Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Liebe Glasaugen,
in meiner Sternwarte gibt es - bewusst! - keinen Strom und keine Elektronik (für die GANZ Schlauen unter Euch: außer einer roten Stirnlampe). Und ich bin glücklich damit, denn so beschränke ich mich rein aufs Beobachten, Erlernen und - Erleben.

Ergo kann ich meine Himmelserlebnisse nicht fotografisch festhalten, sondern nur davon erzählen.
Oder sie skizzieren ...
Seit Längerem schon möchte ich das machen, habe bisher aber meinen dicken Hm-hm-hm nicht hochgekriegt, da das alles furchtbar kompliziert ist!
Im Dunkeln und wegen der Kälte dick eingepackt im Schein der trüben roten Funzel und auf einem Küchenhocker kauernd auch noch mit Klemmbrett auf den Knien mit Stiften herumzuspielen, und dabei das aktuelle Objekt der Begierde immer wieder von Hand ins Zentrum des Blickfeldes nachführen:
Blick durchs Okular, ein paar Striche aufs Papier; Blick durchs Okulare, ein paar mehr Striche auf dem Papier ... aahhhh - morgen vielleicht.

Aber gestern Abend war es soweit.
Der Anblick war so unglaublich schön, dass es mir fast die Socken ausgezogen hat, als ich kurz aufs Dach bin, um nach dem Rechten zu sehen. Diese majestätische Pracht in all ihrer Einfachheit - ein paar mehr oder weniger große und helle Punkte neben dem halb beleuchteten Mond auf dunkelblauen Hintergrund über zartrosa und lachsfarbenen Wolkenbändern - all das hat mich in einem einzigen Augenblick schlicht verzaubert.
Erstaunlicherweise geben auch Fotos die pure Schönheit des Moments nicht wieder. Sorry Leute, das liegt sicher nicht an Euren fotografischen Qualitäten*, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, wie wirklich schwer es ist, die Natur so abzubilden, dass man ihrer Schönheit auch nur ansatzweise gerecht wird.
Auf den Himmel bezogen ist mir inzwischen klar geworden, wie vergänglich Sternenlicht doch ist. Und das macht wohl auch seinen Reiz aus.
Vorgestern hatte ich bereits einige Zeichenmaterialien bestellt und in meinem Fundus ein paar halbwegs anständige Bleistifte in verschiedenen Härtegraden zusammengesucht - und sie irgendwo hingelegt.
Irgendwo ...
Seit Wochen schon wollte ich mir im Rechner eine Vorlage mit einem Kreis und einigen Kästchen für die Beschreibung meiner Beobachtungen erstellen, die ich dann nur auszudrucken brauche.
Wollte ...
Aber gestern Abend musste es schnell gehen, da der Mond (oder die Erde?) sich rasend schnell über den Himmel bewegt. Also im Vorbeigehen einen Fetzen Papier geschnappt, einen schwarzen Faserstift und ein Buch (dummerweise Softcover) als Unterlage - und ab in die Kuppel. Wobei ich zwischen dem 75er PENTAX in der Kuppel und meinem 20x80 MIYAUCHI außerhalb immer mal wieder hin- und hergehüpft bin.
Das Bino hat ein Gesichtsfeld von 2.5°, der Refraktor mit einem alten einzölligen 40er Okular ebenfalls. Allein das war wieder interessant, die beiden Instrumente im direkten Vergleich zu miteinander haben - an einem außerordentlich lohnenswerten Objekt mit dem aschgrauen Mond, der überhellen Venus und den vielen kleinen Sternchen, die sich nach und nach zaghaft in die Nacht getraut haben.
Und so entstand gestern Abend meine allererste astronomische (?) "Zeichnung":

(Die für die Beobachtung relevanten Daten entnehmen Sie bitte den Notizen)
Um es ganz klar zu sagen: stolz bin ich auf die künstlerische Qualität nicht und ich habe mich fast nicht getraut, sie überhaupt hier online zu stellen. Aber so sehen solche groben Notizen nunmal tatsächlich aus!
Hinzu kommt, dass wir Visuellen doch nicht immer den Fotografen (NICHT die der Fotos in diesem Thread!*) das Feld überlassen können mit ihren Tausenden über- und ineinander gerechneten, mitunter kurios bunten Bildern**! Aber das alles schrammt wieder haarscharf an einer der klassischen amateurastronomischen Gretchenfragen unserer Zeit vorbei, die wir an dieser Stelle besser nicht weiter thematisieren wollen.
Wie dem auch sei.
Nachdem sich der gute Mond zusammen mit der Venus im abendlichen Dunst des Westens verabschiedet hatte, konnte ich bei zunehmender Dunkelheit und besser werdendem Seeing noch drei Stunden auf meinem Dach zubringen. Mit drei weiteren Planeten (im PENTAX) und einigen Klassikern wie Plejaden, Hyaden und einigen anderen (im MIYAUCHI).
Was für ein schöner Abend! Und als Bonus war er fast taulos.
Sobald der Zeichenkarton und die Stifte ankommen, werde ich mich an eine saubere Reinzeichnung setzen. Mal sehen, was dabei rauskommt, doch ich habe Hoffnung - die bekanntlich zuletzt stirbt.
Euch allen einen schönen Abend.
Urs
*Dies ist eine Replik auf folgenden Thread: ein schönes Stelldichein - Mond-Venus
**Obwohl wir unlängst von einem astro-fotografierenden Kollegen hier in einem anderen Thread lernen durften, dass der Blick durchs Okular "überschätzt" würde (Zitat Ende). Andererseits: auch Computer können echt Spaß machen!

in meiner Sternwarte gibt es - bewusst! - keinen Strom und keine Elektronik (für die GANZ Schlauen unter Euch: außer einer roten Stirnlampe). Und ich bin glücklich damit, denn so beschränke ich mich rein aufs Beobachten, Erlernen und - Erleben.

