Okularinvestition - 1.25 v 2"? Ü-Oku zuerst oder höhere Mag?

silver

Mitglied
Hi Alle,

ich wollte Ganden's Thread nicht kapern, möchte aber doch ein Echo haben auf meinen momentanen gedanklichen Stand.
Jemand schreibt dort:
...wichtigste Frage zunächst das passende Aufsuch- und Übersichtsokular ist. ... Größtmögliches Gesichtsfeld und halbwegs zu den äußeren Bedingungen passende AP .
So hab ich das für mich auch heruntergekocht. Eigentlich.
Denn irgendein U-Okular lag ja schon bei beim Kauf, bzw. ich hatte schon eins, als ich meinen 102/500 2nd Hand kaufte. Da wir, Ben und ich als Suchende, und wir alle als Diskutierende, hier nicht über Okus sprechen im 50€-Bereich, sondern um eine mittelfristig lang ausreichende Investition im Bereich von 100-200€, ist es dann nicht sinnvoller, das erste Augenmerk auf eine Vergrösserung zu legen, für die noch kein Oku vorhanden ist?
Das Ü-Oku wird zum Aufsuchen und nach dem Finde-Erfolg nur noch an ganz wenigen Objekten zum Studieren benutzt. An Offenen Sternhaufen von Andromeda-Grösse oder am Orionnebelgebiet.

Alle Vergrösserungsstufen darüber werden häufiger und für mehr Zeit am Stück genutzt werden. Von einem 2-Stundenabend, an dem man Objekte findet, nicht nur sucht, werden 20 MInuten vielleicht am Ü-Oku verbracht, der Rest an anderen Vergrösserungen. Es sei denn, man ist mehr wie ein Fernglas-Typ und geniesst vor allem Spazierenschauen in Sternfeldern. Dann ist das Verhältnis vll sogar 60:40.

Wenn also das Ü-Oku schon vorhanden ist und man sich nicht als Fernglastyp kennengelernt hat, ist es besser, in die anderen Mag-Stufen prioritär zu investieren. Klingt das okay? Kann ich das so abspeichern?


Unter eher ungünstigen Bedingungen würde ich als Erstanschaffung also um 20 mm Brennweite vorziehen und unter guten Bedingungen eher 30 mm wählen.
Das hab ich auch schon mehrmals gelesen. Zur Versicherung, dass ich das richtig abgespeichert habe: bedeutet "gut" hier Dunkelstandort und "ungünstig" bedeutet Hinterhof in Vorstadt? Oder worin besteht hier die Bewertungs-Logik?

Hier, also bei 20-24mm, kann auch schon ein Entscheidungssprung geschehen: kauft man 1.25" oder 2"? Kann man folgendes sagen: wenn mehr im Dunkelstandort beobachtet wird, investiert man zunächst so weit wie möglich in 2", aber wenn man viel mehr Zeit im Hinterhof verbringt, ist das Beobachtungserlebnis mit 1.25" Ü-Okus sogar schöner? Weil die kleinere Austrittspupille bei der höheren Vergrösserung eines 20mm ggü. 30mm in lichtverschmutzter Umgebung erstrebenswert ist - und es dann auch egal wird, dass der field stop von max 27mm automatisch ein kleineres wahres Gesichtsfeld produziert.
Nach dem Motto: Was hilft ein grosses Gesichtsfeld, wenn das Beobachtungserlebnis schlechter, weil aufgehellt und verwaschen ist.

Und wie ist das Erlebnis am Newton mit 2" Oku-Auszug, wenn das Ü-Oku 2" ist, aber alle anderen 1.25"? Man würde sich ja im Hinterhof auch das Auswechseln der Steckhülse ersparen, wenn man sich wegen Lichtverschmutzung mit einem 1.25" zufrieden gibt. Nervt das Hülsen-Wechseln? Oder nimmt man den Handgriff sogar wie einen würdigen Abschluss wahr, wenn man sich an einem Objekt satt gesehen hat und nun wieder spazieren und aufsuchen geht?

Bis zu welcher Brennweite habt Ihr Newtonbesitzer 2"-Okus im Einsatz?

Ja, meine Gedanken sind nicht auf mein derzeitiges Setup gemünzt, sondern auf Oku-Handhabung in schnellen Spiegeloptiken mit 2"-OAZ.

Gruss Silver
 

Demokrat

Mitglied
Die Grenze zwischen 1,25" und 2" Okularen liegt ja technisch (durch den max. Feldblendendurchmesser) bei ca. 24mm Brennweite. Darunter geht´s mit 1,25" und darüber meist mit 2". So sind auch die meisten Okulare der Hersteller gebaut.

Fällt die Entscheidung für die gewünschte (und sinnvolle) Brennweite, fällt damit auch die Entscheidung, ob 1,25 oder 2". :coffee:

lg
Niki
 

Astrozoom GM

Mitglied
Nun Silver,

dann will Dir der „Jemand“ mal antworten und Anregungen geben, so gut er kann.

Größtmögliches Gesichtsfeld und halbwegs zu den Bedingungen passende AP für die Aufsuche und Übersicht halte ich für sehr wichtig, z.B. wenn man wirklich Objekte aufsuchen muss, also Starhopping betreibt, irgendwann auch über die einfachsten 50 Standardobjekte hinaus.
GoTo-Leute haben diesbezüglich sicher weniger Bedarf, zumindest wenn die Technik zuverlässig funktioniert.
Auch neigen sie z.B. seltener dazu Randschärfeprobleme ihres Setups wahrzunehmen und zu thematisieren, weil die „Kometensterne“ die am am Rand des Suchfeldes auftauchen eben nicht darauf hin untersucht werden müssen, ob sich dahinter der gesuchte PN-Winzling verbirgt.

Da Du ein vorhandenes Teleskop mit 500 mm Brennweite erwähnst noch der Hinweis, dass hier eine Übersicht mit 5 mm AP mal gerade 20fache Vergrößerung bringt. Mit einem farbreinen Apo dieser Öffnung hast du maximales Detail um 100 bis 140fach.
Mit einem heute durchaus gängigen 16-Zöller hast Du in der Übersicht mit 5 mm schon 80fach und mit 4 mm AP 100fach, also die Detailfülle die Dein 4-Zöller überhaupt liefern kann. Wie lange man mit solchen Okularen dann an welchem Teleskop beobachtet ist nicht vorherbestimmt, sondern Sache der gewünschten Auflösung, Ansicht und der Erfahrung die man hat oder eben machen möchte. Bei mir erweist sich, dass mit zunehmender Teleskopöffnung die Tendenz hohe und höchste Vergrößerungen anzuwenden deutlich abnimmt und das liegt nicht nur am Seeing.

