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Lunar100, los gehts!

Anette_Aslan

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Lieber Simon,

es macht mir richtig Spaß meine Aufnahmeerfahrungen mit Deinen Beschreibungen zu kombinieren.

Ja, die Luftunruhe war enorm gestern, bei mir im Bearbeitungsfenster hüpfte Cassendi wie ein Pingpong hin und her, wollte aber unbedingt mal die Liebigfurche untersuchen. Wolken verzogen sich schnell um von Cirrengenerve abgelöst zu werden. Dann klarte es mal auf, trotzdem blieb die Luftunruhe. Kam mir wie auf hoher See vor, zum Schwindeligwerden beim Betrachten der Monddarstellung. Mich interssierte vor allem die Regenbogenbucht, doch mit Scharfstellen war nichts zu machen. Ich muss mir jetzt aber das Schiller Hucchius Bassin vornehmen, klingt verführerisch, ich tauch da mal rein.

Turbulente Grüsse Von Anette
 
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Henning81

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Ihr düst mir davon,
während ich abwechselnd nicht da bin oder -der Mond nicht "da" ist.
Schöne Berichte, ich freue mich, wie sich der Thread entwickelt.

CS,

Henning
 

Eingehirner

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Liebe Anette,

ich les deine Beiträge auch immer gern! Eine Insel der Unkonventionalität im Mainstream ;-)

Vorgestern ging gar nichts, der Himmel war komplett bedeckt... aber gestern war es "nur" schwach neblig. Erstaunlicherweise war die Luft ruhig und mit 3,2mm (312x) liessen sich einige Details erkennen, die vor zwei Nächten gar nicht zu sehen waren. Dafür machte die übermässige Helligkeit z.B. die Beobachtung der dunklen Flecke von Alphonsus unmöglich, wieder das blöde Streulicht im Okular...

7.7.2017, 23:00-0:00, Terminator @ 77°, Mond bei 98-99% vor Vollmond

Ich fing nahe dem Südpol an, der leider zu hell und daher überstrahlt erschien, diesmal konnte ich nicht mal andeutungsweise die Leibnitz-Berge sehen - sogar hinter dem Graufilter und mit der hohen Vergrösserung. Bailly direkt nebenan war aber wunderbar mit seinem inneren, weniger deutlichen Ring als Bassin zu identifizieren. Drygalski lag leider noch hinter der Schattengrenze.

Eine schöne Überraschung war neben dem "überlaufenden" Wargentin das gut erkennbare Inghirami-Tal. Vor einem Monat hatte ich schonmal danach gesucht, damals lag der Terminator bei 70° und das Tal daher direkt dahinter. Gestern aber war es mit einem schönen Schattenwurf zu sehen. Schickard war noch schön beleuchtet und gut zu sehen.

Bei den zwei "verpassten Hügeln" hatte ich kein Glück - weder die Marius-Hügel noch der Rümker-Buckel waren noch zu erkennen, zu hoch stand die Sonne hier. Aristarchus und das Schröter-Tal waren dafür erstaunlich deutlich. Crüger war als dunkler Kreis gut zu finden, aber wenig spektakulär, hier ist wohl eher das Hintergrundwissen interessant, dass es sich eventuell um eine vulkanische Caldera handelt... Grimaldi war einfach zu finden, aber dass er ein Bassin darstellt und folglich zwei Ringe besitzen sollte, konnte ich nicht sehen. Die Sirsalis-Rille hätte eigentlich auch (analog zum Schröter-Tal) sichtbar sein müssen, ich konnte sie aber nicht entdecken.

Reiner gamma, der lustige "weisse Fisch", ist zum Glück ein Objekt, das ohne Schattenwurf auskommt - ich hatte es aber schon vor einem Monat ausgiebig angeschaut und widmete ihm deshalb gestern nur einen flüchtigen Blick.

Zufrieden und recht früh machte ich mich danach an den Abbau... zu oft um zwei oder halb drei ins Bett zu gehen (was diese Woche ja doch mehrmals vorkam), macht sich irgendwann bemerkbar. Da unser zweites Kind jede Sekunde kommen kann, könnte man das als Übung für den Ernstfall betrachten - oder als sträflich leichtsinnig...

@Henning: Ich bin gespannt auf deinen nächsten Bericht! Klasse statt Masse ;-) Dein Thread bzw. sein Thema ist wirklich eine tolle Ergänzung zum DeepSky (was für mich ursprünglich der Zweck der Teleskop-Anschaffung war)!

Gruss und CS,
Simon
 
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Eingehirner

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Sooo... da es seit zwei Tagen wieder nur regnet und auch nicht absehbar besser wird, hab ich mich ein bisschen mit den Leibnitz-Bergen beschäftigt. Laut http://the-moon.wikispaces.com/Montes+Leibnitz sollen sie ja vor allem zu sehen sein, wenn die Libration in Breite nahe Null ist (was leider von CalSky nicht angezeigt wird, man muss es ausprobieren). Die genaue Stelle ist auch nicht erkennbar.

Ich hab daher versucht, in der SLC-Karte (System of Lunar Craters von 1963-66, http://the-moon.wikispaces.com/System+of+Lunar+Craters) im Segment D8 einzuzeichnen, wo sie liegen müssten. Nicht ganz einfach, aber es entspricht den hohen Gipfeln, die vor ein paar Tagen bei grösserer Libration nicht gegen den Himmelshintergrund, sondern die Mondoberfläche zu erkennen waren. Vielleicht hilft's dem einen oder anderen beim Finden. Die NASA-Seite simuliert auch die Mondsilhouette, da erkennt man sie gut.

Die nächsten Tage mit Libration zwischen +2° und +6° (so dass die Berge schön am Horizont zu sehen sind, sie liegen im Mittel ca. auf 86°S, soweit ich sehen kann) und guter Beleuchtung (ich würde schätzen, Terminator bei abnehmendem Mond <30°E oder bei zunehmenden Mond >60°W) wären:

13. Juli (vermutlich gut) bis 15. Juli (nur Westteil zu sehen?)
9. August bis 12. August (vermutlich jeden Tag gut)
5.-8. September (dito)

Mal sehn, ob was draus wird ;-) Wenn ich mir den aktuellen Wetterbericht ansehe, steht die nächste Sintflut an.

