Okularschlitten realisieren

Rainer_S

Mitglied
Liebe Astrofreunde,
für die Beobachtung mit Bino an meinem geplanten 12“/f5 Newton liebäugle ich mit dem Bau eines (hochwertigen) Okularschlittens. Fast alles, was ich im Internet dazu gefunden habe, ist sehr alt und Links führen meistens in die Irre. Ich würde mich sehr über funktionstüchige Links und eure Anregungen zur Realisierung freuen.

Grüße - Rainer
 
Hm, bist Du sicher das Du dann erprobte Auszüge irgendwie preislich unterbieten könntest?
Spätestens beim Untersetzungsgetriebe für die Feinfokussierung brauchst Du eher einen Uhrmacher..

Ich hab eine relativ gut ausgestatte Werkstatt (4Achsen Fräse, Cnc Drehbank, 3DDruck, Eloxierstrasse, etc) aber einen OAZ selberbauen würde mir nicht in den Sinn kommen, weil der Fertigungsaufwand schlicht und ergreifend zu hoch ist.
Einen OAZ in der Qualität eines Feathertouch würde ich vermutlich gar nicht erreichen.

Ich baue gerade einen Truss der als einziges Kaufteil den OAZ beinhaltet.
Die Losmandyschiene fräse ich auch selber, die Preise sind schlicht und ergreifend eine Frechheit, aber einen Auszug? Da sehe ich keinen Sinn darin.

Bitte verstehe mich nicht falsch, aber wenn man von Fertigern abhängig ist kann man sich in der Baugruppenfertigung keine Fehler leisten.

Ich werde dennoch den Thread verfolgen, vielleicht ergeben sich ja noch andere Ideen.
 
Okularschlitten.JPG
 
Hallo Rainer,

in den 1980ern gab es eine Selbstbauanleitung für einen Newton von der Wilhelm-Förster-Sternwarte in Berlin. Da ist ein einfacher Okularschlitten realisiert. Wenn es dich interessiert, kann ich dir das schicken oder hier einstellen.

CS Gerhard
 
Hier ein Schlitten auf fast Crayford Basis - V-förmig angeordnete Kugellager gegen
Edelstahlwelle auf der einen, Kunststoff U-Form auf der anderen Seite als Gegenlager.
Beste Grüße, Joachim
 
Für meinen 6"/f4 ist dieser Schlitten fotografisch im Einsatz. Da ein Coma Corrector notwendig ist,
bringt der Okularschlitten hier kaum Vorteile - ein OAZ lässt sich so modifizieren dass der Korrektor im
unteren Teil des OAZ eingesetzt wird und damit der Fokus über Tubus nur geringfügig höher ist als beim
Okularschlitten. Für 12" fotografisch ( DS ) würde ich keinen OK - Schlitten verwenden, da eine stabile
Fokuslage kaum zu realisieren ist. ( Verbiegungen )
Beste Grüße, Joachim
P2010096.JPG
 
Hallo Forum,
ich klink mich mal einfach hier ein:
Wofür benötigt man einen Okularschlitten?
Wenn ich mir die Bilder ansehe, dann lässt sich damit der Okularstutzen seitlich verschieben.
Wozu soll das gut sein?
Vielleicht kann mich jemand entsprechend aufklären, denn das Teil kannte ich bisher noch nicht.

Viele Grüße
Egbert
 
Hallo Egbert,

du siehst mich erstaunt. So exotisch sind Okularschlitten nun auch nicht. Es gab auch Newton o.ä., die vom Werk her mit einem Okularschlitten ausgestattet waren (z.B. Vixen Newton und Celestron Comet Catcher in den 1980ern.)

Beim Okularschlitten werden der Okularstutzen und der Fangspiegel gemeinsam bewegt.
Vorteil: Es bewegt sich kein Okularrohr quer zur Fernrohrachse. Bei einigen Newton ragt das ganz eingefahrene Okularrohr in den Strahlengang. Will man das nicht, braucht man mehr backfocus und einen größeren Fangspiegel oder muss sich mit einem kurzen möglichen Fokussierweg begnügen.
Nachteil: Der Okularschlitten muss ordentlich konstruiert sein. Sonst droht Streulicht einzudringen. Außerdem muss so justiert werden, dass sich der Fangspiegel genau auf der optischen Achse des Hauptspiegels bewegt; bei einem seitlichen Okularauszug bleibt der Fangspiegel an Ort und Stelle.

Allgemein mag ich euch ermutigen, sich etwas mehr mit optischen Grundlagen der verschiedenen Instrumente zu beschäftigen!

