praktikant
Aktives Mitglied
Ich habe über die Jahre gemerkt, dass ich grundsätzlich bequem bin, dass ich ziemlich anspruchsvoll bin wenn es um Farbe und Kontrast geht und dass ich an allem Interesse habe was die Astronomie visuell zu bieten hat. Wie die meisten von uns habe ich zwei Augen die ich nutzen kann und wenn das so ist, sollte man es auch tun. Binokular hat einige Vorteile, soweit ist das ja schon oft diskutiert worden. Eine kleine Warnung, das hier könnte eine längere Geschichte werden.
APM 100/90° ED
So hatte ich mir ein APM 100/90° ED Fernglas mit Wechselokularen angeschafft, als die gerade so ein Jahr auf dem Markt waren. Damals gab es eine hitzige Diskussion über Feldstopringe, freiem optischen Durchlass und Streulicht. Ich hatte das Justagetool, die Einarmmontierung, 24mm UF und 12,5mm Hi-LE, sowie 5mm UW Okulare mit 110° SGF mit bestellt. Das Ganze auf einem Berlebach Report mit einfachem Auszug. Hat erstmal gut funktioniert, besonders schön für weite Felder, aber:
Bequem heißt für mich auf jeden Fall Einblick von Hinten im Sitzen. Schnell hab ich rausgefunden, das ein Bino einen Freiheitsgrad weniger hat, als eine Einzeloptik mit 90° zur optischen Achse rotierbarem Zenitspiegel. Also wurde das Report durch ein UNI 19 mit Kurbelsäule ersetzt. Das war schon mal eine riesengroße Verbesserung. Die Einarmmontierung passt eigentlich ganz gut zu dem Glas, da sie so leicht wie möglich ist und für die mit der Optik vorteilhafte Vergrößerung ausreicht.
Aber dann gabs da einen tread mit Vinten Fluidheads und allen möglichen anderen tollen Sachen. Also Vinten Pro Touch 9, feine Sache, viel stabiler und schöne Bewegungen. Nachführen muss man halt per Hand aber macht hier nix. Das Setup für Widefield Deep Sky.
Okulare
Die Hi-LE passen perfekt für offene Haufen und mittlere Nebel, UHC und OIII Filter müssen sein. Mit den UF24 weites ebenes Feld und punktförmige Sterne, der Nordamerikanebel oder Cirrus ein Traum. Ich hatte schon gemerkt, dass ich mit den 100°+ Okularen binokular nicht zurecht komme, da meine Nase nicht dazwischen passt und dann der Augenabstand bei den Ethos und wie sie alle heißen für mich zu klein ist. Mit 5mm Nagler t6 funktioniert das sehr gut aber für mich zu viel Vergrößerung für das APM. Da bin ich mit sehr guten APOs bis 6 Zoll einfach verwöhnt. Auch am Mond, unter 9mm Morpheus fand ich das nicht mehr schön.
Fernglas und Prismen...
Man muss in den Foren ja vorsichtig sein, dass man nicht den ein oder anderen stolzen Optikbesitzer verärgert, wenn man schreibt, dass es noch was besseres geben könnte, als derjenige hat.... daher hier schon mal, mein Geschreibsel ist meine persönliche Meinung, die jeder hier lesen darf aber keiner muss.
Für Planeten und Doppelsterne hatte mein ED für mich zu viel CA, das linke Rohr bildete deutlich besser ab wie das rechte, aber mein linkes Auge ist das schwächere. Tut der Sache keinen Abbruch wenn man noch andere Optiken hat und das Fernglas entsprechen nutzt. Am Refraktor kann man ja glücklicherweise leicht einen Binokularansatz verwenden. Durch die Prismen geht auch einiges an Licht verloren und es streut doch merklich. Steht das Glas alleine da und man hat kein anderes Gerät direkt daneben stehen, wird man viele Sachen nicht gleich auf Anhieb bemerken. Dann hatte ich, mehr durch Zufall eine "Newton Phase" und mangels Platz musste das APM weichen.
Und dann?