Gruss und CS (allen Omen zum Trotz),
Simon
 

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Eingehirner

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Hallo zusammen,

die Nacht gestern muss wohl eine der frustrierendsten gewesen sein, die ich bisher hatte...

Am Donnerstagmorgen kam unser zweiter Sohn zur Welt. Da ich bis halb zwei Brot backen "musste" und die Wehen um drei anfingen, hatte ich nur anderthalb Stunden Schlaf. Die konnte ich den ganzen Tag über durch den vielen Trubel nicht aufholen... und abends war noch viel zu tun und der Himmel bedeckt. Also: 13.7. - Fehlanzeige für die Leibnitz-Berge, dafür Volltreffer für den Nachwuchs ;-)

Am Freitag war zwar mit dem Nachwuchs viel los, was mich am Nachholen des fehlenden Schlafs hinderte, aber mein Infomail sagte mir, dass neben der korrekten Libration in Breite (+3.937°, nahe an den geschätzten idealen 4° für die Leibnitz-Berge) heute, am frühen Samstagmorgen, auch maximale Libration in Länge (-6.57°) herrschen sollte - also ideal für das Orientale-Bassin! Bei der Zeit für den Mondaufgang kamen mir dann aber Zweifel, ob das so sinnvoll ist, ich musste bis 1:30 warten, bevor der Mond hinter Horizont und Hochhäusern erscheinen würde.

Letztendlich blieb ich dann wirklich bis da wach, baute - schon recht müde - das Teleskop auf, startete mit dem Belüften... und hatte um 1:45 Uhr, das "Rohr" noch frisch und warm aus dem Keller, die ersten Sekunden freie Sicht auf den Mond. Tatsächlich konnte ich die Leibnitz-Berge am Südpol gut erkennen und etwas schlechter auch fotografieren! Hurra! Die Luftunruhe war allerdings katastrophal und dass ständig Wolken vorm Mond durchzogen und das Teleskop noch nicht ausgekühlt war, half nicht.

Schnell noch ein kurzer Blick auf das Gebiet WSW von Grimaldi - ja, da sind die zwei langgezogenen "Seen" (Lacus Autumni und Lacus Veris), die zu den konzentrischen Ringen ums Mare Orientale gehören! Super! Wie lange hatte ich jeweils draufschauen können? 20, 30 Sekunden? Immerhin, dachte ich, die Wolken ziehen ja schnell durch... es kommt bestimmt nochmal ein besseres Fenster und bis dahin ist das Teleskop kalt.

Eine geschlagene Stunde stand ich dann am Teleskop und wartete. Und wartete. Nichts tat sich auf. Oberhalb, unterhalb des Mondes: ja, da gab's immer wieder Löcher... aber der Mond selber blieb verborgen. Um viertel vor drei konnte ich dann nochmal einige Sekunden einen Blick auf beide Objekte werden, bevor der Mond wieder hinter dichten Wolken verschwand, das reichte aber kaum fürs Scharfstellen... da verliessen mich Lust und Wachheit, ich packte ein und genoss ab halb vier noch ein paar kostbare Stunden Schlaf, bis mein erster Sohn mich um zehn vor sechs wieder weckte...

Im Bild die verwaschenen, aber trotzdem erkennbaren Montes Leibnitz und zwei Orientierungslinien, die ich mir überlegt hab und die mir hilfreich erschienen (durch die beiden östlichen Clavius-Randkrater und durch einen der Krater und Moretus).

Für das Mare Orientale gibt es bessere Bedingungen als letzte Nacht erst wieder am 9.6.2018 (-7.365° Libration in Länge) und am 7.7.2018 (-7.648°, westlichste Libration und noch mit beleuchteter Westseite!). Davor gibt's zwar westliche Librationen, aber immer nur mit beleuchteter Ostseite und Schatten im Westen...

Heute Nacht sind zwar nur die westlichen Gipfel der Berge zu sehen, aber die Bedingungen sind ansonsten gut. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich mir diesmal den Wecker auf fünf Uhr in der Früh' stellen... naja, der Sohn steht sowieso um sechs am Bett... mal sehen.

Gruss und CS,
Simon
 

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Henning81

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Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines Sohnes.

Und ich bin begeistert von Deinen Infos, es macht mir sehr viel Spass, Deine Beiträge zu lesen.
Gerade komme ich rein. Endlich war mal wieder etwas Himmel zu sehen, den ich genutzt habe, um ein paar Messier-Objekte zwischen Schlange und Adler abzuhaken.
Beim abbauen sah ich gerade den Mond über die Baumwipfel steigen. Also doch noch einen Punkt in der Lunar Liste abgehakt: Erdlicht.
Ist doch besser als nichts, so ganz ohne Mühe.

Weiter so, alle zusammen.

CS,

Henning
 

Eingehirner

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Vielen Dank! Wir sind dabei, uns zu sortieren, die ein oder andere Nachtsession läge eigentlich drin, weil der Zweite auch wieder sehr einfach ist und gut schläft... wenn nur nicht ständig dann, wenn klarer Himmel angesagt war, überraschend wieder Wolken auftauchen würden. Man bekommt den Eindruck, dass die bisherigen Wettermodelle dem Klimawandel nicht mehr gerecht werden...

CS,
Simon
 

Eingehirner

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26.7.2017, 21:30-22:30, Terminator @ 51°E, ein Tag vor maximaler Libration in Länge (Ost)

Dass vorgestern nicht die Nacht der Nächte werden würde, war mir schon von den Beobachtungsbedingungen her klar. Zwei kleine Kinder erlauben keine stundenlangen Absenzen im Garten; ausserdem war der Mond nur für kurze Zeit gut zu sehen. Genauer gesagt hatte ich das Teleskop auf dem Balkon aufgebaut, der nach Westen zwischen Betonpfeiler und Hauswand nur ein Beobachtungsfenster von ca. 1h offen liess - dieses auch noch geteilt durch den Rahmen einer Glaswand... Seeing und Cirren machten mir noch mehr Striche durch die Rechnung. Aber: So gut wie an diesem Abend sollte für längere Zeit der ganze "Ost-Zirkus" nicht mehr zu sehen sein. Am 24.8. ist schon ein knappes Grad weniger zu sehen und das bei noch schmalerem Mond. Erst 21.6.2018 und 19.7.2018 wird's wieder besser.

