Neues Stacking-Software-Projekt "PlanetarySystemStacker" | Seite 7 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Neues Stacking-Software-Projekt "PlanetarySystemStacker"

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Steffen,

Sorry! Die Ironie hatte ich wirklich nicht erkannt. Das Spektrum der Wortmeldungen ist einfach so breit, dass ich auch den Wunsch nach einer "eierlegenden Wollmilchsau" als ernstgemeinten Beitrag aufgefasst habe. Und wer weiß: Vielleicht geht sowas ja irgendwann auch. Man müsste dazu das versuchen nachzubilden, was jetzt der Benutzer mit seinem kritischen Auge macht. Das wird viel Rechenpower brauchen und neuartige (KI- ?) Algorithmen.

Wäre doch schön, wenn jemand den PSS in diese Richtung weiterentwickelte.

Schöne Grüße
Rolf
 

Cepheus0815

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Hallo Rolf,
Zunächst mal ein riesen großes Dankeschön! Tolles Projekt und eine tolle Software. Danke für die Zeit die Du da rein investierst. Ich habe eben erst mit Mondstacking angefangen und dazu Registaxx und Autostakkert probiert. Beide haben unter Windows 10 Probleme mit Sicherheitseinstellungen, da sie im Speicher "böse" Dinge tun, die ein modernes OS nicht mehr erlaubt. Also habe ich gesucht und dann Dein Programm gefunden. Was soll ich sagen, hat auf Anhieb geklappt. Eine kleine unwichtige Frage, ist PPS für 64 bit kompiliert? Es installiert sich nämlich in den Program Files(x86) Ordner.
Danke und lg, Rainer
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Rainer,

ich nehme an, Du beziehst Dich auf die PSS Version 0.7.0, die über den Windows-Installer auf den Rechner kommt. Das ist eine 64bit-Anwendung, wie Du hier im Task-Manager sehen kannst:

1590758688998.png


Interessant ist tatsächlich, dass Pyinstaller sie standardmäßig bei den 32bit-Programmen unterbringt. Da in PSS die 4GB-Grenze aber offensichtlich nicht zuschlägt (Ich habe schon Anwendungen mit über 50GBytes RAM-Adressierung gehabt), scheint das nichts auszumachen.

In Zukunft wird übrigens die bevorzugte Installation anders laufen: Man installiert auf dem OS seiner Wahl (Windows, Linux, MacOS) das ganz normale Python 3 (64 bit), wenn es nicht schon vorinstalliert ist. Und dann schreibt man einfach auf der Komandozeile "pip3 install planetary-system-stacker". Dadurch wird PSS mit allen benötigten Bibliotheken automatisch als Paket der Python-Distribution hinzugefügt. Gestartet wird PSS dann einfach durch den Kommandozeilenbefehl "PlanetarySystemStacker", oder man bastelt sich ein entsprechendes Start-Icon auf dem Bildschirm.

Diese Technik ist gerade in der Erprobung und wird mit dem neuen Release 0.8.0 freigegeben. Die Vorteile sind maximale Portabilität (z.B. alle Linux-Distributionen) und eine datensparsame Installation. Insbesondere wird damit nicht mehr der riesige 350MB-Installer benötigt. Für Windows-Nutzer, die sich mit Python 3 nicht herumschlagen möchten, werde ich den Installer aber weiterhin anbieten.

Schöne Grüße
Rolf
 

Cepheus0815

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Hi Rolf,

Die Idee für die neue Installationsroutine gefällt mir gut, aber ich habe Dev Hintergrund. Kann sein, dass Du damit manche verschreckst ;-). Eine Frage noch, ich habe 16 GB RAM. Als ich mein erstes Video stacken wollte, musste ich die RAM Nutzung von 2 auf 1 drehen (Warnung durch das Programm). Beim Durchgang dann mit 1, hat es gerade mal 2 GB verbraucht, also noch viel Luft nach oben. Nicht weiter tragisch, habe mich nur gewundert.

