Es gibt eine Beta Version von NINA 2.0, wo eine automatische Temperaturkompensation zur Verfügung steht. Man gibt einen linearen Gradienten an und dann kompensiert NINA den Fokus entsprechend.
Ich habe dieses Feature allerdings noch nicht genutzt, da ich aus dem Temperaturverhalten meines Teleskops nicht schlau werde und noch nie einen linearen Gradienten vernünftig bestimmen konnte.
Die ersten 1-2 Stunden driftet die Fokuslage sehr schnell, danach wechselt diese die Richtung und die Drift wird deutlich langsamer. Ich vermute, dass mein Refraktor zwar nach 15min Auskühlzeit zwar schon sehr gute Bilder liefert, aber die Komponenten trotzdem noch nicht richtig temperiert sind. Der Metalltubus kühlt wohl schneller aus, als die auch besser geschützte Glaslinse. Beim Refraktor legt die Tubusauskühlung den Fokus nach hinten, die Linsenauskühlung nach vorne. So kann es diesen Effekt geben. Idealerweise ist ein Refraktor so gebaut, dass es gar nicht groß driftet. Ich habe noch einen kleinen Apo, den man tatsächlich nach dem Auskühlen kaum noch nachfokussieren muss. Der hat deshalb keinen Fokusmotor.
Ich will da nicht fuer den Dietmar sprechen, aber seine entsprechenden Telekope (abgesehen von der Flatfieldkamera) sind fest aufgebaut, liegen jenseits von f/6 (daher eigentlich eher im "gutmuetigen Bereich") und sind daher mit solchen Strategien noch am ehesten beherrschbar. Richtig kritisch wird der Fokus dann unter f/5 und dann ganz grosses Kino bei f/4 und kleiner.
Bei schnellen Oeffnungsverhaeltnissen ist deshalb auch die Temperaturdrift aus den von dir genannten Gruenden nur sehr schwer zu linearisieren und ob das fuer die ersten 2h der Auskuehlung ueberhaupt moeglich ist, weil sich da i.d.T. verschiedene Faktoren mit verschiedenen Temperaturkoeffizienten ueberlagern, ist eher fraglich. Und danach ist das nicht mehr so massgeblich, aber trotzdem eben schon wieder anders (man kann Dinge ja auch verschlimmern ...). Der Aerger sowas zu linearisieren faengt ja schon damit an, wo denn da der Temperatursensor ueberhaupt plaziert werden sollte? An der Linsen/Spiegeloberfaeche, irgendwo am Tubus?
Schwierig.
Aber genau das loest ja ein flotter auto-AF und man kann dabei meiner Ansicht nach inzwischen irgendwo pragmatisch vorgehen:
Am sinnvollten ist es wohl an einer Geraetekombination wenigstens in einer Nacht mal Temperatur und HFR durchgehend aufzuzeichnen (dabei nur einen AF am Anfang der Nacht) und dann ein Bild davon zu haben, wann und wieviel Problem man da eigentlich zu loesen hat. Zu wissen woran man ist, ist schon die halbe Miete.
Je nach dem welches Bild sich da zeigt, muss man dann seine jeweilige individuelle AF-Strategie basteln:
In meinem schnellen Refraktor im Alutubus (f/5) wird in den ersten 2h nach Einbruch der Nacht bei jedem Filterwechsel ein schneller AF eingeschoben (so alle 30min) und Ich keuche der Drift halt hinterher. Nach den ersten 2h wird alle 2h mal periodisch nachfokussiert und eventuell noch "on demand" bei HFR Drift.
Beim Truss-Newton mit Zerodur Spiegel mache Ich einen AF am Anfang, danach einen nach einer Stunde und dann nur noch "on demand".
Entscheidend ist, dass man sich das halt tatsaechlich mal anschaut und nicht aus dem Bauch heraus fuer irgendein Voegehen entscheidet.
... und dann wird jeder seine eigene AF-Kueche machen wollen, aber genau dafuer ist der advanced Sequencer in NINA ja auch da ...
Gruss & CS