Hallo Michi,
ich habe leider keine Erfahrung mit der Konstruktion von Fassungen für so große Linsen. Das ist eine Sache für Spezialisten.
Ich habe aber etwas Erfahrung mit kleineren Objektiven. Aufgrund dieser Erfahrungen habe ich das Thema angeschnitten. Selbst kleinere Objektive sind nicht so einfach zu fassen. Bei Objektiven mit Abstandsplättchen zeigen sich am Kollimator deutliche Veränderungen im Sterntest, wenn man nur etwas Druck auf die Linsen ausübt (die Abstandsplättchen sind aus Zinn, durch leichtes Drücken – natürlich nicht mit schweißnassen Fingern :neinnein: – kann man die Linsenkippung korrigieren und damit die Abbildungsgüte verbessern). Besonders kritisch sind nach meiner Erfahrung dabei Objektive aus Sondergläsern. Diese haben sehr angespannte Radien, deshalb sind diese sehr empfindlich gegen Verkippungen (zumindest war das früher so, ich weiß nicht, ob es heute Glassorten gibt, mit denen sich Objektive mit flacheren Radien realisieren lassen, ich habe zwar mal Optiken gerechnet, das ist aber jetzt über ein viertel Jahrhundert her, deshalb sind meine Kenntnisse etwas veraltet).
Welche Toleranzen erforderlich sind, wird Euch Euer Optikdesigner sagen. Ihr müsst aber bei der Verkippung mit Toleranzen im Bereich von hundertstel Millimetern rechnen, bei der Zentrierung mindestens im Zehntelmillimeterbereich.
Das Problem Wärmeausdehnung kannst Du selbst abschätzen. Die Ausdehnungskoeffizienten von optischem Glas stehen in jedem Glaskatalog. Die Ausdehnungskoeffizienten für verschieden Stahlsorten sollten sich auch finden lassen (wenn Dein Astrokollege Materialwissenschaften studiert hat, hast Du da eine ausgezeichnete Quelle).
Deshalb mein Vorschlag, die Linsen mit größerem Abstand zu rechnen, und dann einzeln zu fassen, wobei die einzelnen Fassungen gegeneinander justierbar zu befestigen sind. Ich baue gerade so eine Fassung für ein altes Jaegers Objektiv 4“f15. Natürlich ist ein 4“ Objektiv nicht mit einem 16“ Objektiv zu vergleichen. Bei so einem großen Objektiv sollte man sich schon Gedanken über die erforderliche Steifigkeit der Konstruktion machen. Ich würde Dir Vorschlagen, dass Du das mal mit Deinem Kollegen Materialwissenschaftler besprichst. Der kann Dir sicher einige Tipps geben. Ich würde jedenfalls die Fassung bezüglich ihrer Steifigkeit mal durchrechnen lassen.
Ich denka mal, dass Ihr mit den Kosten für das Projekt in der Größenordnung der Kosten eines Einfamilienhauses landen werdet (Ihr braucht ja nicht nur das Objektiv, Harrie hat ja schon darauf hingewiesen, dass Ihr noch ne Monti braucht, auch wird das Ding nicht "schleppbar sein - also braucht Ihr idealerweise noch ne Hütte). Das sollte schon gut durchdacht werden, es wäre schade, wenn das Projekt schief geht, wenn schon viel Geld investiert wurde.
Ich hatte schon den Link zu dem Medial in Rathenow gepostet (
http://de.wikipedia.org/wiki/Rathenower_Refraktor ). Vielleicht solltet Ihr da mal hinfahren, und das Ding mal besichtigen. Da habt Ihr dann einen guten Eindruck, in welcher Größenordnung Ihr Euch letztendlich bewegt.
CS. Frank