Hallo zusammen,
Nova Cas 2021 scheint etwas anders zu sein als die meisten anderen Novae. Deshalb hier mal einige theoretische Betrachtungen:
Seit Langem teilt man Novae in langsame und schnelle Novae ein, gemessen an der Zeit, die sie für die Abnahme um 3 mag benötigt. Der Grenzwert ist 10 Tage. Mehr und mehr benutzt man aber auch eine 5er-Stufung, wonach 3 mag in 20 Tagen immer noch sehr schnell ist und in weniger als 50 Tagen als schnell bezeichnet wird.
Da He/N-Novae zu den klassisch eingestuften "schnellen" Novae gehört, war ich der Hoffnung, dass die extrem geringe Abnahme der Helligkeit (fast konstant) die Ruhe vor dem Sturm ist, und somit das bisherige Maximum erst das Prämaximum war. Nun sind aber gut 11 Tage herum und die Hoffnung schwindet bei mir auf einen nochmaligen Anstieg.
Jede Nova ist eben anders. Das macht sie ja so spannend. Es gibt hierbei aber nicht nur den (groben) Zusammenhang, dass eine He/N-Nova schnell ist, sondern vor allem die Korrelation, dass die Helligkeitsabnahme umso geringer ist je geringer die Expansionsgeschwindigkeit. Das lässt sich wie folgt verstehen: Nachdem der Materienachschub vom Weißen Zwerg aufgehört hat, ist die Hülle (der "Feuerball") auf sich selbst gestellt und wird aufgrund der Expansion immer dünner. Damit einher geht, dass wir immer tiefer in die Hülle hineinschauen können. Die Photosphäre, also die sichtbare Schicht des Lichtes (Feuerball) wird kleiner, die Nova damit dunkler. Gleichzeitig wurde die Materie der Hülle, die wir nun als Photosphäre wahrnehmen, durch den Strahlungssdruck noch nicht so stark beschleunigt, dieser Teil der Hülle ist langsamer, wir beobachten also eine kleinere Expansionsgeschwindigkeit.
Die Nova Cas 2021 fing mit ca. 2850 km/s an (von mir beobachtet, noch vor dem Maximum). Das ist typisch schnell für eine He/N-Novae. Deshalb nimmt im Allgemeinen die Helligkeit nach dem Maximum auch sehr schnell ab. Nun haben einige Sternfreunde, so auch ich, aber in den letzten Tagen nur ca. 1500 km/s gemessen, und zwar einigermaßen konstant. Die Nova wurde also plötzlich "ausgebremst" und damit einhergehend ist die relativ gute Konstanz der Helligkeit verständlich.
Was diese "Bremse" verursacht hat, kann ich (noch) nicht vermuten. Unser Stern ist nicht allein. Der Weiße Zwerg wurde ja von seinem Begleiter (es ist sogar ein Bedeckungsveränderlicher vom Typ W UMa) mit Materie "versorgt" und so zur Oberflächenkernfusion genötigt. Wie wirkt sich momentan die Gegenwart des Begleiters aus? Und gab es schon früher solche Ausbrüche? Es darf vermutet werden, dass nicht nur einige, sondern (fast) alle Novae wiederkehrend sind. Die Zeitspannen liegen nach momentanen Kenntnisstand zwischen 10 und 10000 Jahren.
CS Erik