CS Gerhard
 
Hallo Gerhard,

vielen Dank für Deine Erklärung!
Ich habe zwar kein Newton-Teleskop, kann mir vielleicht deshalb das Ganze nicht vorstellen.
"Okularstutzen und Fangspiegel werden gemeinsam bewegt" , d.h. beide sind fest verbunden u. der Fangspiegel ist nicht mit der "Spinne" montiert?
Ich bin seit 20 Jahren dabei, habe von dieser Thematik aber noch kein einziges Mal etwas gehört - so verbreitet kann dies nicht sein.
Aber vielleicht komme ich noch dahinter.

Viele Grüße
Egbert
 
"Okularstutzen und Fangspiegel werden gemeinsam bewegt" , d.h. beide sind fest verbunden u. der Fangspiegel ist nicht mit der "Spinne" montiert?
Ich bin seit 20 Jahren dabei, habe von dieser Thematik aber noch kein einziges Mal etwas gehört - so verbreitet kann dies nicht sein.
Aber vielleicht komme ich noch dahinter.

Viele Grüße
Egbert
Hi,
Das Foto von Beitrag #11 zeigt eigentlich klar die Funktionsweise. ;)
 
Ich war ja mit meiner Annahme einen OAZ bauen zu wollen gehörig daneben, dafür entschuldige ich mich.

Dennoch erschließt sich mir der Sinn nicht, ich habe einen Arm der den Sekundärspiegel hält, der natürlich stabiler ausfallen muss weil ich mit einem Arm einen Hebelarm habe der ansonsten mit gegenseitiger Verpannung von 3 oder 4 Spinnenarmen neutralisiert wird.
Ferner würden mich fotografisch 2 Spikes überhaupt nicht zusagen, gut in dem Fall sind wir visuell unterwegs…
Gewichtsvorteil kann es auch keinen geben, der gesamte Aufbau ist sicher genauso schwer wie ein Diamondtrack oder ähnliche.

Wie gesagt, mir ist das auch neu, vielleicht erbarmt sich jemand und zählt mal ein paar schlagkräftige Argumente auf, die einen solchen mechanischen Aufwand rechtfertigen.

Wenn dann würde ich die Schlittenachse nicht frei hängend ausführen, sondern eine gestützte Welle nehmen und dann bestimmt kein Alurohr sondern eine geschliffene Silberstahlwelle die entsprechend eng toleriert ist.

Die üblichen Lagerungen die man so in Ebay usw. kaufen kann sind jedenfalls keine Wunderwerke.

Wenn ich so etwas an einem präzisen optischen Instrument realisieren würde dann wäre meine allererste Adresse Misumi oder Schneeberger. Kostet halt.
 
Hallo,

der wesentliche Vorteil eines Okularschlittens gegenüber einem klassischen Okularauszug ist die geringe Bauhöhe. Dadurch kann die Fokusposition nur minimal außerhalb des Tubus liegen und dadurch bei gleicher Ausleuchtung ein kleinerer Fangspiegel verwendet werden. Weniger Obstruktion des Fangspiegels verbessert den Kontrast.
Aber: wie bereits oben erwähnt sind die dünnen Fangspiegelstreben gegenüber einem relativ dicken einzelnen Arm beim Okularschlitten hinsichtlich Kontrast wieder überlegen. Wenn man dann noch einen curved spider nimmt, reduziert sich der Kontrastverlust durch die Streben an hellen Objekten nochmal etwas.

Ich hatte mal die Gelegenheit mit einem 18 Zoll Newton mit einem sehr kleinen Fangspiegel und Okularschlitten Jupiter zu beobachten, das war schon sehr eindrucksvoll. Dieser Newton war ein Selbstbau aus den 80er Jahren. Zu dieser Zeit waren einfachste Zahn&Trieb Okularauszüge mit Gleitlagern Standard. Zeiss setzte auf schwere Helicalauszüge und präzise gefrästes Alu war noch Hochtechnologie und ein C14 ein exotisches Gerät für eine gut situierte Volkssternwarte. An so etwas wie einen modernen Feathertouch mit Micountersetzung und Motorsteuerung war noch nicht zu denken.

Dem gegenüber war es vermutlich doch einfacher mit Amateurmitteln einen halbwegs spielfreien Okularschlitten zu bauen. Durch die Vixen R Newtons in 5 und 6 Zoll war die Bauweise mit dem Schlitten sogar einige Zeit (90er) recht populär.

Man muss also immer die Zeit sehen, bzw. was kommerziell es an Alternativen gab und gibt.

cs Alex
 
Zumindest visuell finde ich die Kineoptics Auszüge interessant - ich hatte einen an einem auf Obstruktion und Gewicht optimierten 10 Zoll Truss Newton.
Fotografisch und mit einem Bino kann man damit aber nichts anfangen.