Insofern wollte ich die kurze Zeitspanne trotzdem nutzen - mehr für ein "Ach, da ist das" als für mussevolle Betrachtungen. Wo die für diese randnahen Gebilde herkommen sollen, ist mir aber auch unter Idealbedingungen schleierhaft...

Ich wollte auch mal testen, was mit meinem neuen 2,5mm-Planetary-Okular alles möglich ist. Bei den gegebenen Bedingungen natürlich ein nutzloses Unterfangen... Zum Einsatz kamen daneben noch das 6mm-Planetary und das 3,2mm-Planetary. Mit dem 6mm war am meisten zu sehen - wen wundert's... aber das 2,5mm zeigte in lichten Sekunden (und später an Jupiter und Saturn), was es leisten kann, wenn die Verhältnisse gut sind. Ich freu mich schon auf übernächste Woche im Tessin :)

Mit Endymion und dem angrenzenden Mare Humboldtianum fing ich an. Das war schön zu sehen, Endymion hatte einen fetten schwarzen Schatten im Zentrum und war gut auszumachen. Das Meer: beeindruckend, wie gut es sichtbar war! Sonst war aber leider nicht viel zu erkennen. Ein Mare halt. Wenn ich die Lunar100 richtig verstehe, wäre hier die Idee, das zugrunde liegende Bassin zu erkennen - für mich leider Wunschdenken!

Weiter nach Süden zum Mare Crisium und dahinter dem Mare Marginis, dessen Swirls heute jenseits aller Hoffnungen (und fast des Horizonts) lagen. Ich meine, ein paar weisse Muster gesehen zu haben, aber die lagen zu weit südlich, um mit den Swirls identisch sein zu können. Da hier auch die Luftunruhe extrem wurde und der Mond hinter den Fensterrahmen wanderte, legte ich eine Viertelstunde Pause ein...

Dann wieder ein Sprung nach Süden, zum Krater Humboldt. Ich konnte ihn sehen, aber der Schattenwurf war schon zu weit nach Westen gewandert, um Details ausmachen zu können. Mehr als ein hellgrauer Kraterrand auf weissem Grund war nicht zu wollen. Andererseits müssten die Bedingungen für mehr auch schon extrem gut sein - noch stärkere Libration, zusammenfallend mit der entsprechenden Mondphase, gutem Wetter und der entsprechenden Freizeit...

Zuletzt das Mare Australe: Das stellte mich wirklich vor einige knifflige Probleme. Ich konnte es nicht erkennen. Meine Mondkarten waren hier fast nutzlos, zu sehr unterschieden sich sichtbare von skizzierten Elementen. Nach einigem Suchen schaffte ich es schliesslich, per Kraterhopping die Grenzen auszumachen. Und zwar so: Petavius mit seiner unverwechselbaren Bruchstruktur diente als Anker. Von dort weiter zu Furnerius weiter südlich, dann kräterchenweise durch die Fraunhofers und Vega zu Peirescius und Brisbane, die das westliche Ende des Mare Australe darstellen. Dann zu Hanno am Südende, der sehr scharf und prominent sichtbar war. Zurück zu Furnerius, von dort zu Oken (der leider nur äusserst schemenhaft sichtbar war) und Lyot mit dem gut sichtbaren Lyot A-Begleiter. Immerhin.

Zum Schluss sprang ich noch ganz nach Süden, wo südlich von Demonax eine Art Leibnitz-Berge sichtbar waren, aber nach Osten statt Westen ausgerichtet, mit einzelnen hell beleuchteten Bergspitzen. Eindrucksvoll, aber durch die Luftunruhe, die hohe Vergrösserung und die Fensterscheibe, durch die ich schauen musste, leider sehr unscharf. Die Simulation auf https://svs.gsfc.nasa.gov/4537 zeigt diese nur sehr undeutlich.

Mal sehen, ob die Vorhersage für die nächsten Tagen stimmt - dann könnte auch mal wieder ein längerer Abend drinliegen. Falls beide Kinder schlafen.

Gruss und CS,
Simon
 

Henning81

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Daumen hoch, Simon.

Ich habe Deine Wege in meinen Mondkarten nachvollzogen, lediglich den Krater Lyot konnte ich nicht finden.
Ist er sehr randnah?
Momentan bin ich hin und hergerissen zwischen Messierliste und Mond, mit Tendenz, die Messierobjekte im Schützen zu besuchen.
Am besten fängt man schon früher am Abend mit dem Mond an,
vorausgesetzt, die Wolken erlauben es.

CS,

Henning
 

Eingehirner

Mitglied
Hallo Henning,

Lyot ist, zumindest auf meiner Karte, der grosse Krater mitten im Mare Australe, östlich und quasi "gegenüber" von Brisbane gelegen. Siehe angehängten Auschnitt aus dem "System of Lunar Nomenclature". Das war für mich das äusserste sichtbare Merkmal. Ich würde ihn als sehr randnah bezeichnen, bei mittlerer Libration berührt er quasi den Horizont.

Ja, die schönen Messier-Objekte im Schützen, die reizen mich auch... aber: Südlich von meinem Garten liegt der Altberg mit durchgehend ~10° Erhebung sowie etliche Häuser mit Seeing-vermiesenden Wärmeströmungen, beobachten macht erst ab 1:00 Uhr nachts Sinn, wenn in Regensdorf, Zürich und Schlieren die Strassenlaternen ausgehen und dann muss die Wettervorhersage auch noch stimmen, was sie in Regensdorf dank speziellem Mikroklima oft nicht tut. Und natürlich darf kein Kind grade aus dem Bett fallen (so gestern und vorvorgestern passiert) und keins den Schlaf verweigern (gestern und vorgestern). Solange ich an den Balkon gebunden bin, wird's damit leider nichts... aber wie du sagst, momentan konkurrenzieren sich Mond und Messiers ja nicht. Es sei denn, man will beide an einem Abend, dann stellen sich eventuell vorhandene Partnerinnen möglicherweise quer ;-)

Neulich war ich mal mit einem Freund im Zürcher Oberland auf 1000m, da hatten wir einen tollen und freien Blick nach Süden. Ohne Städtelicht und ähnliches im Weg, abgesehen von Zürich im Westen. Wenn's sich ergibt, mach ich das im September nochmal... aber dann ist der Schütze schon wieder passé.

