescheiden, ohne dass ich große erwartungen gehabt hätte. der ringnebel war maximal zu erahnen, während ich mir beim hantelnebel zumindest sicher bin, dass mein visueller eindruck von dem objekt nicht nur meiner fantasie entsprungen ist. kannst du vielleicht ungefähr abschätzen wie groß die grenzgröße für beobachtungen mit dem auge an deinem beobachtungsstandort sind? bei mir müsste sie so zwischen 5,0 und 5,3 mag liegen. außerdem würde mich interessieren, ob du für die beobachtungen mit dem kleinen teleskop zusätzliche filter benutzt hast und/oder andere okulare, als die im lieferumfang enthaltenen 20 mm und 4 mm - billigokulare.
ich spiele mit dem gedanken demnächst teleskoptechnisch aufzurüsten, möchte aber irgendwie trotzdem das bestmögliche aus dem kleinen FirstScope herauskitzeln, da es mir halt doch schon ein wenig ans herz gewachsen ist. eigentlich hätte ich noch viele fragen, aber das solls erstmal gewesen sein.
liebe grüße,
alex
 
Hallo Alex,

beim firstscope meines Sohnes habe ich keine Filter benutzt, weil ich nur 2-Zoll-Filter habe. Mit meinem 10-Zöller hatte ich beim Hantelnebel mit dem OIII-Filter einen deutlich stärkeren Kontrast - aber das gefiel mir gar nicht, es wirkte unnatürlich, der Hantelneben wie "überstrahlt".. ich schaue wenn es irgend geht ohne Filter.

Bezüglich der Okulare haben wir am firstscope natürlich alles durchprobiert, was ich an 1,25-Zoll-Okularen habe; u.a. ein Hyperion Zoom 8 - 24 mm. Ich habe mir im Laufe der Zeit alle möglichen Okulare von 2,5 mm bis 38 mm geholt sowie eine 2-fach Barlow-Linse. Meine Erfahrung ist, dass ich tatsächlich an den unterschiedlichsten Objekten (Planeten, Mond, deep sky) alle mögichen Kombinationen durchprobiere, bis ich optimal sehen kann. Meiner Meinung nach lohnt es sich, eine Palette an guten Okularen (mit weitem Gesichtsfeld) zu haben.

Natürlich kommst Du mit dem fistscope auch mit guter Okularausstattung an Grenzen, wegen der Helligkeit. Aber einmal zugelegte gute Okulare kannst Du ja später auch mit größeren Teleskpen nutzen.

Die Frage nach der Grenzgröße an meinem Standort ist schwierig zu beantworten, da ich diese noch nie bestimmt habe. In unserer "Stadt des Lichts" kann ich nur in wenigen Nächten beispielsweise alle Sterne des kleinen Wagens gut sehen.

Gruß und CS,

Martin
 
hallo martin,

erstmal vielen dank für deine antwort. ich habe gerade mal lüdenscheid gegoogelt und musste kurz danach gewaltig schmunzeln. ich dachte der name "stadt des lichts" sei deine eigenkreation, aber scheinbar nennt sich lüdenscheid wirklich so... ganz offiziell... und auch noch voller stolz! klickt man sich auf die homepage der stadt entfaltet sich ein banner, auf dem nach und nach strahlend hell beleuchtete gebäude bei nacht aufblinken, wobei auf mich jedes aufblinken wie ein stich ins kollektive spechtlerherz wirkte.:)
was ich damit sagen will: du hast auf jeden fall mein mitgefühl, was deinen wohnort angeht!
ich vermute einfach mal, dass unsere sichtbedingungen bezüglich der lichtverschmutzung nicht so extrem weit auseinanderliegen.

die idee mit den guten okularen werde ich wohl demnächst umsetzen. dazu muss ich allerdings sagen, dass ich bereits alternative okulare "getestet" habe... und diese waren nicht nur gut, die waren sogar "super"... super plössl. ich hatte mich zu der zeit noch nicht wirklich informiert und bestellte mir so einen okularkoffer mit barlow, div. okularen und filtern. es stellte sich dann heraus, dass ich mit den meisten okularen nicht einmal in den fokus kam (zu dem problem gibts hier auch schon einen beitrag im forum von einem anderen user). ich hab den koffer dann zurückgeschickt und bin froh dass der shop mir auch das geld erstattet hat. jedenfalls hat mich das etwas abgeschreckt.
ich hoffe demnächst auf ein paar gleichgesinnte hier in hannover zu treffen. die volkssternwarte hat seit kurzem wieder geöffnet und bietet jeden donnerstag bei gutem wetter öffentliche beobachtungsabende an. da wollte ich unbedingt mal hin, nur habe ich donnerstags immer noch einen anderen termin und außerdem ist donnerstags immer schlechtes wetter!! ein phänomen!(kommt hier vielleicht jemand aus dem raum hannover?)
des weiteren plane ich nächste woche vielleicht zu einem teleskoptreffen zu fahren: auf den hohen berg nach syke... aber hab ein bisschen bedenken dass mich alle auslachen wenn ich da mit meiner freundin am klapptisch sitze und durch das FirstScope spechtle... :D... naja. hoffe trotzdem dass ich auf diese weise eventuell die möglichkeit bekomme mal ein bisschen was auszuprobieren, denn angeblich sollen die mitbeobachter ja sehr hilfsbereit sein. das werd ich mal abchecken.
ok ich hoffe das wirkt hier nicht zu spam-mäßig aber wenn ich erstmal ins schreiben komme... bin auch ein bisschen aufgeregt... naja.
liebe grüße,

alex
 
Hallo Alex,

keiner lacht Dich aus - Astronomie beginnt sowieso mit den bloßen Augen (habe vorhin wieder eine schöööööne Sternschnuppe gesehen, die wäre mir im Teleskop entwischt). Und was man alleine schon mit bloßen Augen und einer Stenrkarte + Himmelsatlas alles aufuchen kann.... erst recht selbst mit dem "kleinsten" Teleskop.