Nachdem ich ja wie schon gesagt bequem bin, hatte sich das mit dem Newton und parallaktischer Aufstellung dann auch bald wieder erledigt. Und Streulicht und Kontrast und Koma... naja ich hab einen 20er Dobson, der hat Power ohne Ende und den will ich nicht missen, aber da war doch was...hmm Fernglas und so. Also mal geschaut was es so gibt, bei einem Astrokollegen mal ein 120er APM mit 45 Grad Winkel angeschaut, 45 Grad Einblick dann gleich wieder verworfen. Dann ein 6 Zoll LZOS im Gebrauchtmarkt, Überlegen...zwei davon, zwei mal 16kg, Tubus umbauen, was für ne Montierung? Ach je das ist vielleicht doch ne Nummer zu groß...
Und dann hat hier im Gebrauchtmarkt ein netter Herr aus Garnichtweitweg seinen AOM FLT angeboten. Cool, hab ich ja schon einen....kurz mal überschlagen....her damit!
Binoplattform und EMS
Also liegen zwei von den Röhren bei mir auf dem Tisch. Ich hatte ja hier schon mal was zum AOM FLT geschrieben: AOM FLT klassischer Refraktor - erste Eindrücke
Kurze Zusammenfassung: Fluorit Triplett, f10 und Ölfügung. Streulicht, CA und Koma sind also erstmal kein Problem mehr. Aber EMS oder eine Wissenschaft für sich: Abstände, variable oder feste Hülsen, Spiegeldurchmesser, Ausleuchtung, optischer Weg, Adapter, Tuben parallel...
Da musste ich dann mal einen Profi fragen, am besten einen der sowas schon mal gemacht hat. Und hey da gibt's einen, wohnt auch in Garnichtsoweitweg. Einer der Erbauer der Optiken muss ja wissen, wie man das ordentlich hinbekommt dachte ich mir. Umso mehr da er sich ja selbst so ein Bino gebaut hat. Also mal bei Ralf Mündlein angefragt wie sich das mit seinem FLT Bino so verhält. Ungefähr 3 Telefonate und 20 Mails später waren dann die EMS da. Zwischenzeitlich habe ich auf Umwegen noch einen zweiten Feathertouch im APM Look besorgen können und dann ging es nach verschmerzbarer Lieferzeit nach Lindelbach mit Sack und Pack.
Auf der Terrasse haben wir dann alles aufgebaut und nach und nach die Binoplattform von AOK und die EMS eingerichtet. Die Zwischenstücke zwischen den beiden Spiegeln des EMS hatte Ralf schon passend bestellt.
Zuerst wird die Binoplattform auf mit einem L-Winkel an der Montierung befestigt, in diesem Fall eine ROWAN AZ100 mit Encodern und Motoren aufgerüstet und mit einem Berlebach Planet mit Kurbelsäule als solidem Unterbau. Mein Eigenbau L-Winkel hat sich als unzureichend erwiesen, so dass Ralf ein bisschen was in der Werkstatt zu tun bekam. Das hat dann noch einmal ein paar Wochen in Anspruch genommen, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.
Im zweiten Schritt werden die Schellen für die beiden Tuben auf den beiden parallel verschiebbaren Grundplatten der Binoplattform montiert und die Tuben eingesetzt. Dann braucht man einen zusätzlichen Zenitspiegel um die beiden Tuben möglichst parallel auszurichten. Das passiert mit Zug- und Druckschrauben in beiden Achsen. (im Bild von unten zu sehen)
Dann der Moment der Wahrheit, die EMS werden an die Tuben gesetzt und jetzt zeigt sich ob der Backfokus für die alle Okulare passt und der Augenabstand eng genug eingestellt werden kann. Die Binoplattform ist dabei als aktives Teil zu sehen, da beim Okularwechsel und beim Nutzerwechsel jedes Mal ein bisschen der Abstand der Tuben zueinander und damit der Augenabstand ändert. Die Restabweichung durch kleinere Abweichung der Tuben, der Okularklemmung oder nicht 100% parallel im OAZ eingesetzte EMS, wird durch das geniale Verstellsystem mit nur 2 Stellschrauben an einem der EMS Module ausgeglichen. Auch unterschiedliche Augenstellungen der Benutzer kann man so schnell und einfach ausgleichen. Dazu gibts auf der Website von Tatsuro Matsumoto sehr detaillierte Infos. Die EMS sind silberbeschichtet und haben je 2 Spiegel, so dass hier keine Beeinträchtigungen der optischen Qualität durch die Imagetrain zu erwarten sind.