Gestern hatte ich aber nochmal gute Bedingungen, es war unerwartet eine ganze Stunde lang klar und der Mond stand höher als vorvorgestern. Ich konnte diesmal tatsächlich die Mare Marginis-Swirls sehen! Details blitzten leider nur sekundenweise auf (bei der Vergrösserung - 400x bzw. 312x - auch kein Wunder), aber man sieht sie tatsächlich schon bei ca. 7° Libration. Auch das Mare Australe war diesmal besser zu betrachten, mit Graufilter und deutlich mehr Schärfe (167x).

Es kamen schon Wünsche nach einer neuen Zeichnung auf - Capella/Isidorus stachen ins Auge, Posidonius (der mir gar nicht in den Sinn kam) wäre auch ein tolles Objekt gewesen -, als *schwupps* eine undurchdringliche Wolkenwand von Westen her aufzog, den Mond schluckte und eine halbe Stunde später auch den letzten Rest sichtbaren Himmel... ich hatte gerade das perfekte Fenster erwischt. Heute morgen um halb sechs, als der Kleine gestillt werden wollte, war es dann schon wieder zu hell...

Gruss und CS,
Simon
 

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Eingehirner

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29.07.2017, 22:30-23:30h, Terminator @ 15°E

Ich könnte mich ja wiederholen, was die Diskrepanz zwischen Vorhersage und tatsächlichem Wetter anbelangt... aber lassen wir das... es war wieder mal eine Wolkenlückensuche angesagt, trotz anfänglich absolut klarem und wolkenlosem Himmel.

Das Teleskop baute ich schon recht früh auf dem Balkon auf, was mir zwei eklig juckende Mückenstiche an den Füssen eintrug. Den Rest des Abends verbrachte ich im buchstäblichen Dunstkreis zweier Anti-Mücken-Kerzen und einer dicken Schicht NoSkito... effektiv, muss ich sagen. Beim Mond spielt das Streulicht auch keine grosse Rolle.

Als ich dann soweit war und mir die Familie frei hab, war der Mond grade hinter einer stetig wachsenden Wolkenwand verschwunden. Geduldig wartete ich auf das einsetzende Aufklaren, das mehrere Wetterdienste prognostizierten -- dem Wetter-Radar zum Trotz. Im Endeffekt hatte ich vielleicht 60-90s an wirklich ungetrübter Sicht und 5-10min an Blicken durch Wolken. Aber wie bei allen Naturwissenschaften gilt: Nimm das, was da ist, und wünsch dir nicht, es wäre anders. OK, das gilt nicht für die Wetterdienste.

Letztendlich war es trotzdem ein kleiner Erfolg: Sowohl den kaum sichtbaren Krater Lamont als auch das Doppel Sabine/Ritter (nochmal), das Triplett Theophilus/Cyrillus/Catharina und die niedlichen Hügelchen Arago alpha und beta konnte ich betrachten. Lamont erschien mir wenig spektakulär (wie zu erwarten). Sabine/Ritter sehen wirklich aus wie Klone, auch wenn mir die vermutete Entstehung nicht ganz klar ist. Das geht mir aber bei vielen Kratern auf dem Mond so... Aragos Hügel waren gerade noch gut zu sehen, trotz Seeing deutlich erkennbar. TCC hätte ich gern näher untersucht, aber das liessen die Wolken nicht zu...

Nicht gefunden hab ich leider Descartes, die winzigen Kraterchen Armstrong, Aldrin und Collins (die ja oft anders heissen, auf meiner Karte Sabine B, D und E) und die dunklen Strahlen von Dionysius. Auch für die dunklen Punkte in Atlas war es zu unruhig. Baco hab ich schlicht verpasst... Posidonius war dafür trotz der Entfernung zur Schattengrenze sehr schön und detailreich sichtbar. Das muss ich mir merken - manche Objekte sind extrem sensibel auf Schattennähe (gerade die ganzen Hügelchen wie die Aragos, Gruithuisens und Mariusse, auch Kies Pi und Flamsteed P), andere stecken das besser weg (wie offenbar Posidonius). Manche brauchen zunehmenden Mond (wie Copernicus H an der Ostflanke von Copernicus), manche abnehmenden (wie der dunkle Abhang von Sulpicius Gallus).

Gestern wäre eigentlich der ideale Tag für ein sehr herausforderndes Objekt gewesen, die D-förmige Caldera Ina. Leider kam der Mond überhaupt nicht raus und man hätte dafür wohl in den Bergen sein müssen, weil der Krater so klein ist...

Ich hab jetzt auch rausgefunden, warum bei unserer Humboldt-Diskussion weiter oben die Daten differieren: Ich hatte nach der maximalen Libration gesucht, aber für Humboldt ist natürlich die Schattengrenze bei halbwegs guter Libration wichtig, damit man Details sieht, und die lag ein paar Tage früher günstig...

Gruss und CS,
Simon
 

Henning81

Mitglied
Re: Lunar100, klein klein

Hallo Mondbesucher,

In den Berichten drückt sich doch schön deutlich der unterschiedliche Lebensrhythmus der Himmelsgucker aus.
Während die einen fast schon ihren Nachwuchs auf dem Mond zur Schule schicken, freut sich unsereins, wenn er nach langer Reiseplanung einen Kurztrip zur Aristarchus Region hinbekommt.
Die Beobachtung dieser dann überraschend einfach und reizvoll zu betrachtenden Region gestaltete sich dann aber umso intensiver.