Auch schrumpft natürlich das tatsächlich erreichbare Gesichtsfeld am Himmel mit ein und demselben Okular mit zunehmender Ausgangsbrennweite des Teleskops sehr schnell. Suchen und Finden der erreichbaren Objekte ist am 4-Zöller mit 500 mm Brennweite bei 4° Feld einfach schneller durch als am 16-Zöller.

Weiterhin hat man bei der üblichen Drittel-reihe, also z.B. ~30/20/13/9........., eigentlich schon zwei Übersichtsokulare die auch eben wegen der größeren Übersicht 2 Zoll Steck und nicht nur 1 ¼ Zoll haben sollten.

Bleiben wir bei Deinen genannten 4“ f/5er dann gehen nun mal bei 30 mm Okularbrennweite mit 2 Zoll Steck 4,5° Feld und bei 1 ¼ Zoll nur 3°. Okay, nicht schlimm, aber eventuell ist mehr Feld einfach schöner und am 16-Zöller sieht der Unterschied zwischen 0,8 und 1,2° Feld nur für Theoretiker abseits der Beobachtungswiesen klein aus.

Ohnehin lässt sich leicht bemerken, dass selbst Leute mit Teleskopen die locker 2800 mm Ausgangsbrennweite haben, gerne auch mit GoTo, die auch immer zutreffend behaupten, dass großes erreichbares Feld nicht alles ist, bei den Okularen dann doch anstatt 50° Eigengesichtsfeld lieber 70° bis 80° und auch noch 100° Eigengesichtsfeld bevorzugen.

Wenn ich auf letzte Rille am Planeten gehe, nehme ich Orthos, das tun noch die Wenigsten.

Aber zurück zur Übersicht und im städtischen Hinterhof kann eben an Deinem Teleskop das 30 mm Okular mit 6 mm AP zu viel sein. Die Bewertungslogik folgt hier ganz eng der erreichbaren Sterngrenzgröße.

Link zur Grafik: https://www.astrozoom.de/images/PICS/umi.gif

Hier ist es ein reiner Zufall, dass der Zahlenwert der Sterngrenzgröße in MAG der sinnvoll anwendbaren AP in Millimetern entspricht. 5 mag Himmel gleich 5 mm AP.

7 mm AP und 4 Mag Himmel ist zwar mit Filtern (OIII, UHC pp) immer noch sehr sinnvoll einsetzbar, aber ohne Filter für die Aufsuche und Beobachtung eben nicht.

Nun kann man die ganze Reihe etwas nach unten setzen und eventuell mit nem 17er Pano oder 26er Nagler Kosmetik betreiben oder man geht gleich auf runde 20 mm, aber eben immer noch mit 2 Zoll Steck und möglichst großem Eigengesichtsfeld.
Alles was an Okularen über 27/28 mm Feldblende aufweist hat und braucht 2 Zoll Steck, drunter kann man drauf verzichten. (Ethos, ES und Co, Geheimtipp Lunt 100°....weil recht bezahlbar und dafür sehr gut).

AP liegt bei knapp 4 mm und das passt, Feldeinbuße ist mit rund 3,9 zu 4,7° deutlich, aber einen Tod stirbt man nun mal und die Alternativen um 24-27 mm bieten da in 2 Zoll Steck nichts oder nur unwesentlich mehr, in 1 ¼ Zoll Steck sehr deutlich weniger. Dazu sind sind mit immer noch deutlich über 5 mm AP nicht so entscheidend besser was die Abdunklung des Himmels betrifft als das so vermiedene 30-34 mm Okular.

Nochmal sei Grundsätzliches zur AP als zusätzlicher Lesestoff und Einstieg in das Thema erwähnt.

Nun gut, danach kann man mit 1 ¼ Zoll weiter machen, ich persönlich habe schon länger auch die kleineren Brennweiten mit 2 Zoll Hülsen versehen (alles verzoomt, spart das Umstecken, aber wirklich gestört hat mich das nie.

Okularwechsel, Hülsenwechsel, Fokussieren, al das sind normale Tätigkeiten am Teleskop. Anormal und störend wird das m.E. erst, wenn Teleskope zu schwach und zu labberig montiert sind und bei jeder Berührung Das Zittern kriegen oder den Brummkreisel machen.


Es kann durchaus sein, dass Ethos, ja auch das 20er Lunt oder die 82° ES Reihe für einen kleinen, günstigen FH, auch für eventuell geplante Fernost-Spiegelchen, etwas overdressed erscheinen mögen und es ist selbstverständlich möglich, sich in der „passenden“ Preisklasse oder irgendwo dazwischen mit Okularen zu versorgen und Spaß an der Beobachtung haben.

Da wird es meistens um weniger Feld und/oder schwächer Randabbildung, auch mal schwächere Abbildung auf der Achse gehen. Um die Einbußen muss man m.E. allerdings wissen, um eine bewusste, begründete Entscheidung zu treffen.

Manchmal können auch gebrauchte Okular und/oder ältere Serien (z.B. dann nicht mit der aller modernsten Vergütung) eine gut Wahl sein. Auch lieber noch zwei/drei Wochen länger mit der nächsten Anschaffung zu warten und etwas mehr pro Stück auszugeben kann langfristig gesehen die bessere Variante sein. (Nein, so ober-schlau war ich längst nicht von Anfang an.......)

Auch so ein Teleskop zeigt erst mit dem bestmöglichen und dem Nutzer passenden Okular im Stutzen seine optimale Leistung, da unterscheidet es sich nicht vom 10 bis 30 mal teureren APO oder dem 20 Zoll Dobson von Nauris.

So gibt es durchs ganze Thema und auch bezüglich der Okulare nun mal diese scheinbaren Schieflagen zwischen Theorie und Praxis welche man aus manchen überschwänglichen oder auch vernichtenden Berichten herauslesen könnte tatsächlich eben nicht. Alles hausgemacht und in sofern bei realistischer Sortierung nicht störend.

Gruß
Günther
 

Antares

Mitglied
Hi Silver,
primär wählt man die Okulare nach der AP, die sie mit dem Teleskop oder im Teleskop ergeben.

