Re: Planetenteleskop: Auflöung und Kontrast
Hallo Uwe,
ich denke,das Problem hier in der Diskussion ist,daß wir genau differenzieren
müssen,was exakt wir vergleichen!
Ein paar Beispiele um es klarer zu machen:
1) Refraktor/Reflektor
2) FH - Newton
3) APO - Newton
4) Billigrefraktor - Billignewton
5) High-end-APO - Billigstnewton
6) Billig-APO - High-end-Newton
7) belibig fortführbar ....
Wogegen ich mich hier immer wehre und was mir dann von Hannes Hasebergen
gerne als anti-APO-Kampagne zur Last gelegt wird ist ganz einfach das
pauschale abqualifizieren des Systems Newtonteleskop durch einige Foren-
teilnehmer,z.T. APO-Nutzer.
Um das mal ganz klar zu sagen:
Ich habe nichts gegen APO-Bestzer und schon gar nichts gegen APOs,ganz im
Gegenteil.Ich weis einen APO zu schätzem und werde mir irgendwann einen
schönen kompakten hochwertigen 4" mit ca f/6 zulegen.Wegen seiner Stärken,
seines ästhetischen Bildes,seiner schnellen Einsetzbarkeit und Reise-
tauglichkeit.
Aber wenn ich Sprüche lese wie "ein 4 Zoll APO schlägt einen 8 Zoll Spiegel
(=> ganz gleich welche dejustierte ED-APO-Gurke gegen ganz gleich welchen
perfekt justierten TOP-LOMO-Newton)
am Planeten dann frage ich mich immer ob derjenige wirklich einmal mit
einem richtig guten Newton Planeten beobachtet hat.
Deswegen schreibe ich meine andersmeinenden Beiträge dazu,um falschen
Vorstellungen von Einsteigern entgegenzuwirken.
Wenn statt dessen geschrieben würde:
Dieser konkrete XY-APO war bei den konkreten Bedingungen dem ZA-Newton am
Planeten überlegen (deutlich überlegen,knapp übelegen,...) würde es auch
kein "Geschrei der Newton-Jünger" geben.
Denn daß ein sehr guter 4" APO einen schlechten (und womöglich dazu noch
dejustierten) 8" Billignewton distanzieren kann steht völlig außer Frage.
Wenn aber Meldungen kommen wie "ein 4" Apo ist am Planeten besser als ein
8" Newton" kann ich echt nur darüber lachen.
Worum es mir also geht ist Mißverständnisse durch Pauschalisierungen zu
vermeiden.Denn hier wird munter gemischt.System vs System,ohne darauf zu
achten,daß Qualität auch mit Qualität verglichen wird.
Um es noch deutlicher zu sagen:
APO heist bis jetzt (kann sich aber ändern,siehe TV-Pronto,China-EDs):
Top Qualität,sowohl auf der optischen Seite als auch auf der Verarbeitungsseite.
Selbst wenn die mechanische Verarbeitung weniger Top ausfällt ist sie aber
immer noch so gut,daß die Leistung des Teleskopes nicht beeinträchtigt wird.
Zum Beispiel der Fokussierer eines Vixen FL APO.
Ich kann nu nicht hergehen und wegen eines Vergleiches zwischen Takahshi
FS 78 gegen einen 150/1400er Seben Big Boss/TS Megastar zum Ergebnis kommen:
-Newtons sind schlecht.
-Refraktoren sind gut.
Aber genau so läuft es doch in diesen Diskussionen häufig!
Da kommen dann Empfehlungen wie:
-Kauf dir einen 150/1200er FH,das ist ein Refraktor,der ist immer besser
weil erstens nicht justiert werden muß und zweitens keine Obstruktion hat,
da hast du 100%igen Kontrast.
Da könnte ich echt kotzen!Es gibt kaum ein System was bei 6" mieser an
Jupiter ist als ein flauer,kontrastarmer,blauviolettsäumiger,viel zu
kurzer FH mit in der Fassung schlackernden Linsen,Koma und Astigmatismus.
Aber:"Toll am Planeten weil nicht obstruiert"??
