Fehlkonzeption hat nichts mit Auslegung zu tun
Hallo Stefan,
um mal in markigen und traditionsreichen Worten zu sprechen "an Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen":
Ich möchte Herstellern, Importeuren und Händlern keine Vorschriften machen, wie sie ihre Produkte konzeptionieren. Aber wenn mir jemand ein schlecht konzipiertes Gerät vorstellt, werde ich mir auch keine Vorschriften machen lassen, da Mitleid zu haben. Unsinnige Konzepte wie Farb-LCD-Display an der Teleskopsteuerung gibt es von mir ganz persönlich weiter auf's Butterbrot.
Ich finde das auch nur fair. Wenn ich in meinem Beruf schlechte Arbeit abliefere, bekomme ich auch eine Ansage! Und das hat sogar seinen Zweck, denn ohne Ansage bleibt so manche Fehlleistung an entscheidender Stelle unentdeckt.
Was das Thema "es muss nur einer kaufen wollen" angeht: Du unterstellst hier stark verallgemeinernd, dass ich etwas als Fehlkonzeption hinstelle, was eigentlich meine persönlich gewünschte Auslegung ist. Jürgen ist da schon drauf hereingefallen!
Nein, es geht vor allem auch um bauliche Mängel, die bei einer professionellen (Wortwahl=Absicht) Konzeption ohne Zusatzkosten hätten vermieden werden können. Niemand braucht eine zweite Gußform zu bezahlen, wenn man die Justageschrauben sofort zu drei Paaren aus je einer Zug- und Druckschraube konzipiert. Fehlkonzeption ist es, diese 6 Schrauben mit ja 60° Abstand zu positionieren. Auslegung wäre hingegen, ein Paar aus Zug- und Druckschraube gegen eine Schraube mit Gegendruck-Feder zu ersetzen.
Die Anzahl derartiger Beispiele ist recht zahlreich. Unterschieden werden darf nun gern, bei welchem Grad an Unbrauchbarkeit gegen Aufpreis man beginnen will, von Fehlkonzeption gegenüber Auslegung zu sprechen. Nehmen wir mal das 3,8mm ED Okular (diverse Labels, gleiches Ding), bei dem matte Linsenoberfläche direkt beleuchtet werden kann, was bei Tag- oder Mondbeobachtung katastrophal wirkt, bei Deepsky-Beobachtung "subtil schlecht". Siehe hier:
http://www.svenwienstein.de/HTML/eds_in_serie.html
Eigentlich ist das ganze ein Konstruktionsfehler, der scheinbar daher billigend in Kauf genommen wird, weil der Verschluss der Linsenfassung für die Brennweiten 5mm und 3,8mm identisch ist - es aber für gute Funktion nicht sein sollte.
Hier darf man gerne Abwägen, ob die Fertigung unterschiedlicher "Deckel" nun eine von mir gewünschte Auslegung für einen erheblichen Mehrpreis ist...
Nochmal zur Kritikfähigkeit: Händler und Hersteller verwechseln? Was ist das denn für ein Spielchen? Welcher Händler hat den für den Chinakram noch kein eigenes Label? Also ist doch der Händler längst zum Auftraggeber und Importeur geworden und natürlich liegt es in dessen Händen, ein Produkt zu konzipieren oder auch ein fremdes Konzept zu akzeptieren (und seinen Namen drauf zu schreiben, womit man kaum deutlicher seine Akzeptanz desselben mit allem Lob und Tadel deutlich machen kann).
Insofern, sorry, ist auch dieser Teil Deiner Antwort nur ein Verwirrspiel. Natürlich ist die Realität eine Grauzone und wer etwas verkaufen will, muss sehen, wer Produkte zu marktfähigen Preisen liefert. Das darf aber dennoch kein Freifahrtschein sein, unter dem sich alles verkaufen lässt. Zum Beispiel f/4 Parabolspiegel aufgeklebt und ohne Justagemöglichkeit.
Crowdfunding und Stilblüte: Eine Argumentation wie den Rasen zu betonieren, damit das Gras darunter die optimale Länge behält! Auch beim Crowdfunding gibt es Entscheider, die ein Konzept vorstellen und es sich dann durch die Crowd finanzieren lassen. Finden sich genügend Finanzierer, steht das Projekt und wird soweit machbar durchgezogen. Finden sich zu wenige, dürfte klar sein, dass am Konzept nachgebessert werden muss. Was Du schreibst, Stefan, sorry, lässt eigentlich nur durchblicken, dass Du das Konzept Crowdfunding nicht verstanden hast. Jedenfalls nicht in seiner real existierenden Form.
Übrigens, mal hübsche Beispiele: Crowdfunding durch Vorbestellungen (teils sogar unter Akzeptanz von nicht belastbaren Absichtserklärungen) hatten wir beim Herschelkeil mit Brewsterwinkel oder auch beim Beobachteratlas für Kurzentschlossene. Letztendlich gibt es einen Entscheider, der abwägen muss, wieviele Käufer er zu welchem Preis für eines oder mehrere Konzepte findet, die er zu realisieren gedenkt. Hat mit totdiskutieren nichts zu tun.
Clear Skies
Sven