- Biologisch sind eher wenige Menschen in der Lage Ihre Pupillen über 7 zu öffnen, viele Gesunde schaffen es. Wer nur deutlich weniger AP erreicht, wäre gut beraten die max. AP am Teleskop anzupassen. Das Sternlicht soll ja ins Auge und nicht das Gesicht bescheinen. ;)
AP 7 ist daher der normierte Maximalwert der AP und ergibt die Maximalbrennweite des Okularparks. und die geringste Vergrößerung.
Minimal AP, hier ist es in der Regel so, dass bei ca. AP 0,7 vom Auge alles gesehen werden kann, was da ist.
Somit ergibt dies die Minimalbrennweite des Okularparks und die "normierte" maximale Vergrößerung.
Beide Werte können im Einzelfall auch mal sinnvoll überschritten werden. Das ist aber sicher die Ausnahme.

- Himmel - ist der einschränkende Faktor Nr. 1 des Biologischen. Heller Himmel nimmt bei zu großer AP Kontraste und damit Seherfolg. Seeing als 2. Aspekt reduziert die maximale Vergrößerung und verhindert so die sinnvolle Verwendung der kleinen APs.

- Optiktyp und Güte - Manche Geräte sind bauartbedingt nicht in der Lage mit Standartokularen größte biologisch AP zu liefen. Und die Teleskope selbst sind je nach Güte der Optik nicht in der Lage die kleinsten AP zu liefern. Beide Aspekte reduzieren den Bereich der sinnvoll verwendbaren AP.

All dies gilt es am eigenen Gerät mit eigenen Augen am eigenen Standort zu prüfen und dann daraus die Okularbrennweiten abzuleiten.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Aspekte wie Objektvorlieben, Transportgewichte, Okularauszug etc.
die zudem Auswirkungen haben können.

Weniger abstrahiert gesprochen heißt das z.B. bei mir:
Als Besitzer, verschiedener Teleskope fahre ich noch dazu verschieden gute Standorte an. Deshalb leiste
ich mir Übersichts- oder Großfeldokulare mit 30, 26 und 20 mm.
Gehe ich auf Reisen mit dem 8" f/5 Dobson will ich nur 3 Okulare mitnehmen aus Gewichtsgründen - einmal 26 mm, 13 und ein 8-5mm Zoom, weil das die am meisten verwendeten Vergrößerungen bringt. Mit einem großen, sagen wir mal 24 Zöller limitiert oft das Seeing in Deutschland. Dann würde ich z.B. entsprechend dem üblichen Seeing vllt. eine Okularreihe von 20, 17, 13, 10 und 8 mm ggf. sogar ohne Übersichtsokular haben.

Soviel als kurzer Abriß zum Thema Okularwahl. Mehr dazu auf meiner HP.
CS
 

silver

Mitglied
Das war cool, Antares. Fühlt sich im Kopf an, wie wenn mehrere Puzzleteile endlich nicht mehr schüchtern über dem Bord schweben bleiben sondern wirklich und selbstbewusst in einander klickten.2 Kapitel Deiner Webseite hab ich auch noch gefuttert.
Danke Dir.
Hab aber schon 2? Monate trockenes Okular-Lesen hinter mir. Es wurde jetzt auch langsam mal Zeit, dass ich diesbezüglich Land sehe und Entscheidungen treffen kann *schweissabwisch* :giggle:

Zu bestellen brauch ich aber jetzt nix, denn die permanente Wolkendecke wird noch in den Februar hineindauern dieses Jahr und um in den 2 Wochen Rückgabefrist zu bleiben tagsüber Okus zu testen, ist auch wegen der AP nicht gut.
 

b_schaefer

Mitglied
Eine Sache, die mir zunehmend auffällt: Als „Fernglastyp“ stelle ich immer deutlicher fest, dass ich die geringen Vergrößerungen sehr schätze. Natürlich gibt es Ausnahmen, am Mond kann es z.B. kaum zu viel Vergrößerung sein.
Aber Sterne, Asterismen, Sternhaufen dürfen gerne mal was „drumherum“ haben, da schaue ich noch genussvoll mit nur 12-facher Vergrößerung. Optimal finde ich immer häufiger so 20-30-fach.

Und diese Werte sind für mich erstmal unabhängig von der AP, sowie an vielen verschiedenen Geräten gleich. Da akzeptiere ich auch mal den helleren Himmel bei 6mm AP aus der Stadt, einfach weil die Vergrößerung Spaß macht und z.B. die Hyaden oder der Coma-Haufen auch als Haufen erkennbar sind. Und man auch sonst eher ein Erlebnis wie „Sternkarte in echt“ hat, also größere Zusammenhänge auf sich wirken lassen kann.

Die AP gewinnt dann wieder bei den größeren Vergrößerungen: Zum einen hat sich für mich der oft genannte ‚sweet spot‘ um ca. 1mm AP voll bestätigt. Und dann eben das Maximum, wie schon geschrieben irgendwo kurz hinter 0,7mm AP.

Ich habe auch die anfangs angestrebte saubere Staffelung inzwischen fallen gelassen. Die oft empfohlenen ca.1,5x ergäben sonst viel zu viele Zwischenstufen. Ich bin jetzt bei insgesamt 6 Okular(pärch)en gelandet. Das sind größtenteils ca. Verdoppelungen nur an den beiden Enden habe ich die etwa 1,5x.

Das allerwichtigste ist aber die persönliche Kompatibilität der Okulare zum eigenen Gesicht und Sehapparat. Das lässt sich leider nicht vollständig einplanen. Aus diesem Grund habe ich für mein derzeitig Okularset nochmal etwa die gleiche Anzahl an „Fehlversuchen“ gebraucht. Und die ein oder andere Änderung kann sich immer noch ergeben...

Viele Grüße,
Sebastian
 

Antares

Mitglied
Danke Silver,
freut mich wenn etwas zur Erleuchtung beitragen konnte.
Kommt Zeit kommt Okular. Viel Erfolg
CS
 

silver

Mitglied
Sebastian, Deins ist das Doppelfernrohr mit 70mm Öffnung weiss ich noch, aber welche Brennweite hat es noch mal?

Ich bin auch ein Fernglastyp, jedenfalls zZt. Mit wachsendem Interesse am Mond. Daher: zuerst das Ü-Okupaar.

Wegen örtlicher Einschränkung habe ich beim Ü-Paar nun eine spezielle Überlegung einfliessen lassen können, die auch die AP betrifft: AP und Abschattung.
Meine Iris wird ja nie voll dunkel adaptiert. Sie muss wohl lange Zeit, wenn nicht die ganze Zeit bei +-4,x mm gross sein. Sodass 32mm Okus plus Barlow bei 25x mit 4mm eine gleichgrosse AP wie meine Iris ergeben. Und sie deshalb beidäugig unerträgliche Abschattungen hervorrufen. Dasselbe übrigens bei bewölkter Tagbeobachtung und meinem 15-er Paar: 2.3mm AP und nachgemessen gleichgrosser Iris = fürchterliche Abschattungen. Ich wünsch mir dann einen Kopfkäfig. Oder andere Okubrennweite. War Dein negatives Delos-Erlebnis eigentlich auch noch ganz am Anfang oder bei Tag mit gleichgrosser Iris wie AP?