"Imagetrain"
Parallel zum FLT Bino hatte Ralf ein APM 100/45° SD Fernglas auf der Terrasse zum Side by Side Vergleich. An Okularen kamen zum Einsatz: Televue Delite 5, Baader Morpheus 6,5/9/17,5 und APM UF30. Auch hier sei wieder auf meinen persönlichen Eindruck hingewiesen, der keinerlei Anspruch auf allgemeine Gültigkeit hat. Das FLT Doppelteleskop zeigt keine wahrnehmbare CA, sehr wenig Streulicht und hat Dank f10 eine große Schärfentiefe und ein recht ebenes Feld. Die EMS haben 38mm Spiegel, was ziemlich genau der Feldblende des APM UF30 entspricht, daher gibt es keine Probleme mit der Ausleuchtung und bei 1m Brennweite der FLT ergibt sich ein Feld von ca. 2,2 Grad. In den EMS sind Klarglasfilter verbaut, damit die Spiegel nicht verschmutzen, diese können aber gegen alle Filter mit 2 Zoll Filtergewinde ausgetauscht werden ohne zusätzlichen optischen Weg zu benötigen. Für ausgedehnte Nebel ist das schon eine sehr schöne Sache, die Okulare haben es mit den FLT sehr einfach eine tadellose Sternabbildung bis zum Rand hinzubekommen.
Die 17,5er Morpheus sind perfekt um offene Haufen zu durchstöbern und zum Galaxien jagen. Dank des wenigen Steulichts und des beidäugigen Sehens geht schon einiges am dunklen Himmel, aber aus 4 Zoll werden leider auch hier nicht magischerweise 20... könnt ihr mir glauben ich hab`s neben meinem großen Dobson probiert. Aber ich freu mich schon wenn h&chi höher steht. Die 9mm Morpheus sind meine Mondokulare am Bino, das ist einfach geil, das kann ich mir Stundenlang anschauen. Die 6,5mm Morpheus sind prima für Kugelsternhaufen, leider auch hier wieder keine 20 Zoll, aber auch nicht schlecht, Nadelfeine Sterne und so. Der Einblick ist bei den Morpheus einfach und entspannt. Die Delites kommen dann am Planeten, bisher leider nur Venus, bei Doppelsternen und wenn man am Mond mal ganz genau hinschauen will zum Einsatz. Mit dem Einblickverhalten am Bino bin ich nicht ganz zufrieden, das Kidney Beaning ist recht ausgeprägt, aber Schärfe und Kontrast sind gut. Das habe ich dann gleich mal mit meinem TOA 130 side by side verglichen und tatsächlich tut sich der TOA schwer mitzuhalten. Die Schärfentiefe bei f10 ist einen Tick besser als bei f8, die zwei Tuben mit den Ölgefügten Objektiven die sehr dünn sind und schnell auskühlen, das kann bei leichtem bis mittlerem Seeing schon den Ausschlag geben. Der TOA hat halt ein dickes Objektiv mit viel Luft dazwischen, dass seine Zeit braucht. Da bin ich gespannt wie sich das Trio an den großen Gasriesen macht. Ein Vorteil für Mono wird sicher die Möglichkeit sein, einen Dispersionskorrektor zu nutzen, wenn die Planeten tief stehen.
Um mal bei der Überschrift dieses Kapitels zu bleiben: TOA 130+Baader BBHS+TOE4mm, hoch am Himmel stehender Doppelstern, ist für meine Augen gleich gut wie 2xAOM FLT 105+EMS+Delite 5mm.