Nach dieser zugegenermaßen etwas emotionalen Passage möchte ich auf einige
Passagen deiner Antwort eingehen:
Ich bin in sachen Newton ein gebrantes Kind und habe leider schon durch zu viele Gurken gesehen.
Ja,ich auch.Manche schienen aber auch nur Gurken,weil sie dejustiert waren
und im Tubusseeing brodelten.
Und es ist,da stimme ich dir zu,kein System für einen Anfänger,der sich
partout nicht mit seinem Teleskop auseinandersetzen will/kann.
Der sollte sich dann besser einen Refraktor kaufen,der:
-Eine gute Qualität hat (Auszug,Linsenfassungen,Verblendung,Linsenpolitur)
und so ausgeleggt ist,daß sein Farbfehler gering genug ist.
Das bedeutet:Zeiss,Lichtenknecker,Vixen,Unitron-FH.Oder APOs.
Aber nicht (ich nenne bewust keine Namen weil ich keinen Bock auf Anfeindungen
durch die Händlerschaft habe):
Die billigen Chinarefraktoren.Die
können o.K.sein,
sind es aber ebenso oft nicht wie die Newtons besagter billiger Herkunft.
Newtonkollimation:
Ist sicher nicht so einfach wie Laser reinstecken und fertig.Aber es ist
für einen engagierten Einsteiger möglich!FH-Justage dagegen ist eine Nummer
schwieriger.
Wenn der FH inOrdnung ist brauch es das nicht,aber wenn er es nicht ist?
Oder wenn nach etlichen Transporten mal angeckt wird und die Linse
dekollimiert ist,dann wird für viele der Besuch bei Spezialisten fällig.
Deshalb halte ich nichts davon sich eine Baustelle ins Haus zu holen,
die einem ganz schön das Hobby schwer machen kann.
Ich würde einem Anfänger auch keinen f/4 Newton empfehlen,und schon gar
keinen Katadioptischen Newton.Aber f/6 halte ich für zumutbar und f/8 für
unproblematisch,da er etwas Dejustage verzeiht.
Für mich und für viele Andere mögen solche Tuning Maßnahmen wie Velur einkelben oder Lüfter einbauen eine schöne und angenehme Schlechtwetter beschäftigung sein, doch für Andere ist es ein Albtraum wenn da was nicht passt oder funktioniert.
Ich finde das auch nicht gerade erfreulich,aber ein Newton ohne Blenden
und ohne Velours ist wie ein Refraktor ohne Blenden(!)
Ein Topnewton ist selbstverständlich immer verblendet oder zumindest
ausgekleidet.Kein Takahashi APO käme ohne Blenden in den Verkauf.
Aber:Einige China-FH kamen mt falschberechneten Blenden!Statt 150mm Öffnung
dann eben nur 127mm Öffnung?!
Da must du dann auch ran,oder auf die Leistung bei Deep Sky verzichten.#
Also auch hier:
Nicht Refraktor vs Reflektor,sondern
hochwertiger Refraktor vs Reflektor.
Einen 4" für Deep-Sky würde ich jetzt nicht nehmen, diesen Vergleich finde ich nicht so gerecht.
Um Deep-Sky gut zu sehen brauche ich Öffnung, aber an Planeten und Mond oder Sonne habe ich ja genügend Licht zur verfügung.
Es war kein Vergleich der Teleskope,sondern es ergab sich weil wir gerade
Barlows und Okulare an den Teleskopen verglichen.
Die verwegensten APOstel sehen aber auch bei Deep Sky den 4" APO im Vorteil.
Fakt ist auch das ein 8" mehr auflösen kann als ein 4", doch ob das in der Praxis auch erreicht wird steht auf einem anderen Blatt.
Ganz genau.Neben dem atmosphärischen Seeing sowie dem Tubusseeing ist
meist die Dekollimation sowie eine schlechte Optik schuld.
Ein ganz anderer Faktor ist der Kontrast er steht nicht unmittelbar in Verbindung mit der Auflösung.
Doch,das ist ja gerade der Witz:
Kontrast bekommst über die Öffnung!