Zur Übersicht. Grob in der Anordnung der Namen:

--------------N-------------
Schrötertal, Aristarchus Plateau
W----------------------------------O
Herodotus, Krater Aristarchus
--------------S-------------

Das Aristarchus Plateau wirkte sehr plastisch, das Schrötertal unverkennbar daneben. Der Cobrahead, der zwischen den beiden Kratern Aristarchus und Herodotus das aufgeweitete Ende des Schrötertals bildet, verschmierte mit dem Schatten des kleineren Höhenzugs, der den östlichen Rand Herodotus' markiert.
Aristarchus Plateau ist eine sich aus dem umliegenden Mare erhebende Hochebene mit kleineren Unregelmäßigkeiten, Hügeln, Schattenwürfen und kleinen Flächen.
Aristarchus selbst, bereits vor einiger Zeit per Fernglas in meiner Liste abgehakt, war unverkennbar mit seinem tiefen Schattenrand und seinem sehr hellen Inneren, in dem ich einen Kraterberg ausmachen konnte.
Mangels Mondkarten blieb es bei der intensiven Beobachtung dieser kleinen Region, angesichts der vorgefundenen Ästhetik und Diversität sehr angemessen.
Nachdem meine Messiersuche in letzter Zeit zunehmend Züge von starhopping aufwies, ist dies ein solideres Herangehen.

Bei diesem Tempo werde ich noch sehr lange Spass an der Liste haben.

CS,

Henning
 

Eingehirner

Mitglied
Hallo Henning,

witzig, ich hab mir die Gegend um Aristarchus gestern auch angeschaut. Eigentlich war ich todmüde und die ganze Zeit kurz vorm Einschlafen, war aber im Endeffekt 2,5h draussen... Ich beneide dich um deinen Beobachtungsplatz! Und um deinen Binosessel ;-) Mein Platz, wenn ich meiner Frau nicht einen Abend allein abringen und mit dem öV wegfahren kann (so weit ist es mit uns gekommen ;-) ), ist im Schein vieler, vieler heller Umgebungsleuchten... aber dafür hab ich den Abend nach 22 Uhr für mich, wenn der eine ("neue") Sohn nur noch meine Frau braucht und der andere ratzt...

Der Bereich um Aristarchus ist schon faszinierend. Mit ein bisschen guter Sicht kann ich den ganzen Abend dort rumwandern. Gestern hab ich leider festgestellt, dass meine TS-Planetary-Okulare 2,5mm und 3,2mm definitiv den bekannten Fehler mit dem Streulicht haben (was nachts um eins eine Lackiersession zur Folge hatte). Mit 6mm liess sich aber wirklich viel erkennen, sogar die Prinz-Rillen.

Ich hab mir gestern aber eigentlich Plato vorgenommen bzw. seine Kraterchen. Da die hochvergrössernden Okulare überstrahlten, hab ich's mit dem 6mm versucht und tatsächlich vier der sechs Kraterchen entdeckt! Hurra! Es war eine spannende Erfahrung - einige Minuten sorgfältig scharfstellen, aha, da ist ein helles Pünktchen fast genau in der Mitte... dann entspannt draufschauen und minutenweise tauchten weitere Krater auf, als sich das Auge dran gewöhnte, erst der im Norden, dann der im Westen, dann der südlichste... die anderen dazwischen waren leider Fehlanzeige.

Davon motiviert bin ich mal Ina zu Leibe gerückt. Neulich hatte ich mir extra eine Aufsuchkarte dafür erstellt (siehe Anhang). Das Ding ist ja wirklich winzigst... aber mit viiiieeel Geduld konnte ich so scharfstellen, dass ich meinte, den Ort erkannt zu haben. Für Ina selber muss ich wohl morgen abend (im Tessin) mal das Rohr auspacken und es mit den neu lackierten Okularen versuchen.

Armstrong, Aldrin und Collins wollte ich dann auch noch probieren. Hier waren meine Augen leider schon zu müde... ich glaube, Armstrong hab ich gesehen. Die anderen beiden sind noch kleiner, da war nichts zu machen.

Gruss und CS,
Simon
 

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  • Aufsuchkarte Ina-Caldera Lunar100 contrast.jpg
    Aufsuchkarte Ina-Caldera Lunar100 contrast.jpg
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Eingehirner

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Tja... sechs Tage im Tessin auf knapp 900m und davon nur einer nachts schön genug, dass man überhaupt Sterne sehen konnte (bevor alle im Bett waren). Und der eine war einen Tag vor Vollmond, mit so unruhiger Luft über dem Wald, dass ich weniger sehen konnte als daheim im Garten. Ein andermal, vielleicht im Herbst... Generell scheint Rasa im Centovalli jedenfalls von der Lichtverschmutzung her prima zu sein. Es gibt nur keinen Platz im Dorf, von dem aus man in alle Richtungen gut sieht, aber man kann ja nicht alles haben. Monte di Comino gegenüber hat ebenfalls eine Seilbahn und hätte noch freieren Blick nach Süden.

Gruss und CS,
Simon
 
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Eingehirner

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28.08.2017, 21:00-22:00, Terminator @ 9°E (zunehmend)
Endlich, endlich kam mal wieder alles zusammen: Mondphase, Wetter, Uhrzeit, Abendprogramm und Kinder. Sogar meine Frau war kurz mit am Rohr, die sonst wenig damit anfangen kann. Die Bedingungen waren fast ideal: ruhige Luft, kaum Feuchtigkeit, keine Mücken. Ein paar aufgestellte Anti-Mücken-Kerzen und etwas Spray taten ein übriges. Ich konnte mehrmals mit dem 3,2mm- und sogar 2,5mm-Okular nah rangehen. Die beiden hatte ich kürzlich nachgeschwärzt, weil bei den TS Planetary der innere Gewindering sonst für extreme Überstrahlung und Kontrastverlust sorgt. Erfolgreich, wie es aussieht.

Heute waren ein paar weniger anspruchsvolle Ziele dran: die dunklen Strahlen von Dionysius, die Cayley-Ebenen, Descartes, Maurolycus, Baco. Fracastorius fehlt mir noch, dafür war's aber schon zu spät, ein Tag früher wäre besser gewesen. Als Schmankerl wollte ich wieder mal nach Armstrong, Aldrin und Collins schauen...