Kleine off-topic Frage (ich hoffe ich werde jetzt nicht gerügt): Ich habe die tollen Mondfotos von einigen von Euch hier bestaunt. Ich habe eine Brennweite von 1140 mm und einen recht großen CMOS chip und bekomme den Mond recht locker als Ganzen drauf. Eure Aufnahmen sind viel stärker vergrößert. Habt Ihr alle so riesen Brennweiten, oder verwendet Ihr Okularprojektion?

Danke und lg, Rainer
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Rainer,

apropos "verschrecken": Deswegen werde ich ja für Windows-Nutzer ohne "Dev-Hintergrung" auf jeden Fall den Installer beibehalten. In der Vergangenheit hatte sich aber gezeigt, dass insbesondere auf Linux so viele Betriebssystemvarianten unterwegs sind, dass ein einheitlicher Installer einfach nicht funktioniert. Wir hatten dann für diverse Distributionen separate "Kochrezepte" im Anhang des Benutzerhandbuchs zusammengestellt, wie die Anwendung aus dem Source-Code gebaut werden kann. Das war noch deutlich komplizierter als die neue Lösung über "pip3". Für mich ist das immer noch die einfachste portable Lösung.

Zum RAM-Problem: Der Unterschied zwischen Level 1 und 2 kann schon sehr groß sein. Bei Level 1 werden die "Laplacians of Gaussian" (LoG) aller Frames zwischengespeichert, allerdings in zweifach reduzierter Auflösung in jeder Richtung. Bei Level 2 kommen die entrauschten Grayscale-Bilder aller Frames hinzu. Die sind viermal so groß.

Ich habe allerdings auch noch ein Problem mit der RAM-Freigabe im Multi-Job-Betrieb. Das ist bei Version 0.8.0 gelöst, solange man nur im Batchbetrieb bleibt. Mit GUI wird der Speicher immer noch nicht frühzeitig genug freigegeben, und dann ist beim zweiten Job die Level-Empfehlung zu konservativ. Aber das bekomme ich auch irgendwann gelöst.

Und nun zum Off-Topic: Mit meiner ASI290MM-Kamera verwende ich am C11 keine Zwischenvergrößerung (2800mm Brennweite). Die Pixel sind aber auch nur 2.9 um groß. Wenn ich mit der Canon 5DMKII an meinem Refraktor 130/1200mm fotografiere, nehme ich aber schon einen Baader FFC zur Verlängerung auf ca. 3500mm. 1140mm Brennweite sind für hochaufgelöste Mondfotos schon arg wenig.

Schöne Grüße
Rolf
 

reibra

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Hallo Rolf,


ich habe erst kürzlich von deinem Projekt PSS erfahren. Ich bin begeistert, dass du so engagiert dieses Programm entwickelst und den Code der Allgemeinheit zur Verfügung stellst. Leider geht es wohl den meisten Nutzern so wie mir dass die Softwarekenntnisse für eine Mitarbeit nicht ausreichen.


Ich habe PSS benutzt um Jupitervideos zu stacken die bei sehr schlechtem Seeing aufgenommen wurden. Das Programm hat ohne Probleme gearbeitet, aber die Ergebnisse sind natürlich nicht sehenswert.


Dabei kam mir die Frage, ob es irgendein Kriterium gibt, das mir hilft aus den entstandenen Bildern die schlechtesten auszusortieren. Das würde helfen nur die besseren Bilder weiter zu bearbeiten.


Eine weitere Frage: wäre es möglich eine Drizzle-Option einzubauen mit der man ein vergrößertes Ergebnis bekommt?





Viele Grüße


Reinhard
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Reinhard,

vielen Dank für deine netten Worte!

Wenn ich das richtig verstehe, möchtest Du eine ganze Reihe Videos stacken, und dann die gestackten Ergebnisse nach den schärfsten durchsuchen. Also ich mache das immer von Hand. So viele sind es dann doch meistens nicht.