Das grenzt die Ü-Auswahl wunderbar ein: 24mm mit so grossem Gesichtsfeld, wie es diese Brennweite im 1.25" Binoviewer eben zulässt. Der Eye Piece Buyers Guide macht's einfach . Re Gesichtsfeld: hast Du den erklärenden Grundstein mal für gelegt und das hab ich nun auch kapiert.

für mein derzeitig Okularset nochmal etwa die gleiche Anzahl an „Fehlversuchen“
Aus Fehlern wird man klug. Dann hab ich ja was, worauf ich mich freuen kann :giggle:
Wegen 2 falscher Überlegungen hab ich mir zum Testen zwei 25mm Okus 2nd Hand gekauft: Kellner und Ortho. Dachte, deren kleines Gesichtsfeld wär angenehmer für mich, wo ich ja mein Oberkellner mit 12.5x so mochte und vor allem fehl in der Annahme ging, das Beaning bei den 32mm/50* sei Weitwinkel abhängig gewesen - ja, die waren noch nicht mal Weitwinkel, sondern 50* Plossl ^^ *facepalm* - und ich sei für Weitwinkel und Kopf ruhig halten noch nicht erfahren genug.
Die Testokus haben noch keinen Stern gesehen. Waren preiswert und es wird immerhin interessant, sie einäugig vergleichen zu können und zu lernen, was sie speziell tun. Preiswert klug werden macht Freude.

Viele Grüsse
Annette
 

b_schaefer

Mitglied
Hallo Annette,

suchst Du für Deinen 100/500mm ein einzelnes Übersichtsokular oder ein Ü-Pärchen für den Binoviewer?

Dass die 32er am Bino abschatten, könnte doch auch am geringen freien Durchlass liegen, oder? Die haben immerhin ca. 27mm Feldblende und Dein Bino so 20-24mm vielleicht?

Meine 34er (65°) sind auch nicht tiefenentspannt an meinen 30mm Umlenkspiegeln; geschätzte 38mm Feldblende ist eben doch deutlich größer. Einmal probierte 30er APM mit ca. 72° und demzufolge fast gleich großer Feldblende haben hingegen noch gut funktioniert.

Warum die 17,3mm Delos mich so geärgert haben, weiß ich auch nicht. Nur an einer etwaigen AP-Übereinstimmung kann es eigentlich nicht gelegen haben. Das ‚kidney beaning‘ trat auch nachts auf, und da hatte ich sicher mehr als 3mm geöffnete Pupillen. Und tags dann eher kleinere. Ich komme mir da auch langsam komisch vor, weil offenbar bei allen anderen auch diese Delos super funktionieren.

Um es präzise zu machen, ich habe an meinen 71/400mm Röhren folgende Okus:
34mm, 65° (~12x, 6mm AP)
20mm, 82° (20x, ~3,6mm AP)
12,5mm, 84° (32x, ~2mm AP)
6mm, 100° (67x, ~1mm AP)
3,4mm, 60° (~120x, 0,6mm AP)
2,5mm, 82° (160x, 0,44mm AP)*
*) nur für den Mond.

Preiswert klug werden ist natürlich das Optimum. Ich versuche das durch mehrheitlichen Gebrauchtkauf zu realisieren. Das erfordert manchmal Geduld beim Wiederverkauf, dann kommt man halbwegs hin.

Für Dein Bino wäre vielleicht sowas wie das Pärchen 19er Panoptics geeignet, welches hier gerade angeboten wird. 21,3mm Feldblende sollte Dein Bino schaffen und die Panoptics sollen vom Einblick her eher gutmütig ausfallen.

Viele Grüße,
Sebastian
 

silver

Mitglied
weil offenbar bei allen anderen auch diese Delos super funktionieren.
Nee, nicht bei allen. Habe gerade eben irgendwo noch von jemand anders gelesen, der mit den gleichen Okus und auch beidäugig nicht zurecht kam. Entweder war's auf CN oder im Blauen oder hier. Weiss nicht mehr.
AP 3 ... nee. Dann ist das nicht die AP. Sehr interessant... was das wohl dann für ein spezieller Effekt bei mindestens Euch beiden ist?
 

silver

Mitglied
Dass die 32er am Bino abschatten, könnte doch auch am geringen freien Durchlass liegen, oder? Die haben immerhin ca. 27mm Feldblende und Dein Bino so 20-24mm vielleicht?
Der TS-Bino hat 21mm field stop lt Webseite und die Oku-Halter haben 18mm "freien Durchlass" steht da glaubich. Ich nehme an, 18mm ist dann das Mass für eventuelle Abschattungen, oder?
Die 32mm haben nachts gebeant, tagsüber nicht. Tags waren's die 15-er, die aber nachts gut sind. Jedenfalls laut Test-Logbuch :D Ich hab echt Altersdemenz... was ich mir nicht aufschreibe, kullert gleich aus den Ohren wieder raus - aber hierbei bin ich mir jedenfalls sicher. Da ist es dann glaubich auch vertretbar zu sagen: das Beaning kam durch die gleichgrosse Iris und AP.
Jedenfalls, bis noch eine weitere Erklärung auftaucht ^^
Meine 34er (65°) sind auch nicht tiefenentspannt
Au, das ist richtig schade. Vll lohnt es sich, noch mal hinzugucken, wie Du Dich als Teil Deines ganzen Systems aufstellst, wenn sich dadurch ein paar Momente Unentspanntheit vermeiden lassen. Oder sie sind zu gross für Deinen kleinen Pupillenabstand, von dem Du mal schriebst. Bei den Delos steht "Delos eye-lens measures a quite large 35mm in diameter" . Vll ist das Deine persönliche Schmerzgrenze. Wenn's das wär, wär man immerhin klüger, auch wenn man's nicht ändern kann.