Mechanik & Gewicht
Der L-Winkel, die Binoplattform BB160, die beiden OTAs, ein Tariergewicht und die EMS bringen zusammen stattliche 18kg auf die Waage. Zusätzlich ist der äußere Tubus ein ganzes Stück weg von der Montierung und die f10 Tuben sind beobachtungsfertig fast 1m lang. Die ROWAN auf dem Planet K70 packt das gerade so zufriedenstellend. Umso wichtiger ist eine gute Balance, daher auch das Tariergewicht für den Okularwechsel. Der L-Winkel ist fest mit der Montierung verschraubt, vorher hatte ich ein 3 Zoll Klemme-Schiene System. Die feste Lösung wurde gewählt um näher an die Achse der Montierung zu kommen und den Hebel zu reduzieren. Die Montierung mit L-Winkel, BB160 und Schellen wiegt ca. 16kg. Damit muss ich zum Aufbau 4 mal gehen: Stativ und Gegengewicht, Montierung mit Anbau, Optische Tuben, Zubehörkoffer. Während des Aufbaus ist die Konstruktion stärker Frontlastig als es die Klemmung der Montierung hält, daher müssen die Tuben anfangs im Zenit stehen. Die Tuben werden einzeln in die Schellen geladen, "so wie früher", bevor Prismenschienen und Klemmen in Mode kamen. Der Aufwand das Bino zu montieren und Aufzubauen ist als recht hoch. Durch die Aufteilung in Baugruppen sind diese aber mit max. 16kg - so viel wie eine AZEQ6 - noch händelbar. Auch ganz nett ist es die parallel montierten Tuben einzeln für verschiedene Wellenlängen an der Sonne zu nutzen.
mein Fazit
Wenn man das Gewicht des FLT Binos wieder mit dem APM Fernglas mit seinen beobachtungsfertigen 8kg vergleicht, muss man eingestehen, dass das der eine große Nachteil des Doppelteleskops ist. Der andere große Nachteil ist das Pareto Prinzip, dass hier gnadenlos zuschlägt und dem Geldbeutel das fürchten lehrt.
Für mich lohnt sich der Aufwand, aber bevor man sich sowas antut rate ich dringend sich das vorher mal bei einem Teleskoptreffen anzuschauen.
cs Alex
APM 100/90° ED
So hatte ich mir ein APM 100/90° ED Fernglas mit Wechselokularen angeschafft, als die gerade so ein Jahr auf dem Markt waren. Damals gab es eine hitzige Diskussion über Feldstopringe, freiem optischen Durchlass und Streulicht. Ich hatte das Justagetool, die Einarmmontierung, 24mm UF und 12,5mm Hi-LE, sowie 5mm UW Okulare mit 110° SGF mit bestellt. Das Ganze auf einem Berlebach Report mit einfachem Auszug. Hat erstmal gut funktioniert, besonders schön für weite Felder, aber:
Bequem heißt für mich auf jeden Fall Einblick von Hinten im Sitzen. Schnell hab ich rausgefunden, das ein Bino einen Freiheitsgrad weniger hat, als eine Einzeloptik mit 90° zur optischen Achse rotierbarem Zenitspiegel. Also wurde das Report durch ein UNI 19 mit Kurbelsäule ersetzt. Das war schon mal eine riesengroße Verbesserung. Die Einarmmontierung passt eigentlich ganz gut zu dem Glas, da sie so leicht wie möglich ist und für die mit der Optik vorteilhafte Vergrößerung ausreicht.
Aber dann gabs da einen tread mit Vinten Fluidheads und allen möglichen anderen tollen Sachen. Also Vinten Pro Touch 9, feine Sache, viel stabiler und schöne Bewegungen. Nachführen muss man halt per Hand aber macht hier nix. Das Setup für Widefield Deep Sky.