Grundsätzlich könntest Du natürlich die gestackten Bilder in ein Verzeichnis packen und PSS als Stacking-Job anbieten. Dann bekommst Du doch ziemlich am Anfang ein Ranking der einzelnen Frames nach Qualität (sprich global gemittelter Schärfe). Aber Vorsicht: Damit das Verzeichnis als Job angenommen wird, müssen alle Bilder genau gleiche Pixelabmessungen haben. Da beim Stacking immer der Durchschnitt aller Frames übrig bleibt, ist das bei den gestackten Bildern nicht gegeben. Die müsstest Du also erstmal all gleich zuschneiden.

Drizzle ist in der neuesten Version (0.8.4) bereits drin ("Off", 1.5x, 2x, 3x). Ich glaube zwar nicht, dass das viel an Qualität bringt, habe es aber trotzdem implementiert. Diese "Zwischenversionen" zwischen offiziellen Releases bekommen übrigens alle diejenigen, die sich PSS mit "pip" in Python3 installieren. Alle anderen, die den Windows-Installer verwenden, müssen auf die Version 0.9.0 warten. Dann werde ich einen neuen Installer veröffentlichen.

Schöne Grüße
Rolf
 

reibra

Mitglied
Hallo Rolf,
danke für deine schnelle Antwort.
Deinen Tipp bezüglich des Rankings werde ich mal testen. Aber wahrscheinlich ist es doch sinnvoller alle Bilder "händisch" zu vergleichen.
Super dass du schon drizzling vorgesehen hast. Ich denke es kann schon mal helfen, wenn man deutlich zu wenig Brennweite hatte.

Viel Grüße
Reinhard
 

Ikarus

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Hallo Rolf,

ich habe heute erst dein Projekt Planetary System Stacker (PSS) entdeckt und bin gespannt, ob ich das für meine Zwecke verwenden kann!

Der Mond soll ja laut Beschreibung ein gutes Objekt für die Bearbeitung mit PSS sein - und dieser ist seit zwei Wochen mein Thema, siehe mein Projekt Mondphasen.

Die Bilder dort sind mit der DSLR und Teleobjektiv entstanden, vom Fotostativ aus. Ich habe also jede Menge RAWs, die ich gerne PSS anvertrauen würde, um das Beste draus zu machen.

Als purer Linuxer (seit 1993) habe ich Python3 und PSS bereits instlliert und gestartet ... leider befürchte ich, dass es weder mit den originalen CR2 Canon-RAWs noch mit daraus bereits erzeugten FITS-Dateien etwas anfangen kann: Beim Versuch, PSS ein Verzeichnis mit Dark-RAWs (und den FITS dazu) anzubieten, um ein Masterdark zu erstellen, erscheint die mich irritierende Meldung:

"Error in creating master dark frame: Reading first frame: Attempt to read image format other than 'tiff', 'tif', '.png', '.jpg' or 'fit', 'fits'"

Ich muss da etwas Elementares übersehen haben und kann gegenwärtig noch nicht in PSS einsteigen ... bitte um Erhellung!

NB (Hintergründe): Mond- (und Planeten) Stacken scheint wirklich problematisch zu sein, im Gegensatz zu Deep Sky Bildern. Ich wollte meine Monde mit Fitswork (FW) stacken.

Geht aber nicht, weil FW sie nicht vernünftig ausrichten (verschieben und rotieren) kann. Dann bin ich auf PIPP gekommen (Planetary Image Pre Processor), das meine Mondbilder recht ordentlich zentriert (aber nicht gut rotiert) und zuschneidet. Die stackt FW dann genau so lange wirklich gut, wie die einzelnen Frames nicht rotiert sind, was bei mehreren Serien vom starren Fotostativ ja relativ schnell geschieht.

Dann kam ich auf ASTAP - wirklich genial! Die Ausrichtung der Einzelframes kann ich nur perfekt nennen und zwar bis ins Detail! Leider kann ASTAP ausdrücklich nur Deep Sky stacken, vermutlich wegen seiner hervorragenden astrometrischen Eigenschaften.