Ah, danke, Panoptics, hui! Cool. Aber 400€ gebraucht, kein Rückgaberecht. Nee, dann lieber nicht.
ES 24mm/68* neu 300€ werd ich wohl machen. Die haben laut Buyers Guide einen calculated field stop von 28.5 :D Ich werde berichten, ob ich das merke, sie dann doch zurückgebe und mich ärgere, die Panoptics nicht genommen zu haben.
Aber ihre 43x und 1.6* tFOV als Ü-Oku am Refri gefällt mir nicht sooo gut wie 24/68 mit 33x und 2*.
Kann trotzdem sein, dass es so ein typischer Fehlkauf wird. Yay. Und dann bin ich wieder klüger.

Nach dem Ü-Oku vll ein ca. 8mm, entpricht 5mm-Bino, vll crazy 82* von ES. Ca. 100x am Refri ist bestimmt das Höchste, was hier Sinn macht mit Lichtverschmutzung und tanzenden Doris. Farbe find ich bisher gar nicht schlimm.

Demnäx sieht das bei mir so aus:
ES 24/68* (15mm) , 33x, FOV 2*
TSUWA 15/66* (9.3mm), 53x, FOV 1.2*
TS-FF 12/60* (7.5mm), 66.7x, FOV 0.9*
vll später: ES 8.8/82* (5.5mm), 91x, FOV 0.9*

Viele Grüße
Annette
 

b_schaefer

Mitglied
Hallo Annette,

mir schwante da schon aufziehendes Unheil und ich würde doch an Deiner Stelle nochmal zurück auf Los gehen.

Bino und Übersicht geht sehr oft schief. Ich würde die TS-Angabe von 18mm erstmal tendenziell ernst nehmen, auch wenn Denis Levatic meint, es wären so 21mm freier Durchlass bei diesem Modell. Evtl. hat TS doch andere Blenden drin, um die optische Leistung zu verbessern.

Wenn Du jetzt mit den 32er Plössl am Tage reinschaust, macht Deine Pupille noch eine Blende und das krasse Missverhältnis von Okular-Feldblende und Binodurchlass fällt nicht so auf. Nachts mit geöffneter Pupille schaust Du dann quasi ständig auf den abgeschatteten Bereich und hast kräftige Blackouts. Das wird mit einem Paar ES 24mm 68° höchstwahrscheinlich nicht besser.

Die Frage wäre dann eher, ob sich der GWK irgendwie „einsparen“ lässt. Das Bino hat mit 100mm ja einen recht kurzen Glasweg. Hast Du das Bino auf einem Zenitspiegel? Kann man Deinen Reichfelder etwas kürzen? Manchmal reicht ja schon die Montage einer kurzbauenden Okularklemme.

Aber die freie Öffnung würde ich auf jeden Fall ernster nehmen. Vielleicht kann man hier nochmal nach Erfahrungen fragen, aber eine rechnerische Diskrepanz von 50% mehr Feldblende als freiem Durchlass kann eigentlich nicht funktionieren.

Viele Grüße,
Sebastian
 

Astrozoom GM

Mitglied
Hallo zusammen,

möglicher Weise gehen im Thread einige Begrifflichkeiten, ihre Bedeutung und ihre Auswirkungen in der Praxis durcheinander, was zu Fehlbewertungen der Beobachtungen führt.

Der freie Durchlass des Binoansatzes führt, wenn er enger ist als die Feldblende des Okulars nur zu einer geringeren Ausleuchtung des Feldrandes. Da ist das menschliche Auge extrem tolerant und ausgleichsfähig.

Die Austrittspupille

Link zur Grafik: https://www.astrozoom.de/images/img_1439_gro.jpg
meint zunächst mal hier den runden Lichtklecks den das Okular liefert, an den man mit dem Auge, also mit seiner Pupille (der Eintrittspupille) ran und in den Fokus muss.
Unter der Annahme, dass die die Pupillenöffnung kleiner ist als dieser Lichtklecks trifft man den recht gut und hat auch allein dadurch keine Probleme zu erwarten, weil man ihn nicht mal besonders genau mittig treffen muss. Man kann sogar die Augen wandern lassen. Kein einigermaßen auf Augenweite und Augenabstand eingestelltes 7x50 Fernglas, welches 7,1 mm AP lierfert macht irgendwelche Probleme bei Beobachtungen mit Abschattungen, Kidney-Beaning oder Vignettierung, weder am Tage, noch in der Nacht.
Unter der Annahme, dass wir die Pupille einigermaßen zentriert haben beschneiden wir, wenn wir bei gelieferter AP von 7 mm z.B. mit 4 mm Pupillenöffnung beobachten lediglich die Öffnung. Das bedeutet in erster Linie weniger Licht, wovon es am Mond reichlich gibt, bei DeepSky ist das allerdings ein Nachteil. Das theoretische Auflösungsvermögen der Optik nutzen wir weder bei 7fach mit 50 mm Öffnung noch bei 20fach mit 100 mm Öffnung, da gibt es also keinen Verlust. Man hat sogar einen kleinen Vortel, da es ja bei kleinere Öffung bei der Brennweite des Objektivs bleibt, was z.B. bei Achromaten zumindest in Teilen positive Auswirkungen auf z.B. den Farbfehler hat.
Mit höherer Vergrößerung wird die AP kleiner, passt sich der Irisöffnung an oder unterschreitet sie, wir nutzen dann Öffnung , Licht und entsprechend auch Auflösung aus, alles im grünen Bereich.

Nun kommen wir zum Kidney-Beaning und das ist eine sehr eigenständige Geschichte.
Diese halbmond-/bohnenförmigen Bildausfälle durch Nichteinhaltung der korrekten Beobachtungsposition über dem Okular, über der Austrittspupille ausgelöst.
Dabei sind seitliche Abweichungen bei denen die Pupille nur noch von einem Teil des gelieferten Lichtbündels getroffen wird aber auch schon geringfügig zu geringer Betrachtungsabstand (Augenabstand) die entscheidenen Faktoren. Zu großer Betrachtungsabstand führt zunächst mal nur dazu, dass man das gebotene Gesichtsfeld nicht mehr überblicken kann.

Am Bino-(Ansatz) muss man also sehr auf die Einstellung der Augenweite und auf die Einhaltung des passenden Augenabstandes achten, während man bei der monokularen Beobachtung das Auge möglichst gut über dem Okular zentrieren und den Augenabstand einhalten muss.
Viele Okulare haben z.B. einfach nur zu kurze Augenmuscheln. Das fällt z.B. bei langbrennweitigen Plössls auf, weil da der Augenabstand mit der Brennweite wächst. Ab 9/12 mm wird das richtig angenehm und über 20 mm, spätestens bei 26/30 mm wird das für Viele problematisch.
Ich habe mir z.B. für meine Plössl-Sätze am Binoansatz exakt angepasste Abstandsverlängerungen (aus Plastikröhrchen) mit aufgesetzten Augenmuscheln (mit seitlicher Fahne) gebaut.
Problem gelöst und noch Stör-/Fremdlichteinfall mit erledigt.
So ist dann der Einblick sehr entspannt und eigentlich unproblematischer als bei kurzbrennweitigen Okularen, wo man den kleineren gelieferten Lichtklecks viel genauer und zentrierter treffen muss. Lässt man da das Auge ein wenig wandern schaut man leicht schlicht und ergreifen daran vorbei, sieht nur einen Teil oder streift ihn nur noch.