Dionysius' Strahlen konnte ich - wieder mal - nicht ausmachen. Dabei wären die Bedingungen eigentlich perfekt gewesen. Er wirkt auf mich im Gegenteil extrem hell.

Die Cayley-Ebenen dagegen konnte ich sogar ohne Karte finden, nur anhand der Beschreibung "light, smooth plains". Sie stechen wirklich ins Auge.

Maurolycus war besonders spannend - er lag fast am Terminator und bot ein wildes Gewirr an scharfen Schatten und Lichtern. Die vielen, vielen Krater drumherum sind eine Gegend, in der man lange stöbern könnte.

Baco dagegen hat mich verwirrt. Gut zu finden, aber: Die Beschreibung spricht von "unusually crater floor and surrounding", beides konnte ich nicht finden. Vielleicht sollte ich mal näher nachlesen, was das genau heisst...

Descartes hat wirklich Spass gemacht, auch weil ich meiner Frau erklären musste, wo genau der jetzt liegt. Mit den "drei C", Hand und Fuss ging's halbwegs, aber ein Fadenkreuz wäre hilfreicher.

Dann ging's tatsächlich zu den drei kleinen Kraterchen zwischen Maskelyne und Sabine/Ritter. Und tatsächlich: Armstrong war direkt, auch ohne lange Entspannung zu sehen! Lange, lange sass ich dann vorm Okular und wartete auf den Moment, wo sich auch die anderen beiden zeigen würden. Collins hab ich, glaub ich, auch gesehen, aber leider nicht mehrmals und damit definitiv. Also heisst es weiterhin, auf den perfekten Abend zu warten, um in die Berge zu fahren, wo es noch ruhiger ist...

Ein paar weitere L100s, die ich schonmal gesehen hab, konnte ich dann noch ein weiteres Mal geniessen: Der Valentine-Dome war sehr gut zu sehen, Linné auch. Die Imbrium-"Kratzer" konnte meine Frau auch ohne viele Erklärungen erkennen.

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29.08.2017, 22:00-23:00, Terminator @ 4°W
Hochmotiviert baute ich am Tag drauf gleich nochmal das Teleskop auf. Diesmal wollte meine Frau nicht, sondern bestand auf ihrem Fernsehabend... fair enough. So kam ich erst recht spät in den Garten und verpasste die ruhigste Phase. Immer noch klar, aber mit mehr Schleier und Feuchtigkeit.

Die Ziele heute waren: Die Hyginus-Rille und Triesnecker-Rillen, Ptolemäus B, die Ina-Caldera (wieder mal) und die Hadley-Rille. Hipparchus schaute ich mir auch mal wieder an.

Die Hyginus-Rille war wunderbar zu sehen. Ich konnte diesmal nur (sinnvoll) bis etwa 167x vergrössern, hier wäre jetzt das 4mm-Okular schlau gewesen, das mir fehlt... aber die "rimless collapse pits" waren sehr schön zu erkennen. Die Schattenlage war im Grunde ideal.

Die Triesnecker-Rillen dagegen stellten mich vor eine Herausforderung. Schon einmal hatte ich sie gesucht und einfach nichts gesehen. Flache Ebene, so weit das Auge reicht. Heute starrte ich auch wieder lange drauf; drehte am Schärfe-Knopf, gaaaanz vorsichtig, dann kurz warten, wieder drehen, warten... und schliesslich, nach 10min, sah ich sie auf einmal. Nur I und II, dazu die Krater Triesnecker A, D und F, aber immerhin. Ich bin sehr zufrieden, die Rille ist immerhin nur etwa 1km breit. Das macht Hoffnung.

Ptolemäus B zeigte sich hervorragend, die Schattenlage war auch hier ideal. Die flache Eindellung war sehr gut zu erkennen.

Dann ging's an die Ina. Auch hier konnte ich leider nicht hoch vergrössern, der Slot war rum (vermutlich zwischen 20 und 21 Uhr). Also ging ich mit 167x dran und starrte lange in das Gewirr aus Hügelketten und Kraterchen. Tatsächlich konnte ich die Hügelspitzen nördlich von Ina ausmachen und vermutlich auch Ina selber, aber die Luft war leider schon zu unruhig und liess keine dauerhafte Schärfeneinstellung mehr zu. Ich bin trotzdem sehr zufrieden - zum ersten Mal konnte ich den Ort tatsächlich identifizieren!

Die Hadley-Rille war noch so ein Bonus-Objekt. Leider war hier dann wirklich Schluss mit lustig und der Mond verschwamm im Sichtfeld... also wieder Fehlanzeige und warten auf das nächste Schönwetterfenster.

Insgesamt zwei wirklich gute und erfreuliche Abende! Für eine Zeichnung hat's aber wieder nicht gereicht... das heb ich mir für die Wintermonate auf.

Gruss und CS,
Simon
 

Henning81

Mitglied
Hallo Mondfreunde,

Nach langer Pause hier setze ich mal einen Link über den gestrigen Bericht, in dem der Fortgang meiner Lunar100 Liste beschrieben steht:
Trotz-dem zum Mond
In der Hoffnung, die Liste, diesen Thread und die Mondsucht wiederanzufachen.
Simon, besonders Deine detailverliebten, faktenschweren Berichte fehlen hier,
alle anderen aber natürlich ebenfalls.

CS,

Henning
 

Henning81

Mitglied
- Aus archivarischen Gründen stelle ich hier noch meinen Leibnitz-Berge-Bericht ein: -

Der Abend des 22.März 2019 ab 22:41 Uhr, Mondlibration Süd, abnehmend 95% beleuchtet.

Dicke Tropfen sitzen auf den Schutzhüllen meiner Papiere, während sich die offenen Seiten lustig im feuchten Licht des Mondes zu wellen beginnen und traurig an der Kante meines Beistelltischchens herabhängen.