Also mit diesen Resultaten wieder zu FW. Das klappt auch gut. Nur bestehen sowohl die Einzelbilder als auch das Summenbild aus einer Art "feines Gitter" ... so eine Art kleine Kreuzchen, ähnlich wie gedithert. Es gibt also beim genauen Hinsehen keine ebenmäßigen Pixelverläufe, sondern immer abwechselnd heller und dunklere Quadrate und/oder größere Rechtecke - ähnlich einem Schachbrettmuster.

Keine Ahnung, was das sein soll und woher's kommt.

Wäre das nicht so, wäre ich an sich sehr zufrieden. Deshalb wende ich mich jetzt an dich, wegen PSS, meiner letzten Hoffnung, unter Linux vernünftig Monde stacken zu können.

Danke im Voraus für jeden Tipp, jede Hilfestellung,
Frank (aka Ikarus)
 
Zuletzt bearbeitet:

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Frank,

zunächst mal hast Du recht, dass man für das Stacken von Mond und Planeten (und Sonne) spezielle Software braucht und nicht mit Deep-Sky-Software arbeiten kann. Der Grund: Anders als bei Deep Sky hat man es hier mit kurzbelichteten Aufnahmen zu tun, in denen die Seeing-Deformation eingefroren ist. Bei Deep Sky hingegen ist das Seeing gemittelt (verschmiert).

PlanetarySystemStacker verarbeitet aber keine RAW-Dateien von DSLRs. Die musst Du vorher z.B. in Tiff oder PNG umwandeln. Dazu gibt es jede Menge Standardsoftware, die das im Batch-Betrieb erledigt. Ich selbst konvertiere die CR2s von Canon mit dem Canon-Programm DPP. Danach kannst Du PSS ein Verzeichnis, in dem die Sammlung der umgewandelten Tiff-Dateien liegt (und sonst nichts!), zum Stacken übergeben. Dasselbe gilt für Dark und Flat-Frames (obwohl die bei meinen bisherigen Anwendungen selten zum Einsatz kamen).

Schöne Grüße
Rolf
 

Ikarus

Mitglied
Hallo Rolf,

besten Dank für die flotte und erhellende Antwort! Ich habe mich gerade dabei ertappt, dass ich mich selbst ausgetrickst habe, denn oben schrieb ich:

"Error in creating master dark frame: Reading first frame: Attempt to read image format other than 'tiff', 'tif', '.png', '.jpg' or 'fit', 'fits'"

... aber erst jetzt, wo ich deine Antwort lese, werde ich drauf gestoßen, dass es in dieser Meldung um die Darks geht! Ich war wohl schon zu müde, gestern Abend, und nur auf die Lights fixiert. Trotz mehrfachen Lesens der Meldung war mir nicht aufgefallen, dass ich PlanetarySystenStacker nach wie vor mit CR2-Darks füttern wollte ...

Alles gut, soweit! Danke und viele Grüße aus den Alpen,
Frank
 

Ikarus

Mitglied
Ergänzung / Nachtrag:
Unter Linux geht die Konvertierung von RAW zu TIFF sehr einfach, indem man ein paar Buchstaben in der Shell / Konsole tippt und mit [Enter] auf die Reise schickt:

dcraw -T *.CR2

...konvertiert alle (Canon) RAWs im aktuellen Verzeichnis in einem Rutsch. David Coffins Raw-Library ist ohnehin Bestandteil vieler anderer, auch kommerzieller RAW-Konverter, die dieselbe Aktion mit Fenstern, Menüs, Mausklicks und animierten Fortschrittsbalken schmücken.

CS,
Frank
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Frank,

dann pass nur auf, dass die Tiffs und CR2s nicht im selben Verzeichnis sind, wenn Du PSS auf das Verzeichnis los lässt. Das Verzeichnis, dass Du PSS zum Stacken hinhältst, darf nur Bilddateien eines der erlaubten Dateiformate enthalten. Außerdem müssen die Pixeldimensionen übereinstimmen. Andernfalls gibt's eine Fehlermeldung.

Schöne Grüße
Rolf
 
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