Helicalauszüge bauen auch sehr kurz uns sind recht günstig, dafür ist aber der Fokusweg meistens sehr gering. Ich hatte einen Antares an einem 8 Zoll Kugeldobson.

An meinem aktuellen Dobson habe ich das Starlight/Televue SIPS System, extrem gut aber mittlerweile auch unverschämt teuer.

Siehe auch hier: Newtonparade

cs Alex
 
Danke nochmal, da bleibt es wohl, zumindest für mich, beim OAZ, der Newton wird ausschließlich fotografisch verwendet und wird mit einem ZWO EAF bewegt.
 
Hallo Freunde

Hier mal eine kleine Anregung zum Thema Schlittenfokussierer. Der Schlitten wird hier auf zwei hartanodisierten Rundstangen mit "Iglidur-Lagerbuchsen" geführt. Die exakte Ausrichtung und Führung zur optischen Achse / Tubusachse ist hier absolut kein Problem.

Wenn man dann noch einen curved spider nimmt, reduziert sich der Kontrastverlust durch die Streben an hellen Objekten nochmal etwas.
Das ist so nicht ganz richtig. Mit einem "curved spider" wird das Licht aus der unerwünschten Lichtbeugung nicht reduziert sondern auf den Himmelshintergrund "verschmiert". Mit einer einzigen Strebe bleibt das Beugungslicht am geringsten. Man kann aber auch am Schlittenfokussierer zwei Fangspiegelstreben in 90°-V-Anordnung oder in einem Halbrund ausführen. Dann behält man im ersten Fall das "Lichtkreuz" wie gewohnt aber in halbierter Stärke und im zweiten Fall wird das Beugungslicht wieder entsprechend verschmiert. Mit einer einzelnen, geraden, zwei mm breiten Sterbe neigt die Spiegel aber gelegentlich schon mal zu zittern.

Auch hierzu wieder eine kleine Info in Sachen unerwünschter Lichtbeugung. Besonders "erhellend" sind hier die vier Bilder 10 / 11 / 12 und 13!

Viel Spaß beim lesen!

Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Wer eine mechanische Herausforderung sucht, kann ja den gesamten Tubus zwischen Fangspiegel und Hauptspiegel teilen und verschiebbar machen. Damit entfallen dann auch die aufgeführten Probleme vom Okularschlitten.

Ist aber wohl so aufwändig, dass es noch niemand versucht hat, oder?

Gruß, Peter
 
Vor allem hast Du da eine richtige Herausforderung das der Tubus sich nicht biegt. ;)
Was noch ginge wäre HS verschieben wie bei einem Mak, aber die Mechanik so zu synchronisieren das es beim verschieben kaum Spiegelshifting gibt, ist ebenfalls nicht gerade ein Selbstläufer.
 
Liebe Astrofreunde,

schön dass sich um das Thema Okularschlitten mal wieder ein Thread entwickelt hat; endlich, zwei Wochen nach dem Start zeige ich hier einen ersten Entwurf zu meinen Überlegungen, denn zeitlich bin ich stark eingeschränkt. Die Fotomontage zeigt deutlich das Backfokus-Sparpotential durch einen Okularschlitten, das Bino kann so bis an das Tubusrohr herangebracht werden. Bei dieser niedrigen Anordnung besteht aber Gefahr durch Streulicht. Überhaupt möchte ich in Kürze einen Thread in der Rubrik „Teleskop-Optik“ starten zum Thema „Mit schneller Optik in’s Bino = kleines Bildfeld?“ (oder so). Weiterhin suche ich noch das Tubusrohr, vorzugsweise aus HGW2085.

Die Basis des Okularschlittens besteht aus zwei miteinander verklebten, einfach gekanteten 2 mm dicken Alublechen. Die Schenkel sind dadurch ausreichend flexibel um Fluchtungsfehler für die Führungswellen auszugleichen, durch die Aufdoppelung ist die Basis aber steif genug um das Bino zu tragen. Der Hub von 60mm langt mir aus, das Gewicht beträgt 930g ohne Fangspiegelhalter, Schrauben und Bino.

Längsführung: Linearlager mit Flansch auf 8mm Stahlwelle (z.B. dold-mechatronik.de).
Antrieb: Trapezgewinde Ø8 mm – Steigung 2 mm (noch selbsthemmend?; z.B. 3d-druckershop.com).

Ich würde mich sehr über Kommentare zu meinem Entwurf freuen.

Grüße - Rainer
 

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