Es ist nach 01:00 Uhr und meine Finger sind so kalt, dass ich es nur noch mit Mühe schaffe, die Feststellschräubchen beim Okularwechsel zu drehen. Ohnehin tue ich das nur, um noch mal das letzte Quentchen klare Sicht rauszuholen, denn mein Arbeitsokular ist unaufwärmbar beschlagen und so gehe ich mit meinem alten Seben Zoom und 2x Barlow bei 300fach noch mal ganz nah ran, bevor der Hochnebel endgültig die Mondoberfläche verbirgt.

Nach den Tagen der Recherche gelingt mir zu Beginn des Abends fast zu einfach die sichere Deutung der Südpolregion und das Auffinden dieser sich mir entziehenden Leibnitz-Berge.



Link zur Grafik: http://www.astrotreff.de/upload/Henning81/20190323/SouthpolenachWhit.jpg

Zwar reicht meine handabgepauste Whitakerskizze nur bis zum Südpol und östlich von diesem, und dementsprechend hat mir meine Faulheit die Anreise weiter westlich mal wieder unnötig schwer gemacht, doch erkenne ich schnell die M-Berge wieder, von denen ich mich über den Krater Malapert zu Leibnitz Beta und daneben den Krater Scott vorarbeite. Immer über die Vordergrundkrater verifizierend, weiter zu Demanax, und kurze Zeit später und etwas den Anblick geniessend, erlaube ich mir zu behaupten, das Geheimnis der Leibnitz-Berge gelüftet zu haben.
Wirklich, nach Stunden der Trockenübungen auf Papier und Bildschirm und endlosem Vergleichen von Karten und Fotos, endlich bin ich am Ziel.
Nun, da der Abend noch Potenzial verspricht, schlage ich die Lunar100 Liste nach Mondalter auf und bemerke mein zweites Versäumnis: Ich weiss nicht, welchen Mondtag wir haben. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass ich die Liste selbst gleich im Haus vergessen hatte und erst noch holen musste.
Kurz denke ich nach , komme zum falschen Ergebnis und nehme kurzerhand die Vorschläge für die Tage 2-4, ausserdem versuche ich Drygalski, der aber nach eingehender Betrachtung hinterm Horizont zu liegen scheint oder aber zu platt in der Sonne. Den erlaube ich mir jedenfalls nicht, warum auch, meinen heutigen Erfolg habe ich ja schon.
Dann Rheita Valley, ein dynamischer Name, und imposant ist es anzusehen.
Mein Weg zu den Formationen geht so:
Liste nach Mondalter, dann Detailinfo in der eigentlichen Liste,
dann Stichwortsuche im Rükl, Kartenblatt aufschlagen, finden, fertig.
So besuche ich wild zusammengewürfelt Petavius als Wegweiser, weil ich ihn bereits abgehakt hatte, das Mare Australe, welches ich mir, halb im Schatten liegend, erlaube, die Langrenus Rays, Proclus, Messier und Messier A, Taruntius, die Cauchy Region mit ihren Rillen und so weiter, und die Atlas dark halo craters, also den Krater Atlas mit seinen dunklen Flecken.
An der Janssen Rille beisse ich mir fast die Zähne aus und hier ist es auch, wo ich nochmal auf 300fach gehe, bevor der Nebel dicht macht.
Mit äusserster Mühe erkenne ich zweimal die feine Rille beim Krater, den ich von Cauchy ausgehend nordwestlich noch auf der Rüklkarte entdeckte, schwanke aber auf dem Weg zurück ins Haus, ob ich mir den Eintrag in die Liste nicht besser zu einem späteren Zeitpunkt bei sichererer Sichtung erlauben soll.
Diese Zeilen verfassend bemerke ich erst meinen Fehler:
Die ganze Zeit habe ich mich an Jansen mit seiner popeligen Rille abgemüht, sie sogar gesehen, während sich Krater JanSSen unweit des Rheita Valley wahrscheinlich in besserer Beleuchtung und mit viel einfacherer Rille ob meines Irrtums ins Fäustchen lachte.
Wahrscheinlich war mein Blick sogar über ihn gestreift, als ich vom Rheita Valley ausgehend über die Doppelkrater Steinheil/Watt ins Mare Australe vorgedrungen war. Gut, dass ich jetzt darüber lachen kann.
Zufrieden, auch meiner leichten Unwissenheit geschuldet, packte ich noch schnell zusammen, verzweifelte fast am Reissverschluss meines Teleskopzeltes, und ging ins Haus. Was für ein Ausflug.

Ich danke hier nochmal allen Mitlesern und Tippgebern, es ist so, ohne
all die Hinweise hätte ich es nicht geschafft und mir wäre ein grossartiger Abend und viele Stunden der intensiven Auseinandersetzung mit der Südpolregion unseres Mondes verwehrt geblieben.

CS,

Henning
 

Specht

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Salü Henning,

prima Tipp mit dieser Lunar 100-Liste, die kannte ich noch nicht! Leider habe ich dein schönes Thema erst vor ein paar Tagen gelesen. Ist ein sehr guter Thread daraus geworden, auch was Simon und alle anderen da so schreiben. Macht richtig Lust auf mehr. Neuerdings gehöre ich jetzt auch zu den "Mondsüchtigen"...
Der Mond, die potente Ersatzdroge für Deep Sky.
Oh ja...

Viele Grüße, Volker.
 
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svenk123

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Hallo,

schön, dass es noch Lunar-100-Begeisterte gibt. :)

Es wurde ja schon Einiges über den Krater Humboldt (L87) geschrieben. Den habe ich glücklicherweise letztes Jahr aufnehmen können.

CS
Sven
 

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Henning81

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Hallo Sven,

der ist ja toll. So war er mir leider noch nicht vergönnt. Aber die Liste abzuarbeiten gestaltet sich sowieso schwierig und viel langwieriger als gedacht. Macht aber auch Spaß.

CS,

Henning
 

svenk123

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Da hast Du vollkommen Recht. Ich bin nun seit über einem Jahr dabei die Liste fotografisch abzuarbeiten. Mal passt die Libration nicht, das Seeing ist zu schlecht oder einfach nicht die richtige Mondphase.
Aber das ist ja die Herausforderung an der Lunar 100 Liste.

Wünsche Dir auch noch viel Erfolg!

