Re: Hochinteressant
Hallo Beat,
oh Konträr sag ich als Lateiner.
Nun, der gute Zmek kann das ja gerne schreiben, aber im Grunde ist auch dieser Text erkennbar ein "Ringen nach Gründen".
Man macht es sich einfach zu behaupten, daß der Newton es dem menschlichen Wahrnehmungsvermögen schwer macht. Richtig ist, daß das unruhige Bild eines Teleskopes mit größerer Öffnung es einem anders trainierten Beobachter schwer macht. Es ist aber nicht so, daß der Benutzer eines Spiegelteleskopes nun einfach mehr Beobachtungserfahrung hätte, sondern er hat sie nur einfach anders erworben, nämlich mit Unruhe im Bild.
Gerade aber das Tubusseeing ist ein Punkt, den man bei Spiegelteleskopen mehr und mehr in den Griff bekommt, denn Lüfter kommen in Mode. Übrigens, die Frage der Einblickposition stellt sich ja gar nicht bei Cassegrain-Systemen, und hier sind ja gerade die klassischen Cassegrains häufig in Bauformen zu finden, die mit einer zum f/5 Newton vergleichbaren Obstruktion auskommen, was bei größerer Öffnung deutlich unter 30% liegt.
Die ständig vorgebrachten Argumente zur Oberflächenqualität sind auch nur Scheinargumente. Schließlich poliert man eine Linse so lange, bis sie eine tolle Abbildungsqualität für astronomische Anwendungen hat. Und einen Spiegel poliert man so lange, bis er eine tolle Abbildungsqualität für astronomische Anwendungen hat. Der Mehraufwand für die Flächengenauigkeit des Spiegels relativiert sich, denn der Refraktor braucht mindestens 4 zueinander passende Flächen in geringerer Qualität.
Ich finde also das Argument " 4-fache Oberflächenqualität" immer verdächtig, wenn es gebracht wird. Es verrät doch nur, daß man nicht bereit ist, seine Argumente ordentlich zu durchdenken.
Auch das Thema Verblendung wird angeschnitten, und wieder einmal bleibt aussen vor, wie viele Newtons inzwischen mit Velourfolie und ggf. einer Streulichtkappe genau dieses Problem beheben.
Dementsprechend ist es auch passend, daß in Zmeks Aufstellung ein wirklich schlüssiges Argument fehlt, nämlich daß der gefaltete Strahlengang eines Spiegelteleskopes das Tubusseeing zweimal durchläuft.
Unterschlagen wird, daß auch ein Refraktor Tubusseeing erleidet, und zwar während der Auskühlzeit der dicken Linsen, die sich nicht wesentlich von der eines gleich großen Spiegels unterscheidet. Es liegt ein ähnlich kompakter Glaskörper vor. Hier hat der Newton den Vorteil, daß eine konstruktion mit offenem Tubus und offener Rückseite den Spiegel stets an der kühlen Luft hält, so daß der Newton eher einen ausgeglichenen Zustand erreicht.
Also Beat, ich bin bereit, über die Vor- und Nachteile der Systeme zu diskutieren, aber ich bin nicht bereit, die Schlüsse aus unvollständigen Aufstellungen einfach als gegeben hinzunehmen. Egal welcher Name darunter steht.
Zum Thema Justage: Ich sehe nicht, was einen Refraktor bezüglich Justage stabiler werden lassen sollte, als es ein Newton ist. Ich glaube wohl, Du meinst nur, daß der Refraktor zumeist ein größeres Feld optimaler Korrektur liefert, so daß eine Dejustage beim Refraktor nicht auffällt. Ich glaube, da habe ich doch Ahnung.
Clear Skies
Sven