Okulare
Die Hi-LE passen perfekt für offene Haufen und mittlere Nebel, UHC und OIII Filter müssen sein. Mit den UF24 weites ebenes Feld und punktförmige Sterne, der Nordamerikanebel oder Cirrus ein Traum. Ich hatte schon gemerkt, dass ich mit den 100°+ Okularen binokular nicht zurecht komme, da meine Nase nicht dazwischen passt und dann der Augenabstand bei den Ethos und wie sie alle heißen für mich zu klein ist. Mit 5mm Nagler t6 funktioniert das sehr gut aber für mich zu viel Vergrößerung für das APM. Da bin ich mit sehr guten APOs bis 6 Zoll einfach verwöhnt. Auch am Mond, unter 9mm Morpheus fand ich das nicht mehr schön.
Fernglas und Prismen...
Man muss in den Foren ja vorsichtig sein, dass man nicht den ein oder anderen stolzen Optikbesitzer verärgert, wenn man schreibt, dass es noch was besseres geben könnte, als derjenige hat.... daher hier schon mal, mein Geschreibsel ist meine persönliche Meinung, die jeder hier lesen darf aber keiner muss.
Für Planeten und Doppelsterne hatte mein ED für mich zu viel CA, das linke Rohr bildete deutlich besser ab wie das rechte, aber mein linkes Auge ist das schwächere. Tut der Sache keinen Abbruch wenn man noch andere Optiken hat und das Fernglas entsprechen nutzt. Am Refraktor kann man ja glücklicherweise leicht einen Binokularansatz verwenden. Durch die Prismen geht auch einiges an Licht verloren und es streut doch merklich. Steht das Glas alleine da und man hat kein anderes Gerät direkt daneben stehen, wird man viele Sachen nicht gleich auf Anhieb bemerken. Dann hatte ich, mehr durch Zufall eine "Newton Phase" und mangels Platz musste das APM weichen.
Und dann?
Nachdem ich ja wie schon gesagt bequem bin, hatte sich das mit dem Newton und parallaktischer Aufstellung dann auch bald wieder erledigt. Und Streulicht und Kontrast und Koma... naja ich hab einen 20er Dobson, der hat Power ohne Ende und den will ich nicht missen, aber da war doch was...hmm Fernglas und so. Also mal geschaut was es so gibt, bei einem Astrokollegen mal ein 120er APM mit 45 Grad Winkel angeschaut, 45 Grad Einblick dann gleich wieder verworfen. Dann ein 6 Zoll LZOS im Gebrauchtmarkt, Überlegen...zwei davon, zwei mal 16kg, Tubus umbauen, was für ne Montierung? Ach je das ist vielleicht doch ne Nummer zu groß...
Und dann hat hier im Gebrauchtmarkt ein netter Herr aus Garnichtweitweg seinen AOM FLT angeboten. Cool, hab ich ja schon einen....kurz mal überschlagen....her damit!
Binoplattform und EMS
Also liegen zwei von den Röhren bei mir auf dem Tisch. Ich hatte ja hier schon mal was zum AOM FLT geschrieben: AOM FLT klassischer Refraktor - erste Eindrücke
Kurze Zusammenfassung: Fluorit Triplett, f10 und Ölfügung. Streulicht, CA und Koma sind also erstmal kein Problem mehr. Aber EMS oder eine Wissenschaft für sich: Abstände, variable oder feste Hülsen, Spiegeldurchmesser, Ausleuchtung, optischer Weg, Adapter, Tuben parallel...
Da musste ich dann mal einen Profi fragen, am besten einen der sowas schon mal gemacht hat. Und hey da gibt's einen, wohnt auch in Garnichtsoweitweg. Einer der Erbauer der Optiken muss ja wissen, wie man das ordentlich hinbekommt dachte ich mir. Umso mehr da er sich ja selbst so ein Bino gebaut hat. Also mal bei Ralf Mündlein angefragt wie sich das mit seinem FLT Bino so verhält. Ungefähr 3 Telefonate und 20 Mails später waren dann die EMS da. Zwischenzeitlich habe ich auf Umwegen noch einen zweiten Feathertouch im APM Look besorgen können und dann ging es nach verschmerzbarer Lieferzeit nach Lindelbach mit Sack und Pack.