Der viel besprochene "nervöse" Einblick mit Blackouts und mangelnder, wechselnder Bildschärfe liegt in aller Regel an der fehlenden, mangelhaften, zu knappen Augenauflage, also daran, dass man keinen Halt am/über dem Okular findet.
Dann geht man einfach näher ran, klemmt das Auge an die Muschel.
Böser Fehler, denn nun kommen die sattsam bekannten Kindney-Bohnen ins Bild.

Gruß
Günther
 

silver

Mitglied
Ohje, Sebastian... Dich nehme ich schon ernst, ja.
Die 18mm stehen als freier Durchlass im Oku-Halter, weisst Du? Die Röhre, wo die Okus reinkommen, ist unten schmaler; nämlich 18mm weit.
Generell schreiben Hersteller bei Binoviewern als Feldblende rein, was sie an der Nasen-Öffnung abmessen, die in den OAZ gesteckt wird. Da hat der TS irgendwie 21 oder 23mm, so wie die meisten anderen Modelle auch.
Ich hab's nicht aufgeschrieben, aber ich meine mich zu erinnern, dass das andere, das dejustierte Modell von BST / Arcturus, im Okuhalter unten nicht so eng war wie der TS. Und an der Nase hatte er 1 oder 2 mm laut Hersteller mehr - aber das war schöngeredet, weil nur die Body-Öffnung wirklich grösser war, dafür hing aber ein Schutzglas mit seinem Plastikrahmen darin und nahm so 1-2mm Licht weg.
Will sagen: die Nasenöffnung ist auch keine reale Bezugsgrösse. Und will auch sagen: dass der Oku-Halter bei TS unten so eng wird, scheint mir jedenfalls, und ich denke ja nicht sonderlich logisch in diesen Dingen, die wichtigere Grösse zu sein.
Und wenn ich mich recht erinnere, erweitert Dennis_L auch irgendwas an den Oku-Haltern, wenn er Binoviewer tuned. Er beschränkt seine Lichtweg-Weitungen nicht auf die Nase, der er gern einen T2-Anschluss verpasst.

Ja, T2-Zenitspiegel ist in Verwendung mit einer T2-1.25"-Einsteckhülse.
Wenn Du jetzt mit den 32er Plössl am Tage reinschaust, macht Deine Pupille noch eine Blende und das krasse Missverhältnis von Okular-Feldblende und Binodurchlass fällt nicht so auf. Nachts mit geöffneter Pupille schaust Du dann quasi ständig auf den abgeschatteten Bereich und hast kräftige Blackouts. Das wird mit einem Paar ES 24mm 68° höchstwahrscheinlich nicht besser.
Mist. Das kann gut sein.
Ich hatte ja mal threadweise gefragt, wie schlimm das Vignettierungserlebnis ist, weil es mir im Zusammenhang mit dem 18mm Oku-Halter nicht auffiel.
ich erwartete allerdings als Vignettierung eine gemächliche Bild-Randverdunkelung, die es ZEN-mässig zu tolerieren gilt. Dass das Oku an hellen Objekten dann halt zum Rand hin peu a peu dunkler darstellt.
Wenn Du jetzt so eindringlich wirst, vermute ich, dass Vignettierung gar keine allmähliche Randabdunkelung bedeutet, sondern eine schlagartige Bildabbruchkante?

LG Annette
 

silver

Mitglied
Vielen Dank, Günther.
Sah Deinen Beitrag jetzt erst. Dein Profil stand auf meiner Igno-Liste, mglw. noch von einem Test in meiner Forums-Anfangszeit.

Es tut gut, bei Dir weiss auf schwarz zu lesen, was in meinem Kopf noch etwas verschwommen, aber doch schon sehr ähnlich gedacht wird. Auch mir ist ein zu grosser Augenabstand zu kompliziert zu handeln. Noch k.A. wieviel genau, ich nehme zZt immer "grösser als 16mm" als Totschlagkriterium. Intuitiv ist kein Bezug mehr zum Teleskop da, wenn der Abstand grosser eingehalten werden soll und der Körper schwingt dann unkontrolliert herum.
Lach, *Hand vor die Stirn schlag*, tagsüber mit den 32mm Plossl damals war es wie, wenn man im Museum in eine Ausstellungsvitrine schaut. Das 3D-ähnliche Bild aus dem funktionierenden der beiden BST-Binoviewer, die ich hatte, schien über den Okus zu schweben, während ich gefühlte 30cm weg davon war und es so betrachten konnte. Das war mein erster Binoviewer-Eindruck. Kollossal beeindruckend. Aber vom Augenabstand her dann doch ein No-Go. Lt Hersteller waren das 22.4mm
Für die Idee, mir wie Du ggfs. eine passend-hohe Augenmuschel als Support zu basteln, bin ich sehr dankbar.

JETZT fällt mir auf, dass es dieser Augenabstand und der fehlende, intuitive Kontrollbezug zum Körper gewesen sein kann. Der hat nachts zum unkontrollierten Körperschwingen geführt, was ein Anfänger wohl einfach noch in den Griff kriegen muss. Tagsüber hingegen wird intuitiv anhand von anderen Objekten im Sichtfeld der Körper ruhig gehalten. Nachts ist ausser dem Bild aus dem Oku nichts zur Kontrolle zu sehen, deshalb schwingt der Körper herum. Wie bei Sängern, nach ihrem eigenen Musik- und Lebensgefühl.
Und vom nächtlichen Schwingen stammte das Abdunklen, das Beaning. Nicht von 4.xmm AP = Irisgrösse, sondern vom Verlust des Bildes wegen Bezugslosigkeit. Kann gut sein. Schade, dass ich die nicht mehr habe.

Die ES 24/68* haben einen AA von 18.4; eigentlich Totschlagkriterium. Die Alternative Baader Hyperion 24/68* hat 20mm, noch schlimmer. Aber mit selbstgebastelter Augenmuschel, - eye guard, Augenwächter, sinnige engl. Bezeichnung - und etwas mehr Beobachtungspraxis und bewussterer Körperhaltung ginge das Abstandhalten bestimmt trotzdem.