Nimm bei excellentem Seeing einen 4" APO sowie einen baugleichen 5" APO
des gleichen Herstellers mit gleich guten Werten.
AM Planeten möge der 4" ein subtiles Detail bei mittlerer Auflösung,sagen
wir 2 Bogensekunden,in den Jupiterbädern mit einem 25% Kontrast zeigen.
Der 5" APO zeigt dieses Detail dann mit einem höheren Kontrast(!)
Sonst würde sich niemand auch Niemand bei dem hier meistens die Auflösung
begrenzendem Seeing einen großen APO für visuelle Zwecke zulegen.
Das ist doch genau das,was ich meinte,als ich davon schrieb,die MTF-Diagramme
müßten zum Vergleich entsprechend skaliert werden.Ein 4" APO kommt bei
grünem Licht bei einer Objektdistanz von 1,14" an die Auflösungsgrenze,
und damit an den Kontrast von Null,
ein 8" APO dagegen bei 0,57" ans Auflösungslimit und auf Kontrat = Null.
Bei 1,14" Objektdistanz kann der 8" aber immer noch mit ordentlichem
Kontrast aufwarten(!)
Dazu bitte ich im Suiter nachzuschlagen.
Und noch etwas:
Dort wo die Auflösungsgrenze bei 550nm Wellenlänge erreicht ist und der
Kontrast also au Null gesunken ist,dort hast du bei blauem Licht 430nm
noch das Limit erreicht und noch einen Rest an Kontrast,etwa um 20%
theoretisch(Die Auflösung hängt von der Wellenlänge ab.).
Aber nicht mit einer Optik,die dann im Blauen defokussiert ist,weil der FH
eben im grünen scharfgestellt ist (Vorteil farbreiner Optiken).
Deswegen schreibe ich auch immer,daß es für Kontrast am Planeten Öffnung
und hohe Qualität braucht.Und sehr gutes Seeing,perfekte Kollimation,
kein oder geringes Tubusseeing,kein Streulicht,...
Aber ich stimme dir auch zu:
Wenn ein billiger 8" Spiegel so um 0,65 Strehl liegt,der Fangspiegel eine
Gurke ist wie in meinem 8" drin war,etwas Dekollimation noch 1/3 Kontrast
killt,Streulich von allerlei ungeschwärzten Teilen nochmal 1/3 kostet,
Tubuseeing munter blubbert,dann zieht der 4" APO
locker
am
Planeten am armen 8" Chinanewton vorbei.Bei gutem Seeing.
...solche Sternfreunde sin einfach auf den Geschmack gekommen ein schönes und Ästhetische Planetenbild zu geniesen mit einem hohen Kontrast und verzichten dabei lieber auf viele kg zu schleppen zu warten bis das Instrument ausgekühlt ist und ein zwar höher aufgelöstes aber nicht so schönes und blubberndes Bild zu sehen.
Minderwertige Newtonoptik in thermisch unausgeglichener Umgebung.
Selbstverständlich will ich die Ästhetik des Bildes im kleinen APO nicht
in Frage stellen.Aber ich konnte ein hohe Ästhetik auch schon in großen
Spiegelteleskopen gemießen,in einer Nacht als das Seeing einem 12" Cassegrain
die volle Auflösung ermöglichte!Dagegen sahen dann die beiden 10" und 8"
Newtons im Vergleich bezüglich Detailvielfalt deutlich bescheidener aus.
Solche Nächte sind selbstverständlich nicht häufig,aber da blubberte nichts
in den Spiegelteleskopen,das Bild stand wie gemeißelt für mehrere Sekunden
bevor ein kurz leichtes Zittern durch das Bild lief.Absolut traumhaft!
Ich meine also:
Es soll jeder das kaufen was er für richtig hält.
Um ergosum auch noch etwas zu schreiben:
Egal welches der Teleskope 150/1200 , 150/1600 , 127/1200 du kaufst,
die EQ5 wird dir damit keine Freude bereiten.
Da sollte schon die HEQ 5 und für den 150/1600er die EQ6 her!
MfG,Karsten