Sven
 

Henning81

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Beobachtungsberichte vom 02.01. und 04.01.2020

Am späten Nachmittag des 02.01. stelle ich, mehr aus Spass, nach langer Zeit mal wieder den 70/700 Refraktor ans Fenster, um mir durch die Wärmeschlieren den Mond anzuschauen.
Meist steckte das 17,5mm Okular im bildaufrichtenden Amiciprisma, somit wurde die Mondoberfläche 40x näher rangeholt. Mit dem alten Seben Zoom ging es aber zeitweise bis auf über 70fach heran.
Im Sinne einer Aufwärmübung fuhr ich die Nordpolregion ab. W.Bond, als großer, einfach auffindbarer Krater, ein Lunar100-Objekt, diente als Wegmarke, von wo ich mich wiederholt zu Scoresby und von dort über Challis und Main zu Gioja vorhangelte. Bird war zu erahnen, Peary wollte ich mir noch nicht als gesichert gefunden genehmigen. Bevor ich mich zu sehr festbiss, fuhr ich ein wenig den Terminator hinab. In falscher Reihenfolge sah ich das Lunar V und ebenso das X, und konnte noch Hipparchus und Maurolycos von der Lunar100-Liste abhaken. Bei der Sichtung von Peary hoffte ich wegen der günstigen Libration auf gutes Wetter in den kommenden Nächten, vielleicht unterstützt durch meinen Dobson auf der seeingarmen Wiese.

Abend des 04.01., 8" f/6 Dobson, Beobachtungsplattform im Garten

Der freiäugige Blick zum bereits hoch am Himmel stehenden Mond machte mich im Verlauf des Tages schon ganz nervös, so dass bald der Dobson unterm noch blauen Himmel stand, und mit der Venus sah das alles ziemlich vielversprechend aus.
Dies aber hauptsächlich, weil die für später angekündigte niedrige Wolkendecke effektiv mental verdrängt wurde.
Später dann, ich eine Art blaues Michelinmännchen mit einer Okularkiste und dem Rükl vor der Kälteschutzwampe, die im Groben aus meiner Wärmflasche bestand, ging es aus dem Haus in Richtung Garten. Auch eine Art Raumanzug.
Klar war ja, dass beim Blick nach oben der Himmel bereits schön wolkig zugezogen war, und lediglich tief im Südwesten lachte die pausbäckige Venus unter den Wolken hindurch.
Ich baute trotzdem auf. Gab es doch ein paar neue Basteleien auszuprobieren! Ausserdem ist noch keine Wolke für immer geblieben und so war es dann auch. Vereinzelte Wolkenlücken liessen mir viel Zeit, im Rükl und dem Moon Atlas 3D mein Craterhopping zu verinnerlichen, so dass mein Auge bald mit Sicherheit am nördlichen Rand von Byrd ruhte, einen Wimpernschlag weiter westlich eine Schattenregion, östlich im Sonnenlicht liegendes Mondland. Peary. Beide Atlanten waren hier nicht zu letzter Zufriedenheit perfekt, aber eine kurze Recherche im Internet später ergab, dass ich Peary wie vermutet gesehen haben musste. Erstes Lunar100-Objekt des Abends.
Garstige Böen kalten Windes zerrten am Tubus, verrissen immer wieder das Gesichtsfeld und schlugen mir die Klappe der Okularkiste zu, so dass ich befürchten musste, die Okulare würden verausgeschleudert. Zudem blätterte der Rükl automatisch um und ich sündigte in meiner Not, indem ich die Thermoskanne auf die geöffneten Seiten stellte.
Es wurde noch kälter. Wieder ging es von hier nur nach Süden, der Zentralberg des Kraters Regiomontanus lag zwei Nächte vorher noch jenseits des Terminators, heute war er leicht zu finden. Es wird vermutet, dass der Krater inmitten des Zentralberges vulkanischen Ursprunges ist. Mehr durch den Aufsuchvorgang für Regiomontanus sah ich auch Rupes Recta, die 110km lange, sehr gerade Furche mit nur 7° Neigung. Nun abgehakt in der Liste.
Die beiden Krater nahe der Apollo 11 Landestelle, Sabine und Ritter, konnte ich einfach beobachten. Manche Objekte der Liste sind reine Fleissarbeit, während andere wirklich guter Vorbereitung und vorteilhafter Bedingungen bedürfen.
Ptolemäus B, eine sanfte Delle in der Ebene seines Hauptkraters, schälte sich nach einer Weile aus dem Regolit. Wirklich sehr zart nur und zunächst schon abgeschrieben. Das neue Hyperion leistete gute Dienste, mit 28mm Distanzring auf 3,2mm Brenweite und damit auf 375fach hochgeschraubt. 375x, 240fach bei 5mm und anfangs mit 10mm und damit bei 120x beobachtete ich.
Praktisch, weil direkt nördlich von Ptolemäus, liegt der Krater Gyldén mit seinem breiten, langen Tal. Ab auf die Liste. Etwas ziellos, nochmal zur Nordpolregion, mal Hadley Rille kurz betrachtet, aber nur den "Oberlauf mit Krater" gesehen, immerhin, dann Plato intensiv betrachtet, erfolglos jedoch, sind es doch die Craterlets, die Kleinkrater in dessen Ebene, nach deren Beobachtung die Liste verlangt. Linné konnte ich noch abhaken. Wieder so ein Fleissobjekt. Abschliessend ist zu sagen, dass der Abend entgegen der Vorzeichen sehr befriedigend verlief. Meine Finger waren eiskalt. Beim Schliessen eines Reissverschlusses musste ich mich zweier dünner Stöckchen bedienen, denn meine Daumen waren komplett lahm. Als alles verstaut und ich stolpernd und die Kiste mit meinen abgefrorenen Handstumpen haltend zurück an der Hintertür war, dachte ich glücklich, ich bin schon ein komischer Kauz.

CS, Henning
 
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svenk123

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Hallo,

etwas weiter am Ende der Liste hier ein Bild vom Valentine Dome (L89). Der ist relativ flach und großflächig in der Bildmitte.

L89_Valentine_Dome.png


Und der 69 km große, stark erodierte Krater Baco (L55).

L55_Baco.png


CS
Sven
 
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