Die Vignettierungswirkung beschreibst Du ähnlich, wie ich sie mir vorstelle: mit dem Ü-Oku an hellen Objekten wie Mond und Andromeda kann ein allmähliches dunkler Werden zum Rand hin passieren. Ob das stört, ist Frage von Zen.

Weil mir Sebastian schon so oft sehr gut helfen konnte, nehme ich seine eindringliche Warnung bei Oku-Feldblende grösser als ~21mm aber auch ernst.
Womöglich hat er das Vignettieren in seiner Wahrnehmung schon als "vorzeitige Bildabrisskante" inklusive nervigem Beaningeffekt an seinem Doppelbino erlebt?

Dir danke ich total für die Mühe und die freundlichen, umfassenden Erklärungen, die Du hier investiert hast. Das hat mir auch richtig gut geholfen.
LG und CS
Silver
 
Zuletzt bearbeitet:

b_schaefer

Mitglied
Hi Annette,

Günther hat ja recht, ich weiß nur nicht, ab welchem Missverhältnis zwischen Feldblende und freier Öffnung aus der Vignettierung noch was anderes wird. Mindestens ein unscharfer Rand des Gesichtsfeldes entsteht irgendwann. Und ich hatte darüber hinaus auch das Gefühl, dass der Einblick schwieriger wird.

Aber es kann natürlich auch sein, dass bei Deinen 32ern wie bei meisten langen Plössl einfach nur keine gute Abstützung für den langen Pupillenabstand gegeben ist. Ich finde daher die Vixen NPL mit der Hülse zum rausdrehen so angenehm.

Insofern ist auf jeden Fall probieren angesagt. Und evtl. nochmal auf der anderen Seite überlegen, ob der GWK ersetzbar wäre. Siehst Du einfache Möglichkeiten, Deinen Reichfelder zu verkürzen?

Viele Grüße,
Sebastian
 

Antares

Mitglied
Hi Annette,
was beim Einblick mir und auch anderen hilft ist das was Du Bezug zum Körper nennst.
Ich brauche den Kontakt zur Augenmuschel und wenn er nur ganz leicht ist, um die ideale Position zum Einblick zu finden und vor allem auch leicht halten zu können. Ein einfachsten ist es für mich wenn der Kontakt am Augenwulst unter der Braue erfolgt. 15 mm Abstand empfinde ich bei Okularen angenehm, bis 20 komme ich klar und 10 oder weniger ist für mich kaum genussvoll.

Fürs Bino: die 18er die es zum APM 100er ED Bino gibt sind nicht unangenehm und werden hier und da verkauft. Ich habe sie auch und benutze sie auch am Bino mit Freude. Für größere AP aber dann sind wir auch bei größerer Feldblende mag ich am Bino TS NED 25mm, die zum einen das max. Feld für 1,25 haben und durch die drehbare Augenmuschel anpassbar sind. Gibt es in zig Brennweiten. Vllt eine Idee für Dich.
CS
 

silver

Mitglied
Hi Antares,
Am Grossbino oder Bino-Ansatz?
Die Okus haben dann auch so um 28mm Feldblende, nehme ich an. Und: welche Feldblende hat Dein "Bino"?

Bei Sebastians Grossbino mit UMS oder EMS schrieb er:
Meine 34er (65°) sind auch nicht tiefenentspannt an meinen 30mm Umlenkspiegeln; geschätzte 38mm Feldblende ist eben doch deutlich größer. Einmal probierte 30er APM mit ca. 72° und demzufolge fast gleich großer Feldblende haben hingegen noch gut funktioniert.
Was die für Augenabstand hatten, könnte man rauskriegen und schlussfolgern, dass auch das ein Faktor ist für "nicht tiefentspannt", abhängig dann auch vom Bino-Einblickswinkel, 45 Grad, 90 Grad oder irgendwas dazwischen, auf Gabel oder Videoneiger, mit Höhenkurbel am Stativ oder ohne, wo man auch mal keine Lust hat zu kurbeln, wenn das Objekt es eigentlich verlangen würde.

Nachts hat der Körper für seinen eigenen Bildstabilisator keine Bezugspunkte ausser dem Bild aus den Okus - und eben der Körperberührung mit den eye guards.
Stellt Euch mal hin, macht die Augen zu und filmt Euch. Euer Oberkörper schwankt dann, wetten? Das passiert auch nachts. Bin ich sicher. Wenn kein Kontrollfaktor wie intuitive Nähe, am besten noch Körperberührung mit Okus besteht.

Sehr interessant, alles. Und uU teuer, weil ich nicht alles verstehe und dann auch umfassend abrufen kann.
Der Augenabstand und die gebastelte Muschel sind glaubich total wichtig für die Zukunft.

LG Annette
 

silver

Mitglied
Ich finde daher die Vixen NPL mit der Hülse zum rausdrehen so angenehm.
ja, so etwas, genau....

Es kursieren pi-mal-daumen-regeln für Vignettierungswarnungen. Nicht in % sondern in mm ist mir noch was in Erinnerung. Bezogen auf Binoviewer allerdings, nicht allgemein gemeint gewesen. Da hiess es dann, dass man unter 5mm Unterscheid bleiben sollte. Warum - das hab ich vergessen. War "nur" ein Forumsbeitrag auf CN, keine Bibel.

Reichfelder verkürzen bedeutet know-how - aber auch Werkzeug. Werkzeug ist teuer.
DIY-Kenntnisse hab ich nicht. Solche Sachen wie, "wenn man Metall schneidet, muss man die Säge links herum drehen und Jingle Bells singen, weil das Holz sonst ausfasert ", was Leute einfach wissen, die DIY ständig machen. Werkzeugumgang hab ich auch nicht gelernt. Selbst, wenn ich mir Werkzeug kaufte, würde ich wohl 10 Jahre brauchen, bis ich mir nach Anlesen aller möglichen Dinge dann sicher bin, dass ich jetzt endlich verstanden habe, in welcher Hand ich den Hammer am besten halten soll, wenn es Mittwoch ist und es draussen 12 Grad ist.

Was passiert denn, wenn ich den newton Hauptspiegel eines 130mm/650 PDS noch weiter in den Tubus hinein verschiebe, als er eh schon ist, weil er Foto-kompatibel designed wurde? Ich stelle mir vor, das Verschieben ist mit weniger Werkzeug zu machen, als das Abschneiden u. evtl. neuen OAZ kaufen/anbringen für den Refri. Das Verschieben-Projekt dauert dann vll nur 5 Jahre.

grmpf.
 