Auf der Terrasse haben wir dann alles aufgebaut und nach und nach die Binoplattform von AOK und die EMS eingerichtet. Die Zwischenstücke zwischen den beiden Spiegeln des EMS hatte Ralf schon passend bestellt.
Zuerst wird die Binoplattform auf mit einem L-Winkel an der Montierung befestigt, in diesem Fall eine ROWAN AZ100 mit Encodern und Motoren aufgerüstet und mit einem Berlebach Planet mit Kurbelsäule als solidem Unterbau. Mein Eigenbau L-Winkel hat sich als unzureichend erwiesen, so dass Ralf ein bisschen was in der Werkstatt zu tun bekam. Das hat dann noch einmal ein paar Wochen in Anspruch genommen, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.
Im zweiten Schritt werden die Schellen für die beiden Tuben auf den beiden parallel verschiebbaren Grundplatten der Binoplattform montiert und die Tuben eingesetzt. Dann braucht man einen zusätzlichen Zenitspiegel um die beiden Tuben möglichst parallel auszurichten. Das passiert mit Zug- und Druckschrauben in beiden Achsen. (im Bild von unten zu sehen)
Dann der Moment der Wahrheit, die EMS werden an die Tuben gesetzt und jetzt zeigt sich ob der Backfokus für die alle Okulare passt und der Augenabstand eng genug eingestellt werden kann. Die Binoplattform ist dabei als aktives Teil zu sehen, da beim Okularwechsel und beim Nutzerwechsel jedes Mal ein bisschen der Abstand der Tuben zueinander und damit der Augenabstand ändert. Die Restabweichung durch kleinere Abweichung der Tuben, der Okularklemmung oder nicht 100% parallel im OAZ eingesetzte EMS, wird durch das geniale Verstellsystem mit nur 2 Stellschrauben an einem der EMS Module ausgeglichen. Auch unterschiedliche Augenstellungen der Benutzer kann man so schnell und einfach ausgleichen. Dazu gibts auf der Website von Tatsuro Matsumoto sehr detaillierte Infos. Die EMS sind silberbeschichtet und haben je 2 Spiegel, so dass hier keine Beeinträchtigungen der optischen Qualität durch die Imagetrain zu erwarten sind.
"Imagetrain"
Parallel zum FLT Bino hatte Ralf ein APM 100/45° SD Fernglas auf der Terrasse zum Side by Side Vergleich. An Okularen kamen zum Einsatz: Televue Delite 5, Baader Morpheus 6,5/9/17,5 und APM UF30. Auch hier sei wieder auf meinen persönlichen Eindruck hingewiesen, der keinerlei Anspruch auf allgemeine Gültigkeit hat. Das FLT Doppelteleskop zeigt keine wahrnehmbare CA, sehr wenig Streulicht und hat Dank f10 eine große Schärfentiefe und ein recht ebenes Feld. Die EMS haben 38mm Spiegel, was ziemlich genau der Feldblende des APM UF30 entspricht, daher gibt es keine Probleme mit der Ausleuchtung und bei 1m Brennweite der FLT ergibt sich ein Feld von ca. 2,2 Grad. In den EMS sind Klarglasfilter verbaut, damit die Spiegel nicht verschmutzen, diese können aber gegen alle Filter mit 2 Zoll Filtergewinde ausgetauscht werden ohne zusätzlichen optischen Weg zu benötigen. Für ausgedehnte Nebel ist das schon eine sehr schöne Sache, die Okulare haben es mit den FLT sehr einfach eine tadellose Sternabbildung bis zum Rand hinzubekommen.