Ergo kann ich meine Himmelserlebnisse nicht fotografisch festhalten, sondern nur davon erzählen.
Oder sie skizzieren ...
Seit Längerem schon möchte ich das machen, habe bisher aber meinen dicken Hm-hm-hm nicht hochgekriegt, da das alles furchtbar kompliziert ist!
Im Dunkeln und wegen der Kälte dick eingepackt im Schein der trüben roten Funzel und auf einem Küchenhocker kauernd auch noch mit Klemmbrett auf den Knien mit Stiften herumzuspielen, und dabei das aktuelle Objekt der Begierde immer wieder von Hand ins Zentrum des Blickfeldes nachführen:
Blick durchs Okular, ein paar Striche aufs Papier; Blick durchs Okulare, ein paar mehr Striche auf dem Papier ... aahhhh - morgen vielleicht.

Aber gestern Abend war es soweit.
Der Anblick war so unglaublich schön, dass es mir fast die Socken ausgezogen hat, als ich kurz aufs Dach bin, um nach dem Rechten zu sehen. Diese majestätische Pracht in all ihrer Einfachheit - ein paar mehr oder weniger große und helle Punkte neben dem halb beleuchteten Mond auf dunkelblauen Hintergrund über zartrosa und lachsfarbenen Wolkenbändern - all das hat mich in einem einzigen Augenblick schlicht verzaubert.
Erstaunlicherweise geben auch Fotos die pure Schönheit des Moments nicht wieder. Sorry Leute, das liegt sicher nicht an Euren fotografischen Qualitäten*, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, wie wirklich schwer es ist, die Natur so abzubilden, dass man ihrer Schönheit auch nur ansatzweise gerecht wird.
Auf den Himmel bezogen ist mir inzwischen klar geworden, wie vergänglich Sternenlicht doch ist. Und das macht wohl auch seinen Reiz aus.
Vorgestern hatte ich bereits einige Zeichenmaterialien bestellt und in meinem Fundus ein paar halbwegs anständige Bleistifte in verschiedenen Härtegraden zusammengesucht - und sie irgendwo hingelegt.
Irgendwo ...
Seit Wochen schon wollte ich mir im Rechner eine Vorlage mit einem Kreis und einigen Kästchen für die Beschreibung meiner Beobachtungen erstellen, die ich dann nur auszudrucken brauche.
Wollte ...
Aber gestern Abend musste es schnell gehen, da der Mond (oder die Erde?) sich rasend schnell über den Himmel bewegt. Also im Vorbeigehen einen Fetzen Papier geschnappt, einen schwarzen Faserstift und ein Buch (dummerweise Softcover) als Unterlage - und ab in die Kuppel. Wobei ich zwischen dem 75er PENTAX in der Kuppel und meinem 20x80 MIYAUCHI außerhalb immer mal wieder hin- und hergehüpft bin.
Das Bino hat ein Gesichtsfeld von 2.5°, der Refraktor mit einem alten einzölligen 40er Okular ebenfalls. Allein das war wieder interessant, die beiden Instrumente im direkten Vergleich zu miteinander haben - an einem außerordentlich lohnenswerten Objekt mit dem aschgrauen Mond, der überhellen Venus und den vielen kleinen Sternchen, die sich nach und nach zaghaft in die Nacht getraut haben.
Und so entstand gestern Abend meine allererste astronomische (?) "Zeichnung":

(Die für die Beobachtung relevanten Daten entnehmen Sie bitte den Notizen)
Um es ganz klar zu sagen: stolz bin ich auf die künstlerische Qualität nicht und ich habe mich fast nicht getraut, sie überhaupt hier online zu stellen. Aber so sehen solche groben Notizen nunmal tatsächlich aus!
Hinzu kommt, dass wir Visuellen doch nicht immer den Fotografen (NICHT die der Fotos in diesem Thread!*) das Feld überlassen können mit ihren Tausenden über- und ineinander gerechneten, mitunter kurios bunten Bildern**! Aber das alles schrammt wieder haarscharf an einer der klassischen amateurastronomischen Gretchenfragen unserer Zeit vorbei, die wir an dieser Stelle besser nicht weiter thematisieren wollen.
Wie dem auch sei.
Nachdem sich der gute Mond zusammen mit der Venus im abendlichen Dunst des Westens verabschiedet hatte, konnte ich bei zunehmender Dunkelheit und besser werdendem Seeing noch drei Stunden auf meinem Dach zubringen. Mit drei weiteren Planeten (im PENTAX) und einigen Klassikern wie Plejaden, Hyaden und einigen anderen (im MIYAUCHI).
Was für ein schöner Abend! Und als Bonus war er fast taulos.
Sobald der Zeichenkarton und die Stifte ankommen, werde ich mich an eine saubere Reinzeichnung setzen. Mal sehen, was dabei rauskommt, doch ich habe Hoffnung - die bekanntlich zuletzt stirbt.
Euch allen einen schönen Abend.
Urs
*Dies ist eine Replik auf folgenden Thread: ein schönes Stelldichein - Mond-Venus
**Obwohl wir unlängst von einem astro-fotografierenden Kollegen hier in einem anderen Thread lernen durften, dass der Blick durchs Okular "überschätzt" würde (Zitat Ende). Andererseits: auch Computer können echt Spaß machen!
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