Astrozoom GM

Mitglied
Hallo nochmal,

für meinen Binioansatz kann ich keinen Unterschied zwischen Tages- oder Nachtbeobachtung machen, ich brauche beides gleich gut.
Im Bild ein Bekannter, der sehr entspannt, weil eben vom Einblick her sehr exakt "geführt" beobachtet.

Link zur Grafik: https://www.astrozoom.de/images/PICS/Markus.JPG

Der Fernrohrtyp ist da völlig unerheblich, wichtig ist die Augenauflage und in dem Fall ganz besonders die völlige Ausschaltung von Störlichteinfall zwischen Okular und Auge (auch durch die seitlichen Fahnen), hier

Link zur Grafik: https://www.astrozoom.de/images/Tubusverlngerung-8-zoll--043.jpg

nochmal an einem anderen Teleskop und ohne Beobachter. Bei genauem Hinsehen kann man auch den großen Abstand zwischen Okularaugenlinse und Augenauflage erkennen. das ist zu einem Teil auch der Tatsache geschuldet, dass ich am Newton vor dem Binoansatz eine komakorrigierende 2,7er Düring-Barlow als GWK (Glaswegkorrektor) betreibe, da diese Barlow in etwa den "Glasweg" des Binoansatzes ohnehin als Arbeitsabstand benötigt. Durch den Einsatz der Barlow wird der Augenabstand von Okularen noch ein wenig länger, der Einblick noch kritischer.

Im Bild sind übrigens 30 Vixen NPL (Plössl) bei denen ich die wulstigen, verstellbaren Plastikanbauten zugunsten der gezeigten Lösung entfernt habe, weil sie mich (meine Nase) störten und keinen optimalen Störlichtschutz boten. Der ist mir, zumindest am Tage, aber extrem wichtig, weil ein guter Teil des Beobachtungserfolges genau daran hängt.
Der Kauf der Okulare erfolgte eben wegen der Einstellbarkeit des Abstandes der Augenmuscheln das hat aber dann doch nicht so gut wie gedacht funktioniert.

Bei Weitfeld, also Deep-Sky wird das für mich dann schon etwas unergiebig mit so einem kleinen Binoansatz, gerade an gängigen Öffnungen.
Großfeldbinos sollten da wegen des größeren Durchlasses deutliche Vorteile haben.

Gruß
Günther
 
Zuletzt bearbeitet:

silver

Mitglied
Ach, ich bin irgendwie lächerlich mit meinem Zweifler-Tum. Weg ist die Can-Do-Attitude, die noch vor 6-7 Jahren normal war.

Die Welt geht nicht unter, wenn die 24/68 wegen 28.5mm Feldblende Blackouts verursachen. Ich bestell die halt so, dass ich mir innerhalb der deutschen Rückgabefrist 2 sternklarer Nächte sicher sein kann.
Die 12.5x ohne Binoviewer waren göttlich im 40mm Oberkellner. Aber wer weiss, wie göttlich erst die ES 24/68 sein werden... *träum* die Chance besteht ja auch, nech. Ich werde der Chance halt eine Chance geben einzutreten. Machen andere Leute auch und haben keine Angst vor Fehlern durch Unwissen.
Fertig.
:)
 

arago

Mitglied
Hallo Freunde

Kleine Infos zu Binos:

Das kleine Bino von TS hat am Okularstutzen einen Durchmesser von 18MM. Das reicht um einen Bildkreis von bis zu 23MM auszuleuchten. Darüber hinaus bleibt alles Schwarz. Mit dem Max Bright Bino Ansatz, der nicht mehr lieferbar ist kommt man 1-3MM weiter also 24-26MM. Den vollen Durchmesser der mit 1 1/4" noch möglich ist also 27-max.29MM erreicht man nur mit einem Großfeldbino von Zeiss, Denkmeier oder Televue. Der Feldgewinn mit den etwas größeren Binos ist damit durch aus sichtbar.

Den küzesten Lichtweg erreicht man mit:

1.
Steckülse-Prisma-Maxbright Binokular 148MM Lichtweg oder
Zenitspiel-Maxbright Binokular ca. 150MM Lichtweg

2.
Steckülse-Prisma-Schnellwechsler-Großfeldbino ca. 147MM Lichtweg

3.
Standart 1 1/4" Zenitspiegel-low cost-Bino ca. mindestens 164-170MM Lichtweg ( Die 1 1/4"-Steckhülse am Bino beansprucht hier 28-30MM Lichtweg! )

Der Lichtweg läst sich noch durch einen Glaswegkorrektor reduzieren jedoch nur auf kosten des maximalen Gesichtsfeld ( das wird kleiner ) da damit die Systhembrennweite verlängert wird!

Des weiteren eine kleine Info zu den Steckmaßen:

Der Flaschenhals beim 1 1/4" Steckmaß ist der enge Durchlass von 28MM ( Kerndurchmesser vom Filtergewinde M28,5X0,5 )

Bei 1 1/4" lassen sich folgende scheinbare Gesichtsfelder/Brennweiten realisieren

100° 13MM Feldblende 22,3MM
82° 16MM Fb. 22.1MM
70° 23MM Fb. 27MM
68° 24MM Fb. 27,2MM
60°ca.26MM Fb. 27MM
52° 32MM Fb. 27MM
46° 35MM Fb. 29MM??? ( Da habe ich andere Erfahrungen gesammelt )
42° 40MM Fb. 27MM

Ohne Not sollte man nicht auf 2"-Okulare verzichten.
Ein 24MM Okular mit 82° hat eine Feldblende von 33,5MM das ist schon einiges mehr als ein 24er Panoptik oder 24er ES 68° her gibt. Und 100°-Okulare ab 14MM sind nur ab 2" aufwärts zu realisieren!

Gruß

Peter
 
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Demokrat

Mitglied
Die Welt geht nicht unter, wenn die 24/68 wegen 28.5mm Feldblende Blackouts verursachen. Ich bestell die halt so, dass ich mir innerhalb der deutschen Rückgabefrist 2 sternklarer Nächte sicher sein kann.
Perfekt - ich hab ja auch 24mm 68° Panoptics - sozusagen das Standard-Okular für Ü und Sternfelder. Brauch man sowieso, ob einzeln oder doppelt. Und: eigene Erfahrung ist durch nix zu ersetzen. Und kostet Geld, klar, außer, man kanns wo ausleihen. :coffee:

lg
Niki
 
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