Habe gerade nochmal den 12-Zöller (nicht 10, wie oben geschrieben - mein Geist lässt nach) in das Atrium gehievt, nun da die "Stadt des Lichts" einige Photonenwerfer doch ausgeschaltet hat..

Leider etwas feucht hier, dadurch mehr Streulicht. Habe mal die Galaxie NGC 7331 im Pegasus aufgesucht. Folgendes hatte ich erwartet (Zitat aus Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter): "Spindelförmig, schöne Kantenlage, langer Nebel mit ovalem Zetralgebiet im Teleskop". Was aber habe ich gesehen? Ein mattes Etwas, strukturlos, kaum erkennbar...

naja - ich habe vor, den Jahreswechsel mal auf einer dänischen Insel zu verbringen, auf der man nachts wohl tolle Sichtbedingungen hat und natürlich einen niedrigen Horizont... werde dann mal 7331 mit heute vergleichen.

Gruß und CS,

Martin
 
Hallo Martin,

Zitat von Martin_Wylicil:
Hilft denn nicht ein "skyglow-Filter" gegen die Flughafen-Photonen?
läßt sich mit Nein! beantworten, sofern der Flughafen nicht ausschließlich mit Niederdrucknatriumdampflampen arbeitet. Ein Deep-Sky-, CLS- oder LPR-Filter würde auch noch bei Hochdrucknatriumdampflampen sowie Niederdruckquecksilberdampflampen funktionieren. Bei allen anderen Lichtquellen sind solche "optischen Kerbfilter" bzw. Breitbandfilter leider wenig hilfreich.

Grüße

fquadrat
 
hallo martin,

komme auch grad von balkon :). finde es auch sehr schön einfach so in den himmel zu schauen (übrigens nicht nur nachts)... und an einem dunklen standort mit dem feldstecher durch die milchstraße zu surfen war für mich bisher immer noch das beeindruckendste erlebnis (vielleicht weil ich durch das glas alle sterne doppelt sehe).

ich besitze ebenfalls ein buch in dem beobachtungshinweise enthalten sind (deepsky reiseführer, stoyan). naja.. :) dort wird halt mit kleinen qualitätsoptiken an guten standorten beobachtet, im aktuellen stadium meiner astronomiekarriere stört es mich nicht, dass ich das beschriebene nicht erreiche. freue mich einfach über jedes objekt, das ich überhaupt irgendwie auffinde. und automatisch wächst auch die freude darauf, diese objekte irgendwann an besseren standorten/mit besseren teleskopen beobachten zu können und ganz neue eindrücke zu gewinnen. finde das alles ganz wunderbar :). du träumst momentan von dänemark und am ende landen wir alle auf la palma.

mein projekt für heute war das tatsächliche gesichtsfeld meiner okulare "experimentell" zu bestimmen und damit dann auch rückschlüsse auf das scheinbare gesichtsfeld der okulare zu schließen. überraschenderweise kam ich für das 20 mm okular auf etwa 2° TG und 30° SG und für das 4 mm okular auf etwa 0,7° TG und 52° SG. mehr als 40° SG hätte ich für das 4 mm okular jedenfalls nicht erwartet (ok, es lässt sich eh nur ein kleiner bereich des gesichtsfeldes einigermaßen scharf stellen, aber was solls). nachdem ich meine mitbewohnerin davon überzeugen konnte im wohnzimmer mal ne halbe stunde im dunkeln musik zu hören habe ich noch eine flotte M57, M27, M15 tour gemacht. alles wie immer, kaum was zu erkennen (oder war der ringnebel heute wirklich ein bisschen ringmäßiger als das letzte mal? :D). egal, hat wieder spaß gemacht (und ne sternschnuppe hab ich übrigens auch gesehn - ein breiter ost->west strahl, wie eine von störlicht erleuchtete, stark beschleunigte gans).

liebe grüße,

alex
 
Hallo Martin,

ich hab ein CLR Filter von Seben und ein UHC von TS. Bei planetarischen Nebeln hab ich die schon einigermaßen erfolgreich einsetzen können.

Da ich allerdings nur 5" Öffnung zur Verfügung habe, wird das Bild schon merklich dunkler. Ob man vom Nordamerikanebel dann noch was sehen kann, oder ob er zu stark weggefiltert wird, habe ich noch nicht probiert.

Vielleicht hat jemand einen Tipp? Ansonsten werd ich's mal angelegentlich testen.

Grüße,

Achim
 
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