Hi Joerg, Ich steige jetzt mal nicht in die ganz grosse Diskussion ein, sondern nehme nur auf das Anfangsthema Bezug.
Moin,
allein, dass sich diese Diskussion entwickelt hat, zeigt, wie sehr Frank den Nagel auf den Kopf getroffen hat.
Das halte Ich fuer ein gewagtes Statement, und das moechte Ich auch sachlich begruenden, warum er genau das IMHO nicht hat:
Und - mit Verlaub - niemand schreibt mir vor, wie ich ein Werk, und sei es ein Foto, bearbeite und präsentiere - je nach dem welchen Anspruch ich damit verbinde.
Denn genau dieser Anspruch wurde im Video tatsaechlich erhoben. Lese dir deinen Satz noch mal laut vor, dann schau dir das Video einfach noch einmal an.
Insofern entbehrt weder eine freie Bearbeitung eines Astromotivs ihrer Berechtigung noch ein Gemälde oder eine Zeichnung - noch das Streben nach wissenschaftlicher Exaktheit.
Letztlich muss sich der Ersteller des Werks an seiner Intention messen lassen. Möchte der wissenschaftlichen Exaktheit nachstreben oder möchte er ein Bild schaffen, das ihm gefällt und das er in dieser Ausarbeitung präsentieren und der Öffentlichkeit vorstellen will.
Was genau mein Kritikpunkt an dem Video war. Was ein gutes "Astrobild" ist, wurde dort explizit normierend festgelegt und auch wer das (selbstberufen) darf. Genau das geht einfach zu weit.
Auch Frank kann sich mal gedanklich verlaufen. Ich will hier keine Streit anfangen oder ihn 'runterschreiben, sondern Ich halte es im Gegenteil viel mehr fuer zielfuehrender hoeflich und konstruktiv auch mal "nein" zu sagen,
gerade weil Ich Frank kenne und schaetze.
Joerg, Ich kann dir genau den Punkt benennen, wo das was Du da in den drei Zeilen schreibst meiner Erinnerung nach bei Frank anfing aus dem Ruder zu laufen. Das war nachdem Ich nach ein paar von Franks "Bildbesprechungen" irgendwie anfing zu vermissen, ob da eigentlich am Anfang jemals folgender Satz fiel: "Ok, erzaehl doch erst mal, was Du hier eigentlich erreichen wolltest. Dann kann Ich dir eventuell ein paar Tipps geben, wie man
dein Ziel handwerklich besser erreichen kann.".
Das lief meiner (eventuell vagen) Erinnerung nach nicht einmal so ab.
Sondern im Gegenteil, er eroeffnet eine Bildbesprechung i.d.R. damit klarzustellen, wie das Bild seiner Meinung nach auszusehen haette, wenn er es geschossen und bearbeitet haette.
Das ist letztendlich aber Paternalismus und den lehnt die Mehrzahl der Leute nun mal instinktiv ab. Frank hat sich hier in den Foren, unter seinen Videos auf Youtube und anderswo oefter mal rhetorisch gefragt, warum die Bildbesprechungen eigentlich von der aktiven Beteiligung her nur so lala einschlagen: Naja, genau das ist der Grund. Leute wollen durchaus was lernen, haben aber keine Lust belehrt zu werden. Es hatten (leider?) nur sehr wenige den Mut ihm das mal vorsichtig zu sagen (Ich habe es am Rande eines persoenlichen Gespraech ueber ein anderes Thema auch mal vorsichtig versucht).
Das Video dieses Threads driftet noch staerker in diese Richtung. Daher jetzt mein klarer Zuruf: Frank, so wird das nichts.
Und bevor ein weisser Ritter jetzt mir "selbstueberhoehende Besserwisserei" unterstellt: Absolut, schuldig im Sinne der Anklage. Kann man mir (berechtigterweise) auch schreiben. Auch Kritiker muessen Kritik einstecken koennen, so wie Frank jetzt hier eben auch.
Ich sehe da nirgends eine Legitimität für ein "richtig" oder "falsch" - das kommt erst ins Spiel, wenn der, der für sich Exaktheit reklamiert, diese nicht umsetzt oder der, der eine freie Gestaltung für sich claimt ohne eigene Leistung irgendwelche Darstellungen übernimmt.
Und das ist eben der springende Punkt, den auch Frank aergert: Wo die exakte Grenze zwischen "Astroart" und "Astrofotografie" verlaeuft, darueber kann man kleinteilig streiten. Aber es wird immer mehr "Astroart" (=pretty Pictures) als
Astrofotografie hochgejazzed.
Der Koenigsweg liegt meiner Meinung nach wirklich darin: Man sollte man sich vielleicht mal ehrlich machen, was man eigentlich anstrebt. Niki nimmt das weiter oben etwas satirisch auf die Schippe, aber darauf laeuft's hinaus. Man kann die Naturalisten neben die Impressionisten haengen und sich an beidem erfreuen, aber nach einem gemeinsamen Massstab beurteilen kann man die IMHO nicht.
Dann scheitert er aber nicht am Verfahren selbst sondern an einer verfehlten Einordnung seiner Arbeit. Nicht umsonst legen wir so viel Wert auf eine Erläuterung bei veröffentlichten Bildern, damit man beurteilen kann wie, mit welchem Gerät und welchen Verfahren eine Aufnahme entstand, wie sie ggf. dargestellt ist und damit, was sie eigentlich zeigt.
Das ist leider aus dem Ruder gelaufen. Seinen Anfang nahm das in "wissenschaftlicher Astrofotografie", wo Material & Methoden zwecks Reproduzierbarkeit/Validierbarkeit angegeben werden muessen. Das wurde in der Welt der Amateure einfach erst mal uebernommen, aber mit durchwachsener Stringenz. Spaeter hat sich das bei den Amateuren z.T. in ein pures "guck mal, was fuer eine abgefahrene Ausruestung Ich habe" verwandelt. Und wenn man sowieso "Astroart" macht, ist es eigentlich auch voellig sinnfrei. Was soll es denn das Auflisten von Teleskop, Kamera und sonstwas, wenn am Ende sowieso "Made by Photoshop" quer 'drueber steht?
Mit dem Wissen kann man eine fundierte Beurteilung vornehmen. Das hat also schon seinen Sinn und dient nichts weniger als der Erbsenzählerei.
Joerg, am Ende laeuft es meiner Meinung nach darauf hinaus (Ich habe es anderswo schon geschrieben): Man sollte sich selbst gegenueber ehrlich sein und halt klar dazusagen, ob man
Astrofotografie betreiben will, oder
Astroart. Beides macht Spass, beides macht (in Hinblick auf "Hobby haben") Sinn, aber beides muss man, sowohl von den Methoden der Bildbearbeitung wie auch vom Ergebnis her, einfach anders beurteilen.
Wie dem auch sei, abschliessen will Ich das jetzt mal ganz anders und Ich wuensche euch allen erst mal wirklich frohe Weihnachten und hoffe, dass nach einem guten Glas Rotwein all dies hier als das wahrgenommen wird, was es letztendlich ist: Stuerme im Wasserglas eines harmlosen Hobbies. Frank Ich geniesse deine Videos immer wieder und weiss ob der Arbeit, die Du dir da jedesmal machst. Bitte Denk daran, wir regen uns nur auf, weil wir sonst nix zu tun haben und das ist letztendlich ein gutes Zeichen zum Jahresabschluss.
Euch alles Gute,
Gruss & CS