Die 17,5er Morpheus sind perfekt um offene Haufen zu durchstöbern und zum Galaxien jagen. Dank des wenigen Steulichts und des beidäugigen Sehens geht schon einiges am dunklen Himmel, aber aus 4 Zoll werden leider auch hier nicht magischerweise 20... könnt ihr mir glauben ich hab`s neben meinem großen Dobson probiert. Aber ich freu mich schon wenn h&chi höher steht. Die 9mm Morpheus sind meine Mondokulare am Bino, das ist einfach geil, das kann ich mir Stundenlang anschauen. Die 6,5mm Morpheus sind prima für Kugelsternhaufen, leider auch hier wieder keine 20 Zoll, aber auch nicht schlecht, Nadelfeine Sterne und so. Der Einblick ist bei den Morpheus einfach und entspannt. Die Delites kommen dann am Planeten, bisher leider nur Venus, bei Doppelsternen und wenn man am Mond mal ganz genau hinschauen will zum Einsatz. Mit dem Einblickverhalten am Bino bin ich nicht ganz zufrieden, das Kidney Beaning ist recht ausgeprägt, aber Schärfe und Kontrast sind gut. Das habe ich dann gleich mal mit meinem TOA 130 side by side verglichen und tatsächlich tut sich der TOA schwer mitzuhalten. Die Schärfentiefe bei f10 ist einen Tick besser als bei f8, die zwei Tuben mit den Ölgefügten Objektiven die sehr dünn sind und schnell auskühlen, das kann bei leichtem bis mittlerem Seeing schon den Ausschlag geben. Der TOA hat halt ein dickes Objektiv mit viel Luft dazwischen, dass seine Zeit braucht. Da bin ich gespannt wie sich das Trio an den großen Gasriesen macht. Ein Vorteil für Mono wird sicher die Möglichkeit sein, einen Dispersionskorrektor zu nutzen, wenn die Planeten tief stehen.
Um mal bei der Überschrift dieses Kapitels zu bleiben: TOA 130+Baader BBHS+TOE4mm, hoch am Himmel stehender Doppelstern, ist für meine Augen gleich gut wie 2xAOM FLT 105+EMS+Delite 5mm.
Mechanik & Gewicht
Der L-Winkel, die Binoplattform BB160, die beiden OTAs, ein Tariergewicht und die EMS bringen zusammen stattliche 18kg auf die Waage. Zusätzlich ist der äußere Tubus ein ganzes Stück weg von der Montierung und die f10 Tuben sind beobachtungsfertig fast 1m lang. Die ROWAN auf dem Planet K70 packt das gerade so zufriedenstellend. Umso wichtiger ist eine gute Balance, daher auch das Tariergewicht für den Okularwechsel. Der L-Winkel ist fest mit der Montierung verschraubt, vorher hatte ich ein 3 Zoll Klemme-Schiene System. Die feste Lösung wurde gewählt um näher an die Achse der Montierung zu kommen und den Hebel zu reduzieren. Die Montierung mit L-Winkel, BB160 und Schellen wiegt ca. 16kg. Damit muss ich zum Aufbau 4 mal gehen: Stativ und Gegengewicht, Montierung mit Anbau, Optische Tuben, Zubehörkoffer. Während des Aufbaus ist die Konstruktion stärker Frontlastig als es die Klemmung der Montierung hält, daher müssen die Tuben anfangs im Zenit stehen. Die Tuben werden einzeln in die Schellen geladen, "so wie früher", bevor Prismenschienen und Klemmen in Mode kamen. Der Aufwand das Bino zu montieren und Aufzubauen ist als recht hoch. Durch die Aufteilung in Baugruppen sind diese aber mit max. 16kg - so viel wie eine AZEQ6 - noch händelbar. Auch ganz nett ist es die parallel montierten Tuben einzeln für verschiedene Wellenlängen an der Sonne zu nutzen.
mein Fazit
Wenn man das Gewicht des FLT Binos wieder mit dem APM Fernglas mit seinen beobachtungsfertigen 8kg vergleicht, muss man eingestehen, dass das der eine große Nachteil des Doppelteleskops ist. Der andere große Nachteil ist das Pareto Prinzip, dass hier gnadenlos zuschlägt und dem Geldbeutel das fürchten lehrt.
Für mich lohnt sich der Aufwand, aber bevor man sich sowas antut rate ich dringend sich das vorher mal bei einem Teleskoptreffen anzuschauen.
cs Alex
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